Erschütternde Wahrheit

Concussion (2015), Großbritannien / Australien / USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Special Interest
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

Erschütternde Wahrheit Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

ERSCHÜTTERNDE WAHRHEIT erzählt die unglaubliche, aber wahre Geschichte von Dr. Bennet Omalu. Mit einer aufsehenerregenden medizinischen Entdeckung provoziert der brillant von Will Smith gespielte Arzt eine Multi-Milliarden Dollar schwere Institution und macht sie sich zum Feind. Der spannende Film zeigt seinen mutigen Kampf, die skandalöse Wahrheit, die viele mächtige Leute am liebsten vertuschen würden, ans Licht zu bringen. Dabei prallen die Gier einer ganzen Industrie und Omalus persönliches Verantwortungsbewusstsein aufeinander. Die Folge sind Verschwörungen und Verleumdungen, gegen die sich Omalu zur Wehr setzen muss. Doch so leicht lässt sich der zu allem entschlossene Außenseiter nicht einschüchtern und mundtot machen...

Will Smith, Alec Baldwin und Gugu Mbatha-Raw | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Erschütternde Wahrheit

Blu-ray
Erschütternde Wahrheit Erschütternde Wahrheit
Blu-ray Start:
30.06.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 123 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Erschütternde Wahrheit Erschütternde Wahrheit
DVD Start:
30.06.2016
FSK: 12 - Laufzeit: 118 min.

Filmkritik Erschütternde Wahrheit

Filmwertung: | 8/10


Football ist der beliebteste Sport in den USA und bekommt in Deutschland ebenfalls immer mehr Aufmerksamkeit. Für viele Amerikaner ist Football fast eine Art unantastbares Kulturgut. Für Pathologe Dr. Bennet Omalu gilt dies nicht. Der Arzt nigerianischer Abstammung erkennt die lebensgefährlichen Folgen des Sports, die weit über gewöhnliche Gehirnerschütterungen hinausgehen. Erschütternde Wahrheit SzenenbildDiese Erkenntnisse publik zu machen und die erschütternde Wahrheit über den Sport – so auch der deutsche Titel des Films – der Bevölkerung zu verdeutlichen, ist kein risikofreies Ziel. Denn hinter dem Sport steckt mit der NFL, der National Football League, eine mächtige Institution, die alles daran setzt, rufschädigende Dinge aus der Welt zu schaffen. Der Film, der auf wahren Begebenheiten beruht, thematisiert diesen Machtkampf zwischen der großen NFL und dem genialen Mediziner äußerst unterhaltsam und spannend. Denn Erschütternde Wahrheit ist letzten Endes ein schönes und beeindruckendes Drama geworden.

Den Kern des Films bildet eindeutig Hauptdarsteller Will Smith. Seine Karriere erhielt vor wenigen Jahren eine große Delle nach dem desaströsen After Earth. Sehr genervt war das Publikum außerdem von seinem Sohn Jaden Smith. Folglich erhielt Will Smith die Goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller und teilte sich eine weitere mit seinem Sohn als schlechtestes Leinwandpaar in After Earth. Doch Will Smith kann auch anders. Das bewies er in Michael Manns Biopic Ali, in dem Will Smith Jahrhundertboxer Muhammad Ali verkörpert und seine erste Oscarnominierung erhielt oder im rührenden Film Das Streben nach Glück, wofür er bereits seine 2. Oscarnominierung bekam. Dass es für seine Rolle als Dr. Bennet Omalu nicht zu einer 3. Oscarnominierung reichte, sondern „nur“ für eine Golden Globe-Nominierung als bester Hauptdarsteller in der Drama-Sparte, lag nicht an der Qualität seiner Performance, sondern vielmehr an der äußerst harten Konkurrenz um Leonardo DiCaprio und Michael Fassbender. Denn Will Smith spielt hier seit gefühlt einer Ewigkeit wieder ganz groß auf. Für die Rolle des Bennet Omalu war der durch die Sitcom „Der Prinz von Bel-Air“ bekannt gewordene Will Smith die richtige Wahl. Dr. Omalu ist ein liebenswerter, hilfsbereiter und unglaublicher netter Mensch. Smith bringt diese Eigenschaften und die gewisse Sensibilität, welcher dieser Charakter besitzt, mit seiner Mimik äußerst präzise und authentisch vor der Kamera rüber. Der Zuschauer spürt seinen unbändigen Willen die Wahrheit ans Licht zu bringen. Denn Will Smith strahlt jene Verletzlichkeit vor allem mit seinen Augen in beeindruckender Form aus. Um seine Figur und sein Schauspiel noch glaubwürdiger wirken zu lassen, eignete sich Will Smith einen nigerianischen Akzent an. Dies mag für den einen oder anderen Muttersprachler der englischen Sprache womöglich etwas aufgesetzt wirken, doch für das deutsche Publikum wird dies sicherlich natürlicher klingen. Hier muss man aber anmerken, dass der nigerianische Akzent in der deutschen Synchronisation wegfällt. Denn sein Stamm-Synchronsprecher Jan Odle synchronisiert hier im akzentfreien Deutsch Will Smith. Erschütternde Wahrheit SzenenbildAußerdem lässt sich sagen, dass der Zuschauer, vor allem aufgrund der wirklich rührenden Performance von Will Smith, von Beginn an mit Dr. Bennett Omalu mitfiebert. Wenn Dr. Bennet Omalu verzweifelt ist oder trauert, dann lässt das den Zuschauer nicht kalt. Dies ist einer der ganz großen Stärken des Films.

Zu Will Smith gesellen sich noch Albert Brooks (Drive, A Most Violent Year, Taxi Driver) und Alec Baldwin (Departed, Still Alice, Aviator). Beide ergänzen die Hauptfigur wirklich effizient und fügen sich sehr stark in die Handlung ein. Vor allem Alec Baldwin, der als ehemaliger Mannschaftsarzt eines Football-Teams Omalu in seinem Unterfangen unterstützt, liefert wieder einmal als Nebendarsteller eine souveräne Performance ab. In den letzten Jahren hatte er kaum eine Hauptrolle übernommen. In Blue Jasmine spielte er den Ehemann von Cate Blanchetts Figur. Im letztjährigen Still Alice war er als fürsorglicher Mann an der Seite von Julianne Moore zu sehen. Auch im 5.Teil der Mission Impossible Reihe war er als CIA-Chef zu sehen. In keinem der Filme stand er im Mittelpunkt, doch überzeugte jedes Mal, wie auch in diesem Film, mit sehr bodenständigem und realistischem Schauspiel.

Das Drehbuch ist grundsätzlich spannend aufgebaut. Es gibt prinzipiell zahlreiche gute Dialoge und interessante Szenen, die zum Teil äußerst dramatisch sind. Doch hier muss man Abzüge machen. Denn mit einer Lauflänge von 123 Minuten hat Erschütternde Wahrheit die eine oder andere Länge. Teilweise gibt es lange Szenen mit bedeutungsschwangeren Dialogen über Gott und Amerika, die künstlich versuchen eine weitere charakterliche Tiefe bzw. noch mehr Niveau zu erzeugen. Dies ist jedoch völlig unnötig und bremst vielmehr den Handlungsverlauf. Regisseur Peter Landesmann wollte zu viel und versuchte hiermit seinen Film verzweifelt zu einem richtigen Oscar-Kandidaten zu machen und scheiterte dabei. Zudem verpasste er einen richtigen Schlusspunkt zu setzen. Der Film hätte an diversen Stellen enden können, ging jedoch immer weiter und weiter. Erschütternde Wahrheit SzenenbildDoch es sind keine schmerzhafte Schwächen und schließlich eher zu verzeihen.

Denn der Film hat neben dem Schauspiel viele Stärken. Auf viel medizinisches Fach-Chinesisch wird verzichtet. Vieles wird dem Zuschauer sehr gut veranschaulicht. Man bekommt eine äußerst brisante Perspektive auf einen Sport, der Millionen Zuschauer fasziniert und jedes Wochenende begeistert. Landesmann erschuf hier einen wichtigen und zugleich interessanten Film, der nachdenklich macht, obwohl man mit dem Sport selbst womöglich nie in Kontakt tritt. Erschütternde Wahrheit zeigt die Sachlage auch aus der Perspektive der NFL-Verantwortlichen und versucht dem Zuschauer zu verdeutlichen, weswegen Omalus Erkenntnisse über die von ihm entdeckte Krankheit CTE – ein Hirntrauma, welches durch das Footballspielen entsteht – für die NFL so schädlich sein können. Es gibt zum Teil äußerst emotionale Szenen von leidenden Ex-Footballspielern, die aufgrund der Degenerationen im Hirn kein normales Leben mehr führen können. Einer dieser Football-Spieler wird von David Morse (The Green Mile, The Hurt Locker, Disturbia) herausragend verkörpert. Es ist schließlich ein sehr vielschichtiger Film, der die Perspektive jedes Beteiligten aufzeigt.


Fazit:
Interessantes und spannendes Drama über den Machtkampf zwischen einem brillanten Mediziner und der mächtigen NFL, das den Zuschauer auf hohem Niveau unterhält und informiert. Trotz diverser Längen und zum Teil unnötig hochtönenden Dialogen, bleibt Erschütternde Wahrheit ein starker Streifen, der zudem einen groß aufspielenden Will Smith hat, der seit Langem wieder vollends überzeugen kann.
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Bilder © Sony Pictures