Elliot, der Drache

Pete's Dragon (2016), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Familie / Fantasy / Abenteuer
Kinostart Deutschland: - Verleih: Walt Disney

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Elliot, der Drache Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Seit Jahren erfreut Holzschnitzer Mr. Meacham (Robert Redford) die Kinder aus der Nachbarschaft mit Geschichten über einen wilden Drachen, der in den tiefen Wäldern des Pazifischen Nordwestens lebt. Für seine Tochter Grace, Försterin in der Umgebung, waren diese Geschichten nie mehr als Legenden, bis sie den Jungen Pete (Oakes Fegley) kennenlernt... Der mysteriöse Zehnjährige hat weder Familie noch ein Zuhause und behauptet, zusammen mit einem gigantischen grünen Drachen namens Elliot in den Wäldern zu leben. Auf wundersame Weise hat das Wesen aus Petes Beschreibungen große Ähnlichkeit mit dem Drachen aus Mr. Meachams Geschichten. Zusammen mit der elfjährigen Natalie (Oona Laurence), der Tochter von Sägewerkbesitzer Jack (Wes Bentley), macht es sich Grace zur Aufgabe, Petes Herkunft und das Geheimnis seines Drachens zu lüften...

Bryce Dallas Howard, Oakes Fegley und Robert Redford | mehr Cast & Crew


Elliot, der Drache - Trailer




DVD und Blu-ray | Elliot, der Drache

Blu-ray
Elliot, der Drache Elliot, der Drache
Blu-ray Start:
05.01.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 103 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Elliot, der Drache Elliot, der Drache
DVD Start:
05.01.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 99 min.

Filmkritik Elliot, der Drache

Filmwertung: | 9/10


„Elliot, das Schmunzelmonster“ ist für viele ein Kindheitsklassiker, der nostalgische und warme Erinnerungen hervorruft – auch wenn der Disneyfilm bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1977 gerade bei der Kritik wenig gut ankam. Im Rahmen von Disneys Remake-Welle blieb auch Elliot nicht außen vor und erhält eine Neuninterpretation, wie auch schon zuletzt „Das Dschungelbuch“, „Cinderella“, „Alice im Wunderland“ oder demnächst sogar „Mary Poppins“. Elliot, der Drache SzenenbildMit „Elliot, der Drache“ verhält es sich jedoch erfreulicherweise ganz anders als mit den zuvor genannten Filmen, denn mit dem Original teilt die Neuauflage lediglich den Titel und leichte inhaltliche Ähnlichkeiten. Hinzu kommt, dass man mit David Lowery eine sehr originelle Besetzung für den Regiestuhl gewinnen konnte. Lowery inszeniert hier nach dem lyrisch-elegischen und gefeierten Independent-Filmkunstwerk „Ain’t Them Bodies Saints“ erst seinen zweiten Spielfilm. Ihm gelingt es seine originelle und leicht erkennbare Handschrift ohne Studio-Einmischung auf diese Großproduktion anzuwenden. Heraus gekommen ist eine der großen angenehmen Überraschungen des Kinojahres, ein ungewöhnlich ruhiger, warmer, magischer und wunderbar altmodischer Familienfilm, der fernab von jedem Zynismus existiert, ohne aber je in sentimentale Rührseligkeit abzustürzen.

„Elliot, der Drache“ spielt zu einer undefinierten Zeit in und um das fiktive Örtchen Millhaven, das irgendwo im ländlichen Nordwesten Amerikas liegt. Zu Beginn des Films reist der vierjährige Pete (Oakes Fegley) mit seinen Eltern durch das Land, als es zu einem tragischen Autounfall kommt, den Pete als Einziger überlebt. Im Wald trifft er auf einen riesigen grünen, pelzigen und friedliebenden Drachen, den er wegen einem Kinderbuch, das er bei sich trägt, Elliot tauft. Sechs Jahre später lebt Pete immer noch mit seinem nun besten und einzigen Freund Elliot im Wald. Seine friedliche und unbekümmerte Existenz in der Wildnis wird gestört, als Pete bei Baumrodungsarbeiten von Natalie (Oona Lawrence), der Tochter von Jack (Wes Bentley), dem Besitzer des örtlichen Sägewerks entdeckt wird. Jacks Frau Grace (Bryce Dallas Howard), die als Försterin arbeitet und Jacks Arbeiten im Wald nicht unterstützt, ist sofort vom mysteriösen Pete fasziniert, ebenso wie die örtliche Polizei um Sheriff Dentler (Isaiah Whitlock Jr.), die den scheinbar familienlosen Jungen zuzuordnen versucht. Dann wäre da natürlich noch die unglaubliche Geschichte von Elliot, dessen Legende einst schon Graces Großvater (Robert Redford) weitergetragen hat. Elliot, der Drache SzenenbildIhm ist der Drache in seiner Kindheit als einzigem auch begegnet und es soll nicht lange dauern, bis auch andere an die Existenz des grünen Fabelwesens glauben…

Von der ersten Sekunde an fühlt man sich in Lowerys Film wohl und gut aufgehoben. Bojan Bazellis warme, erdige und sonnendurchflutete Bilder wirken wie aus einer anderen Zeit und entwickeln mit Lowerys ruhigem und zart-wehmütigem Erzählton einen echten Zauber. „Elliot, der Drache“ legt sich so wie eine warme Decke um den Zuschauer und scheint zu versprechen, dass alles gut wird. In Lowerys Welt wirkt nichts falsch oder unecht, er fängt die Natur mit ihren gigantischen in die Höhe ragenden Bäumen mit großen, ehrfürchtigen und kindlichen Augen ein, zelebriert sie regelrecht. Er erzeugt eine wunderbar altmodische und warmherzige Americana-Atmosphäre, ein magisches Idyll, das sich mit all seinen präzise eingefangenen Tönen und Texturen angenehm vertraut und wohlig anfühlt. Alles strahlt hier eine handgemachte Aura aus, die dem Film eine greifbare Qualität verleiht. Nur der Drache ist eine Schöpfung aus dem Computer, jedoch vergisst man das sehr schnell. Elliot wird nahtlos in seine reale Umwelt integriert und wirkt wie ein echtes, glaubhaftes Geschöpf. Gestaltungstechnisch ist er schlichtweg ein Triumph, man möchte diesen liebenswürdigen Drachen mit den ausdrucksstarken Augen, der sich gerne verhält wie ein gigantischer und etwas tollpatschiger Hund, einfach nur knuddeln.

Elliot, der Drache Szenenbild Bei den anfänglichen Szenen, die die verspielte und liebevolle Beziehung zwischen Pete und Elliot in großartigen entfesselten Bildern darstellt, empfindet man einfach nur ein Gefühl von überwältigender Größe und unendlicher Freiheit. Hier wird kaum ein Wort gesprochen, ein Gefühl für Kameradschaft, Abenteuer und unendliche kindliche Vorstellungskraft wird erschaffen. Die recht sparsam eingesetzten und damit umso effektvolleren Flugszenen sind spektakulär und mitreißend inszeniert und rauben einem schlichtweg den Atem. Elliots wuchtige Größe wird erstaunlich spürbar, etwa wenn er durchs Wasser planscht oder der Waldboden durch seine Landung erschüttert wird. Durch die fortwährend detailreiche und nahtlose Interaktion mit seiner Umwelt ist diese künstlich erzeugte Kreatur völlig glaubwürdig und überaus liebenswürdig geraten.

Mit Petes Entdeckung und der Konfrontation mit der Zivilisation entwickelt der Film überraschende Parallelen zum diesjährigen mehrfach Oscar-nominierten Drama „Raum“ – zu viel sollte an dieser Stelle jedoch nicht verraten werden. „Elliot, der Drache“ erreicht jedenfalls stellenweise ähnliche emotionale Höhen, ohne jedoch zu dramatisch zu werden. Berührende und erhebende Momente, die auch die eine oder andere Träne hervorrufen können, gibt es aber einige. Schöne humorvolle Augenblicke, gerade durch Elliots manchmal etwas ungelenkes Verhalten, gehören aber genauso zum Film. „Elliot, der Drache“ ist auch deshalb ein so angenehmer Gegenentwurf zum gängigen Bombast-Kino, da er eine betont einfache und zurückhaltende Geschichte erzählt und nicht am großen Spektakel interessiert ist – auch wenn das Finale nicht ganz ohne seine obligatorischen Actionmomente auskommt. Elliot, der Drache SzenenbildSubtile inhaltliche wie stilistische Parallelen sind auch mit dem modernen Familienfilmklassiker „E.T.“, „Der schwarze Hengst“ oder Brad Birds immer noch unterschätztem Animationsfilm „Der Gigant aus dem All“ zu erkennen. In „Elliot, der Drache“ geht es ebenfalls um eine ungewöhnliche und tiefe Freundschaft, aber auch um Zugehörigkeit, Familie und den kindlichen Verstand und Entdeckerdrang. Lowery inszeniert das mit großer Aufrichtigkeit und Einfühlsamkeit, was durchaus gelegentlich Parallelen zu Steven Spielbergs Gespür für Magie, Vorstellungskraft und Staunen aufweist.

„Elliot, der Drache“ ist ein kleines Wunder, denn in einem Jahr, in dem so viele große Filme scheinbar mehr von einem Komitee als einem Regisseur mit klarer Vision gemacht wurden, bildet David Lowery eine überaus angenehme und seltene Ausnahme. Seine Stimme, die er mit „Ain’t Them Bodies Saints“ so eindrucksvoll zum Ausdruck bringen konnte, wurde hier völlig erhalten und in einen magischen und völlig Zynismus-freien Film geführt, der für Menschen jeden Alters eine große, beruhige und reinigende Empfehlung sein sollte.


Fazit:
„Elliot, der Drache“ ist ein emotional aufrichtiges, berührendes und erhebendes Abenteuer mit ganz viel Seele, das große Themen unkompliziert und mit feiner Zärtlichkeit behandelt und dabei ganz viel Magie und Liebe ausstrahlt. Damit gelang David Lowery eine der großen Kino-Überraschungen des Jahres, die sich junge und junggebliebene Träumer nicht entgehen lassen sollten.
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Bilder © Walt Disney