Die Schöne und das Biest

Beauty and the Beast (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Fantasy / Musical / Romanze
Kinostart Deutschland: - Verleih: Walt Disney

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Die Schöne und das Biest Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Die anmutige und lebensfrohe Belle (Emma Watson) lebt mit ihrem alten Vater, einem etwas sonderlichen Erfinder, ein beschauliches, ruhiges Leben. Die Avancen von Schönling Gaston wehrt sie geschickt ab und vergräbt ihre Nase viel lieber in Büchern. Doch diese Idylle wird jäh gestört, als ihr Vater auf einer Handelsreise in die Fänge eines wilden Ungeheuers gerät. Um ihn zu retten, bietet Belle ihr Leben im Austausch gegen das ihres Vaters an.
Von finsteren Befürchtungen begleitet tritt sie ihren Weg in das mysteriöse Schloss an, doch erwartet sie dort etwas ganz anderes als vermutet – nicht etwas Böses, sondern ein Ort voller Magie, Freude und Melancholie. Belle und das Biest kommen sich mit der Zeit sogar näher und so findet sie auch bald heraus, dass nicht nur auf dem Gemäuer, sondern auch auf Bewohnern desselben ein dunkler Fluch lastet und das Biest in seiner nun wilden und einsamen Gestalt einst ein schöner Prinz war…


Emma Watson, Dan Stevens und Luke Evans | mehr Cast & Crew


Die Schöne und das Biest - Trailer





DVD und Blu-ray | Die Schöne und das Biest

Blu-ray
Die Schöne und das Biest Die Schöne und das Biest
Blu-ray Start:
10.08.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 129 min.
Die Schöne und das Biest (3D Blu-ray) Die Schöne und das Biest (3D Blu-ray)
Blu-ray Start:
10.08.2017
FSK: 6
DVD
Die Schöne und das Biest Die Schöne und das Biest
DVD Start:
10.08.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 124 min.

Filmkritik Die Schöne und das Biest

Filmwertung: | 7/10


1992 sorgte „Die Schöne und das Biest“ mit seiner Nominierung als bester Film für einen Meilenstein in der Geschichte der Oscars, denn diese Ehre wurde zu diesem Zeitpunkt noch keinem Animationsfilm zuteil. Gerade einmal 26 Jahre später hat Disneys Adaption von Jeanne-Marie Leprince de Beaumonts zig-fach verfilmtem Märchen nun ein Realfilm-Remake verpasst bekommen, wie auch schon „Das Dschungelbuch“, „Cinderella“ oder auch „Alice im Wunderland“ in den letzten Jahren. Wirklich neue Wege wollte man unter der Regie von Oscar-Preisträger Bill Condon („Gods and Monsters“, „Dreamgirls“, „Twilight – Breaking Dawn“) nicht gehen und liefert nahezu eine 1:1-Kopie ab, die der Story des Originalfilms minutiös folgt und nur geringfügige Modifikationen einbaut. Die Schöne und das Biest SzenenbildEssentieller Bestandteil des Films sind natürlich auch die unsterblichen Songs von Alan Menken und Howard Ashman, die nur durch wenige neue Stücke ergänzt werden. „Die Schöne und das Biest“ ist handwerklich exzellentes Musical- und Romantikkino der alten Schule, das sich vor allem durch seine schwelgerische Opulenz in Set- und Kostümdesign auszeichnet, aber trotz vieler charmanter Momente und einer herausragenden Besetzung oft zu mechanisch wirkt, um mehr als eine hübsche Real-Variante des Disney-Zeichentrick-Klassikers zu bieten.

Die in zahlreichen Medien über die Jahrzehnte vielerzählte Story von „Die Schöne und das Biest“ sollte allseits bekannt sein: Belle (Emma Watson) ist eine junge bücherliebende Frau, die mit ihrem Vater Maurice (Kevin Kline) im beschaulichen französischen Dörfchen Villeneuve lebt und von einer Existenz träumt, die über das verschlafene Landleben hinausragt. Heftig beworben wird die „Schöne“ von dem aufgeblasenen Dorfmacho Gaston (Luke Evans), der nichts mehr liebt als sich selbst. Tief in den Wäldern um Villeneuve lebt ein Biest (Dan Stevens) in einem verwunschenen Schloss, das in stetige Dunkelheit und stürmischen Winter getaucht ist. Das Biest war einst ein eitler Prinz, der vor vielen Jahren von einer Zauberin mit einem Fluch belegt wurde, nachdem er ihr in einem Moment herablassender Arroganz die Bitte nach Obdach in einer stürmischen Nacht verweigert hat. Sein Fluch kann nur durch die wahre Liebe gebrochen werden, die er jedoch finden muss, bevor das letzte Blatt der Rose fällt, die ihm die Zauberin in der verhängnisvollen Nacht angeboten hat. Nachdem Maurice auf einer nächtlichen Reise in die Fänge des Biests geraten ist, bietet Belle ihre eigene Freiheit im Tausch gegen ihren Vater an. Fortan verweilt Belle im Schloss des Ungeheuers, das jedoch zunehmend eine weit zärtere Seele offenbart, als sein animalisches Äußeres den Anschein macht…

Die ersten Momente von „Die Schöne und das Biest“, die die schicksalsreiche Nacht bebildern, die aus dem Prinz das gemacht hat, was er heute ist, inszeniert Bill Condon in extravaganter Rokoko-Opulenz, die man kaum überbieten kann: Ein ausschweifender Ball voller Pomp, Perücken und geschminkter Gesichter im Kerzenlicht, der spontan an Klassiker wie „Amadeus“ erinnert. Condon spielt hier mit bedingt überzeugenden überlebensgroßen Gesten, die sich besonders in Form von Dan Stevens Prinz darstellen, der sein Spiel hier fast schon stummfilmartig theatralisch anlegt. Die Schöne und das Biest SzenenbildDie Verwandlung in das Biest ist wiederum eher minimalistisch, aber dennoch eindrucksvoll in einer Nahaufnahme auf seine Augenpartie gehalten, die in einem starken CGI-Moment seine menschliche Form verliert und von Fell überzogen wird.

Die folgenden Szenen machen deutlich, dass Disney hier keine Kosten und Mühen gescheut hat, um die Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ so aufwändig wie möglich zu gestalten. In einer weitestgehend stark interpretierten und choreografierten Musical-Nummer, die alten Hollywood-Glamour evoziert, ertönt der einst Oscar-nominierte Song „Belle“ und etabliert auf sowohl spektakuläre als auch malerische Weise die Lebenssituation der anmutigen Belle und der Bewohner ihres Heimatdorfes – eine Szene, die komischerweise in einer Einstellung mündet, die stark an das wohl ikonischste Bild aus „The Sound of Music“ erinnert. Mit dem Erscheinen von Gaston und seinem Kompagnon Le Fou (Josh Gad) sind früh Zweifel beseitigt, dass Condon hier falsche Töne trifft – das Zeichentrick-Original erwacht hier tatsächlich zu echtem Leben und sollte sowohl Disney-Fans als auch Neueinsteiger begeistern. Emma Watson verfügt über die richtige Präsenz und auch innere Strahlkraft, um die Rolle überzeugend auszufüllen, aber auch ihre Gesangsqualitäten wissen zu gefallen. Ihre Belle ist selbstbewusst, kontrolliert und intelligent, wenn auch eine Spur unnahbar.

Der große Gewinner des Films ist aber wohl der überraschend charismatische Luke Evans, der hier absolut perfekt als pompöser Fatzke Gaston besetzt ist. Ihm gehören zahlreiche sehr amüsante Momente, wenn er sich auf herrlich überzeichnete Art an seiner eigenen Großartigkeit erfreut und völlig ignorant den Gefühlen und Interessen seiner Mitmenschen gegenüber steht. Eine der wenigen Abwandlungen des Originals ist die Darstellung von Gastons treuem Kamerad Le Fou, der mit deutlichen homosexuellen Untertönen ausgestattet ist. Von Disney wurde die Figur nun offiziell als homosexuell charakterisiert – ein teilweise kontrovers diskutiertes, aber sicherlich zeitgemäßes Novum in der Geschichte des Studios. Josh Gad hat wie auch Evans sichtlich Spaß an seiner sehr lebhaften Rolle, mit der er immer wieder Momente an sich reißt und dem Film willkommene Leichtigkeit verleiht.

Die Schöne und das Biest Szenenbild Condons „Die Schöne und das Biest“ sieht großartig aus (Oscar-Nominierungen für Production Design und die Kostüme scheinen jetzt schon obligatorisch), hört sich fabelhaft an und ist wunderbar besetzt. Auch der immer gern gesehene Kevin Kline darf hier nicht unerwähnt bleiben, der seinen Vater-Part charmant und mit sympathischen exzentrischen Nuancen ausstattet. Ebenso wissen auch die ikonischen verwandelten Nebenfiguren im verwunschen Schloss zu gefallen: Da wären Kammerdiener und jetziger Kandelaber Lumière (im Original von Ewan McGregor gesprochen), Butler und Tischuhr Cogsworth (Ian McKellen) und Dienstmädchen und Tasse Mrs. Potts (Emma Thompson) mit Sohn Chip (Nathan Mack). Doch zusätzlich hat man mit dem Schlossdirigenten und nun in ein Klavier verwandelten Maestro Cadenza (Stanley Tucci), der in eine Garderobe transformierten Operndiva Madame de Garderobe (Audra MacDonald) und Plumette (Gugu Mbatha-Raw), einem Dienstmädchen in Form eines Staubwedels neue Figuren kreiert. Condon und seine Autoren Stephen Chbosky und Evan Spiliotopoulos erschaffen hier außerdem neue Beziehungen zwischen den Nebenfiguren, wodurch der Film eine zusätzliche Ebene erhält. Die glaubhafte visuelle Gestaltung der verwandelten Charaktere ist ein tricktechnischer Triumph, den Stimmgebern gelingt es auch problemlos, ihren Figuren Seele einzuhauchen.

Doch hier enden auch die großen Stärken des Films. Während das Original gerade mal knappe und ökonomische 90 Minuten Laufzeit auf die Uhr brachte, ist man hier mit satten 129 Minuten deutlich länger geraten. Das spürt man dem Film durchaus an, der etwas mehr erzählerischen Fokus vertragen hätte. Besonders problematisch gestaltet sich dieser Umstand darin, dass die drei Akte des Films nicht richtig ausbalanciert wirken. Der wesentliche Teil des Films, die Romanze zwischen Belle und dem Biest, kommt hier ironischerweise zu kurz, ausgerechnet die Annäherung und das Verlieben der Beiden wirkt übereilt und damit nicht unbedingt nachvollziehbar und glaubwürdig erzählt. Charmante und auch amüsante Momente gibt es hier sicherlich, doch hier wirkt der Film eher mechanisch, die Liebe zwischen den Beiden wirkt wie eine durch das Drehbuch vorgegebene Notwendigkeit. (Spoiler für diejenigen, die mit der Geschichte nicht vertraut sind) Sogar das Liebesbekenntnis, das den Fluch aufhebt, wirkt erstaunlich unglaubwürdig, man hat fast den Eindruck, als würde Emma Watson ihr „Ich liebe dich“ mit einem Fragezeichen am Ende versehen. Auch das etwas dick auftragende Finale erinnert an die heute allgegenwärtigen mit CGI-Effekten überladenen dritten Akte des modernen Blockbuster-Kinos. Die Schöne und das Biest SzenenbildRecht charmant ist dann wieder die Verwandlung des Schlosspersonals, auch wenn Condon das Spiel seiner Darsteller hier wieder merkwürdig dick auftragen lässt. Etwas kritisch darf auch die CGI-Umsetzung des Ungeheuers betrachtet werden, die in ihrer Glaubwürdigkeit immer wieder schwankt.

„Die Schöne und das Bist“ erscheint so am Ende dann doch wie ein routiniertes, uninspiriertes und zynisches Produkt eines Großkonzerns, das Altbewährtes nutzt, ohne jemals wirklich selbst kreativ zu werden. Die wenigen eigenen Ideen, seien es neue Songs, Figuren oder Charaktereigenschaften und –hintergrundgeschichten wirken bis auf wenige Ausnahmen wenig elegant und damit tatsächlich fast schon ein wenig wie überflüssige Fremdkörper. Oberflächlich betrachtet lässt sich an diesem respektablen, handwerklich tadellos umgesetzten Film fast nichts aussetzen, doch die unsterbliche Magie und Wärme, die das großartige Original einst erschaffen hat, kann diese neue Hochglanz-Version nur in Ansätzen erzeugen.


Fazit:
Die Realfilm-Neuauflage von „Die Schöne und das Biest“ begeistert durch seine üppige Ausstattung und unbestreitbaren visuellen Schauwerte und stark umgesetzten Musical-Momente, die an das alte Hollywoodkino erinnern. Trotz mancher neuen Ideen folgt das Remake dem Original sowohl in inhaltlicher als auch visueller Hinsicht und ist so sicher kein Triumph in Sachen Originalität. Ein handwerklich tadelloses Stück, das der Magie des Originals nur bedingt das Wasser reichen kann.
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Bilder © Walt Disney