Die glorreichen Sieben

The Magnificent 7 (2016), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Action / Western
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Die glorreichen Sieben Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Die Stadt Rose Creek steht unter der tödlichen Kontrolle des Geschäftsmanns Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard). Die verzweifelten Einwohner engagieren daher zu ihrem Schutz sieben Outlaws, Kopfgeldjäger, Spieler und Revolverhelden – Sam Chisolm (Denzel Washington), Josh Farraday (Chris Pratt), Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), Jack Horne (Vincent D’Onofrio), Billy Rocks (Byung-Hun Lee), Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo) und Red Harvest (Martin Sensmeier). Während sie die Stadt auf den gewalttätigen Showdown vorbereiten, der unausweichlich bevorsteht, finden diese sieben Söldner heraus, dass es bei ihrem Kampf um mehr als nur um Geld geht.

Chris Pratt, Denzel Washington und Sean Bridgers | mehr Cast & Crew


Die glorreichen Sieben - Trailer




DVD und Blu-ray | Die glorreichen Sieben

Blu-ray
Die glorreichen Sieben Die glorreichen Sieben
Blu-ray Start:
26.01.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 133 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Die glorreichen Sieben Die glorreichen Sieben
DVD Start:
26.01.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 127 min.

Filmkritik Die glorreichen Sieben

Filmwertung: | 7/10


Obwohl „Die glorreichen Sieben“ ursprünglich bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1960 sowohl bei der Kritik als auch an der Kinokasse eher mittelmäßig ankam, entwickelte sich John Sturges Western über die Jahre zu einem der großen und ikonischen Klassiker des Genres. Man muss den Film wohl nicht gesehen haben, um das legendäre Thema von Elmer Bernstein direkt zu erkennen. Die glorreichen Sieben SzenenbildDas Vermächtnis von „Die glorreichen Sieben“ ist groß, so folgten auf den Film drei weitere (wenn auch wenig erfolgreiche und ziemlich schwache) Fortsetzungen und eine von CBS produzierte Serie, die zwischen 1998 und 2000 ausgestrahlt wurde. Da schon lange kein Film mehr sicher vor einer Neuverfilmung ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Hollywood auch an diesen Klassiker wagen würde. Interessanterweise war Sturges Original selbst schon eine Art Remake, denn man nahm sich hier Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ als Grundlage und passte das Setting im feudalen Japan auf den wilden Westen neu an. In gewisser Weise ist auch Antoine Fuquas („Training Day“, „The Equalizer“, „Southpaw“) neuer Film nur bedingt ein Remake im herkömmlichen Sinne, denn abgesehen von der groben Prämisse ähnelt hier nur recht wenig dem Vorbild. Trotz diverser Modifikationen ist „Die glorreichen Sieben“ 2016 aber durch und durch ein ganz klassischer und im besten Sinne altmodisch inszenierter Western, der dem Genre zwar im Grunde nichts Neues abgewinnt, aber vor allem durch sein gutes Ensemble und gut aufgelegte Inszenierung zu gefallen weiß.

Bei der Figurenkonstellation zeigt sich hier schnell, dass man einen anderen und frischeren Weg gegangen ist. Anstatt auf sieben weiße Männer zu setzen, wählt Antoine Fuqua ein ethnisch vielfältiges Ensemble, das den Film nicht nur zeitgemäß, sondern auch realistisch erscheinen lässt. Angeführt werden die „glorreichen Sieben“ von Denzel Washingtons Kopfgeldjäger Sam Chisolm. Er stößt auf die junge Emma Cullen (Haley Bennett, „The Equalizer“, „Hardcore“), deren kleines friedliches Grenzstädtchen Rose Creek sich in einer Krise befindet: Der rücksichtslose und durch und durch korrupte Industrielle Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard, „Jarhead“, „Black Mass“) erpresst und bedroht die Bewohner bei seiner gierigen Jagd nach Land. Den Bewohnern bleiben nur drei Wochen, um ihre Heimat zu räumen, sonst wird es tödliche Konsequenzen geben. Die glorreichen Sieben SzenenbildEmma kratzt alles Geld zusammen, das sie und ihre Nachbarn besitzen und bittet den eigenbrötlerischen Sam um Hilfe, die er ihr auch recht schnell verspricht – nicht nur aus reiner Menschenliebe, sondern auch aus persönlichen Motiven, denn er ist Bogue bereits in der Vergangenheit begegnet.

Um gegen Bogue und seine zahlreichen Mannen anzukommen, bedarf es aber tatkräftiger Unterstützung, weshalb sich Sam auf den Weg macht, um weitere Revolverhelden zu rekrutieren. So trifft er auf den draufgängerischen Spieler Josh Farraday (Chris Pratt, „Guardians of the Galaxy“, „Jurassic World“), den mexikanischen Ganoven Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo, „Cake“, „From Dusk till Dawn“), den berüchtigten Scharfschützen und alten Weggefährten aus Kriegszeiten Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke, „Boyhood“, „Sinister“, „Der Club der toten Dichter“) und dessen Kompagnon und Messer-Experten Billy Rocks (Byung-hun Lee, „I Saw the Devil“, „The Good, the Bad, the Weird“), den indianischen Krieger Red Harvest (Martin Sensmeier) und den Spurenleser Jack Horne (Vincent D’Onofrio, „Full Metal Jacket“, „Daredevil“).

In seiner durchaus effektiven Eröffnungssequenz machen Fuqua und seine Autoren Richard Wenk („The Equalizer“, „16 Blocks“, „The Expandables 2“) und Nic Pizzolatto („True Detective“) direkt deutlich, dass der mit comichaft eindimensionaler Überzogenheit portraitierte Bogue nicht zum Scherzen aufgelegt ist. Die glorreichen Sieben SzenenbildSarsgaard spielt den soziopathischen und verachtenswerten Bösewicht mit sichtlicher Freude, jederzeit wirkt Bogue unberechenbar und bedrohlich, obwohl Sarsgaard ihm unterschwellig auch ein Gefühl für affektiertes Gehabe mitgibt. Stilistisch ist Fuquas „Die glorreichen Sieben“ durchweg gelungen, spätestens mit Denzel Washingtons Erscheinen in der Prärie hinter Hitzeflimmern à la „Lawrence von Arabien“ wird klar, dass man hier nach etwas Klassischem strebt, nach großen, körnigen Bildern, die schmutzig-staubige Realität mit Dreck unter den Fingernägeln ausstrahlen. Die großen Breitwand-Panoramen sind in dem Genre schon fast obligatorisch und auch Fuqua bedient sich gerne wirkungsvoll bei dieser bewährten Ästhetik. Auch verwendet er bei seiner aufgeräumten und klaren Bildsprache immer wieder gigantische Großaufnahmen von Gesichtern, gerade von Augen, die ihr Gegenüber und die Situation mustern. Klassisch, aber effektiv und wirklich schön anzusehen. Nicht nur anzusehen, sondern auch anzuhören, denn James Horners letzte Filmmusik vor seinem tragischen Tod bei einem Flugzeugabsturz macht auch ganz viel von der tollen Stimmung des Films aus. Sein mitreißender, abwechslungsreicher und klassischer Score gehört sicher zu den Highlights des Films.

Ansonsten ist die Erzählung genauso vertraut wie die Inszenierung. „Die glorreichen Sieben“ ist geradlinig und ohne große Überraschungen erzählt, die Freuden liegen da eher im Detail. Natürlich sind das Ensemble und ihr Zusammenspiel entscheidend für den Erfolg des Films. Denzel Washington ist so charismatisch wie eh und je, wobei gerade seine anfänglichen Momente die späteren (abgesehen von einer intensiven finalen Konfrontation) weit übertrumpfen. Der wahre Gewinner des Films ist allerdings Chris Pratt, der in jedem Augenblick, den er geschenkt bekommt, den Film komplett zu stehlen droht. Er übernimmt hier den Steve McQueen-Part und könnte als coole, charismatische und augenzwinkernd lustige Sau nicht effektiver sein. Die glorreichen Sieben SzenenbildEr kann ohne Zweifel die besten Momente des Films sein eigen nennen, sei es sein fabelhafter Kartentrick-Moment zu Beginn oder seine überraschende Dynamit-Finte gegen Ende – seine scheinbar mühelos charmante und riesengroße Leinwandpräsenz macht ihn momentan zu einer von Hollywoods besten Allzweckwaffen.

Der Rest der Sieben hat dann schon weit weniger zu tun, wobei vor allem Ethan Hawkes traumatisierter Kriegsheld noch am meisten Substanz erhält. Vincent D’Onofrio irritiert mit seiner Eunuchenstimme in einer etwas bemüht wirkenden und sehr eigenwilligen Performance, die dennoch für ein paar irritierte Lacher gut ist. Der ziemlich einsilbige Byung-hun Lee sieht primär cool aus, gerade wenn er sich mit seinen Messern durch sämtliche Gegner ritzt, mehr oder weniger dasselbe gilt für Newcomer Martin Sensmeier, der seiner indianischen Figur aber große Authentizität und Seele verleiht, ohne viel zu sagen. Garcia-Rulfo bleibt in seinem Part wohl am anonymsten von allen Sieben. Schön ist, dass auch Haley Bennetts Figur durchaus Dimension verpasst bekommen hat und mehr als die berühmte „Damsel in Distress“ darstellt.

Der Film verbringt natürlich gelegentlich Zeit mit kameradschaftlichen Wortgeplänkeln, die aber nie so effektiv sind, wie sie sein könnten. Es folgen klassische Trainings-Montagen, bei denen sich die Bevölkerung von Rose Creek als erwartungsgemäß inkompetent an den Waffen anstellt, kurze Gespräche am Lagerfeuer und im Saloon, man lernt sich und die Dorfbewohner ein wenig kennen und führt diverse Vorbereitungen für den drohenden Guerilla-Straßenkampf. Richtig kennen lernt man die eher eindimensional charakterisierte Söldner-Gruppe aber nie so recht, worunter der Film letztlich leidet. Die glorreichen Sieben SzenenbildSchließlich führt alles zum obligatorischen und etwas ermüdenden blei- und dynamithaltigen Showdown, der in seiner epischen Größe schon fast an ein Kriegsfilmszenario erinnert. Hier knallt es an allen Ecken und Enden, Fuqua inszeniert das alles mit guter Übersicht, aber wegen der geringen Altersfreigabe ohne spürbare Gewalt. Dadurch fehlt es dem Ganzen etwas an Nachdruck, da die Gewalt (es werden bestimmt hunderte Menschen erschossen oder in die Luft gesprengt) ohne Blut und Wirkung bleibt – was damit auch wieder gewissermaßen zum altmodischen Stil des Films passt. Fuqua, der sonst durchaus für seine kompromisslos brutalen Filme bekannt ist, dreht hier mit deutlich angezogener Handbremse.

„Die glorreichen Sieben“ ist so am Ende ein gut aufgelegter, aber letztlich auch wenig inspirierter Oldschool-Western, der einer breiten Masse durchaus Spaß machen sollte. Irgendwie hat man das Gefühl, dass das ganze Potential des Films nie so recht erfüllt wird, dass die Figuren und ihre Gemeinschaft nie völlig lebendig und dynamisch werden. Es gibt immer wieder spürbare Ansätze und gute Kinomomente, aber letztlich wirkt alles eine Spur zu oberflächlich, um die Leinwand zum Brennen zu bringen und hier ein echtes Fest zu feiern.


Fazit:
Antoine Fuquas bleihaltiges Remake von „Die glorreichen Sieben“ wird sicher nicht ähnlichen Klassiker-Status erhalten wie das Original, dennoch wird hier altmodisches und gut aufgelegtes Western-Kino geboten. Das Potential seiner starken Darsteller wird nur teilweise ausgespielt, Denzel Washington und besonders Chris Pratt sind aber in starker Form. Nicht glorreich, aber solide.
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Bilder © Sony Pictures