Der Bunker

Der Bunker (2015), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie / Horror / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Bildstörung

-> Trailer anschauen

Der Bunker Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der kleine Klaus wird von seinen Eltern zuhause in einem unterirdischen Bunker unterrichtet, der im tiefsten Wald gelegen ist. Der Vater fungiert als Hauslehrer und verteilt die Strafen, die Mutter die Belohnungen. In diese scheinbare Idylle quartiert sich ein junger Student als Untermieter ein, um sich in Ruhe und Abgeschiedenheit auf eine höchst wichtige wissenschaftliche Arbeit zu konzentrieren. Die Gastfamilie empfängt ihn mit großer Freundlichkeit, anfangs scheint alles gut. Doch nach einer Weile spannen die Eltern den Studenten mehr und mehr als Hauslehrer für ihren achtjährigen Sohn Klaus ein, der bisher exklusiv vom Vater unterrichtet wurde. Der Junge soll eine umfassend gebildete Persönlichkeit und am besten später Präsident werden. Während der Student immer weniger dazu kommt, sich um seine eigene Arbeit kümmern, zeigen sich in der familiären Fassade bald Risse. Ein höchst neurotisches Beziehungsgefüge kommt zum Vorschein, unter dem vor allem der kleine Klaus leidet. Von den maßlosen Ansprüchen der Eltern völlig überfordert, bleibt ihm kein Platz für Spiel und Ausgelassenheit. Als der Student sich mit ihm gegen die herrischen Eltern verbrüdert, droht die Situation zu eskalieren.

Daniel Fripan, David Scheller und Oona von Maydell | mehr Cast & Crew


Der Bunker - Trailer


Der Bunker - Trailer


DVD und Blu-ray | Der Bunker

Blu-ray
Der Bunker Der Bunker
Blu-ray Start:
22.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 85 min.

zur Blu-ray Kritik
Der Bunker (Limited Edition) Der Bunker (Limited Edition)
Blu-ray Start:
22.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 85 min.
DVD
Der Bunker Der Bunker
DVD Start:
22.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 85 min.
Der Bunker (Limited Edition) Der Bunker (Limited Edition)
DVD Start:
22.07.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 85 min.

Filmkritik Der Bunker

Filmwertung: | 8/10


Das deutsche Genrekino ist tot, es lebe das das deutsche Genrekino! In diesem Spruch steckt durchaus einiges an Wahrheit drin, denn in der eher biederen deutschen Filmlandschaft gibt es durchaus immer wieder den einen oder anderen Schatz zu finden, der aus dem konservativen und braven Einerlei herausragt. Der Bunker SzenenbildWährend es so eine aufregende und sogar die filmische Form sprengende cineastische Freudenexplosion wie „Victoria“ letztes Jahr durchaus viel Aufmerksamkeit erlang, gehen radikalere Genreversuche wie „Der Samurai“, „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“ oder „True Love Ways“ völlig im deutschen Kino unter. Trotz weltweiter Festivalbesuche, die viele Leute aufhorchen ließ, wird es dem einzigartig bizarren Kuriositätenkabinett „Der Bunker“ wohl ähnlich ergehen, denn er läuft diese Woche in gerade mal sechs engagierten Lichtspielhäusern an und expandiert dann in den nächsten Wochen in weitere 16 Kinos. Zugegebenermaßen ist Nikias Chryssos Langfilmdebüt ein konsequent eigenwilliges, genresprengendes Kuriosum, das förmlich danach schreit in den Kultfilm-Kanon aufgenommen zu werden. Massentauglich ist „Der Bunker“ ganz sicher nicht, und auch wenn der Film kein großes Publikum finden wird, ist unzweifelhaft festzustellen, dass hier eine Wundertüte von einem Film geschaffen wurde, die viele Fans finden wird, die ihr Kino schräg, unorthodox und unvorhersehbar mögen.

In „Der Bunker“ kommen nur vier (oder fünf?) Figuren vor, deren Namen mit zwei Ausnahmen unerwähnt bleibt. Der Film spielt an einem einzigen Ort, nämlich erwartungsgemäß dem titelgebenden Bunker. Von einem Bunker selbst ist allerdings nie die Rede. Es geht um „den Studenten“ (Pit Bukowski), der, wie er es selbst sagt, „Ruhe und Abgeschiedenheit“ sucht, um an einer wissenschaftlichen Arbeit zu arbeiten, die wohl in irgendeiner Weise mit Astrophysik zusammenhängt. Der Bunker SzenenbildDiese Ruhe versucht er in dem abgelegenen, sich irgendwo im Wald befindlichen unterirdischen Heim von einem merkwürdigen Paar (Oona von Maydell & David Scheller) zu finden, in dem er ein Zimmer gebucht hat. Dieses spartianische und von der Außenwelt abgeschottete Heim ist wie eine altdeutsche Wohnung eingerichtet, die beiden Bewohner sind auch in ähnlichem Stil gekleidet. Doch mit ihnen haust auch ihr achtjähriger Sohn Klaus (Daniel Fripan), der allerdings ganz schön erwachsen aussieht. Es wird klar, dass es sich hier um ein Vakuum außerhalb der Gesellschaft handelt, aus dem Klaus noch nie herausgekommen ist. Die Eltern haben große Ambitionen für ihren Sohn, der eines Tages mal „Präsident“ werden soll. Sie bringen den Studenten dazu, im eigens eingerichteten Schulsaal etwas Unterricht zu geben, in dem er Nachhilfe zu globalen Finanzmärkten bekommen und natürlich Hauptstädte lernen soll – notfalls auch mit Nutzung des Bambussteckens, der unter der Tafel liegt.

Viel mehr sollte man über „Der Bunker“ auch wirklich nicht wissen. Hier reiht sich ein grotesk-bizarrer Moment an den anderen und man muss sich unweigerlich immer wieder fragen, was man hier eigentlich sieht. Antworten liefert Chryssos nicht, er präsentiert eine Art surreales, albtraumhaftes und assoziatives Paralleluniversum, wie es nur das Kino hervorbringen kann. Das Spiel der Figuren ist affektiert und bewusst überzogen, untermalt wird das schräge Geschehen durch klassische Musik und einen gelegentlich eingesetzten, pochend-unheimlichen 80er Jahre Synthie-Score, wie er in seinem John Carpenter-Retrostil aktuell ziemlich angesagt ist. Unterstrichen wird das auch durch die neonfarbenen Titel, die über dem Eintreffen des Studenten das Bild zieren. Der Bunker SzenenbildDer Film beginnt mit einem bemerkenswerten und extrem zitierbaren Monolog des Vaters über die Beschaffenheit des vor ihm liegenden Spiegeleis, der die sonderbar stilisierte Tonalität des Films schon mal direkt und unverkennbar verdeutlicht: „Ein fantastisches Ei. An der Außenseite ist es leicht angeknuspert und tangiert ins Gegrillte. Innen pulsiert es geradezu… lebensbejahend – und das ist Perfektion.“ „Der Bunker“ ist voller solcher linguistischer Schätze, die größtenteils mit bewusst übertriebener Akzentuierung und mit herrlicher, scheinbar unbemerkter Ironie vom herausragenden David Scheller genussvoll vorgetragen werden. Tonal fühlt man sich fast zwangsläufig an David Lynch erinnert, wobei hier gerade sein verstörender und undurchdringlicher Erstling „Eraserhead“ zu nennen ist – abgesehen von dem absurden Humor, der dann in späteren Lynch-Werken zu bewundern ist. Auch wenn unter der sonderbaren Oberfläche von „Der Bunker“ ein latent unterschwelliges Unwohlsein brodelt, gibt es eben immer wieder wunderbar staubtrockene und manchmal schwarze humorvolle Momente. In Schubladen will sich der Film einfach nicht stecken lassen, durch so viele verschiedene Genres streift Chryssos, von schwarzer Komödie zu Horror.

Wohin „Der Bunker“ hinsteuert, weiß man nie, wodurch der Film konsequent unvorhersehbar und überraschend bleibt. Er wirft viele Fragen auf und interessiert sich nicht dafür, diese auch zu beantworten, wodurch der Film sehr viel Platz für Interpretation offen lässt. Was es etwa mit dem mysteriösen und wohl körperlosen Wesen Heinrich und der offenen (und scheinbar sprechenden) Wunde am Bein der Mutter auf sich hat, lässt Chryssos im Raum stehen. Warum Klaus von einem erwachsenen Mann gespielt wird, bleibt der Interpretation des Zuschauers überlassen. Was man jedoch sagen kann, ist, dass der Film einen klaustrophobischen Mikrokosmos einer Familie darstellt, der wohl als Allegorie lesbar ist. Der Bunker SzenenbildAuf was genau, sei dahingestellt, jedoch steht immer wieder das Motiv der Bestrafung und der Belohnung im Fokus, auch Erziehung, Familie und Aufwachsen im Allgemeinen sind unverkennbare thematische Elemente des Films. Um eine bestimmte Aussage ist der Film aber dankbarer- und angenehmerweise nicht bemüht.

Auch wenn „Der Bunker“ mit einem sehr schmalen Budget hergestellt wurde, sieht man es ihm nicht an. Chryssos und Kameramann Matthias Reisser zeigen ein hervorragendes Auge für sich ins Gedächtnis brennende Bilderwelten, die durch präzise und sehr kontrollierte Bildkomposition und Lichtsetzung begeistern. Gekonnt wird hier mit Farbe gespielt, wobei bei der präzise gewählten Farbpalette primär Rot im Vordergrund steht. Ganz entscheidend für den bemerkenswerten visuellen Stil ist natürlich die fabelhafte Ausstattung von Melanie Raab, deren Sets sind faszinierend detailfreudig umgesetzt. Die Inszenierung ist elegant und selbstbewusst, der ruhige und unauffällige Schnitt von Carsten Eder ist genau auf den Punkt. Hier ist ganz offensichtlich viel filmisches Talent am Werk, das Raum zum Glänzen erhält.


Fazit:
Ein einzigartiges, enorm selbstbewusst inszeniertes und stilsicheres Kuriositätenkabinett aus Deutschland, das seinen Weg in den Kultfilm-Kanon schnell finden wird. Hier wird ein surreal-albtraumhaftes Paralleluniversum einer abgeschotteten Familie präsentiert, das mal verstört, mal belustigt und immer überrascht. Hier gibt es viele Momente und Bilder, die lange nachwirken. Was man aus dem Film mitnimmt, bleibt jedem selbst überlassen. Ein Stinkefinger für die biederen Konventionen der deutschen Filmlandschaft.
by

Bilder © Bildstörung