Der Moment der Wahrheit

Truth (2015), Australien / USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Biographie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: SquareOne Entertainment / Universum Film

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Der Moment der Wahrheit Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

New York, September 2004. Mary Mapes (Cate Blanchett) wird als Produzentin von “60 Minutes”, des erfolgreichsten TV-Nachrichtenmagazins des Landes, allseits respektiert und geschätzt. Während sie im Beruf erfolgreich ist, führt sie privat ein glückliches Leben mit ihrer Familie. Doch als ihrem Team mitten im Präsidentschaftswahlkampf “Bush vs. Kerry” brisante Informationen über Dokumente aus den 1970er Jahren zugespielt werden, die belegen sollen, dass George W. Bush sich mit Hilfe seiner Familie vor einem Militäreinsatz im Vietnamkrieg gedrückt hat, gerät ihr Leben aus den Fugen. Mapes und der angesehene CBS-Anchorman Dan Rather (Robert Redford) enthüllen die Informationen im Rahmen eines investigativen Berichtes in „60 Minutes“. Die Meldung schlägt ein wie eine Bombe. Doch innerhalb kürzester Zeit steht plötzlich nicht mehr Bushs Militärakte im Zentrum des Skandals. Es sind Mapes, Rather und ihr Team, die unter schärfsten Attacken von Medien und Öffentlichkeit ihre Story und deren Recherche verteidigen müssen. Während Dan Rather, Marys langjähriger Kollege und väterlicher Freund, vollstes Vertrauen in seine Produzentin hat, bringen die Angriffe Mary an ihre persönlichen Grenzen, als sich auch ihr Vater und selbst ihr eigener Sender gegen sie wenden. Es beginnt ein Kampf um persönliche und journalistische Integrität und Unabhängigkeit...

Cate Blanchett, Robert Redford und Topher Grace | mehr Cast & Crew


Der Moment der Wahrheit - Trailer




DVD und Blu-ray | Der Moment der Wahrheit

Blu-ray
Der Moment der Wahrheit Der Moment der Wahrheit
Blu-ray Start:
07.10.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 126 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Der Moment der Wahrheit Der Moment der Wahrheit
DVD Start:
07.10.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 121 min.

Filmkritik Der Moment der Wahrheit

Filmwertung: | 8/10


Das 1968 von Don Hewitt ins Leben gerufene investigative Nachrichtenmagazin „60 Minutes“ ist vermutlich das prestige-trächtigste und seriöseste TV-Programm seiner Art. In wohl keinem TV-Format wird fundierter und qualitativ höchste Maßstäbe anstrebender Journalismus so zelebriert wie hier, wie es bereits in filmischer Form 1999 von Michael Mann in „The Insider“ dargestellt wurde. Der Moment der Wahrheit SzenenbildIn „Der Moment der Wahrheit“ (OT „Truth“) präsentiert „Zodiac“-Drehbuchautor James Vanderbilt nun sein Regiedebüt, das zumindest teilweise in ähnliche thematische Fahrwasser wie Manns Meisterwerk tritt. Wie bereits genannter Film oder eben auch „Zodiac“, „Die Unbestechlichen“ oder vor kurzem Oscar-Gewinner „Spotlight“ ist Vanderbilts intelligenter und reifer Film ein sachlich präsentiertes, minutiös beobachtetes, aber dennoch überaus leidenschaftliches Portrait der harten Arbeit von Journalisten. „Der Moment der Wahrheit“ setzt bewusst primär auf scharfsinnige Dialoge, exzellent vorgetragene Schauspielermomente und einen präzise und mitreißend aufgebauten Erzählbogen, ist dafür aber in filmischer Hinsicht recht zurückhaltend ausgefallen. Im Gegensatz zu dem durchweg gefeierten „Spotlight“, der ähnlich nüchtern in Szene gesetzt ist, ging Vanderbilts eindeutig an ein erwachsenes Publikum gerichteter Film an den Kinokassen leider unter und sorgte bei der Kritik nur für gemischte Reaktionen. Das ist schade, denn „Der Moment der Wahrheit“ ist bis auf kleine Abstriche ein hervorragend gemachter Film, dessen Qualitäten unzweifelhaft vorhanden sind.

Im Mittelpunkt des Films steht „60 Minutes“ Produzentin Mary Mapes (Cate Blanchett), die im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl 2004 eine zunächst gefeierte, und später faktisch angezweifelte Reportage über die Lücken in George W. Bushs Militärakten produzierte. Der Film zeigt, wie Mapes und ihr Team um den legendären Moderator Dan Rather (Robert Redford) und die Journalisten Mike Smith (Topher Grace), Colonel Roger Charles (Dennis Quaid) und Lucy Scott (Elisabeth Moss) in minutiöser Recherchearbeit Bushs militärische Vergangenheit in den frühen Siebziger Jahren bei der renommierten Nationalgarde von Texas beleuchten. Der Moment der Wahrheit SzenenbildDabei stoßen sie auf Hinweise, dass Bush möglicherweise bevorzugt wurde und seinen Dienst sogar für längere Zeit gar nicht ableistete. Das soll durch Dokumente bewiesen werden, die dem ehemaligen Colonel Bill Burkett (Stacy Keach) in die Hände gefallen sind. Diese werden von Dokumentprüfern als authentisch verifiziert, doch nach Ausstrahlung der Sendung werden vielerorts negative Stimmen wach, die die Echtheit der heiklen Schriftstücke anzweifeln. Mapes und Rathers Ruf steht plötzlich ebenso auf dem Spiel wie das von 60 Minutes. Mapes findet sich als Hauptverantwortliche des potentiellen Skandals im Mittelpunkt und muss versuchen, das Renommee von sich und ihren Kollegen zu retten, indem sie alles daran setzt, die Echtheit ihrer Quelle zu beweisen.

James Vanderbilt gelingt es trotz etwas holprigem Beginn seinen Film packend zu gestalten und einen subtilen Sog aufzubauen, der einen bis zum Ende nicht loslässt. Die erste Hälfte des gut zweistündigen Films widmet er der faszinierenden Arbeit hinter den Kulissen von „60 Minutes“, dem mühsamen Abrackern von Quellen und Akten, die die Grundlage für eine möglicherweise brisante Story liefern, die den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend beeinflussen kann. „Der Moment der Wahrheit“ zeigt Schritt für Schritt die Entstehung eines journalistischen Beitrags, es wird dargestellt, wie mehrere Instanzen innerhalb der Hierarchie des Fernsehsenders die Arbeit der Journalisten genau prüfen und schließlich abnehmen. Der Film stellt auch dar, wie der Beitrag noch Sekunden vor Ausstrahlung im Schnitt feingetuned wird. Der Moment der Wahrheit SzenenbildZugleich zeichnet Vanderbilt hier auch in feinen und intelligenten Tönen das Portrait einer ständig unter Strom stehenden Journalistin sowohl bei der Arbeit mit ihrem Team, als auch im häuslichen Umfeld.

Cate Blanchett liefert hier eine weitere großartige, absolut magnetische Performance, die in jeder Nuance, in jeder kleinsten Mimik und Gestik fein kontrolliert ist. Dieses Jahr gab es für Blanchett für „Carol“ die siebte Oscar-Nominierung, genauso hätte sie für diese herausragende Leistung vergeben werden können. Brillant unterstützt wird sie von der sehr angenehmen Präsenz von Redford, der hier vielleicht seine beste und nuancierteste Leistung seit langem zeigt. Bis in die kleinste Rolle ist „Der Moment der Wahrheit“ großartig besetzt, zu den bereits Genannten gesellen sich routinierte Charaktermimen wie Bruce Greenwood als CBS-Präsident Andrew Heyward, David Lyons als CBS-Produzent Josh Howard, Dermot Mulroney als Firmenanwalt Lawrence Lanpher oder John Benjamin Hickey als Mapes Ehemann Mark Wrolstad. Nicht alle Akteure kriegen ihre Momente („Mad Men“s Elisabeth Moss wird leider in ihrer Rolle verschwendet), dennoch ist hier exzellentes Schauspielerkino zu bewundern. Vanderbilt gelingt es nicht nur seine Schauspieler zu starken Leistungen anzutreiben, er inszeniert über weite Strecken mit der ruhigen und routinierten Hand eines Altmeisters. Hier wird ein in sich geschlossener Aufbau präsentiert, bei dem Szenen nahtlos ineinander fließen und für durchweg fesselnde und geistreiche Unterhaltung sorgen. Insgesamt mangelt es dem Film vielleicht etwas an visuellem Flair, weshalb „Der Moment der Wahrheit“ gelegentlich ein wenig an einen Fernsehfilm erinnert. Die Geschichte ist jedoch so gut erzählt und von zahlreichen wirkungsvollen und explosiven Schauspielermomenten getragen, dass dieser Umstand nur unwesentlich ins Gewicht fällt. Die hier und da unnötig dick auftragende Musik von Marvel-Stammkomponist Brian Tyler, die zusätzlich von Zeitlupen akzentuiert wird, fügt sich jedoch nicht in den sachlichen Stil des Films ein und verhindert, dass „Der Moment der Wahrheit mehr als nur ein sehr guter Film ist.

Der Moment der Wahrheit Szenenbild Wenn man möchte, kann man den Film bezogen auf seinen Inhalt natürlich durchaus auch mit einem kritischen und hinterfragenden Auge betrachten. Vanderbilt hat hier ganz offensichtlich die Agenda, Mapes und Rather als noble, liberal ausgerichtete Märtyrer darzustellen, die in ihrem Kampf für die Wahrheit gegen bösartige, von den Interessen von Großkonzernen angetriebene Produzenten ankämpfen und ziemlich eindeutig im Recht sind. Ganz so subtil ist die Herangehensweise dann natürlich nicht, aber das lässt sich verschmerzen, denn Holzhammer-mäßig kommt der Film sicher nicht rüber. Vanderbilt respektiert die Intelligenz des Zuschauers und lässt im Großen und Ganzen ausreichend Raum, um sich eine eigene Meinung über die Ereignisse zu bilden, auch wenn Vanderbilts Meinung zu den Ereignissen recht eindeutig ist. „Der Moment der Wahrheit“ ist letztlich angenehmerweise auch nur bedingt eine Geschichte über Triumph, sondern vor allem über Integrität, Standhaftigkeit und – wie es am Ende auch deutlich ausgesprochen wird – Mut. Trotz kleiner Schwächen ist hier ein wichtiger und bedeutungsvoller Film entstanden, der traditionellen Journalismus zelebriert – und gerade deshalb sehenswert ist.


Fazit:
„Der Moment der Wahrheit“ ist ein sehr guter und wichtiger Film, der trotz etwas einseitiger Agenda dank starker Erzählung und exzellenten Darstellungen fesselt. Der Film von Debüt-Regisseur James Vanderbilt ist scharfsinnig und intelligent erzählt und ist wie zuletzt „Spotlight“ eine leidenschaftliche Würdigung von traditionellem Journalismus, dessen Wert gerade heutzutage von nicht zu unterschätzendem Wert ist.
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Bilder © SquareOne Entertainment / Universum Film