Das Zimmermädchen Lynn

Das Zimmermädchen Lynn (2014), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Movienet

Das Zimmermädchen Lynn Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Lynn putzt gerne. Ihr entgeht keine noch so kleine Nische, kein Fältchen und kein Staubkorn – weder in ihrem kleinen Apartment, noch an ihrem Arbeitsplatz, dem deutschen Mittelklasse-Hotel „Eden“. Wie es sich für ein Zimmermädchen gehört, erledigt Lynn ihren Job stets still und gründlich, bewegt sich fast unsichtbar von Zimmer zu Zimmer, und hinterlässt jedem Gast nichts als makellose Reinheit. Doch Lynn hat ein Geheimnis: Jeden Mittwoch legt sie sich unter ein anderes Hotelbett, lauscht Gesprächen und Geräuschen, oder schlummert beglückt von der bloßen Existenz eines anderen Menschen. Eines Tages liegt sie unter dem Bett eines Hotelgastes, der die Dienste des Callgirls Chiara in Anspruch nimmt. Lynn ist so fasziniert von dieser Frau, dass sie sich zum ersten Mal aus ihrem Versteck traut...

In Ingo Haebs Romanverfilmung DAS ZIMMERMÄDCHERN LYNN sehen wir einer jungen Frau beim Zusehen zu. Dass die Geschichte dabei trotzdem keineswegs karg und distanziert, sondern – im Gegenteil – zutiefst faszinierend, emotional und auch komisch ist, verdankt DAS ZIMMERMÄDCHEN LYNN nicht zuletzt seiner Hauptdarstellerin Vicky Krieps, die für den Film als beste Schauspielerin mit dem Förderpreis Neues deutsches Kino ausgezeichnet wurde. "Vicky Krieps hat unzählig viele Farben Frau. Mal erscheint sie wie eine Göttin, dann wieder wirkt sie bemitleidenswert armselig. Und all dies in ein- und derselben Rolle. Die sie mit bedingungsloser Hingabe spielt. Nein, nicht spielt: IST", so die Begründung der Jury.


Vicky Krieps, Lena Lauzemis und | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Das Zimmermädchen Lynn

DVD
Das Zimmermädchen Lynn Das Zimmermädchen Lynn
DVD Start:
13.11.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 87 min.

Filmkritik Das Zimmermädchen Lynn

Filmwertung: | 5/10


Ach wie schön und spannend ist doch die Welt der Mitmenschen! Ähnliches mag sich Markus Orth gedacht haben, als er seinen Roman „Das Zimmermädchen“ schrieb. Ingo Haeb nutzt den Roman als Vorlage für sein Drama „Das Zimmermädchen Lynn“, welches einen Blick in die Welt einer labilen und putzbegeisterten jungen Frau wirft. Diese reinigt mit voller Hingabe Hotelzimmer und belauscht regelmäßig das Leben der Gäste, wenn sie sich unter dessen Betten versteckt. Die Grundidee klingt durchaus spannend, doch bei der filmischen Umsetzung hapert es leider. Denn wer erwartet, dass der Film den Voyeurismus zelebriert oder in einer bisher ungeahnten Weise auf die Leinwand bringt, wird enttäuscht werden. Zimmermädchen Lynn dringt zwar in die Privatsphäre der Hotelbesucher ein, erlebt deren Leben jedoch aus einer verminderten Perspektive mit. Wenn sie sich unter den Betten der Leute versteckt, hört sie Gespräche mit an oder wohnt der einen oder anderen Sexszene bei. Meist bezieht sich ihre Wahrnehmung jedoch nur auf das Hören, weil die Sicht aus ihrer Lage unter dem Bett stark eingeschränkt bleibt. Ausführlicher findet hingegen der Putzwahn von Lynn Betrachtung, der in manchen Momenten schon als krankhaft aufgefasst werden kann. Jeder Winkel und jede Nische wird voller Hingabe geschrubbt und selbst die Zahnbürsten der Hotelgäste erfahren eine Sonderbehandlung.

Die Hauptfigur bleibt trotz einiger Verweise auf die Vergangenheit oberflächlich und blass. Anhand der Therapiestunden werden mögliche Ereignisse angedeutet, jedoch nicht näher ausgeführt, sodass der Zuschauer im unklaren gelassen wird. Vicky Krieps´ Darstellung des Kindermädchens wirkt unmotiviert und banal. Bis zum Ende des Films gelingt es nicht, Sympathie zur Hauptfigur aufzubauen. Lynns Handlungen und auch die sonderbare Beziehung zum Callgirl bleiben als ungreifbare Ereignisse in der Luft hängen. Die meisten Szenen wirken etwas wahllos aneinandergereiht. Spannung kommt nicht auf und auch ein Mitgefühl für die Hauptfigur mag sich einfach nicht einstellen. Die Hotelbesucher bleiben ebenfalls anonym und ohne Persönlichkeit, weil sie nur die bekannten Stereotypen ohne jeglichen Esprit verkörpern. Einige wenige Szenen gestalten sich unfreiwillig etwas komisch. Der große Witz bleibt aber aus. Die Dialoge klingen sehr konstruiert und ersticken jegliches Gefühl von Atmosphäre bereits im Keim. Selbst die intime Liebesbeziehung mit Callgirl Chiara, etwas hölzern gespielt von Lena Lauzemis, kann kein Fünkchen Erotik transportieren. Etwas imposanter erscheint da schon Lynn´s Traumversion, die jedoch aus der übrigen Handlung herausstricht und dadurch mehr störend als interessant erscheint. Das offene Ende bietet dem Zuschauer die Möglichkeit, sich selbst ein Finale auszumalen. Im Hinblick auf die unlängst banale Geschichte nimmt man jedoch das Ende hin, wie es nun einmal ist, ohne den Figuren einen weiteren Gedanken zu widmen.
Letzten Endes ist Ingo Haebs Drama mehr ein Kunstfilm, als eine packende Kinounterhaltung, die im abendlichen Programm vermutlich mehr Zuschauer vor den Fernseher, als ins Kino locken wird.


Fazit:
„Das Zimmermädchen Lynn“ entlässt den Zuschauer mit einem beklemmenden Gefühl aus dem Kino. Unfreiwillig fühlt man sich an vergangene Hotelbesuche erinnert, die nach dem Film einen faden Beigeschmack bekommen. Bis auf wenige prägnante Szenen ist die Geschichte jedoch schnell vergessen und so bleibt am Ende nur die Einsicht, dass man bei der nächste Übernachtung in einem Hotel zunächst unters Bett schauen wird, um sicherzugehen, dass sich darunter kein Gast verbirgt.
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Bilder © Movienet


Cast und Crew

Darsteller:
Vicky Krieps, Lena Lauzemis

Regisseur:
Ingo Haeb

Produzent:
Olaf Hirschberg, Ingmar Trost

Drehbuch:
Ingo Haeb