Dope

Dope (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Komödie / Krimi / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

Dope Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Malcolm (SHAMEIK MOORE) liebt ‘90s Hip Hop und spielt in einer Punk-Rock Band. Aufgewachsen im Vorort von L.A. als Sohn einer alleinerziehenden Mutter Lisa (KIMBERLEY ELISE) träumt er von Harvard.
Aber Malcoms Leben nimmt eine drastische Wendung nachdem er und seine besten Freunde Diggy (KIERSEY CLEMONS) und Jib (TONY REVOLORY) sich zögernd dazu entschließen, zu der Party des Drogen Dealers Dom (A$AP Rocky) zu gehen, damit Malcolm der beliebten Nakia (ZOE KRAVITZ) näher kommen kann. Als im hinteren Zimmer ein Drogen Deal nicht wie geplant verläuft, dringt die Polizei ein und Dom versteckt eine Menge an trendigen Party Drogen heimlich in Malcolms Rucksack.
Aus dem Gefängnis gibt Dom Anweisungen an Malcom und seine Freunde, wohin die Drogen geliefert werden sollten, nämlich an die Nummer eins im Drogen Handel, Austin Jacoby (ROGER GEUNVEUR SMITH). Aber anstatt die Lieferung anzunehmen, stellt Jacoby ihnen ein Ultimatum: Verkauft die Drogen und zahlt sie ihm in den nächsten paar Wochen zurück – sonst…
Die Zeit läuft ihnen davon und Malcoms College Bewerbungen kommen immer näher, nun muss er stattdessen Bewaffneten Gangstern, Campus Drogen Spürhunden, Jacobys sexy durchgedrehter Tochter Lily (CHANEL IMAN) und deren Bruder Jaleel (QUINCY BROWN) aus dem Weg gehen. Er lernt durch diese Erlebnisse mehr über das Leben, Großfinanzen und sich selbst, als eine Ivy League Schule ihm jemals hätte beibringen können.


Rakim Mayers, Blake Anderson und Bruce Beatty | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Dope

Blu-ray
Dope Dope
Blu-ray Start:
09.06.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 103 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Dope Dope
DVD Start:
09.06.2016
FSK: 11 - Laufzeit: 99 min.

Filmkritik Dope

Filmwertung: | 9/10


Rick Famuyiwas „Dope“ ist einer der coolsten Filme der letzten Zeit, der sicher das Potential zum Kultklassiker hat. Ausgestattet mit einem unwiderstehlichen Soundtrack, der zu großen Teilen aus 90er Jahre Hip Hop von Naughty by Nature, Public Enemy oder A Tribe Called Quest und neu von Pharrell Williams produzierten Songs der Band-im-Film „Awreeoh“ besteht, zeigt „Dope“ eine Coming of Age Geschichte des schwarzen Nerds Malcolm, der versuchen muss, sich durch die harte und verrückte Lebensrealität der „Hoods“ von Inglewood zu navigieren. Dope SzenenbildDas ist unglaublich sympathisch und lebendig inszeniert, stark autobiografisch und spürbar persönlich angehaucht, extrem witzig, rasant und unterhaltsam, voller Menschlichkeit, Empathie und erinnerungswürdiger Momente. „Dope“ ist ein Riesenspaß, der aber auch nicht die Augen vor der Gewalt im Ghetto verschließt und schließlich auch noch einen unübersehbaren kraftvollen Sozialkommentar abgibt. „Dope“ vibriert regelrecht vor Lebensenergie, was auch ein Verdienst des exzellenten Cast von Newcomern ist, allen voran Malcolm-Darsteller Shameik Moore, der hier eine aufsehenerregende Performance liefert und sich als zukünftiger Star etabliert.

Malcolm (Shameik Moore) ist ein erstklassiger Schüler mit super Noten, der kurz vor seinem High School-Abschluss steht. In eine Schublade kann man Malcolm jedoch nicht stecken, trotz seiner starken Leistungen in der Schule ist er Nerd durch und durch, ist besessen von 90er Jahre Hip Hop, trägt entsprechende Kleidung, fährt Skateboard und mag „weißen Scheiß“, spielt mit seinen besten Freunden Diggy (Kiersey Clemons) und Jib (Tony Revolori) in einer Punk-/Hip Hop-Band namens „Awreeoh“. Von anderen Mitschülern wird der eher schüchterne Malcolm regelmäßig rumgeschubst und nicht ernst genommen, mit dem weiblichen Geschlecht hat er noch keine großartigen Erfahrungen gemacht. Sein Traum ist es, in Harvard angenommen zu werden, doch im Gespräch mit seinem Direktor wird ihm klar gemacht, dass er sich mehr anpassen und wegen seiner Herkunft nicht zu viele Hoffnungen machen sollte. Dope SzenenbildMalcolm will mehr als ein Produkt seiner Umgebung sein, er will herausbrechen und seinen Weg gehen, auch wenn andere seinen Traum unterdrücken wollen.
Er verknallt sich in die etwas ältere Nakia (Zoë Kravitz), auf die bereits der Drogendealer Dom (A$ap Rocky) ein Auge geworfen hat. Bei Doms Geburtstagsparty kommt es zu einer Schießerei zwischen rivalisierenden Gangs, bei der die Freunde und Nakia flüchten können, Dom landet jedoch im Gefängnis. Am nächsten Tag stellt Malcolm fest, dass Dom eine große Ladung MDMA und eine Waffe in seinem Rucksack versteckt hat. Nun geraten die Freunde in einen chaotischen Strudel und müssen versuchen, die Drogen wieder aus ihrem Besitz zu kriegen...

„Dope“ gelingt es, ebenso unkategorisierbar und überraschend zu bleiben wie Malcolm selbst. Wie im echten Leben geht es in Famuyiwas Film sehr oft richtig lustig zu, doch der Ernst des Lebens lauert immer wieder um die Ecke, wodurch der Film angenehm unvorhersehbar und tonal variabel bleibt. Die „Bottoms“, so nennt sich die Gegend von Inglewood, in der die Figuren leben, ist ein hartes Pflaster, wo Gewalt und Schießereien an der Tagesordnung sind. Damit evoziert Famuyima unweigerlich natürlich Hood-Klassiker wie „Boyz n the Hood“, „Fresh“ oder „Menace II Society“, weist aber einen viel lockereren und verspielteren Ton auf wie etwa „Friday“ auf, findet letztlich aber seine ganz eigene Identität. Die genannten Filme sind mit Ausnahme des letztgenannten eher harte Milieustudien, „Dope“ ist viel mehr Coming of Age-Film, erinnert dabei auch an „Risky Business“ mit dem jungen Tom Cruise, der wie Malcolm zwar Coolness ausstrahlen will, aber eigentlich noch grün hinter den Ohren ist. Wie auch in „Risky Business“ muss sich Malcolm in ganz kurzer Zeit selbst finden, in dem er plötzlich mit Sex, viel Geld und Gefahr konfrontiert wird. Dope SzenenbildDoch keine Angst: „Dope“ will vor allem Spaß machen und weist nur unterschwellig ernste Züge auf, erst gegen Ende versucht der Film einen deutlichen und nachdenklich machenden Sozialkommentar zu machen, der vielleicht etwas erzwungen wirkt. Gerade im dritten Akt entwickelt sich „Dope“ fast in einen ganz anderen Film, als Malcolm und seine Freunde mit einer plötzlichen Herausforderung konfrontiert werden. Hier verliert sich der Film ein wenig in Details und damit auch etwas Energie, ohne aber je wirklich zu entgleisen. Letztlich macht dieser strukturelle Wagemut den Film auch gewissermaßen aus.

Famuyima hält seinen Film über die gesamte Laufzeit enorm wendungsreich und voller erfrischender Einfälle. In seinen besten Momenten erinnert „Dope“ auch an das überdrehte Chaos und die kindische, schreiende Komik in „Superbad“, in dem die drei jugendlichen Protagonisten ebenfalls in ein wildes, überhöhtes Abenteuer geworfen werden. Trotz allem Humor hat der Film viel zu sagen, tut das aber bis auf minimale Ausnahmen mit bemerkenswerter Leichtigkeit. Malcolm ist ein wahnsinnig sympathischer und nachvollziehbarer Charakter, der viel Universalität besitzt. Er will zu seinen Werten stehen, eigene Ideen umsetzen, sich verwirklichen, auch wenn andere sagen, dass er das nicht kann und sich anpassen soll. Gerade im Gespräch mit dem High School-Direktor kommen diese Charakterzüge heraus: Malcolm stellt ein Essay über Ice Cube vor, das frische Einfälle präsentiert und für das Malcolm mit Leidenschaft brennt, der Direktor erwartet jedoch, dass er etwas „Persönliches“ schreibt, also eine konventionelle Geschichte aus dem „Hood“, von einem abwesenden Vater und der Gewalt in seiner Umgebung. Dope SzenenbildMalcolm steht jedoch über solchen Dingen, er hat einen viel positiveren und lockeren Blick auf das Leben. Ganz so wie auch der anti-stereotype Blick des Films auf das Leben und die Lebenssituation von jungen Schwarzen im Ghetto, womit sich „Dope“ so erfrischend von Konventionen abhebt.

Das Besondere ist, „Dope“ hat die wilde Ungestümtheit, Kreativität und Lebendigkeit eines Debütfilms, doch hierbei handelt es sich nach „The Woods“, „Brown Sugar“ und „Our Family Wedding“ um den vierten Spielfilm von Famuwiya in 16 Jahren. „Dope“ wirkt so lässig, so herrlich unangepasst, dass er echte jugendliche Dynamik ausstrahlt, die zudem voll und ganz am Puls der Zeit liegt.


Fazit:
„Dope“ ist ein herrlich erfrischender und lebendiger Coming-of-Age-Film mit genialem Soundtrack, brillantem Cast aus Newcomern und erfahrenen Charakterdarstellern, der wahnsinnig gut unterhält und richtig viel Spaß macht. Regisseur Rick Famuyiwa gibt dem Film eine fühlbare Energie und Unvorhersehbarkeit, mischt Genres mit bemerkenswerter Leichtigkeit zu einem richtig coolen Streifen mit Kultpotential.
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Bilder © Sony Pictures