Das Haus auf Korsika

Au cul du loup (2011), Belgien
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Schwarz-Weiss Filmverleih

Das Haus auf Korsika Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Christina ist fast 30, lebt seit 10 Jahren mit ihrem Freund zusammen und jobbt lustlos in der Pizzeria ihres Schwiegervaters in der kleinen italienischen Kolonie der belgischen Bergarbeiterstadt Charleroi. Eines Tages erbt Christina von ihrer Oma ein Haus auf der Insel Korsika, von dem die Familie nichts wusste. Alle drängen Christina zum schnellen Verkauf. Doch Christina denkt nicht im Traum daran und macht sich lieber selbst auf den Weg in den Süden. Schließlich – hofft sie – hat sich ihre Lieblingsoma vielleicht etwas dabei gedacht, sie nach Korsika zu schicken. Doch das Haus entpuppt sich als eine echte Bruchbude mitten in der Wildnis.
Ungewohnt herb ist nicht nur die Natur, auch die verschlossenen Nachbarn machen Christina den Anfang nicht leicht. Doch die frische Luft der korsischen Berge tut ihr gut. Sie möchte das Haus wieder bewohnbar machen. Plötzlich ist jeder weitere Tag ein Geschenk. Und natürlich gibt es noch eine Geschichte, die das Haus erzählen soll.


Christelle Cornil, François Vincentelli und Jean-Jacques Rausin | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Das Haus auf Korsika

DVD
Das Haus auf Korsika Das Haus auf Korsika
DVD Start:
13.09.2013
FSK: 6 - Laufzeit: 82 min.

Filmkritik Das Haus auf Korsika

Filmwertung: | 4/10


Viele Leute um die 30 fragen sich häufig, ob sie die richtigen Entscheidungen für ihr Leben getroffen haben oder ob sie aus Mangel an Mut, ein wenig befriedigendes, angepasstes Leben führen.

Das Leben der 30jährigen Christina (Christelle Cornil) verläuft eintönig, ohne besondere Höhen und Tiefen. Seit 10 Jahren ist die junge Frau italienischer Abstammung mit ihrem Freund zusammen und jobbt mit ihm ohne Lust und Perspektive in der Pizzeria ihres Schwiegervaters in spe in Charleroi, in der Nähe von Brüssel. Bis sie eines Tages unerwartet eine Nachricht erhält, dass ihre Großmutter verstorben sei und sie von ihr ein Haus auf der Insel Korsika erbt. Die Familie drängt Christina zu einem schnellen Verkauf ihres geerbten Hauses, aber sie ist neugierig.

Sie ergreift die Chance und macht sich auf den Weg nach Südfrankreich. Sie hofft, dass sich ihre Lieblingsoma vielleicht etwas dabei gedacht hat, sie nach Korsika zu schicken. Was sie vorfindet, ist ein ziemlich verfallenes Haus in malerischer Kulisse fernab jeglicher Zivilisation. Im Stile vieler Landhäuser in Korsika, die bis zum Zweiten Weltkrieg Saisonarbeitern, die vornehmlich aus Norditalien kamen, als Unterkunft gedient hatten. Die herbe Natur und die verschlossenen Nachbarn machen es Christina anfangs nicht leicht. Doch die frische Luft der korsischen Berge tut ihr gut und sie trotzt den Widerständen seitens der Familie und beginnt, die Geschichte des Hauses und ihrer Großmutter zu erkunden.

Den belgischen Regisseur Pierre Duculot reizte an seinem Film "Das Haus auf Korsika", von den zwei Regionen Charlerloi und Korsika zu erzählen. Und von der Idee, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Die Frage, die den Film leiten soll, ist: Gibt es ein Leben vor dem Tod? Nach dem Motto, etwas zu verpatzen ist nicht schlimm, aber es nie versucht zu haben, unverzeihlich. In der Schauspielerin Christelle Cornil hat Duculot seine Muse gefunden, mit der er schon zahlreiche Kurzfilme gemacht hat und sie deshalb gerne seinen Produzenten empfahl.

"Das Haus auf Korsika" soll getragen werden von der Gefühlswelt seiner Protagonistin und von den Aufnahmen aus Korsika, wo Christina die Kälte des Winters und die Frische des Wassers entdeckt. Dem Regisseur war wichtig, mit seinem Film das Gefühl des Eintauchens zu vermitteln. In der Qualität der Schauspieler und in den Landschaftsaufnahmen liegen deshalb auch nicht die Defizite des Filmes. Jede Situation wird ertränkt in Dialoge. Der Film hätte sich glänzend geeignet, mit ganz wenigen Worten, die Gefühlswelt in den Gesichtern abzubilden und gerade in den Szenen auf Korsika, die Atmosphäre wirken zu lassen. Genau das hielt der Regisseur wohl nicht für das probate Mittel, was aber auch zum dramaturgischen Bumerang wird. Selbst Christinas Lustlosigkeit in ihrem Job in der Pizzeria muss mit den Dialogen moderiert werden. Es wäre sonst wohl auch keinem Aufgefallen, dass sie diese Tätigkeit in Verbund mit diesem Leben besonders Leid ist.

In der Bewertung des Filmes, will man ungern das alte Klischee bezüglich Filmen aus Belgien und Filmen aus Frankreich aufwärmen. Aber genau das ist zutreffend, denn "Das Haus auf Korsika" hat alle Zutaten, um eigentlich ein großer Arthaus-Film sein zu können. Den Filmemachern gelingt aber nicht diese gefühlvolle, wohldosierte und atmosphärische Umsetzung, wie es vermutlich genau den Franzosen mit ihrer Art, Filme zu machen, geglückt wäre.
by André Scheede

Bilder © Schwarz-Weiss Filmverleih