Die Augen des Engels

The Face of an Angel (2015), Großbritannien / Italien / Spanien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Die Augen des Engels Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der grausame Mord an einer britischen Studentin im italienischen Siena hält die Öffentlichkeit in Atem – täglich richten sich die Augen der Welt auf den kontroversen Prozess gegen die attraktive Amerikanerin Jessica Fuller, die ihre Mitbewohnerin mit Hilfe ihres Freundes umgebracht haben soll. Der junge Regisseur Thomas Lang (DANIEL BRÜHL) ist überzeugt, seinen nächsten Filmstoff gefunden zu haben. Vor Ort trifft er sich mit der Journalistin Simone Ford (KATE BECKINSALE), die den Prozess mitverfolgt und ein Buch über das Verbrechen geschrieben hat. Doch je mehr sich Thomas in den Fall vertieft, desto mehr verliert er sich darin. Er hinterfragt seine eigenen Motive und verliert das Vertrauen in sich und sein Können – bis ihm auf den Straßen die Studentin Melanie (CARA DELEVINGNE) begegnet...

Daniel Brühl, Kate Beckinsale und Cara Delevingne | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Die Augen des Engels

Blu-ray
Die Augen des Engels Die Augen des Engels
Blu-ray Start:
17.12.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 102 min.
DVD
Die Augen des Engels Die Augen des Engels
DVD Start:
17.12.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 98 min.

Filmkritik Die Augen des Engels

Filmwertung: | 4/10


Der Mordfall aus dem Jahr 2007 an der britischen Studentin Meredith Kercher im italienischen Perugia ging in den letzten Jahren häufig durch die Medien. Vor allem der Prozess gegen die Mitbewohnerin und vermeintliche Täterin Amanda Knox wurde eifrig dokumentiert. Erst vor kurzem wurde diese freigesprochen und bis heute bleibt der Fall ungeklärt. Über diesen gibt es unzählige Artikel, Bücher und Dokumentationen. Der britische Regisseur Michael Winterbottom versucht mit seinem Film „Die Augen des Engels“ (UK, 2014) eine andere Herangehensweise zu wählen. Er stellt nicht den Fall in den filmischen Mittelpunkt, sondern die Journalisten, die mit diesem zu tun haben. Er versucht dabei, die Anziehung solcher Geschichten zu ergründen und interessiert sich dafür, welchen Einfluss der Fall auf die Journalisten hat und wie es ihr Leben prägt.

Im italienischen Städtchen Sienna wurde bereits vor sechs Jahren der Mord an der britischen Studentin Elisabez Pryce verübt. Verdächtigt wurden ihr Freund und auch die Mitbewohnerin Jessica Fuller. Die Journalistin Simone Ford (Kate Beckinsale) hat ein Buch über diesen Fall geschrieben. Dies begeistert den deutschen Regisseur Thomas Lang (Daniel Brühl), der es gleich daraufhin filmisch adaptieren möchte. Um genauere Eindrücke zu sammeln und weiter in der Geschichte zu recherchieren, reist er nach Sienna. Doch vor Ort scheint er festzustecken und entwickelt immer mehr eine investigative Obzession, die durch den Blogger Edoardo (Valerio Mastandrea) verstärkt wird. Eine andere Sicht bekommt er erst durch die Studentin Melanie (Cara Delevingne), die er bei seinen nächtlichen Streifzügen kennen lernt. Melanie hilft Thomas ab diesem Zeitpunkt bei seiner projekttechnischen wie auch bei seiner persönlichen Entwicklung und kann ihm vielleicht einen Weg aus dessen Krise zeigen, die sich immer stärker manifestiert hat.

Der britische Regisseur Michael Winterbottom ist durch Filme wie „Welcome to Sarajevo“ (1997) und „Code 46“ (2003) international bekannt geworden. Der Film selbst möchte sich nicht mit dem Fall oder Schuldzuweisungen befassen oder gar die Aufklärung dessen ins Zentrum rücken, sondern deren Resonanz in der journalistischen Welt. Deshalb wählte Winterbottom als Medium trotz der eindeutig wahren Begebenheiten und dem zuordenbaren Hintergrund einen fiktiven Spielfilm mit veränderten Namen und einem anderen Schauplatz. Auch trieb ihn die Frage, warum dieser Fall über die Jahre nie an öffentlichem Interesse eingebüßt hat und warum die Tat und die Täterin immer mehr im Vordergrund standen als das Opfer. Auf die Idee zum Film ist der Regisseur durch das Buch „Angel Face“ von Barbie Latza Nadeau gekommen, welches im Jahr 2010 entstanden ist und somit das erste einer langen Reihe von Büchern darstellt, die sich mit dem Fall beschäftigt haben. Besonders interessierten ihn die Schilderungen vom Rand des Falls. Über die Jahre entstand vor Ort eine Subkultur, die vor allem von den Journalisten geprägt war. Viele der Involvierten bezeichneten es als eigenen Kosmos und für den schnellen Beruf des Journalisten eine Ausnahmesituation. So war das Interessante für Winterbottom an dem Fall nicht, dass der Mord noch nicht aufgeklärt war, sondern dass mit der Zeit die ganze Kleinstadt und alle ihre Bewohner zum Teil dieser Geschichte wurden. Der Regisseur sicherte sich sofort die Rechte an der Buchvorlage und nahm als Ausgangspunkt für die Drehbuchgestaltung seinen eigenen Interessenstandpunkt, obwohl er vehement betonte, dass die Figur Thomas Lang keine autobiographischen Züge aufweise. Der Drehbuchautor Paul Viragh setzte dann noch zusätzlich das Schlaglicht auf einzelne Individuen aus dem Mediensturm und auf die, die mit dem Fall zu tun hatten (insbesondere auf die Journalistin Ford, die von der Autorin Nadeau inspiriert war, und dem Regisseur Lang). Immer mehr entwickelt sich die Geschichte aber zu einem persönlichen Portrait über Lang mit all seinen Ängsten und Sorgen. Das schadet der Story und führt in die falsche Richtung. Verwirrt von dieser unpassenden Mischung verliert der Zuschauer nicht nur den Faden sondern auch das Interesse. Durch diese Zerfaserung und Orientierungslosigkeit, die scheinbar Lang und den Film befallen hat, ist der Film inkonsequent und büßt an Wirkung ein. So werden leider die anfänglichen, sehr interessanten Fragestellungen für die persönliche Krise eines Regisseurs immer weiter fallen gelassen. In Stimmung und Authentizät kann der Film dagegen wieder überzeugen. Die Aufnahmen des Films besitzen oft eine dokumentarische Wirkung, die vor allem durch Winterbottoms übliche Methode – die Kamera immer laufen zu lassen, so dass viel Ungeplantes eingefangen wird – entsteht. Auch das Drehen vor Ort und die tatsachennahe Inszenierung garantieren für die Filmemacher den wichtigen Naturalismus, der Respekt für das reale Opfer und ihren Angehörigen vermittelt. Die Schauspielerriege ist von internationalem Rang. Dabei sticht vor allem das Model Cara Delevingne heraus („Die Augen des Engels“ ist erst ihr zweiter Film). Ihre Figur kann aber auch im Gegensatz zu den anderen Figuren mit Sympathie glänzen. Die Figurenzeichnung von Simone und Edoardo bleibt dem gesamten Film zu oberflächig und für den instabilen Charakter Thomas' mangelt es dem Zuschauer an einem Zugang zu dessen Persönlichkeit. Zudem wurde diese Rolle mit Daniel Brühl besonders ungünstig besetzt. Der deutsche Schauspieler, den man jetzt häufig im Kino erblickt, hat sich auf kühle, unnahbare und nicht sympathische Figuren eingeschossen oder interpretiert sie jedenfalls in diese Richtung (Beispiel: als Niki Lauda in „Rush – Alles für den Sieg“ (2013)). Dadurch fällt es dem Betrachter noch schwerer, mit Lang, seiner Krise und seinem Projekt mitzufühlen. Im Gesamten wurde eine anfänglich schöne Idee nicht konsequent und eindringlich genug umgesetzt, so dass der Film einen unstrukturierten und ziellosen Eindruck hinterlässt.


Fazit:
Der Film „Die Augen des Engels“ blickt hinter die Kulissen von Journalismus und liefert anfänglich ein solides Portrait über menschliche Neugierde und dem starken Interesse an Mordfällen. Doch mit der Wahl der Hauptfigur, deren Antriebe nicht deutlich werden, samt einem nicht besonders überzeugenden Daniel Brühl, verliert der Film an Schwung und Sympathie. Die Ratlosigkeit im Fall und die Desorientierung der Hauptfigur manifestieren sich in der Geschichte selbst und geben so kein stimmiges Bild.
by

Bilder © Concorde Filmverleih GmbH