Das Schmuckstück

Potiche (2010), Frankreich
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

-> Trailer anschauen

Das Schmuckstück Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

1977: Madame Suzanne (CATHERINE DENEUVE), Gattin des Regenschirmfabrikanten Pujol (FABRICE LUCHINI), fühlt sich vernachlässigt. Sie vergleicht sich mit einer "Potiche", einer Porzellanvase, die keinerlei Funktion hat und nur hübsch anzuschauen ist. Auch Pujol sieht in Suzanne lediglich ein dekoratives Schmuckstück. Viel lieber vergnügt er sich mit seiner Geliebten oder im Nachtclub, beutet die Arbeiter in seiner Fabrik nach Kräften aus und fühlt sich ganz wie ein Grandseigneur. Doch das Spiel hat ein jähes Ende, als Pujol einen Herzanfall erleidet. Suzanne übernimmt kurzerhand die Leitung der Fabrik, verordnet Wohlstand für alle und verbündet sich mit dem örtlichen Abgeordneten der kommunistischen Partei, Monsieur Babin (Gérard Depardieu). Und schon bricht die künstlich errichtete, wunderschöne Fassade zusammen. Zwar entpuppt sich Suzanne als die bessere Chefin, doch was Suzanne und ihr Sohn aus der Firma machen, darf nicht sein...

Catherine Deneuve, Gérard Depardieu und Fabrice Luchini | mehr Cast & Crew


Das Schmuckstück - Trailer




DVD und Blu-ray | Das Schmuckstück

Blu-ray
Das Schmuckstück Das Schmuckstück
Blu-ray Start:
08.09.2011
FSK: 6 - Laufzeit: 103 min.
DVD
Das Schmuckstück Das Schmuckstück
DVD Start:
08.09.2011
FSK: 6 - Laufzeit: 99 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik Das Schmuckstück

Filmwertung: | 8/10


Suzanne Pujol, die einst glückliche Hausfrau kommt sich nutzlos vor und sieht selbst nur noch als Schmuckstück in ihrer Ehe. Ihr gestresster Gatte der lokale Regenschirmfabrikchef, nimmt sie kaum noch wahr und versteht ihre Sorgen nicht. Sein sexuelles Interesse gilt der Sekretärin Nadége und den streikenden Firmenmitarbeiter. Und auch die Kinder machen Probleme. Tochter Joelle möchte sich von ihrem Mann scheiden lassen und sich selbst verwirklichen, während ihr Bruder Laurent sich mit einer Bäckerin verloben will und alles andere plant, als in die familiäre Firma einzusteigen.
Als die Firmenmitarbeiter den Vater als Geisel nehmen, willigt er jedoch ein, sich als Austausch in deren Hände zu begeben. Die 300 Mitarbeiter lassen sich jedoch nicht darauf ein. Suzanne ergreift die Initiative und besucht ihre alte Romanze Maurice Babin, den ehemaligen Geschäftsführer. Mit seiner Hilfe will sie ihren Mann aus den Händen der Arbeitnehmer befreien. Schließlich gelingt das Vorhaben und der geschwächte Robert muss nach seiner Befreiung das Bett hüten. Dort beichtet er seine Frau, dass er der Vater der zukünftigen Braut seines Sohnes sein könnte und das die Hochzeit daher unter keinen Umständen stattfinden darf. Suzanne ist zutiefst verletzt durch die Affäre ihres Mannes und schwört ihm Rache. Babin rät auf die Forderungen der Mitarbeiter einzugehen, was Robert dermaßen aufregt, dass er einen Herzinfarkt erleidet und seine Frau kurzerhand die Firma übernimmt. Im Gegensatz zu ihren Mann scheint sie die Probleme in den Griff zu bekommen. Die Firma erblüht durch ihren Einsatz zu neuem Leben. Die Beziehung zwischen Chefin und Mitarbeiter ist freundschaftlich und ausgelassen. Und sogar die Kinder finden in der Firma einen Arbeitsplatz, der sie ganz ausfüllt. Als Robert aus der Reha heimkehrt fühlt er sich durch seine Frau entmachtet. Und selbst seine ehemalige Sekretärin möchte nicht mehr seine Spielgefährtin sein. Verärgert versucht er Suzanne von seinem Platz zu verdrängen. Diese weigert sich jedoch und erklärt ihm nebenbei, dass sein Sohn gar nicht sein Sohn ist. Nun schwört er Rache und durch eine List gelingt es ihm wieder seinen Posten einzunehmen. Doch seine Frau ist nicht dazu bereit an den heimischen Herd zurückzukehren. Ganz im Gegenteil. Nach ihren Erfolg in der Firma zieht sie als Parlaments-Kandidatin in den Wahlkampf und wird zur Abgeordneten gewählt.
Damit beweist sie sich und allen Frauen, dass sie nicht zwangsläufig den Platz am Herd verdient haben.

Das Drehbuch adaptierte Francois Ozon von dem Theaterstück „Potiche“, das vor über zehn Jahren von Barillet und Grédy geschrieben wurde. Er machte daraus eine Komödie, die aus der Sicht der 70er Jahre die heutige Wirtschaftskrise auf die Schippe nimmt. In seinem insgesamt dreizehnten Film erzählt er die Geschichte einer Emanzipation.
Suzanne Pujol ist der Ausgangspunkt der Handlung. An ihrer Figur erlebt der Kinobesucher die Entwicklung einer Hausfrau, die zu Hause in einer Art Gefängnis von ihrem Mann gehalten wird und lediglich das familiäre Umfeld zu meistern hat. Nach dem Herzinfarkt ihres Mannes wird sie mit der Außenwelt konfrontiert und mit dem aktiven Eintritt in die Firma beginnt sie sich zu emanzipieren und die vermeidliche Rolle des Mannes für sich zu beanspruchen. Als sie wieder aus dieser Rolle und aus der Firma verdrängt wird, erwacht in ihr der Wunsch zur Rache. Doch diese will sie nicht auf den gemeinsamen Haushalt beschränken. Angespornt von dem Erfolg in der Firma widmet sie sich größeren Projekten und startet engagiert und ehrgeizig ihre politische Karriere.

Catherine Deneuve, die bereits in Ozons Film „8 Frauen“ mitwirkte, verkörpert sehr authentisch die Hauptrolle Suzanne. Ihr gelingt es die Figur zu Beginn des Films als Karikatur darzustellen. Das liebenswerte Heimchen im roten Trainingsanzug und Lockenwickler im Haar mausert sie sich zur aktiven Powerfrau. Ihr komödiantisches Talent spielt die Schauspielerin dabei voll aus. Vor allem die Darstellung der vorbildhaften Hausfrau, die hinter dem Rücken ihres Mannes zahlreiche Affären hat und sich noch nicht mal im klaren darüber ist, wer denn nun der Vater ihres Sohnes sein könnte, ist grandios und beinhaltet mehrere Lacher.
Robert Pujol leitet die Firma, die seine Frau als Mitgift in die Ehe brachte. Auch wenn sie damit nicht ihm gehört, sieht er sich selbst als Besitzer dieser. Die klassische Rollenverteilung der 70er Jahre wird dadurch in allen Klischees erfüllt: Die Frau steht daheim am Herd, während der Mann die Firma führt. Der tyrannische und cholerische Ehemann wird von Fabrice Luchini dargestellt, der seinen Widersacher Babin gekonnt gegenüber. In naher Zukunft wird er als Julius Caesar erneut Gérard Depardieu gegenüberstehen, da beide gemeinsam für „Asterix gegen die Briten“ vor der Kamera stehen werden.
Der hoffnungslose Romantiker Maurice Babin wird von Gérard Depardieu gespielt. In dieser Rolle fördert er sein Repertoire der Schauspielkunst zu Tage. Erinnert man sich an seine letzten Rollen, etwas als Asterix´ Freund Obelix, so erkennt man auch hier die Liebenswürdigkeit und Ruhe seiner Person. Als Babin schwelgt er immer noch in den Erinnerungen der Vergangenheit, als er Suzanne traf und sich mit ihr im Wald vereinte. Diese Zuneigung und gar Liebe scheint ungebrochen zu sein. So hofft er auf eine erneute Chance und trägt seinen Wunsch für ein gemeinsames Leben an Suzanne heran. Die nicht nur diesen, sondern auch den Hoffnungsschimmer Laurent könnte der gemeinsame Sohn sein, zerstört.
Tochter Joelle, Judith Godréche, eröffnet ihrer Mutter zu Beginn des Films, dass sie keinesfalls so enden möchte wie sie – als Schmuckstück. Sie hält sich selbst für modern und selbstständig und spricht von ihrer Scheidung. Am Ende des Film räumt sie jedoch hochschwanger für ihren Mann den Platz in der Firma, damit dieser sie einnehmen kann und dafür bei ihr und den Kindern bleibt. Während ihrer Mutter den Schritt zur Emanzipation geschafft hat, tritt sie den konservativen Rückzug ins Hausfrauendasein an.
Selbst die Sekretärin Nadége, die von Karin Viard gespielt wird, entwickelt sich weiter und erkennt, dass sie als Frau weiterkommen kann auch wenn sie nicht mit dem Chef schläft. Sohn Laurent, Jérémie Renier, entwickelt eine inzestuöse Beziehung, ohne sich dessen bewusst zu sein. Anfangs ist er mit der Bäckertochter liiert, die das Resultat einer Affäre seines Vaters ist. Er darf die vermeidliche Schwester dennoch lieben, weil er nicht der Sohn von Robert ist. Als seine Mutter ihre politische Karriere vorbereitet, ist er stets an ihrer Seite und löst für sie seine Verlobung, da sie zum Mittelpunkt seines Lebens geworden ist. Suzanne redet ihn dies aus und weist ihn an ein eigenes Leben zu führen. Sei es denn mit dem jungen Mann, der das eigentliche Resultat aus der Affäre seines Vaters ist. Die Homosexualität von Laurent wird nicht in den Mittelpunkt gestellt, aber durch seine Kleidung, sein Engagement in der Designwerkstatt und letztendlich seine Haltung lassen sich seine femininen Seiten erkennen.

Der zum Teil feministisch angehauchte Film, verpackt in einer Komödie, spiegelt die 70er Jahre authentisch wieder, was auch durch die passenden Lieder zusätzlich betont wird. Die als Parodie aufgemachte Komödie ist trotz dieser Verschiebung in die Vergangenheit in Bezug auf die Verteilung von Mann und Frau aktuell und bietet beiden Geschlechtern Situationen, die zum Schmunzeln einladen.
Insgesamt ein netter Film.
by Sandy Kolbuch

Bilder © Concorde Filmverleih GmbH


Von Interesse: