Doppelleben

Doppelleben (2011), Deutschland
Laufzeit: - Genre: Dokumentation
Kinostart Deutschland: - Verleih: Camino Film

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Inhalt

Wer ist Angela Merkel – und wenn ja, wie viele? Wer hätte gedacht, dass sich hinter einer Lübecker Hausfrau eine zweite Angie verbergen könnte? Oder dass eine badische Familienmutter aus ihrer Ähnlichkeit mit der Bundeskanzlerin Profit schlagen würde? Regisseur Douglas Wolfsperger („Bellaria“, „Der entsorgte Vater“) setzt sich in seinem neuen Kino-Dokumentarfilm „Doppelleben“ mit dem Phänomen von Doubles auseinander, indem er zwei Angela-Merkel-Doppelgängerinnen porträtiert. Wie die vorübergehende Annahme einer fremden Identität (eigene) Wahrnehmung neu definieren aber auch verzerren kann, das untersucht „Doppelleben“. Dabei hält Wolfspergers Kamera komische, teilweise auch absurde Momente fest und reflektiert Schein und Sein, plötzlichen Erfolg und Rückschläge – ohne seine Protagonistinnen lächerlich zu machen oder ihnen zu nahe zu treten.



Doppelleben - Trailer




Filmkritik Doppelleben

Filmwertung: | 5/10


Wer ist Angela Merkel- und wenn ja wie viele? Zugegeben, auf den ersten Blick scheint diese Frage sehr verwirrend. Aber wer sich genauer damit auseinandersetzt, erkennt bald den tieferen Sinn dahinter. Denn nicht überall wo unsere Bundeskanzerlin in Erscheinung tritt, handelt es sich auch um die wahrhaftige Angie. Denn mittlerweile wird auch sie von Doubles vertreten.

Regisseur Douglas Wolfsperger („Der entsorgte Vater") wagt mit seiner Dokumentation „Doppelleben“ den Blick in das Leben von zwei Merkel-Doppelgängerinnen. Dabei versucht er herauszufinden, wie sich die eigene Identität der Frauen und die damit verbundenen Ansichten durch das Doppelleben verändert haben. Die Lübeckerin Susanne Knoll wurde vor 6 Jahren von dem Agenten Jochen Florstedt entdeckt. Die auffallende Ähnlichkeit war ausschlaggebend für eine gravierende Veränderung im Leben der dreifachen Mutter. Nach anfänglicher Skepsis wagte sie den Schritt ins Doppelleben. Mit der Identifikation als Angela Merkel schaffte Susanne Knoll den Weg zurück ins Leben, dass sie nach Krankheit und Schicksalsschlägen schon aus Verzweiflung beenden wollte. Ganz anders nimmt die Kabarettistin Marianne Schätzle aus Konstanz, die aus purer Freude schon mehrfach in unterschiedlichen Rollen Personen geschlüpft war, ihr Doppelleben wahr. Auch sie machte sich ihr Aussehen zu nutze und agiert seit einigen Jahren als Merkel, um ihre satirische Meinung in Bezug auf die Politik kundzutun.
Die wichtigsten Termine übernehmen die zwei Frauen natürlich nicht für Frau Merkel. Für sie sind vielmehr die Auftritte bei privaten Firmenfeiern, Werbespots oder gar im Musikvideo von Udo Lindenberg reserviert. Aber wer sind die Menschen hinter dieser Maskerade? Genau dies versucht die Kamera anhand von Gesprächen, eingefangenen Emotionen und humorvollen Anekdoten der Doubles zu klären. Doch leider gelingt dies nur bedingt. Die Damen im Zentrum der Dokumentation beleuchten ihr Privatleben nur am Rande und schmücken sich vielmehr mit ihrer Merkel-Darstellung, sodass die Interviews insgesamt sehr oberflächlich bleiben.

Auch die Streitigkeiten mit dem Ex-Manager werden sprichwörtlich an den Haaren herbeigezogen, um anschließend am langen Arm der Aufklärung zu verhungern. Informationen aus dem Hintergrund werden vermieden, was zu unfreiwilliger Komik führt, was im Anschein einer Dokumentation leider schon einen lächerlichen Beigeschmack hat. Was anfangs für den Zuschauer noch sehr interessant und souverän wirkt, verliert leider recht schnell an Intensität. Zudem ist die Dokumentation zum Ende hin sehr in die Länge gezogen. Da hilft auch leider die Präsentation von weiteren Doppelgängern, wie Lothar Wunderlich (Bill Clinton) oder Kurt Schmidt (Erich Honecker), nicht mehr, um das Interesse der Zuschauer am Ball zu halten.

Fazit: Banaler Versuch das Phänomen von Promi-Doubles für das breite Publikum zu präsentieren.
by Sandy Kolbuch

Bilder © Camino Film