Der Spitzenkandidat

The Front Runner (2018), USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Biographie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Der Spitzenkandidat Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Der Film verfolgt den Aufstieg und Fall von Senator Hart, der ein großer Hoffnungsträger für junge Wähler war und 1988 bereits als Spitzenkandidat der Demokraten bei der Präsidentschaftsvorwahl galt. Doch dann brachte eine außereheliche Affäre mit Donna Rice seine gesamte Kampagne ins Wanken. Zum ersten Mal verschmolzen Boulevardjournalismus und politischer Journalismus miteinander – und Senator Hart war gezwungen, aus dem Rennen um die Präsidentschaft wieder auszusteigen. Dies hatte tiefe und nachhaltige Auswirkungen auf die US-Politik und die gesamte Weltbühne.

Hugh Jackman, Vera Farmiga und J.K. Simmons | mehr Cast & Crew


Der Spitzenkandidat - Trailer




DVD und Blu-ray | Der Spitzenkandidat

Blu-ray
Der Spitzenkandidat Der Spitzenkandidat
Blu-ray Start:
29.05.2019
FSK: 0 - Laufzeit: 113 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Der Spitzenkandidat Der Spitzenkandidat
DVD Start:
29.05.2019
FSK: 0 - Laufzeit: 109 min.

Filmkritik Der Spitzenkandidat

Filmwertung: | 7/10


Donald Trump's Weg zur Präsidentschaft war geprägt von Skandalen. Ihm wurden Verbindungen zur russischen Mafia nachgesagt, seine engsten Berater hatten zwielichtige Kontakte zu Russland und seine Vergangenheit war mehr als nur einmal in den Schlagzeilen. Doch sein Verhalten gegenüber den Frauen in seiner Vergangenheit bekam die meiste Aufmerksamkeit. In einem Access Hollywood Tape aus dem Jahre 2005 sprach Trump besonders vulgär über Frauen, seine Frauenfeindlichkeit war deutlich herauszuhören. "Ich liebe es, Frauen einfach nur küssen. Ich warte nicht einmal", sagt Trump. "Und wenn du ein Star bist, lassen sie dich alles machen. Ihnen an die Pussy fassen, alles." Für jeden Präsidentschaftskandidaten wäre dass das Ende der Wahlkampagne, doch für Trump war das nur ein kleiner Ausrutscher. Ein geeigneter Zeitpunkt also, die Geschichte vom Demokraten Gary Hart zu erzählen. Dieser war 1988 der Favorit, das demokratische Ticket zu führen, doch seine außerehelichen Aktivitäten zwangen ihn zum Rücktritt. Wie kam es überhaupt dazu? In "Der Spitzenkandidat" wird der Fall von einem beliebten Politiker überzeugend dargestellt, mit einer fantastischen Besetzung, aber auch einigen inhaltlichen Schwächen.

Gary Hart (HUGH JACKMAN, Mitte)
Gary Hart (HUGH JACKMAN, Mitte) © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Regisseur Jason Reitman ist der Sohn vom legendären Regisseur Ivan Reitman, der verantwortlich für die "Ghostbusters"-Filme und "Twins" ist. Dieses Talent hat er seinem Sohn weitervererbt, der mit "Juno", "Up in the Air" und "Young Adult" schon so manch tollen Film gedreht hat. Doch es gab auch einige Filme in seiner Karriere, die weniger gelungen sind. "Labor Day" und "#Zeitgeist" waren allesamt große Enttäuschungen, doch 2018 war so eine Art Comeback-Jahr für ihn. Mit "Tully" lieferte er wieder einen guten Film und verhalf Charlize Theron zu einer weiteren Golden Globe Nominierung, und mit "Der Spitzenkandidat" ist ihm ein brisanter, politischer Film gelungen, der aktueller nicht sein könnte. Die Entscheidung, sich nur auf drei Wochen von Gary Hart's Präsidenschaftskampagne zu konzentrieren, war ziemlich clever. Denn dadurch gibt es keine unnötigen Ausschweifungen, die von der Geschichte ablenken. Reitman's Film hat eine fantastische Besetzung, und er schafft es, dass alle Schauspieler ihren Moment zum Glänzen haben. Solche Filme fokussieren sich meistens auf die Hauptfigur und alle anderen Charaktere bleiben blass, "Der Spitzenkandidat" verleiht auch den Nebencharakteren die nötige Tiefe. Das ist auch den Drehbuchautoren Matt Bai und Jay Carson zu verdanken. Ihnen gelingt ein vielschichtes Porträt von Gary Hart, mit sehr vielen Details, guten Dialogen und obwohl ich wusste, wie das alles ausgeht, so war das alles doch recht spannend. Doch das Drehbuch der beiden ist nicht perfekt. Es fehlt der Tiefgang in wichtigen Momenten, beispielsweise erfährt man die Motivation hinter Gary Hart's Verhalten nicht. Warum hat er eine Frau betrogen, obwohl er hätte Präsident werden können?

Gary Hart (HUGH JACKMAN)
Gary Hart (HUGH JACKMAN) © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Hugh Jackman spielt Gary Hart, der an den Primaries 1988 teilnimmt und als Favorit der demokratischen Partei für die Präsidentschaftswahl gilt. Ihm gelingt es, sowohl Alt als auch Jung für seine Kampagne zu begeistern, seine Ideen stoßen auf Anklang, und seine wundervolle Familie erfüllt den Rest. Amerika liebt Hart. Doch ein fataler Fehler zerstört all seine Träume, und auch beinahe seine Familie. Er hintergeht seine Frau und beginnt eine Affäre mit einer anderer Frau. Hugh Jackman ist ein klasse Schauspieler, der in seiner Karriere schon oft gezeigt hat, dass er mehr kann als nur Wolverine. In "Les Misérables" durfte er seine Gesangskünste zur Schau stellen, "Der Spitzenkandidat" gibt ihm die Möglichkeit, wieder seine Künste als dramatischer Schauspieler zu zeigen. Er liefert eine oscarwürdige Performance ab und er schafft es, dass man mit Hart etwas sympathisiert, obwohl er seine Frau betrogen und hunderte von Menschen im Stich gelassen hat. Diese feine Linie muss man erst hinbekommen, und das gelingt Jackman. J.K. Simmons verkörpert Bill Dixon, seinen Wahlkampfleiter. Er hat die prominenteste Nebenrolle und macht seinen Job gewohnt gut, doch leider ist er nicht so oft zu sehen und kann keinen großen Eindruck hinterlassen. Vera Farmiga ist Lee Hart, Gary Hart's Ehefrau, und sie wird hier total verschwendet. Der Film ist allgemein extrem stark besetzt, jeder Schauspieler ist überzeugend. Am beeindruckendsten neben Jackman ist aber Mamoudou Athie, der einen Journalisten spielt, der Hart stets harte Fragen stellt. Die Szenen mit ihm sind immer klasse, intense und Athie schafft es, mit Jackman mitzuhalten.

Gary Hart (HUGH JACKMAN, Mitte)
Gary Hart (HUGH JACKMAN, Mitte) © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
"Der Spitzenkandidat" ist ein Drama, das auf mehreren Ebenen überzeugt. Der Film ist nicht nur ein gelungenes Porträt über einen Politiker, der schneller fällt als ein Meteorit. Er bietet zudem einen glaubwürdigen Blick hinter die Kulissen einer Wahlkampagne und die Medienlandschaft der damaligen Zeit. Die meisten Journalisten, die hier gezeigt werden, sind keine Helden, die man beispielsweise aus Filmen wie "Die Unbestechlichen" kennt. Sie sind alle Opportunisten, die versuchen, ihre Auflage zu erhöhen, indem sie einem berühmten Politiker nachspionieren. Was diesen Film so gut macht ist die Tatsache, dass Reitman sich nicht auf eine Seite stellt. Er überlässt es dem Zuschauer darüber zu entscheiden, ob Gary Hart Sympathie verdient oder nicht. Ich hätte aber in diesem Punkt etwas mehr Tiefgang gewünscht, denn der Film geht nie darauf ein, warum Hart seine Frau betrogen hat und seine Ziele einfach so verworfen hat, und das alles nur wegen einer flüchtigen Affäre. Was hat ihn dazu veranlasst? War es Selbstsabotage? Oder ist er für einen Moment schwach geworden, weil der Stress des Wahlkampes zu viel wurde? Mit diesen Fragen beschäftigt sich dieser Film leider nicht. Technisch gesehen bietet der Film auch einiges, von interessanten Kamerafahrten bis hin zu den Nahaufnahmen, die dem Ganzen etwas intimes verleihen. Gegen Ende verliert der Film etwas an Fahrt, aber es macht Spaß, diesem Ensemble zuzuschauen und sie werten das Material auf. Zudem brilliert Hugh Jackman in dieser Rolle und man wünscht sich, dass er nach dem Ende von Wolverine mehr dramatische Rollen annimmt, denn er ist ein ausgezeichneter Schauspieler. "The Front Runner" erinnert an alte Robert Altman Filme und gehört zu den besten Filmen von Jason Reitman.


Fazit:
Wer an Politik interessiert ist, der ist bei Der Spitzenkandidat sehr gut aufgehoben. Alle anderen sollten diesem Film ebenfalls eine Chance geben, denn das Drama ist einfach kompetent inszeniert, unterhaltsam und besitzt ein klasse aufspielendes Ensemble, angeführt von Hugh Jackman.
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Bilder © Sony Pictures