Der Fall Collini

The Collini Case (2019), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Constantin Film

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Inhalt

Anwalt Caspar Leinen (Elyas M‘Barek) gerät über eine Pflichtverteidigung an einen spektakulären Fall: Über 30 Jahre lang hat der 70jährige Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) unbescholten in Deutschland gearbeitet und dann tötet er anscheinend grundlos den angesehenen Großindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in dessen Berliner Hotelsuite. Für Caspar steht weit mehr auf dem Spiel als sein erster großer Fall als Strafverteidiger. Das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna (Alexandra Maria Lara) und war wie ein Ersatzvater für Caspar. Zudem hat er mit der Strafverteidiger-Legende Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) einen Gegner, der ihm haushoch überlegen scheint. Caspar muss herausfinden, warum Collini ausgerechnet einen vorbildlichen Menschen wie Meyer ermordet hat. Auch das öffentliche Interesse an dem Fall ist immens, doch Collini schweigt beharrlich zu seinem Motiv. Als Caspar gegen alle Widerstände immer tiefer in den Fall eintaucht, wird er nicht nur mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, sondern stößt auf einen der größten Justizskandale der deutschen Geschichte und eine Wahrheit, von der niemand wissen will.

Elyas M'Barek, Alexandra Maria Lara und Franco Nero | mehr Cast & Crew


Der Fall Collini - Trailer




Filmkritik Der Fall Collini

Filmwertung: | 9/10


Der deutsche Thriller „Der Fall Collini“ behandelt den Gerichtsprozess um den Mord von Hans Meyer (Manfred Zapatka), ein erfolgreicher Geschäftsmann, welcher anscheinend ohne Motiv vom Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) ermordet wurde. Für den Rechtsanwalt Casper Leinen (Elyas M’Barek) ist es der erste Fall, da ihn aber Hans Meyer als Kind mitaufgezogen hat, muss er versuchen, das Private vom Beruflichen zu trennen und Hinweise suchen, weshalb Collini zu dieser schrecklichen Tat fähig war, um ihn vor einer lebenslangen Haft zu wahren. Doch die Hinweise stecken tief in der Vergangenheit und es erfordert einiges an Geschick, um diesen Fall zu einem gerechten Ende zu führen.

Seinen Fall im Blick: Anwalt Caspar Leinen (Elyas M'Barek) vor seiner Kanzlei.
Seinen Fall im Blick: Anwalt Caspar Leinen (Elyas M'Barek) vor seiner Kanzlei. © Constantin Film Verleih GmbH / Edith Held
„Der Fall Collini“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ferdinand von Schirach. Dabei ist dieser Film aber keinesfalls eine typisch deutsche Romanverfilmung, sondern schafft es einen Schritt weiterzugehen. Genaue Bilder der Leiche werden am Anfang nicht gezeigt. Stattdessen sieht man Collini, wie er sich blutverschmiert in einer Hotel-Lobby niederlässt. Dann wird der Rechtsanwalt Casper Leinen in einer Boxsequenz etabliert. Spätestens ab jetzt sind Ahnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit entstanden. Weder der Mord noch die gesehenen Charaktere werden erklärt. Das ist sehr untypisch für eine deutsche Romanverfilmung, da das deutsche Kino meistens auf Klarheit und Eindeutigkeit setzt, um alle Zuschauergruppen bei der Stange zu halten. Erst im Verlaufe der Handlung erfahren wir mehr über die Beziehung vom Mordopfer zu Casper Leinen. Der Mörder wird allerdfings nur schweigend und in sich gekehrt gezeigt. Erst beim Fortschreiten der Handlung öffnet sich Collini und es entsteht eine interessante Beziehung voller Geheimnisse und Misstrauen zwischen dem Täter und seinem Verteidiger.

Wird Caspar Leinen (Elyas M'Barek) Fabrizio Collini (Franco Nero) im Gerichtssaal zu einer Aussage bewegen können?
Wird Caspar Leinen (Elyas M'Barek) Fabrizio Collini (Franco Nero) im Gerichtssaal zu einer Aussage bewegen können? © Constantin Film Verleih GmbH / Edith Held
All das gelingt nur durch das schauspielerische Talent von Elyas M’Barek. Ihn kennt man gewöhnlich aus Komödien („Fack ju Göhte“), aber hier schafft er es in einer ernsthaften und ruhigen Art einen Charakter darzustellen, der durch seine Befangenheit im Prozess versuchen muss, sein persönliches Empfinden abzulegen und sachlich an den Fall ranzugehen. Mit Franco Nero („Django Unchained“) zusammen gibt er ein interessantes Duo ab. Nero, der von sich aus schon eine mysteriöse und beängstigende Art innehält, schafft es den ganzen Film über, so immer nahbarer zu werden, dass man stetig das Gefühl hat, dass man eigentlich zu der falschen Person Sympathien aufbaut, da er der brutale Mörder ist. Auf der gegenüberliegenden Seite des Gerichts und der Sympathienträger findet sich Heiner Lauterbach („Kalte Füße“). Er spielt den Nebenkläger, welcher von Anfang an als der erhobene Staatsanwalt dargestellt wird, welcher das Spiel verstanden hat. Er wirkt als unbesiegbar und hat bisher jeden Fall gewonnen. Doch wenn es sich zum Ende des Films neigt, bekommt er eine unglaubliche Tiefe, dass er fast schon zum interessantesten Charakter wird, da er nur durch das Umdenken seiner bisherigen Meinung noch weiter Erfolg haben kann.

Johanna Meyer (Alexandra Maria Lara) verfolgt den Strafprozess im Gerichtssaal.
Johanna Meyer (Alexandra Maria Lara) verfolgt den Strafprozess im Gerichtssaal. © Constantin Film Verleih GmbH / Edith Held
Gerade zum Ende nimmt der Film viele drastische Wendungen ein. Marco Kreuzpaintner, der Regisseur, nutzt am Ende alle Vorteile des Medium Films gegenüber einem Roman. Er setzt auf montageartige Szenen, welche durch bildgewaltige Motive und einer atemberaubenden Musik von Ben Lukas Boysen Monete es schafft, noch nachhaltend im Gedächtnis zu bleiben. Leider geschieht das erst zum Ende. Zur Mitte des Films treten teilweise Stellen auf, die man hätte streichen können, da nichts passiert oder Figuren unnötigerweise mehr Hintergrund bekommen. Diese Brüche reißen den Zuschauer nicht nur raus, sondern lassen auch Langweile entstehen, die nicht entstehen dürfen und da der deutsche Film typischerweise von der Langweile dominiert wird, lässt es das insgesamte Produkt schwächer wirken.


Fazit:
„Der Fall Collini“ schafft es, trotz einigen schwachen Stellen im Mittelteil, ein Paradebeispiel für den guten deutschen Film zu werden. Hier wird auf gutgeschriebene Charaktere, interessante Schauspieler und einer spannenden Thematik gesetzt, die unter den deutschen Romanverfilmungen nicht oft zu finden ist. Aber gerade zum Ende wurden Momente kreiert, die noch nachhaltig im Gedächtnis bleiben und das gelingt nicht vielen Filmen, egal aus welchem Produktionsland.
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Bilder © Constantin Film