El Clan

El Clan (2015), Argentinien / Spanien
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Prokino Filmverleih GmbH

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El Clan Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Argentinien in den frühen 80ern. Die Puccios leben in einem gutbürgerlichen Stadtteil in Buenos Aires, nach außen wirken sie wie eine ganz normale Großfamilie. Doch der Schein trügt. Im Verborgenen führt Patriarch Arquímedes Puccio (Guillermo Francella) mit harter Hand die dunklen Geschäfte der Familie: Kidnapping, Lösegelderpressung, Mord. Er ist es, der alle Operationen plant und umsetzt. Dafür braucht er vor allem die bedingungslose Unterstützung seines ältesten Sohnes Alejandro (Peter Lanzani), der für ihn geeignete Opfer ausfindig macht. Als Star-Spieler der Rugby-Nationalmannschaft ist Alejandro durch seine Berühmtheit über jeden Verdacht erhaben und somit das ideale Werkzeug. Doch als Alejandro sich verliebt und das grausame Familienbusiness in Frage stellt, kommt es zu einer gefährlichen Zerreißprobe zwischen Vater und Sohn... | mehr Wissenswertes zum Film

Guillermo Francella, Peter Lanzani und Lili Popovich | mehr Cast & Crew


El Clan - Trailer




DVD und Blu-ray | El Clan

Blu-ray
El Clan El Clan
Blu-ray Start:
15.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 109 min.
DVD
El Clan El Clan
DVD Start:
15.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 105 min.

Filmkritik El Clan

Filmwertung: | 8/10


Mit El Clan kommt ein ganz besonderer Mafia-Film in die Kinos. Der argentinische Spielfilm, der auf wahren Begebenheiten basiert und der erfolgreichste Film 2015 in Argentinien wurde, handelt von den Verbrechen der Puccio-Familie in den 80er in Buenos Aires. Arquímedes, Anführer des Clans und Familienvater, organisierte mit Kollegen und der Unterstützung seines ältesten Sohnes mehrere Entführungen und forderten Unmengen an Lösegeld. El Clan thematisiert diese kuriosen aber brutalen Geschehnisse auf eine äußerst spannende und gleichzeitig ruhige Art.

El Clan Szenenbild El Clan gehört zwar dem Genre des Gangsterfilms an, doch ein klassischer Mafia-Film ist das nicht. Hier gibt es keine Darstellung von Luxus. Vielmehr ist alles sehr alltäglich gehalten. Es ist ein recht gewöhnliches Einfamilienhaus. Die Mutter ist Lehrerin, der Sohn spielt sehr erfolgreich Rugby, der Vater hilft den Töchtern bei den Hausaufgaben. Es scheint alles wie ein normales Familienleben. Auch darüber hinaus ist der Film nicht mit den herkömmlichen Mafia-Filmen zu vergleichen. Wilde Schießereien mit Maschinengewehren oder große Schlägereien gibt es nicht. Es wird alles sehr ruhig und gemächlich erzählt. Was im ersten Moment vielleicht für den einen oder anderen fast etwas langweilig klingt, ist in Wahrheit jedoch ein äußerst interessanter Streifen. Der Film hat zwei ganz große Stärken. Zum einen wäre die Inszenierung der Entführungsszenen zu nennen. Wie genau diese ablaufen, wird nicht beschrieben, doch technisch sind sie besonders gelungen umgesetzt. Jede Entführungsszene ist praktisch eine lange Plansequenz. Die Kamera bleibt die ganze Zeit bei den Protagonisten ohne jeglichen Schnitt. Es kommt das Gefühl auf, dass man selber bei diesen Entführungen dabei ist. So ist die Kamera oft auch auf der Rückbank des Autos, was praktisch den Zuschauer selbst zu einem Insassen macht. Dies trägt zu einer sehr realistischen Darstellung bei und erzeugt eine ganz besondere Atmosphäre.

Die zweite Größe Stärke des Films ist die Performance des Vaters und Anführers des Clans. Ohne groß emotional zu werden oder gar auszurasten, was beispielsweise ein Denzel Washington in Perfektion beherrscht (siehe American Gangster oder Training Day), bleibt Schauspieler Guillermo Francella - wie auch allgemein die Tonalität des Films – meist sehr ruhig, strahlt aber gleichzeitig eine unheimliche Aura aus und wirkt immer bedrohlich. Er dominiert praktisch jede Szene mit seiner Präsenz und seinem Charisma. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Francella hier eine sehr besondere Leistung bietet. Auch die restliche Besetzung ist durch die Bank äußerst überzeugend. El Clan SzenenbildDas Zusammenspiel innerhalb der Familie und besonders zwischen Vater und Sohn ist stets stimmig und glaubhaft.

Besonders auffallend ist der Soundtrack des Films. Dieser ist nicht wie man zunächst vermutet südamerikanisch angehaucht. Vielmehr wird hier mehr klassische Pop/Rock- Musik aus Amerika und Europa gesetzt. Diese untermalen nicht passend die gezeigten Bilder, sondern stehen vielmehr als Kontrast zum Geschehen da. Schlussendlich hat El Clan eine äußerst erzählenswerte Geschichte, die vor allem am Ende so unglaublich und verrückt erscheint, dass man kaum glauben kann, dass dies alles wirklich geschah. Wirkliche Schwächen weist der Film nicht auf. Dennoch ist El Clan nicht das große Meisterwerk, das eine sehr hohe Bewertung verdient hätte. Dafür ist der Film vielleicht stellenweise dann doch zu langsam und brav. Zwar war dies der argentinische Kandidat für einen Oscar, doch für eine Nominierung reichte es leider nicht. Verdient wäre sie aber gewesen.


Fazit:
Ruhiger aber äußerst packender argentinischer Film mit einem hervorragenden Hauptdarsteller, sehr guter Kameraarbeit und einer verrückten aber wahren Geschichte für den sich der Kauf des Kinotickets definitiv lohnt.
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Bilder © Prokino Filmverleih GmbH


Info und Wissenswertes zum Film

WAS WURDE AUS DEN ECHTEN PUCCIOS?

Alex überlebte seinen Selbstmordversuch und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Vereinskameraden kämpften noch jahrelang für seine Unschuld. Mónica besuchte ihn im Gefängnis, bis sie auf seine Bitten hin nicht mehr kam. Er versuchte mehrmals vergeblich, sich das Leben zu nehmen. Alex starb 2008 in Alter von 49 Jahren.

Maguila saß zwei Jahre ohne Urteil im Gefängnis und wurde schließlich entlassen. 1998 wurde er zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, doch er konnte fliehen. Es wird vermutet, dass er sich in Neuseeland, Australien und Brasilien aufhielt. 2014 beantragte er vor Gericht die Löschung seiner Strafe. Dem Antrag wurde stattgegeben.

Epifanía wurde 1987 entlassen und blieb aus Mangel an Beweisen auf freiem Fuß.

Silvia kam nach kurzer Zeit frei. Sie starb mit 52 Jahren an Krebs.

Adriana kam in die Obhut ihrer Tante und lebte später wieder bei ihrer Mutter.

Guillermo wurde mit den Taten nicht in Verbindung gebracht. Sein Verbleib ist unbekannt.

Arquímedes Puccio wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis studierte er Jura. Nach seiner Entlassung 2008 arbeitete er als Anwalt. Bis zu seinem Tod mit 84 Jahren leugnete er jede Beteiligung. Niemand wollte sich seiner sterblichen Überreste annehmen. Er wurde anonym bestattet.