Das grüne Gold

Dead Donkeys fear no Hyenas (2016), Schweden / Deutschland / Finnland
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Dokumentation
Kinostart Deutschland: - Verleih: Neue Visionen

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Das grüne Gold Filmplakat

Inhalt

Ackerland – das neue grüne Gold. Weltweit wächst die kommerzielle Nachfrage nach Anbauflächen für den globalen Markt, eine der lukrativsten neuen Spielflächen ist Äthiopien. In der Hoffnung auf große Exporteinnahmen verpachtet die äthiopische Regierung Millionen Hektar Land an ausländische Investoren. Der Traum von Wohlstand hat jedoch seine dunklen Seiten: es folgen Zwangsumsiedlungen riesigen Ausmaßes, über 1 Millionen Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage, die Böden werden überfordert – die Antwort ist eine Spirale der Gewalt im Angesicht einer paradoxen Umweltzerstörung. Denn zu dieser Entwicklung tragen auch Milliarden Dollar Entwicklungshilfe von Institutionen wie der EU und Weltbank bei. Und wer sich in den Weg stellt, erfährt die harte Hand der Regierung. Dies muss auch der junge äthiopische Umweltjournalist Argaw lernen, der seine Stimme erhebt – und sich damit selbst in Gefahr bringt.

Transnationale Landinvestitionen als Konjunkturmaschine oder Ausverkauf des eigenen Landes. Die einen hoffen auf große Gewinne und Fortschritt, die anderen verlieren Existenz und Zuhause. Der erschreckenden Wahrheit auf der Spur trifft der schwedische Regisseur Joakim Demmer auf Investoren, Entwicklungsbürokraten, verfolgte Journalisten, kämpfende Umweltaktivisten und vertriebene Bauern. Ein ungeheuerlicher Real-Thriller, der von den scheinbar entlegenen Ecken Äthiopiens über die globalen Finanzmetropolen direkt auf unseren Esstisch führt.
| mehr Wissenswertes zum Film

Argaw Ashine, Omot Agwa Okwoy und Ivan Holmes | mehr Cast & Crew


Das grüne Gold - Trailer





Info und Wissenswertes zum Film

Regisseur Joakim Demmer zum Film

Die Arbeit an DAS GRÜNE GOLD wurde durch eine scheinbar alltägliche Szene am Flughafen von Addis Abeba vor Jahren ausgelöst. Während ich auf meinen Flug spät nachts wartete, sah ich zufällig müde Arbeiter auf der Rollbahn, die Nahrungsmittel in ein Flugzeug nach Europa luden. Und zur gleichen Zeit war ein anderes Team damit beschäftigt, Nahrungsmittelhilfe aus einem zweiten Flugzeug zu entladen. Ich habe ein bisschen gebraucht, um die tragende Bedeutung hinter der Szene zu begreifen – dieses von Hungersnot geplagte Land, in dem Millionen von Nahrungsmittelhilfe abhängig sind, exportiert tatsächlich Nahrung zu uns.
Die Fassungslosigkeit über das Paradox machte bald einem anderen Gefühl Platz – Wut.

Das grüne Gold Szenenbild
Auch das ist möglich: Kommerzielle Landwirtschaft, die Nahrung für die Bevölkerung im eigenen Land produziert. © Neue Visionen Filmverleih
Wut gegen die Ungerechtigkeit, dass hunderttausenden Kleinbauern ihr Land geraubt wird, das sie und ihre Ahnen seit Generationen bearbeiten, nur um zu sehen, wie es ausländischen Investoren von der anderen Seite der Welt überlassen wird. Es ist eine unerträgliche Ungerechtigkeit, wie die Existenzgrundlagen dieser Menschen ruiniert werden, das heißt, sie verlieren nicht nur die Möglichkeit, ihre Familien zu ernähren, sondern sie kämpfen auch mit dem Verlust ihrer Kultur und Identität.

Die Wut richtet sich auch gegen die Ahnungslosigkeit, den Zynismus und manchmal auch die reine Dummheit von internationalen Institutionen wie der EU, DFID und der Weltbank. Deren Bestrebungen können oft gut sein, aber in diesem Fall fördern sie letztendlich eine Diktatur und eine desaströse Entwicklung mithilfe unserer Steuergelder, statt den Menschen vor Ort zu helfen. Ich fühlte auch Scham, als ich mir klar wurde, wie eng Landraub mit uns verbunden ist. Der Zucker in meinem Kaffee, die Baumwolle in meinem T-Shirt und sogar die Blumen für meine Mutter könnten leicht von gestohlenem Land stammen. Unsere Unternehmen, Banken und Pensionsfonds investieren alle in Land. In der komplexen Welt der Globalisierung könnte die Verantwortung so verzettelt sein, dass sie sich scheinbar auflöst. Trotzdem gibt es immer Menschen, die den Preis zahlen, und ihr Schicksal ist real.

Das grüne Gold Szenenbild
Verkehrte Welt: Die verbliebenen Anuak arbeiten als Tagelöhner auf dem Land der Investoren, das einst das ihre war. © Neue Visionen Filmverleih
Selbst wenn dieses Projekt eine Reise ins Dunkle war, war es auch ein großes Privileg, so viele wunderbare und mutige Menschen in Äthiopien, Südsudan, Kenia und Kambodscha kennenzulernen. Trotz der oft großen Risiken trafen wir immer auf Menschen, die bereit waren, beim Film mitzumachen oder ihn zu unterstützen. Manche haben bereits einen sehr hohen Preis gezahlt. Ihre Motivation speist sich aus der Hoffnung, dass ihre Stimmen gehört werden und die Ungerechtigkeit eines Tages ein Ende finden wird. Das bringt für uns Filmemacher eine große Verantwortung mit sich – dass möglichst viele Menschen von ihren Schicksalen erfahren. Meine persönliche Hoffnung ist es, dass wir ihr Vertrauen verdient haben.

Was ist Landraub?

Stellen Sie sich vor, Sie würden eines Tages vom Lärm eines Bulldozers aufwachen und man sagt Ihnen, dass Sie und Ihre Familie das Land, auf dem Sie seit Generationen leben, zu verlassen haben. Und wenn Sie sich weigern, werden Sie gewaltsam dazu gezwungen oder ins Gefängnis gesteckt. Für tausende Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika wird dies zur bitteren Realität. Die Jagd nach dem grünen Gold hat fast jeden Winkel des Erdballs erfasst. Bald werden Investoren über 55 Millionen Hektar Ackerland kontrollieren – das entspricht einer Fläche, die größer als Deutschland ist. Am stärksten betroffen sind die ärmsten Länder wie Äthiopien. Und bei einigen dieser Verkäufe handelt es sich um sogenannten Landraub: Deals, die ohne die freie, vorherige und informierte Zustimmung der Gemeinden, denen das Land gehört, abgeschlossen wurden. Oftmals ist das Resultat, dass Kleinbauern gezwungen werden, ihr Zuhause zu verlassen und ihre Familien ihre Lebensgrundlage verlieren.
Dabei sind es nicht nur wirtschaftliche Kräfte, die nach mehr Kulturland drängen, sondern sogar unsere Rentenkassen investieren weltweit in Landwirtschaft und Entwicklungsprogramme, die von unseren Steuergeldern finanziert werden.