Der Unsichtbare

The Invisible Man (2020), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Horror / Thriller / Science-Fiction
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Cecilia Kass (Elisabeth Moss) fühlt sich in der von Gewalt geprägten Beziehung mit einem wohlhabenden und genialen Wissenschaftler gefangen. Um sich vor ihrem kontrollsüchtigen Partner zu verstecken, flieht sie mitten in der Nacht, mit Hilfe ihrer Schwester (Harriet Dyer, The InBetween), ihres Kindheitsfreundes (Aldis Hodge, Straight Outta Compton) und seiner Teenager-Tochter (Storm Reid, Euphoria). Als ihr handgreiflicher Ex (Oliver Jackson-Cohen, The Haunting of Hill House) Selbstmord begeht und ihr einen erheblichen Teil seines großen Vermögens hinterlässt, befürchtet Cecilia, er habe seinen Tod inszeniert. Tatsächlich beginnt anschließend eine Serie unheimlicher Zufälle mit tödlichem Ausgang, deren Ziel ihre am meisten geliebten Menschen sind. Verzweifelt versucht Cecilia nun zu beweisen, dass sie von etwas gejagt wird, das niemand sehen kann. Ein Kampf, der sie zunehmend an den Rand des Wahnsinns treibt.

Elisabeth Moss, Aldis Hodge und Storm Reid | mehr Cast & Crew


Der Unsichtbare - Trailer




DVD und Blu-ray | Der Unsichtbare

Blu-ray
Der Unsichtbare Der Unsichtbare
Blu-ray Start:
09.07.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 124 min.

zur Blu-ray Kritik
Der Unsichtbare (4K Ultra HD) Der Unsichtbare (4K Ultra HD)
Blu-ray Start:
09.07.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 124 min.
DVD
Der Unsichtbare Der Unsichtbare
DVD Start:
09.07.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 119 min.

Filmkritik Der Unsichtbare

Filmwertung: | 8/10


Nach außen hin mag das Konzept eines weiteren Films über einen Unsichtbaren sicher nicht allzu originell sein: Da wäre natürlich der Universal-Monsterklassiker aus dem Jahr 1933 samt diverser Fortsetzungen, John Carpenters “Jagd auf einen Unsichtbaren” von 1992 oder Paul Verhoevens 2000 erschienener “Hollow Man”. War eine Neuauflage von H.G. Wells Vorlage ursprünglich als Teil eines größeren Monster Universe mit Johnny Depp in der Hauptrolle geplant, entschied man sich nach dem Misserfolg von „Die Mumie“ schließlich doch anders. Hier kommt Leigh Whannell ins Spiel, der mit „Upgrade“ letztes Jahr einen der heimlich besten Genrefilme der letzten Zeit inszeniert hat und nun mit der radikalen Neuausrichtung von „Der Unsichtbare“ freie Hand hatte. Heraus gekommen ist ein Film, der eher ein psychologischer Thriller als reiner Horrorfilm ist und nicht wie üblich aus der Perspektive des titelgebenden Unsichtbaren erzählt ist. Hier steht stattdessen Elisabeth Moss in einer wahren darstellerischen Tour de Force im Mittelpunkt, die sich von ihrem soziopathischen Freund gelöst hat und nun nach dessen scheinbarem Selbstmord als Unsichtbarer heimgesucht wird.

Elisabeth Moss in Der Unsichtbare
Elisabeth Moss in Der Unsichtbare © Universal Pictures International Germany GmbH
Der Clou des Films ist jedoch, dass sich die von Moss gespielte Cecilia nach ihrer traumatisierenden Beziehung in einem psychologisch derart fragilen Zustand befindet, dass ihre angeblichen Konfrontationen mit ihrem unsichtbaren und bereits verstorbenen Ex-Freund für ihre Umgebung wie wahnhaftes Verhalten erscheint. Doch nochmal auf Anfang: Whannells „Der Unsichtbare“ beginnt mit einer großartigen Eröffnungssequenz, bei der Cecilia nachts aus dem Hightech-Haus ihres manipulativen und steinreichen Optiktechnik-Entrepreneur-Freunds Adrian (Oliver Jackson-Cohen) flüchtet. Whannell erschafft eine beklemmende Suspense-Sequenz, die rein durch präzise Kamerabewegungen und Bildkompositionen sowie dem wummernden Score von Benjamin Wallfisch ganz ohne Sprache für höchste Anspannung sorgt. Warum sich Cecilia hier von dem schlafenden Adrian entfernt, ihre Sachen packt und das Überwachungssystem auslistet, muss gar nicht erklärt werden, die Inszenierung sorgt alleine für ein nahezu körperlich spürbares Gefühl der Bedrohung und Dringlichkeit.

Wie Cecilia entkommt, soll hier nicht verraten werden. Wesentlich für die Prämisse des Films ist jedoch die Tatsache, dass sie bei dem befreundeten Polizisten James (Aldis Hodge) und dessen Tochter Sydney (Storm Reid) unterkommt. Dort lebt sie wochenlang in großer Furcht und traut sich nicht mal vor die Tür, bis ihre Schwester Alice (Harriet Dyer) sie mit der Neuigkeit konfrontiert, dass sich Adrian umgebracht hat. Nicht nur das, Adrians Bruder Tom (Michael Dorman) offenbart auch noch, dass Adrian ihr einen Großteil seines Erbes hinterlässt. Die völlig konsternierte Cecilia kann nur kurz aufatmen, denn trotz aller scheinbar vorhandenen Beweise zum Tod ihres Peinigers ist sie zunehmend der Überzeugung, dass Adrian hier ein perfides Spiel spielt. Und tatsächlich häufen sich Ereignisse, die Cecilia überzeugen, dass es dem Technik-Genie Adrian gelungen ist, seinen Tod vorzutäuschen und sich unsichtbar zu machen…

Aldis Hodge, Elisabeth Moss und Sam Smith in Der Unsichtbare
Aldis Hodge, Elisabeth Moss und Sam Smith in Der Unsichtbare © Universal Pictures International Germany GmbH
So verläuft „Der Unsichtbare“ grundsätzlich anders, als von bisherigen Filmen mit ähnlicher Thematik gewohnt. Whannell erzählt den Film strikt aus Cecilias Perspektive auf höchst eindringliche Weise und erweist sich so lange Zeit als gänzlich uninteressiert an Unsichtbarkeit als Gimmick. Andere Filme haben die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten und den potentiellen Machtmissbrauch und nahezu einhergehenden Voyeurismus von Unsichtbarkeit bereits zu Genüge ausgelotet, Whannell ist an anderen Dingen interessiert. Hier geht es um die psychologischen und schließlich sozialen Folgen einer missbräuchlichen und toxischen Beziehung. Fast schon könnte man davon ausgehen, dass Cecilia so angeschlagen ist, dass sie wahnhaft wird und sich die zunächst nur kleinen Manipulationen und Nadelstiche von Adrian nur einbildet. Doch schnell wird klar, dass die junge Frau eben nicht den Verstand verliert, sondern ganz bewusst von Adrian in den Wahnsinn und gesellschaftlichen Verfall getrieben wird. So baut Whannell in aller Ruhe subtil-latente und intensive Spannung auf, die genüsslich auf ihren Ausbruch wartet und den psychologischen Terror konsequent hochschraubt.

Wer also von einem „Der Unsichtbare“ betitelten Film viele Momente erwartet, in dem das zerstörerische Potential der Unsichtbarkeit ausführlich visualisiert wird, mag enttäuscht sein. Hoch perfide konstruiert Adrian Cecilias Wahnsinn, sodass sich bald ihr Umfeld von ihr abwendet und sie sogar schließlich des Mordes bezichtigt wird. Einer der unzweifelhaften Geniestreiche des Films ist die Besetzung von Elisabeth Moss in der Hauptrolle: Die gefeierte Indie-Aktrice liefert eine weitere furchtlose Darstellung einer Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die nahe geht und nicht unberührt lassen kann. Mit tiefen dunklen Augenringen und zitterndem Körper ist es absolut glaubwürdig, dass Cecilia Außenstehenden schließlich als unzurechnungsfähig erscheint und den Verstand verliert. Auf Moss Schultern ruht der Film, der dank ihr mindestens als psychologischer charakterbasierter Thriller, wenn auch weniger als herkömmlicher Horrorstreifen funktioniert. Doch „Der Unsichtbare“ zeichnet sich auch dadurch aus, dass er Cecilia nicht als reines Opfer inszeniert, sondern ihr Stärke und Intelligenz gibt und letztlich eine symbolgeladene und in Zeiten von #MeToo überaus zeitgemäße Emanzipationsgeschichte erzählt.

Elisabeth Moss in Der Unsichtbare
Elisabeth Moss in Der Unsichtbare © Universal Pictures International Germany GmbH
Doch der Film ist sicher nicht ohne Schwächen. So erscheint der Plot bisweilen als zu konstruiert und in manchen Elementen auch zunehmend durchschaubar. Szenen, bei denen der Unsichtbare schließlich ans Werk geht und Körper in langen Einstellungen durch die Gegend schlägt und schleudert, zeigen nicht immer volle Wirkung und können gerade bei einem Küchenfight sogar leicht albern daherkommen. Whannell setzt hier und da auch wieder seine in „Upgrade“ so effektiv eingesetzten Kamerabewegungen ein, die förmlich als schmerzhafte Erweiterung der gesehenen Gewaltspitzen dienen. Doch insgesamt hat man oft eher das Gefühl, dass der Australier zurückhält und längst nicht das gegebene Potential ausnutzt. Jedoch ist Whannells Regie erneut bemerkenswert selbstbewusst und stimmig, wodurch man bei mancher Schwäche gerne ein Auge zudrückt. Auch dank Moss engagierter Performance gelingt es dem Film, jederzeit bei der Stange zu halten und den Zuschauer immer in das Geschehen zu involvieren. So bleibt ein origineller, erwachsener und spannender Film, der einem alten Thema ein überraschendes Gefühl von Frische und Originalität verleiht.

Fazit:
Leigh Whannell erfindet mit „Der Unsichtbare“ ein altes Thema neu und wagt einen spannenden und zeitgemäßen Perspektivwechsel. Der Film entpuppt sich eher als behutsam aufgebauter psychologischer Thriller als simpler Horrorfilm und ist so weit raffinierter als der Genre-Durchschnitt. Herausragend: Elisabeth Moss als von einer missbräuchlichen Beziehung in den Wahnsinn getriebene Frau, die zunehmend den Halt verliert.
by Florian Hoffmann

Bilder © Universal Pictures Intl.