Genug gesagt

Enough Said (2013), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: 20th Century Fox

Genug gesagt Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Eva (Julia Louis-Dreyfus) ist geschieden und alleinerziehende Mutter einer Tochter, deren Weggang ans College bevorsteht, was Eva zu schaffen macht. Wenigstens ihre Arbeit als Masseurin lenkt sie ab, bis sie den lustigen und sympathischen Albert (James Gandolfini) kennenlernt, der ebenfalls allein lebt und ihr wie ein Gleichgesinnter erscheint. Zwischen beiden beginnt eine wunderbare Romanze.
Parallel freundet sich Eva mit Marianne (Catherine Keener), einer ihrer neuen Klientinnen, an, die eine begnadete Dichterin ist, aber etwas zu viel über ihren Ex-Mann herzieht. Als Eva die Wahrheit über Mariannes Ex erfährt, beginnt sie ihre Beziehung zu Albert, die anfangs so perfekt schien, anzuzweifeln….


James Gandolfini, Toni Collette und Catherine Keener | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Genug gesagt

Blu-ray
Genug gesagt Genug gesagt
Blu-ray Start:
18.04.2014
FSK: 6 - Laufzeit: 93 min.
DVD
Genug gesagt Genug gesagt
DVD Start:
18.04.2014
FSK: 6 - Laufzeit: 89 min.

Filmkritik Genug gesagt

Filmwertung: | 7/10


Am 19. Juni dieses Jahres ist der durch die Serie "Die Sopranos" und viele Kinofilme berühmt gewordene amerikanische Schauspieler James Gandolfini im Alter von 51 Jahren während eines Kurzurlaubs in Rom an einem Herzinfarkt gestorben. Drei Tage später wollte er zum Taormina Film Fest nach Sizilien reisen, um dort eine Auszeichnung entgegen zu nehmen. Sein 13-jähriger Sohn fand ihn nach einer Sightseeingtour bei starker Hitze bewusstlos im Badezimmer. Gandolfinis vorletzter Film "Enough Said" startet am 19. Dezember in unseren Kinos.

In der von diesem Unglücksfall überschatteten Komödie erleben wir die geschiedene alleinerziehende Mutter Eva (Julia Louis-Dreyfus), die als selbständige Masseurin arbeitet und eigentlich ein gutes Leben führt. Auf einer Gartenparty lernt sie den ebenfalls geschiedenen Albert (James Gandolfini) kennen und nach einigen gemeinsamen Dates stellen beide fest, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen. Während sich zwischen Eva und Albert eine romantische Beziehung entwickelt, freundet sich Eva zudem mit der Künstlerin Marianne (Catherine Keener) an, die sich als neue Kundin von ihr massieren lässt. Da beide Frauen scheidungserfahren sind, verstehen sie sich prächtig, doch bald stellt sich heraus, dass Marianne zufällig Alberts Ex-Ehefrau ist. Fortan erfährt Eva von diversen Eigenheiten ihres neuen Freundes, die ihr bislang in der ersten Verliebtheit noch gar nicht aufgefallen waren, was schließlich Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Albert und Eva hat.

Die amerikanische Regisseurin Nicole Holofcener, die schon mit der Komödie "Freunde mit Geld" mit Jennifer Aniston auf sich aufmerksam machte, liefert mit "Genug gesagt" nun eine romantische Komödie mit Starbesetzung ab. An der Seite des großen James Gandolfini erleben wir die den Freunden der US-Sitcom-Serie "Seinfeld" bestens bekannte Julia Louis-Dreyfus, die vielen hierzulande noch kein Begriff sein wird, in den USA aber eine preisgekrönte Comedian ist. In der Rolle der nonchalanten und leicht herablassenden Dichterin Marianne bekommen wir Catherine Keener zu sehen und Evas Freundin Sarah spielt Toni Collette. James Gandolfini verkörpert Albert als einen Menschen mit vielen Fehlern, der aber ein ehrlicher, entspannter, verschmitzter, lustiger Kerl ist und das Herz des Kinobesuchers problemlos gewinnen kann. Es zeugt von einer gewissen Ironie des Schicksals, dass in der Rolle des Albert immer wieder sein etwas ungesunder Ernährungsstil thematisiert wurde, der ja augenscheinlich einen reellen Bezug hatte.

Nicole Holofcener ist es hervorragend gelungen, all die emotionalen Verwirrungen, Selbsttäuschungen, Unsicherheiten und fehlgeleiteten Entscheidungen darzustellen, die scheidungserfahrene Frauen wohl so umtreiben können, wobei man ihr auch ihre große Erfahrung mit der Klientel aus Santa Monica und Umgebung mit den typischen in den entsprechenden Häusern lebenden Charakteren, deren Kleidung und Dekorationen anmerkt. Der Zuschauer erwartet ein Gagfeuerwerk der wirklich lustigen Julia Louis-Dreyfus im Gespann mit Gandolfini, doch die Infiltrierung Evas mit den subjektiv betrachtet negativen Eigenschaften Alberts von seiner Ex treibt die Story in eine tragische Richtung, wobei man unbewusst nun erst recht noch weniger möchte, dass der Figur Gandolfinis so übel mitgespielt wird. Die ganze Sprengkraft besteht darin, dass man sich in einen Menschen verliebt und ihn positiv wahrnimmt, während man undercover erfährt, dass dieser Mensch langfristig gesehen ein No Go ist und man möchte Eva dann zurufen, dass nicht jeder Deckel gleich gut auf einen Topf passt, doch die treibt als gebranntes Kind nur die Angst um, schon wieder eine Niete gezogen zu haben. Holofcener beweist erneut, dass sie eine Expertin für Komödien ist, allerdings eher von dieser Sorte, die auch schon mal schmerzliche Lebensrealitäten offenbaren. Applaus für Gandolfini, der sich als armes Dickerchen Albert hier von seiner fehlmanipulierten verunsicherten großen Liebe Eva beim Dinner mit Freunden bis an die Schmerzgrenze vorführen lassen muss. Ein letztes Mal werden wir ihn im kommenden Jahr in dem Film "Animal Rescue" mit Noomi Rapace auf der Kinoleinwand erleben können.

"Genug gesagt" ist eine zu Herzen gehende Komödie über die Unsicherheiten von Geschiedenen, aus Angst vor weiteren Enttäuschungen, Fehler zu machen. Keinen Fehler macht man, wenn man das Risiko eines Kinobesuchs eingeht, der dann auch wie eine kleine Kondolenz ist.
by André Scheede

Bilder © 20th Century Fox