Every Thing Will Be Fine

Every Thing Will Be Fine (2015), Deutschland / Kanada / Frankreich
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

Every Thing Will Be Fine Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Ein Winterabend. Eine Landstraße. Es schneit, die Sicht ist schlecht. Aus dem Nichts kommt ein Schlitten einen Hügel herunter geglitten. Eine Vollbremsung, der Wagen kommt zum Stand. Stille. Den Schriftsteller Tomas trifft keine Schuld an diesem tragischen Unfall, ebenso wie den kleinen Christopher, der besser auf seinen Bruder hätte aufpassen können, oder Kate, die Mutter der beiden, die die Kinder früher hätte ins Haus rufen sollen ...
Tomas fällt in ein tiefes Loch. Die Beziehung zu seiner Freundin Sara zerbricht an der Belastung. Tomas rettet sich in sein Schreiben. Aber darf er dazu Erfahrungen verarbeiten, die das Leiden anderer einbeziehen? Der Film folgt seinem Versuch, dem Leben wieder einen Sinn zu geben und eine eigene Familie aufzubauen. Genau so folgt er auch Kate und Christopher, bis der 17 Jahre alt ist und sich entschließt, diesen Fremden wiederzusehen, den er nur einmal, an jenem verhängnisvollen Abend, getroffen hat ...

„Every Thing Will Be Fine“ erzählt auf vorsichtige und genaue Weise von Schuld und der Suche nach Vergebung, und davon, dass es nicht die Zeit ist, die Wunden heilt, sondern vor allem der Mut, sich zu stellen. Und sich selbst zu verzeihen.
Nach einem Originaldrehbuch des Norwegers Bjørn Olaf Johannessen dreht Wim Wenders nach seinem erfolgreichen Tanzfilm „Pina“ erneut in 3-D und erkundet die Entwicklung dreidimensionaler Ausdrucksmöglichkeiten erstmals in einem intimen Drama.


Rachel McAdams, James Franco und Charlotte Gainsbourg | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Every Thing Will Be Fine

Blu-ray
Every Thing Will Be Fine Every Thing Will Be Fine
Blu-ray Start:
15.10.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 119 min.
Every Thing Will Be Fine (3D Blu-ray) Every Thing Will Be Fine (3D Blu-ray)
Blu-ray Start:
15.10.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 119 min.
DVD
Every Thing Will Be Fine Every Thing Will Be Fine
DVD Start:
15.10.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 114 min.

Filmkritik Every Thing Will Be Fine

Filmwertung: | 6/10


Nur ein einziger Moment kann das Leben für immer verändern. Eine kleine Unachtsamkeit kann dafür sorgen, dass das bekannte Leben für immer endet und einem neuen Platz macht. Wim Wenders nutzt solch einen Moment in seinem Drama „Every Thing will be fine“, um gleich mehrere Menschen in ein persönliches und traumatisches Dilemma zu stürzen.

Als Schriftsteller Tomas (James Franco) bei Eis und Schnee einen kleinen Jungen überfährt, der unerwartet mit seinem Schlitten die Straße passiert, schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. Die Polizei gibt dem Unglücksfahrer keine Schuld und selbst Kate, die Mutter (Charlotte Gainsbourg) des toten Jungen, macht ihn nicht verantwortlich. Während Kate um ihren Sohn trauert und in ein anfängliches Loch stürzt, verfällt Tomas in Depressionen. Im Laufe der Zeit lernt Kate jedoch ihren Verlust zu überwinden. Tomas hingegen bleibt in seiner Schuld stecken. Er selbst macht sich für den Unfall verantwortlich und sieht bald keinen Ausweg mehr. Nach einem missglückten Selbstmordversuch zerbricht seine ohnehin angeschlagene Beziehung mit seiner Freundin Sara (Rachel McAdams). Der Schriftsteller flüchtet sich in seine Arbeit und schreibt seinen besten Roman. Als er zwei Jahre später den Mut fasst, die Familie des verunglückten Jungen zu besuchen, beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt.

Wim Wenders begleitet den Schriftsteller über einen Zeitraum von zwölf Jahren und bebildert in ruhigen Bildern dessen Heilungsprozess und die Verarbeitung des traumatischen Erlebnisses. In beeindruckenden Szenen nimmt der Zuschauer Anteil an dem inneren Gedankenprozess der Hauptfigur. Kleine Gesten und Blicke vermögen dabei mehr zu sagen als 1000 Worte. Stilisiert durch den 3D-Effekt scheint der Zuschauer den Figuren in wenigen Szenen noch näher zu kommen. Die Einsamkeit wirkt nahezu erdrückend und wird schmerzhaft greifbar. Das reduzierte Tempo der einfach gestalteten Geschichte lässt genügend Raum für Selbstinterpretationen und Reflexionen über das Leben, das in einem winzigen Moment zerstört werden kann. James Franco, der normalerweise in heiteren Filmen wie „Das ist das Ende“ mit ausgelassener Fröhlichkeit unterhält, offenbart in Wenders Drama eine völlig andere Seite seiner Persönlichkeit. Ernsthaft, zurückgenommen und auf ein Minimum reduziert bringt Franco das Dasein eines depressiven Mannes auf die Kinoleinwand, der die Vergangenheit kaum zu überwältigen vermag. Selbst in Szenen des scheinbar glücklichen Lebens mit der neuen Familie, braucht es nur einen Moment und eine kurze Erinnerung, um erneut von der erdrückenden Vergangenheit zu Fall gebracht zu werden. Untermalt von der kraftvollen Musik von Oscar-Preisträger Alexandre Desplat wird dem Drama eine zusätzliche Schwere verliehen, der sich das Publikum nicht entziehen kann.

Das Drehbuch des Norwegers Bjørn Olaf Johannessen vereint die Thematik des tragischen Unfalls mit dem Umgang dessen. Während sich Kate über einen Zeitraum von zwölf Jahren ihrer Kunst widmet und sich mit jeder Zeichnung zurück in ihr Leben kämpft, nutzt Tomas das Erlebnis für seinen Roman, der ihm ein finanziell abgesichertes Leben beschert. Die konstant ruhige Gestaltung, mit der Wenders das Seelenheil seiner Protagonisten in Szene setzt, wirkt auf die gesamte Laufzeit des Films erdrückend. Kaum ein lichter Moment wird dem Zuschauer geboten, der einen Hoffnungsschimmer am Horizont erkennen lässt. Während Charlotte Gainsbourg („Nymphomaniac“) sich für die Zukunft öffnet und gewillt ist, die Vergangenheit ruhen zu lassen, bleibt James Franco in seiner Rolle des schweigsamen Liebhabers stecken, der sich von dem Leben absondert und seine Gefühlswelt vor seinen Mitmenschen zu verschließen weiß.

Wim Wenders hat mit seinem letzten Werk das Drama nicht neu erfunden. In gewohnter Art und Weise präsentiert er dem Publikum erneut einen schweigsamen Helden, der bis zum Ende des Films ein Mysterium bleibt. Getragen von den künstlich anmutenden Bildern verliert sich das Drama in ruhigen Sequenzen, die selbst in glücklichen Momenten nicht durchbrochen werden können. Der Zuschauer folgt den erdrückenden Bildern, die zum Reflektieren anleiten. Und dennoch verlässt man ernüchtert das Kino, lediglich mit dem Gewissen, das im nächsten Moment alles anders werden könnte.


Fazit:
Wim Wenders präsentiert mit „Every Thing will be fine“ ein intensives Drama über Geschichten, die das Leben schreibt. Die Erkundung des heilenden Seelenfriedens wird in erdrückenden Bildern eingefangen, die das Publikum vollends einnehmen, es jedoch mit einem ernüchternden Gefühl entlassen.
by

Bilder © Warner Bros.