Der Leuchtturm

The Lighthouse (2019), USA / Kanada
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Fantasy / Horror
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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Inhalt

Ein entlegener Leuchtturm-Außenposten an der Küste Neuenglands wird zum Schauplatz eines archaischen Duells zweier dem Wahnsinn nahen Männer. Thomas Wake (Willem Dafoe) und Efraim Winslow (Robert Pattinson) werden auf eine einsame Insel gesandt, um eine marode Leuchtturmanlage zu warten und in Betrieb zu halten. Zur Zeit der Jahrhundertwende an der rauen Atlantikküste ist das eine wichtige Aufgabe, die sich mehr und mehr in einen Überlebenskampf verwandelt. Die zwei extrem unterschiedlichen Charaktere prallen ungebremst aufeinander und als ein nicht enden wollender Sturm über sie hinwegzieht, wird aus psychologischen Sticheleien schon bald ein brutaler Nervenkrieg.

Robert Pattinson, Willem Dafoe und Valeriia Karaman | mehr Cast & Crew


Der Leuchtturm - Trailer




Filmkritik Der Leuchtturm

Filmwertung: | 9/10


Robert Pattinson ist zurück! Noch bevor sich der 33-jährige im kommenden Jahr der Batman-Rolle annimmt, war er dieses Jahr bereits im viel gelobten Netflix-Drama „The King“ als französischer Dauphin neben Timothée Chalamet zu sehen und erreicht jetzt mit „Der Leuchtturm“, einem in schwarz-weiß gedrehten Horror-Drama, seinen bisherigen Zenit. In dem neuen Film des „The Witch“-Regisseurs Robert Eggers verkörpert er neben dem kongenialen Willem Dafoe den deutlich jüngeren von zwei Leuchtturmwärtern, die eine vierwöchige Schicht auf einem kleinen, einsamen Eiland vor der Küste Maines antreten. Dabei fällt es den beiden zunehmend schwerer, das erdrückende Nichts zu verkraften und schon bald droht sie der eigene Wahnsinn einzuholen.

Robert Pattinson und Willem Dafoe in Der Leuchtturm
Robert Pattinson und Willem Dafoe in Der Leuchtturm © Universal Pictures International Germany GmbH
„Die Einsamkeit ist des Seemanns Verderben“, sagt Dafoes Figur zu Beginn des Films. Ein Motto, das man auch als Catchphrase des Films an sich hätte benutzen können. Nichts beschreibt die Handlung besser als dieser Satz. Von der ersten Sekunde an befinden wir uns als Zuschauer auf eben jener Insel, die als Arbeitsplatz der beiden mit dem Schiff kommenden Männer dienen soll. Es mögen zwar nur ein paar Minuten gewesen sein, in denen wir kein einziges Wort zu hören bekommen, doch es kommt uns wie eine Ewigkeit vor. Stattdessen lauschen wir einem erdrückenden, von tiefen Blasinstrumenten geprägten musikalischen Thema, während wir den beiden Hauptfiguren bei ihrem ersten Tag auf der Insel beobachten. Dieses Thema verstummt während der knapp 110-minütigen Laufzeit nur selten und bildet die Grundlage für uns Zuschauer, die Einsamkeit und den Wahnsinn zu verstehen und vielleicht sogar mitzufühlen. Dabei verzichtet man bei der musikalischen Untermalung auf moderne Instrumente und Möglichkeiten, man hört nur welche, die es auch schon im 19. Jahrhundert gab.

Willem Dafoe in Der Leuchtturm
Willem Dafoe in Der Leuchtturm © Universal Pictures International Germany GmbH
„Der Leuchtturm“ hatte offensichtlich kein hohes Budget zur Verfügung, doch das brauchte er auch nicht. Die wenigen Computereffekte, die zu beobachten sind, sind stimmig und gerade wenn wir als Zuschauer das erste Mal eine Meerjungfrau zu Gesicht bekommen, wirkt diese unglaublich glaubhaft. Es vergrößert die Furcht vor ihr, sind uns doch im Film vorher nie CGI-Effekte aufgefallen. Durch das gezielte und fast einmalige Einsetzen des CGI gelingt es den Machern, uns glauben zu lassen, diese Meerjungfrau wäre echt. Man erwartet sie fast nicht in diesem schwarz-weiß Film im 1:1-Format, der wie eine lange verschollene Filmperle wirkt.

Es braucht nicht immer ein hohes Erzähltempo, um einen guten Film zu liefern. Genauso wenig braucht es aber ein sehr langsames. „Der Leuchtturm“ findet genau die Schnittstelle, an der sich das Tempo des Films idealerweise wiederfinden sollte. Dies tut er sogar so gut, dass man tatsächlich das Zeitgefühl verliert. Genau wie die Protagonisten wissen wir irgendwann nicht mehr, wie lange wir uns denn nun schon im Kinosaal befinden. Es spricht für den Film, denn so können wir die gestörten Wahrnehmungen der beiden Männer gut nachempfinden.

Robert Pattinson in Der Leuchtturm
Robert Pattinson in Der Leuchtturm © Universal Pictures International Germany GmbH
Spricht man über die Wahnsinnigen der Filmgeschichte, bekommt man immer wieder dieselben Namen zu hören: Der Joker, Patrick Bateman aus American Psycho, Oberst Kurtz aus Apocalypse Now und Norman Bates aus Psycho sind nur einige von vielen Namen, die in den Ring geworfen werden. Ab diesem November wird man wohl aber auch an zwei weiteren Namen in dieser Liste nicht vorbei kommen: Ephraim Winslow und Thomas Wake, gespielt von Robert Pattinson und Willem Dafoe, durchleben auf dieser kleinen Insel ihren eigenen, realistischen Horror. Die Seemänner werden von ihrer Ehrfurcht vor dem Meer und seinen Bewohnern, der Einsamkeit, dem Misstrauen und fehlender sozialer Bindungen zu unmenschlichen Taten und Zuständen verleitet, die man in Filmen vielleicht vorher noch nie bestaunen durfte. Gerade Willem Dafoe, der während der Drehzeit in einer alten Fischerhütte und nicht in einem Hotel lebte, passt so dermaßen perfekt in die Rolle des alten, verbitterten, fast schon tyrannischen Seemanns, dass allein seine Performance uns das Fürchten lehrt. Es ist an der Zeit, dass dieser brillante Schauspieler nun endlich die Auszeichnungen bekommt, die er verdient. Auch sein Partner, Robert Pattinson, kann sich hier endgültig von seinen „Twilight“-Filmen rehabilitieren. Zwar kommt er in „Der Leuchtturm“ (noch) nicht ganz an Dafoes Darbietung heran, doch auch er bietet hier eine außergewöhnliche Leistung.


Fazit:
Zusammenfassend kann man festhalten, dass Regisseur Robert Eggers mit seinem erst zweiten Spielfilm ein kleines Meisterwerk gelungen ist. Der Film zählt definitiv zu den Highlights diesen Jahres, ob er auch noch in einigen Jahren als Klassiker gilt, wird sich zeigen. Es ist allerdings zu vermuten, schließlich ist „der Leuchtturm“ einer der zeitlosesten Filme der letzten Jahre. Mit anderen Darstellern hätte der Film genauso wie er ist auch vor 50 Jahren entstehen können. Es spricht Bände, dass die Erzähl-und Inszenierungstechnik heute trotzdem einwandfrei funktioniert. Obwohl er vielleicht zwei, drei Szenen zu lang war und ihm dieses besondere Merkmal, durch das man unumstrittene Meisterwerke wie Pulp Fiction oder Herr der Ringe für Jahre in Erinnerung behalten wird, fehlt, ist „Der Leuchtturm“ immer noch ein grandioses Werk.
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Bilder © Universal Pictures Intl.