Encanto

Encanto (2021), USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Animation / Abenteuer / Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Walt Disney

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Inhalt

Die Madrigals sind eine ungewöhnliche Familie, die tief versteckt in den Bergen Kolumbiens an einem wundersamen, verzauberten Ort namens „Encanto“ leben. Die Magie des „Encanto“ hat jedes Kind der Familie mit einer einzigartigen Gabe gesegnet, von Superkräften bis hin zur Kraft des Heilens – jedes Kind hat eine besondere Fähigkeit. Jedes Kind außer Mirabel. Doch als sie herausfindet, dass ihr geliebtes Encanto in Gefahr ist, wird Mirabel bewusst, dass sie allein die letzte Hoffnung für ihre außergewöhnliche Familie und ihr wunderbares Zuhause sein könnte...



Encanto - Trailer




Filmkritik Encanto

Filmwertung: | 4/10


Im Jahre 1937 erschien der erste Disney Film im deutschen Kino und Dieser startete damit ein ganz neues Genre. Eines, das sie tatkräftig mit ebneten und wo sie für Vieles verantwortlich sind. Sie schafften mit ihrem Mut für neue Ideen sehr viele Preise zu gewinnen und sich eine große Fangemeinde anzulegen. Besonders die Jahre 1989 bis 1999 waren für sie sehr relevant und sind vielen Kinogängern im Gedächtnis geblieben. Es war etwas Besonderes, den einen Disneyfilm des Jahres zu sehen und sich mit seiner Familie, seinen Freunden, Klassenkameraden oder Arbeitskollegen darüber auszutauschen. Seitdem sich jedoch die Technik weiterentwickelt hat und nun schon jede zweite Woche ein solcher Film herauskommt, ist es sehr viel schwerer der Eine zu bleiben und das Haus der Maus steht dabei auch leider nicht immer für die beste Qualität. Zwar für eine stets wirklich sehr hohe Animationsstärke, an der nie etwas auszusetzen ist, doch hier und da gibt es sogar bei ihnen die Filme, die sichtlich für Geld erschaffen wurden & Standardware und Fließbandproduktionen sind.

Szene aus Encanto
Szene aus Encanto © Disney
Genauso wirkte im Vorfeld auch dieser 60. Film. Es fehlte dem Trailer an wirklich neuen Ideen, einer neuen Geschichte und um ehrlich zu sein auch neuen Gesichtern. Wir bekommen zwar in diesem Film zahlreiche Figuren vorgesetzt und doch wirkte das alles viel zu sehr vertraut und nicht so originell wie sonst von ihnen gewohnt. Zudem haben sie nun nach „Küss den Frosch“, „Rapunzel – Neu Verföhnt“, „Baymax“, „Die Eiskönigin 1+2“, „Vaiana“, „Raya“, „Oben“, „Merida“, „Alles steht Kopf“, „Coco“, „Die Unglaublichen 2“, „Soul“ und „Luca“ den 14. Film innerhalb von 12 Jahren, wo Menschen vorkommen und eine wichtige Rolle spielen. Dabei ist es zwar schön zu sehen, dass das Studio das kann und die Meisten dieser Filme haben auch wirklich großen Spaß gemacht, aber es fehlt ihnen an der Vielfalt, wieso sie überhaupt erst zu dem wurden, was sie nun sind. Diesen Punkt könnte man zwar auch bei den anderen dreizehn Filmen anmerken, doch hier fällt es gefühlt nochmal stärker ins Gewicht.

Disney typisch gibt es hier vor nämlich auch den klassischen Kurzfilm und dieser konnte tatsächlich einen mehr berühren, als es der Langfilm mit mehr Zeit geschafft hat. Bei diesem Film folgt man einem jungen Waschbären beim Erwachsenwerden und baut zu ihm eine bessere Verbindung auf als mit den menschlichen Figuren bei „Encanto“. Er fällt an so vielen Punkten negativ auf und es ist schade zu sehen, dass sie sich mit diesem Jubiläum keinen großen Gefallen tun. Wer jedoch den Trailer mochte und sich genau auf diese Art und Weise einstellen kann und möchte, wird auch genau das bekommen. Wer jedoch mehr will, wird definitiv enttäuscht. Ist er demnach wirklich so schlecht? Nein. Er weiß nur nicht sein Potenzial richtig einzusetzen und das liegt nicht unbedingt nur an ihm. Bei Disney Produktionen hat man nämlich steht’s eine so hohe Erwartungshaltung, dass nicht jeder Film die hohe Messlatte erreichen kann. Für andere Studios wäre dies schon eine hohe Qualität, weil man einfach Anderes erwartet. Aber für einen Disneyfilm hätte es mehr sein dürfen und müssen.

Szene aus Encanto
Szene aus Encanto © Disney
Dieser Film lebt dabei von seiner Aufmachung und den perfekt gewählten bunten Farben. Eine Stärke, die Disney immer wieder weiß einzusetzen und es gibt nicht einen einzigen Animations- oder Zeichentrickfilm des Studios, der irgendwie negativ auffällt. So ist es eigentlich kein großes Wunder, dass die Animation auch hier wieder wunderbar funktioniert und sie auf dem höchsten Level stattfindet. Durch die ganzen besonderen Gaben dieser Familie kann dieser Film nämlich nach Lust und Laune mit seinen Farben und Formen alles Mögliche gestalten. So bunt ist selten ein Disneyfilm zuvor gewesen und bunt wäre wohl auch das Wort, mit dem man diesen Film am besten zusammenfassen könnte. Es macht Spaß an so vielen Stellen zu erforschen, was es für verschiedene Gaben gibt und wie diese sich präsentieren. Auch die Zimmer der jeweiligen Madrigals sind sehr detailreich erstellt und ähneln sich in neinsterweise. So kann man sich auch dabei eigenes anschauen und genau deswegen drei Punkten ist es wieder einmal schön, dass es dieses Genre gibt. Man kann mit der Protagonistin zudem sehr viel besser mitfühlen, als man es nach den Trailern hätte vermuten können. Sie wird einem zwar nicht so lieb wie andere Disney Prinzessinnen und ihre Probleme sind schon oft dagewesen, doch für diesen Film ist das noch immer sehr stimmig.

Beim Schauen dieses Films wird schnell klar, wer eigentlich die Zielgruppe ist und dies sind vorallem Kolumbianer. Menschen, die vielleicht ähnlich großen Familien, ähnliche Farben, Feste und Tiere haben. Menschen, die Vieles davon kennen und sich nun freuen dürfen, dass auch sie endlich Figuren haben, mit denen sie sich identifizieren können. Damit schafft zwar Disney auf wirtschaftlicher Sicht gesehen einen Markt mehr für sich zu interessieren und mehr Umsatz zu erwirtschaften. Doch besonders für die besagten Menschen kann man sich als Zuschauer freuen und es ist schön, dass es in den Filmen nicht nur um weiße Amerikaner geht, sondern das Studio dabei immer mehr Offenheit präsentiert und auch mal untypischere Märkte in den Mittelpunkt stellt. Lin Manuel Miranda kann den Film zudem sehr gut mit seiner Musik untermalen. Er ist aktuell sehr gefragt und weiß immer abzuliefern. Er hat einige tolle Stücke in dieser Produktion und doch wirkte auch das schonmal besser. Es gelingt dem Film nämlich nicht aus der Masse hervorzustechen und er hat nicht das eine besondere Merkmal, warum man ihn nicht verpassen sollte. Es fehlt ihm an einem hervorstechenden Antagonisten, der hier auch auf der bösen Seite etwas abliefert.

Szene aus Encanto
Szene aus Encanto © Disney
Doch auch die letzten Studioproduktionen besaßen eigentlich keinen besonderen Schurken und der letzte nennenswerte war 2010. Doch auch Mutter Gothel oder auch 2009 Dr. Facilier waren nicht so ikonisch und böse, wie in 90ern ein Scar, eine Ursula, ein Hades oder auch ein Gaston. Es ist fast so, als würde man den jüngeren Zuschauern diese Art von Schurke nicht mehr richtig zutrauen und wäre sich unsicher, mit ihnen so umzugehen wie noch vor knapp 30 Jahren. Natürlich hat sich seitdem auch beim Publikum einiges getan, doch eine wirkliche Bedrohung hätte dieser Film gebraucht. Auf der anderen Seite fehlt es ihm aber auch leider an einem wirklichen Humor. Es gibt zwar Witze, doch diese zünden so gut wie nie. Es gibt einfach zu viele Figuren, die der Film krampfhaft versucht zu verbinden und dabei hätte auch die Hälfte für diese Geschichte vollkommen ausgereicht und bei den emotionalen Punkten fehlt einfach jede Form von Bindung. Man ist zu sehr Zuschauer als Mitfühler.

Fazit:
Encanto ist ein bunter Familienfilm, der von seiner Fassade wirklich nett wirkt und den man sich gut anschauen kann. Im Inneren ist dies jedoch ein Disneyfilm, der an allen möglichen Punkten auf Sparflamme brennt. Es fehlt ihm an einer wirklich eigenen Handschrift und an Gründen, wieso man ihn schauen sollte und nicht in zwei Wochen den nächsten Animationsfilm. Disney ist ein Name, der einst etwas Magisches ausstrahlte und es wäre schade, wenn er diese Magie verlieren würde. Dafür ist es wichtig sich auch mal etwas mehr zu trauen und nicht nur auf Menschen zu setzen, sondern auch auf etwas Besonderes, auf das man vielleicht als Publikum nie gekommen wäre. Sie gelten als kreative Köpfe und das können sie gerne wieder mehr werden. So hat der Film leider seine Chance verpasst.
by Peter Brauer

Bilder © Walt Disney


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