Der große Gatsby

The Great Gatsby (2013), USA / Australien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Romanze / 3D
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

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Der große Gatsby Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

„Der große Gatsby“ erzählt von dem (Fitzgeraldselbst nachempfundenen) hoffnungsvollen Nachwuchsautor Nick Carraway: Er kommt im Frühjahr 1922 aus dem Mittelwesten nach New York City, das von lockeren Moralvorstellungen, Jazz-Glamour, mächtigen Alkoholschmugglern und ins Astronomische steigendenAktien geprägt wird. Auf seiner Suche nach dem amerikanischen Traum wird Nick der Nachbar des geheimnisvollen, rauschende Feste feiernden Millionärs Jay Gatsby. Auf der anderen Seite der Bucht wohnt seine Cousine Daisy mit ihrem Mann, dem blaublütigen Frauenhelden Tom Buchanan. So erlebt Nick die faszinierende Welt der oberen Zehntausend und lernt ihre Illusionen, Romanzen und Täuschungsmanöver kennen. Von außen und von innen beobachtet Nick diese Welt, die ihn zu der Geschichte einer unmöglichen Liebe, unzerstörbarer Träume und eines tragischen Autounfalls inspiriert – womit er auch uns, unserer Gegenwart und unseren aktuellen Problemen den Spiegel vorhält.

Leonardo DiCaprio, Isla Fisher und Carey Mulligan | mehr Cast & Crew


Der große Gatsby - Trailer


DER GROSSE GATSBY ( The Great Gatsby ) offizieller Trailer deutsch HD


DVD und Blu-ray | Der große Gatsby

Blu-ray
Der große Gatsby Der große Gatsby
Blu-ray Start:
20.09.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 142 min.
Der große Gatsby (3D Blu-ray) Der große Gatsby (3D Blu-ray)
Blu-ray Start:
20.09.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 142 min.
DVD
Der große Gatsby Der große Gatsby
DVD Start:
20.09.2013
FSK: 12 - Laufzeit: 137 min.

Filmkritik Der große Gatsby

Filmwertung: | 7/10


Besuchte man in den vergangenen Wochen und Monaten eine Kinovorstellung, konnte es passieren, dass man dort im Vorprogramm den Trailer zu Baz Luhrmanns „Der große Gatsby“ sah (oder vielmehr: erlebte). In einer Version dieses Trailers – es existieren mindestens drei verschiedene – folgt auf eine Einführung ins Sujet eine sowohl visuelle als auch akustische Überwältigung: Während sich dem Auge des Betrachters in rasender Geschwindigkeit eine atemberaubend-magische Bilderwelt darbietet, singt (nein: erleidet!) Jack White die traurigen Lyrics seines kongenialen U2-Covers „Love Is Blindness“. Die Leinwandbilder und der Song vermengen sich und erzeugen dabei einen so frappierend gewaltigen Sog, dass man als Kinozuschauer geradezu dankbar sein musste, wenn im Anschluss an jenes einnehmende Mini-Filmkunstwerk noch eine mit Pop-Dudelei untermalte Vorschau auf eine fade Schema-F-RomCom und/oder die lärmige Ankündigung eines neuen Franchise-Reboot-Sequel-Wahnsinns gezeigt wurde, um dem Jack-White-/Great-Gatsby-Sog zu entkommen, die Besinnung wiederzuerlangen und sich sodann dem auserkorenen Hauptfilm widmen zu können – wiewohl man nun eigentlich viel lieber *augenblicklich* „Der große Gatsby“ gesehen hätte.

Mit der Begeisterung für den Trailer ging jedoch die Befürchtung einher, dass ein derartiger Bilder- und Musikrausch, welcher in der kurzen Trailer-Form einen Genuss für Augen und Ohren bereitete, in einem über zweistündigen Film nicht funktionieren, sondern eher für einen totalen Overkill sorgen könnte. Die Tatsache, dass Baz Luhrmann („William Shakespeares Romeo + Julia“, „Moulin Rouge“) als Regisseur genannt wurde, vermochte die gehegte Befürchtung zwar zu verringern – schließlich ist ein Zuviel an Farbe, an Kostümen und Requisiten, an Schnitten und Musik (kurz: an allem) seit jeher Luhrmanns ästhetische Methode, sodass er imstande sein müsste, diese Aufgabe souverän zu meistern –; allerdings warf dies auch die Frage auf, ob Luhrmanns Stil überhaupt zur Geschichte passt, die F. Scott Fitzgerald in seinem Roman „Der große Gatsby“ aus dem Jahre 1925 erzählt. Nach Sichtung der Luhrmann’schen Adaption lässt sich nun konstatieren: ja – und nein.

In „Der große Gatsby“ bezieht der erfolglose Autor Nick Carraway ein kleines, älteres Haus im Neureichenviertel West Egg auf Long Island und wird so der Nachbar von Jay Gatsby – welcher in seiner Villa stets aufwendige Feste gibt. Die wilden „Jazz Age“-Partys sind es, die der Stilvernarrtheit Luhrmanns sehr entgegenkommen: Der Regisseur und sein Kameramann Simon Duggan finden schwindelerregend schöne (3D-)Bilder, um die Genusssucht dieser dekadenten Epoche zu veranschaulichen. Gatsbys Villa mutet hier wie ein Disney-artiges Märchenschloss an; die opulent-exzessiven Glanz-und-Glitter-Lustbarkeiten sind mit ihrem hohen Fashion-Faktor ein beeindruckendes Spektakel – Lob verdient hier nicht zuletzt die Produktions- und Kostümdesignerin Catherine Martin, die die Ausstattung verantwortete. Nennenswert ist natürlich auch die Musik – ein weitgehend stimmiger Mix aus modernen Beats und traditionellen Jazz-Elementen.

Doch „Der große Gatsby“ erzählt nicht nur von glamourösen Bällen der Superlative; er erzählt auch von der Liebe zu einer Frau – und dass besagte Bälle, wie Gatsby im Roman einmal erklärt, „ganz unwichtig“ sind. Gatsbys große Liebe – Nicks Cousine Daisy Buchanan – lebt jenseits der Bucht, in East Egg, mit ihrem untreuen Ehemann Tom. Die Feste in Gatsbys Villa dienen lediglich dazu, die Aufmerksamkeit von Daisy zu erregen und die Frau zurückzugewinnen – sie und Gatsby haben eine gemeinsame Vergangenheit, die im Film in schön-schrecklich überzuckerten Rückblenden visualisiert wird. Glücklicherweise setzt Luhrmann in der Wiedersehenssequenz nicht auf Pathos und Pomp, sondern auf Situationskomik. Spätere Momente werden indessen unnötig auf Bombastkino-Größe aufgebläht – so zum Beispiel der zu dritt (mit Nick) verbrachte Tag, der entschieden zu aufdringlich mit Lana Del Reys „Young and Beautiful“ unterlegt ist.
Wenig sinnvoll erscheint überdies, dass die bei Fitzgerald so lakonisch beschriebene Endkatastrophe auf Gatsbys Anwesen hier opernhaft ausgespielt wird oder dass Luhrmann jede im Film gezeigte Autofahrt als leicht enervierende Action-Einlage inszeniert. Hinzu kommt noch, dass sich die zahlreichen Kameraflüge zu sehr als optische Leistungsschau ausnehmen und die oft computergenerierte Umgebung in ihrer Künstlichkeit eher eine Distanz schafft, statt den gewünschten Sog zu erzeugen. Doch wenngleich auch nicht alles an diesem Werk zu funktionieren vermag, so gilt es festzuhalten, dass jeder einzelnen Einstellung der Enthusiasmus des Regisseurs und seines Teams anzumerken ist – und dass dieser Film, der eine so deutliche künstlerische Handschrift trägt, ohne Zweifel spannungsreicher ist als die „Gatsby“-Version von Jack Clayton aus den Siebzigerjahren – mit Robert Redford und Mia Farrow in den Hauptrollen –, die eine recht dröge Bebilderung des Romans lieferte.

Leonardo DiCaprio – der sich vom talentierten Jungschauspieler („This Boy’s Life“) zum hochgejubelten Teenager-Schwarm („Titanic“) und schließlich zum Charakterdarsteller („J. Edgar“) entwickelt hat – interpretiert die Titelfigur äußerst vielschichtig. Bei seinem ersten großen Auftritt prostet er dem Zuschauer mit übertrieben strahlendem Lächeln zu, während sich im Bildhintergrund ein prächtiges Feuerwerk entfaltet; in der Sequenz des Wiedersehens mit Daisy vollführt DiCaprio gekonnt eine Slapstick-Nummer. Indem der Schauspieler die Figur zunächst eher komisch, manchmal gar hart an der Grenze zur Karikatur gibt, verhindert er zum einen, dass unfreiwillige Komik entsteht; zum anderen erreicht er damit, dass Gatsbys spätere Verzweiflung umso eindringlicher ist. Im Gegensatz zu dem übermäßig glatt agierenden Robert Redford in Claytons Adaption, lotet DiCaprio auch die dunkle Seite des Selfmade-Millionärs aus – und läuft im kammerspielartigen Showdown im Plaza Hotel zu großer Form auf: Er zeigt, wie Absolutheitsanspruch, Verbissenheit und Zorn aus einem unschuldig-naiven Optimisten einen realitätsblinden Obsessiven machen können, und wirkt in seinem wuchtigsten Moment tatsächlich so, als habe er einmal „einen umgebracht“ (wie es im Roman an entsprechender Stelle heißt). Dass DiCaprio obendrein die Anzüge gut stehen, ist so selbstverständlich, dass man es eigentlich gar nicht schreiben müsste – ebenso dass Carey Mulligan als Daisy im Crystal Dress wunderhübsch aussieht. Daisy, die zentrale Frauenfigur, ist wiederum eine extrem diffizile Rolle – und leider weitaus undankbarer als die Rolle des Gatsby: Angesichts ihrer Passivität und Schwäche (sowie ihrer letztendlichen Feigheit) kann Daisy kaum Sympathie erwecken; sie muss jedoch als eine einzigartige Person mit fesselnder Wirkung erscheinen, damit Gatsbys Streben und seine Gefühle für sie ausreichend motiviert sind. Der Britin Carey Mulligan war nach dem schauspielerischen Kraftakt in „Shame“ durchaus zuzutrauen, dass sie dieser nicht allzu liebenswerten Figur etwas Reizvolles abringen und somit Gatsbys Begehren begreiflich machen würde. Sie spielt Daisy nun als wankelmütige „Drama Queen“ – einmal liebreizend-kokett, ein andermal hypernervös, und nicht selten mit tränenfeuchten Augen und Leidensmiene daherkommend. Das macht Daisy zwar auch nicht zu einer Sympathie-, geschweige denn zu einer geeigneten weiblichen Identifikationsfigur, ist aber immerhin interessanter als die jammervolle Betulichkeit, mit welcher Mia Farrow die Rolle einstmals versah – und lässt die Gründe für die Faszination, die Daisy auf Gatsby ausübt, doch wenigstens ansatzweise erahnen.

Dass der grundsympathische Tobey Maguire (bekannt als „Spider-Man“) den grundsympathischen Nick Carraway adäquat verkörpert, überrascht nicht; Erwähnung verdient dies dennoch, da es dem Schauspieler (den man auf der Kinoleinwand schon vermisst hat!) vollauf gelingt, dem Film eine Seele zu geben und dadurch die bereits angesprochene Distanz des Zuschauers zum Geschehen, die sich aus der Künstlichkeit dieser filmischen Welt unweigerlich ergibt, zu reduzieren. Joel Edgerton bringt hingegen die nötige Rüpelhaftigkeit in seine Rolle als Daisys Gatte Tom und ist dem intensiven Spiel DiCaprios in der finalen Konfrontation zwischen Gatsby und Tom gewachsen, sodass Tom wie ein ernst zu nehmender Rivale Gatsbys (und nicht wie eine Witzfigur) anmutet. Des Weiteren ist die australische Newcomerin Elizabeth Debicki als Daisys Freundin Jordan Baker in ihrer katzenhaft-eleganten Art eine bemerkenswerte Erscheinung – unerfreulich ist aber, dass Luhrmann und Co-Autor Craig Pearce kaum etwas mit dem Potenzial, das der Figur innewohnt, anzufangen wissen: Die selbstbewusste, unabhängige Profigolferin Jordan ist die einzig wirklich positive Frauenfigur der Geschichte; doch statt die Möglichkeit zu nutzen, ihr als moderner Frau – als Antityp zu Daisy – Tiefe zu geben, wird Jordans Bedeutung in der Verfilmung sogar noch etwas geschmälert. Gänzlich misslungen ist die aufgesetzt ordinäre Darstellung von Myrtle Wilson, der Geliebten von Tom: Die fehlbesetzte Isla Fisher („Die Hochzeits-Crasher“) gibt Myrtle überwiegend als Knallcharge – obwohl Karen Black in Claytons „Gatsby“-Verfilmung doch so eindrücklich demonstrierte, wie man mit hartnäckigem Trotz (gegen den groben Geliebten) sowie mit einem melodramatischen Furor in dieser eigentlich unattraktiven Rolle brillieren und so die besten Filmszenen liefern kann.

Fazit: Ein bildgewaltiger Film; die Opulenz und das Getöse sind nicht immer angebracht – doch ein Kinobesuch lohnt sich! DiCaprio spielt exzellent, Mulligan gewinnt ihrem Part das Bestmögliche ab und Maguire sorgt für die nötige Erdung.
by Andreas Köhnemann

Bilder © Warner Bros.