Diamond Island

Diamond Island (2016), Frankreich / Deutschland
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Rapid Eye Movies

Diamond Island Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Der 18-jährige Bora verlässt sein Dorf, um auf der Baustelle von Koh Pich (Diamond Island), einer Insel vor Phnom Penh, zu arbeiten. Diamond Island ist ein luxuriöses Neubauprojekt für die, die es sich leisten können: der kambodschanische Traum von Wachstum und Modernität. Hier trifft er seinen älteren, charismatischen Bruder Solei wieder, den er fünf Jahre lang nicht gesehen hat. Durch ihn erhält Bora Zutritt zum schönen Leben rund um die Hauptstadt, lernt Jugendliche der urbanen Mittelschicht kennen und erlebt aufregende Nächte.
Eng an den Figuren entlang entwirft Regisseur Davy Chou das Mosaik eines Landes im Wandel – und das einer Generation, die lernen muss, sich neu zu verorten in einer unberechenbaren, veränderten Umgebung.


Noun Sobon, Nov Cheanik und Chhem Madezza | mehr Cast & Crew


Filmkritik Diamond Island

Filmwertung: | 4/10


Diamond Island markiert den zweiten Film des bereits festivalerprobten 33-jährigen französisch-kambodschanischen Regisseurs Davy Chou. So lief sein Vorgängerfilm Le sommeil d’or (engl.: Golden Slumbers, 2011) als Dokumentation über die Filmproduktion in Kambodscha zu Zeiten des Terrorregimes der Roten Khmer im Forum der Berlinale 2012; Diamond Island selbst wurde gar mit dem Prix SACD in der Semaine de la critique in Cannes 2016 ausgezeichnet. Diamond Island SzenenbildStellt Chous Debüt noch eine durchaus annehmbare künstlerische Investigation des so dunklen und ernsten Geschichtskapitels seines Heimatlandes dar, versagt der noch junge Regisseur mit seinem ersten fiktionalen Langfilm leider kläglich.

Der 18-jährige Bora verlässt sein provinzielles Dorf, um in der Hauptstadt Phnom Penh als billige Baustellenarbeitskraft an der Errichtung des Neubauprojekts „Diamond Island“, ein Konglomerat an Luxusappartments und Vergnügungsort der Superlative, zu helfen. Am Arbeitsplatz befreundet er sich mit anderen Jugendlichen ähnlicher Provenienz und findet Gefallen an Aza, der er fortan zu imponieren versucht. Durch ein Wiedersehen mit seinem Bruder Solei, der vor Jahren ebenso von zuhause aufbrach wie er und inzwischen vom großen Sprung nach Amerika träumt, findet Bora schließlich Zugang zu den Attraktionen der Hauptstadt, zu denen namentlich ein überschwängliches Nachtleben zählt.

Diamond Island genrespezifisch auch nur bestenfalls als Coming of Age-Film zu bezeichnen, fällt schwer. Würde dies doch voraussetzen, die Geschichte oder zumindest Situation eines jugendlichen Protagonisten zu erzählen, der sich in Bewegung begreift oder in solche versetzt wird. Formal durchaus als Heldenreise des jungen Bora konzipiert, der sein abgeschiedenes Heimatdorf verlässt, um in der großen und unerbittlichen Welt die menschlichen Grunderfahrungen von Liebe, Sexualität, Arbeit und Verlust zu machen, stagniert der Film inhaltlich jedoch vollends. Hierfür gibt es zahlreiche Gründe.

Diamond Island Szenenbild Ins Auge sticht dabei zunächst der völlige Mangel an einer Story oder eines Plots. Schlichtweg Boras erste Begegnungen mit harter körperlicher Arbeit, dem anderen Geschlecht oder Tod und Verlust abzubilden, ohne diese auch nur partiell in narrative Konflikte einzubetten, genügt nicht. Besteht erst gar keine Geschichte, kann es zweitens auch keinen klimatischen Spannungsbogen und drittens auch kein Interesse an den Figuren und deren Handeln und Entscheidungen geben. Was indes erzählt und womit sich bereits zufrieden gegeben wird, sind dagegen die typischen Zankereien unter Jungs betreffend das Buhlen um die Gunst von Mädchen, Diskothekenbesuche und Spritztouren durch die Stadt – das Niveau eines Bewerbungsfilms für einer Filmhochschule ist erreicht!

Dabei merkt man Chou sehr deutlich seine Unerfahrenheit als noch junger Regisseur an. Seine Inszenierung wirkt vom ersten Schwenk an, mit dem der Film beginnt, simpel bis dilettantisch. Zwar besticht Diamond Island mit einer großen Farbenprächtigkeit, namentlich des porträtierten Nachtlebens Phnom Penhs inklusive der exuberanten bunten Lichter eines Jahrmarktbesuches der Jugendbande, doch fragt man sich schon, wozu das alles. Der Regisseur bedient sich hier nämlich eines künstlerischen Selbstzwecks. Nicht anders verhält es sich mit dem für das Niveau eines solchen Films obligatorischen melancholischen Klavierscore und inszenatorisch überflüssigen Spielereien wie einem völlig unmotivierten und daher überflüssigen Split-Screen-Einsatzes. So schüchtern und unreif der Protagonist durch seine neuen Erfahrungswelten laviert, so ungekonnt und halbgar bereitet der Regisseur diese ihm denn auch zu.

Diamond Island Szenenbild Der mit Abstand größte Störfaktor des Films stellt jedoch der miserable Laiencast dar. Dieser wirkt nicht wie sonst seinem Zweck dienend, nämlich authentizitätsfördernd, sondern degradiert das Werk vielmehr zu einem besonderen Misserlebnis. So bilden die jungen Darsteller eine einzige apathische bis völlig reglose Trauergemeinschaft mit intermittierenden Grinsegesichtern. Nicht genug, wartet Chou leider mit dem unsäglichen Talent auf, diesen Malus gar noch zu potenzieren, indem er die permanente Distanz und Somnambulie mit rhythmisch wenig Schnitt und bildinszenatorisch vielen Totalen und Halbtotalen anreichert. Namentlich die häufigen langen Dialogszenen zwischen den Figuren sorgen dadurch für ein hohes Maß an Unerträglichkeit.


Fazit:
Gut gemeintes, doch im Ergebnis leider hoffnungslos langweiliges fiktionales Debüt eines Jungregisseurs über einen kambodschanischen Jungen, der sein Heimatdorf verlässt, um die große Welt kennenzulernen. Die leicht angetippten sozialkritischen und kulturgeschichtlichen Anklänge des Films vermögen dabei nicht über das miserable Schauspiel der Laiendarsteller, die fehlende Handlung und Spannung und die sehr simple, streckenweise dilettantische Regie hinwegzuhelfen.
by

Bilder © Rapid Eye Movies


Cast und Crew

Darsteller:
Noun Sobon, Nov Cheanik, Chhem Madezza, Korn Mean, Khim Samnang

Regisseur:
Davy Chou

Produzent:
Davy Chou

Drehbuch:
Davy Chou