Die Karte meiner Träume

The Young and Prodigious T.S. Spivet (2013), Frankreich / Kanada
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Abenteuer / Drama / 3D
Kinostart Deutschland: - Verleih: DCM

Die Karte meiner Träume Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Der kleine Junge T.S. Spivet lebt mit seinen Eltern, seiner Schwester Gracie und seinem Bruder Layton auf einer abgelegenen Ranch in Montana. T.S. Spivet ist hochbegabt und hat eine Leidenschaft für die Wissenschaft. Für seine Erfindung eines Perpetuum mobile wird er mit dem renommierten Baird Price des Smithsonian Institut in Washington ausgezeichnet.
Um diesen Preis persönlich entgegenzunehmen, hinterlässt er seiner Familie eine Notiz und fährt mit einem Güterzug quer durch die USA. In Washington hingegen ahnt niemand, dass der glückliche Gewinner des Baird Preises ein 10-jähriger Junge mit einem sehr dunklen Geheimnis ist ...


Kyle Catlett, Callum Keith Rennie und Helena Bonham Carter | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Die Karte meiner Träume

Blu-ray
Die Karte meiner Träume Die Karte meiner Träume
Blu-ray Start:
28.11.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 105 min.
Die Karte meiner Träume (3D Blu-ray) Die Karte meiner Träume (3D Blu-ray)
Blu-ray Start:
28.11.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 105 min.
DVD
Die Karte meiner Träume Die Karte meiner Träume
DVD Start:
28.11.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 101 min.

Filmkritik Die Karte meiner Träume

Filmwertung: | 8/10


Seine Familie kann man sich bekanntlicherweise nicht aussuchen. Man wird hineingeboren und nimmt den Platz ein, der einen gewährt wird. Zerstört das Schicksal die Strukturen, gerät die Platzverteilung durcheinander. Und plötzlich droht sich ein Kind in der unausgesprochenen Trauer zu verlieren und dem Versuch, diese mit allen Mitteln zu verdrängen.

Jean-Pierre Jeunet („Die fabelhafte Welt der Amélie“) inszeniert nach Reif Larsens Roman „Die Karte meiner Träume“ die Geschichte des Wunderkindes T.S. (Kyle Catlett), das sich von seiner Familie unverstanden und ausgegrenzt fühlt. Nach dem tragischen Unfalltod seines Bruders Layton (Jakob Davis) geht jedes Familienmitglied seinen eigenen Weg. Auch T.S. versucht mit den verhängnisvollen Erinnerungen zu leben, was nicht immer einfach ist, da Layton für ihn allgegenwärtig ist. Auf sich alleine gestellt, widmet er sich vermehrt seinen Erfindungen, mit denen er seiner Mutter nacheifern will. Doch die Anerkennung und erhoffte Zuwendung bleibt aus. Die innere Zerrissenheit der Hauptfigur nimmt den Zuschauer gefangen. Spürbar nimmt die Hilflosigkeit des kleinen Jungen die Leinwand ein, der sich die Schuld am Tod seines Bruders gibt. Als schwarzes Schaf und nutzlose Last der Familie empfunden, nimmt T.S. Reißaus. In dem vollen Bewusstsein, seiner Familie einen Gefallen zu tun, begibt er sich in unbekannte Gefahren.
Das große Abenteuer des Wunderkindes wird durch die detailverliebten Bilder auf eine phantastische Ebene gehoben. In allen Ecken und Winkeln des Bildes lassen sich einzigartige Dinge entdecken, die der skurrilen Idylle einen magischen, fast schon märchenhaften Charakter verleihen. Von der schiefen Hütte auf dem endlos erscheinenden Land, über die faszinierende Käfersammlung der Mutter bis hin zu den unfreiwillig angesammelten, defekten Toaster, fügen sich die Details wie Puzzlestücke aneinander. Es scheint, als ob Jeunet nichts dem Zufall überlassen hat. Jedes Objekt ist mit Hingabe platziert, um die Stimmung des Films zu tragen. Der 3D-Effekt leistet verdammt gute Arbeit und lässt vor allem das Pop-up-Buch, das die einzelnen Etappen der Geschichte vereint, plastisch erscheinen. Der erzählerische Stil wird dadurch in einzigartiger Weise verdeutlicht, wie man es bisher nur von Wes Andersons („Grand Budapest Hotel“) Filmen gewohnt war. Die stimmigen Animationen und die wunderschönen Landschaftsaufnahmen in brillanter Kolorierung vereinen sich mit dem liebevollen Detailreichtum zu einer grandiosen Kinofantasie, die poetischer nicht sein könnte.
Der zehnjährige Newcomer Kyle Catlett (TV „The Following“) vermag es, den Schmerz, den unstillbaren Wissensdurst und den Kampf um die Liebe der Eltern von T.S. auf die Leinwand zu bringen. Seine emotional-tragische Geschichte berührt das Publikum tief im Innern. Helena Bonham Carter („Sweeney Todd“) beweist erneut ihre schauspielerischen Fähigkeiten, wenn sie sich als exzentrische Persönlichkeit in Szene setzt. Doch im Vergleich zu ihren vorigen Rollen wirkt Carter dieses Mal auffallend gezähmt und gebändigt, was ihre Exzentrik jedoch nicht schmälern kann. Als Zuschauer wartet man förmlich auf den Ausbruch ihrer überschäumenden Persönlichkeit und fühlt sich fast enttäuscht, wenn dieser ausbleibt. Doch gerade dieses im Zaum gehaltene Schauspiel beweist große Kunst und begeistert vollends. An ihrer Seite gibt Callum Keith Rennie („Butterfly Effect“) den unterkühlten Cowboy, dem das Landleben mehr zu bedeuten scheint, als die eigene Familie. Komplettiert wird das Ensemble von Jakob Davis („The Tall Man“) als verstorbener Sohn Layton und Niamh Wilson („Saw III“) als pubertäre Tochter Gracie, deren Vorstellungen vom perfekten Leben mit der Landidylle kollidieren.

Fazit: In einem schier unendlichen Detailreichtum zaubert Jean-Pierre Jeunet den Roman von Reif Larsen auf die Kinoleinwand. Das magische Ergebnis erzählt eine tragische Geschichte über den Kampf des Verlustes und den Mut für einen Neuanfang. Getragen von grandiosen Darstellern regt der Film zum Weinen, Staunen und Glücklichsein ein.
by Sandy Kolbuch

Bilder © DCM