Ein Gauner und Gentleman

The Old Man & the Gun (2018), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Komödie / Krimi / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: DCM

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Ein Gauner und Gentleman Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Dem in die Jahre gekommenen Bankräuber Forrest Tucker war es in der Vergangenheit über ein Dutzend Mal gelungen, aus dem Gefängnis auszubrechen. Nun lebt er in einer Seniorenanlage, hat aber noch nicht aufgehört, Raubüberfälle zu planen. Er stellt eine Gang zusammen, um eine Bank auszurauben. Detective John Hunt untersucht den Fall.

Robert Redford, Sissy Spacek und Gene Jones | mehr Cast & Crew


Ein Gauner und Gentleman - Trailer




DVD und Blu-ray | Ein Gauner und Gentleman

Blu-ray
Ein Gauner und Gentleman Ein Gauner und Gentleman
Blu-ray Start:
13.09.2019
FSK: 6 - Laufzeit: 94 min.
DVD
Ein Gauner und Gentleman Ein Gauner und Gentleman
DVD Start:
13.09.2019
FSK: 6 - Laufzeit: 90 min.

Filmkritik Ein Gauner und Gentleman

Filmwertung: | 9/10


Leben! Mit diesem einem Wort kann man Robert Redfords neuen Film zusammenfassen. Ein Film, der Zuschauer aller Generationen ab der ersten Sekunde, zum Schmunzeln und Grinsen bringen dürfte. Hier zeigt sich der Star ein letztes Mal in der Rolle des charmanten Verbrechers. Eine Rolle die bis heute niemand so gut beherrscht wie er. Doch auch über das tolle Schauspiel des Hauptdarstellers hinweg hat „Ein Gauner und ein Gentleman“ viel zu bieten, vor allem eine berührende Geschichte über das Älter werden und die Dinge, die das Leben erst lebenswert machen.

Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte Forrest Tucker im Gefängnis, wenn er nicht gerade wieder ausgebrochen ist. Er geht nur dem nach, was ihn glücklich macht, dem einzigen Handwerk, das er je wirklich geliebt hat: Er überfällt Banken. Zusammen mit seinen Freunden Teddy (Danny Glover) und Waller (Tom Waits) ist er dabei überaus erfolgreich, da keiner Zusammenhänge zwischen den einzelnen Überfällen herstellen kann. Dass drei Herren in ihrem Alter dahinterstecken, ist ohnehin nicht zu glauben. Eines Tages kommt ihnen jedoch der Polizist John Hunt auf die Spur und so entsteht ein Spiel aus Jäger und Gejagtem. Parallel lernt Tucker die gleichaltrige Farmbesitzerin Jewel kennen (Sissy Spacek), die trotz seiner ungewohnten Beschäftigung zu ihm halten will, komme, was wolle…

Robert Redford als
Robert Redford als "Forrest Tucker" © Eric Zachanowich DCM
Bereits nach wenigen Sekunden, die den Anfang eines der coolsten Banküberfälle der Filmgeschichte darstellen, verzaubert der Film durch seine wunderbar nostalgisch geratenen Kameraführung (inklusive atmosphärischer Filmkörnung), der traumhaft altmodischen Musik, die zu jeder Sekunde mit Bild und Geschehen verschmilzt und Redfords natürlicher Macht über die Leinwand. Alles wirkt wie aus einem Guss, vom Opening Shot bis zu den Credits. Wegen der hohen Qualität aller visuellen, akustischen und narrativen Elemente fühlt sich das gesamte Werk an, als käme es aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit in der ein junger Robert Redford zum ersten Mal die Welt verzaubert. Hier arbeitet jeder Baustein geschmeidig und mühelos zusammen. Dass mit Danny Glover und Tom Waits noch zwei Veteranen des Schauspiels gecastet werden, fügt sich da wunderbar mit ein. Doch auch die anderen Darsteller überzeugen auf ganzer Linie, gerade Casey Affleck zeigt mit seiner geringen Screentime erneut was für ein großartiger Schauspieler doch in ihm steckt.

Sissy Spacek als
Sissy Spacek als "Jewel" and Robert Redford als "Forrest Tucker" © Eric Zachanowich DCM
Es ist eine liebevolle und wunderschöne Erzählung über einen Mann, der, nicht weil er es muss oder ein schlechter Mensch ist, sondern weil er es liebt, Banken überfällt. Eigentlich ist er jedoch ein friedlicher Mensch, begrenzt seine Raubzüge auf Banken und verletzt niemanden, er ist charmant und in all diesem Chaos wahrlich glücklich, kurz: Er ist ein echter Gentleman! Er ist Robert Redford! Tatsächlich verschwimmen hier oft die Grenzen zwischen Figur und Schauspieler so sehr, dass man kaum mehr bestimmen kann, ob der Filmstar nicht einfach gerade direkt zum Publikum redet (Die Hauptfigur nennt sich sogar in einer Szene Bob). Ganz ähnlich wie Clint Eastwood mit „The Mule“, äußert sich Redford hier über seine eigene Lebensgeschichte und es gelingt auch hier auf voller Linie. Er liebt das Schauspiel so sehr wie Tucker einen guten Banküberfall.

Casey Affleck als Polizist
Casey Affleck als Polizist "John Hunt" © Eric Zachanowich DCM
Deshalb stört es auch kaum, dass hier am Ende etwas zu viel Zeit verwendet wird, die eigentlich sehr deutliche Aussage noch einmal mehr zu unterstreichen, wodurch der Film aus dramaturgischer Sicht an dieser Stelle etwas unrund wird. Generell entschied man sich für sein sehr langsames Pacing, was nicht jedem zusagen dürft. Auch die eigentlich interessante Dynamik zwischen dem Polizisten John Hunt und Tucker, bekommt etwas zu wenig Zeit, um sich zu entwickeln. Sie haben viele Gemeinsamkeiten und doch so viele Unterschiede. Der eine fühlt sich nur lebendig, wenn er Verbrecher jagt und kämpft mit seinem fortschreitenden Alter, der andere fühlt sich nur lebendig, wenn er Banken überfällt und kostet sein Leben unabhängig seines Alters voll aus. Hier wird leider etwas Potenzial vertan, was aber nicht wirklich ins Gewicht fällt, da man dennoch fähig ist eine interessante Dynamik zu erschaffen, obwohl die beiden kaum gleichzeitig vor der Kamera zu sehen sind. Gerade deshalb geschieht mit der etablierten Beziehung der beiden in der vielleicht gewitztesten Szene des Films etwas wahrhaft Geniales. Hier findet pure Filmmagie statt. Das Ganze erinnert sogar an die Dynamik zwischen Al Pacino und Robert De Niro aus Michael Manns „Heat“, die in einer ähnlichen Szene ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Ein großes Kompliment.


Fazit:
„Ein Gauner und ein Gentleman“ romantisiert auf wunderbar nostalgische Weise die Legende des charmanten Räubers. Mit seinem letzten Werk bringt Redford die Erzählungen jenes Subgenres, das er über die Jahre so dominierte, zu seinem logischen Ende. Würdig verabschiedet sich der Altmeister von den Rollen, die ihn so berühmt machten, und von dem Handwerk, das er so über alles liebt. Der lebensbejahende Grundton wird einen noch lange nicht loslassen.
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Bilder © DCM