Cruelty - Grausamkeit

Cruelty - Grausamkeit (2013), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Drama / Kriegsfilm
Verleih: Tim Augurzke Film

Cruelty - Grausamkeit Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Als ein kleiner, alliierter Stoßtrupp, knapp nach der Landung in der Normandie, von einer feindlichen deutschen Einheit aufgerieben wird, überlebt nur ein Mitglied, der geistliche Dolmetscher Jones. Geplagt von den unerträglichen Geschehnissen, die er miterlebt hat und von seinen Schuldgefühlen, zieht er sich in die französischen Wälder zurück. Hoffend dem Geschehenen entfliehen zu können, beginnt er ein Leben abseits der Schlachtfelder. Jedoch kreuzen immer wieder Soldaten aller Fraktionen seinen Weg und ziehen ihn immer weiter in Richtung Abgrund. Ein Film voller starker Bilder und Emotionen, Hoffnung, Mitleid, Hass, Rache, Trauer. Ein Film der sich ein Beispiel an „Apocalypse Now“ und „Full Metal Jacket“ nimmt und einen Fokus auf die emotionale und zwischenmenschliche Ebene des Krieges wirft.

Chris Nachtigall, Marc Bluhm und Joachim Assfalg | mehr Cast & Crew


Filmkritik Cruelty - Grausamkeit

Filmwertung: | 7/10


Immer wieder widmen sich große Hollywoodproduktionen der Kriegsthematik, die sie in ausschweifenden Bildern auf der Kinoleinwand in Szene setzen. Der Krieg wird in grausamen Sequenzen inszeniert. Nur gelegentlich beginnen solche Filme mit dem Kriegsende, um den Fokus auf die Überlebenden und deren davongetragenes Trauma zu richten. Und dabei sind es gerade solche Momente, die den Zuschauer gefangen nehmen und durch die menschlichen Schicksale berühren.
Das Werk von Tim Augurzke Film, das den einfachen Titel Cruelty – Grausamkeit trägt, ist ein solches.

Die anfänglich hoffnungsvollen Strandaufnahmen werden durch erschreckende Mordszenen durchbrochen und lenken den Blick des Zuschauers auf einen alliierten Soldaten. Körperlich unversehrt, aber seelisch traumatisiert blickt der geistliche Dolmetscher Jones (Chris Nachtigall) auf seine ermordeten Kameraden. Bloße Erinnerungen an die letzten gemeinsamen Stunden und ihr jähes Ende, das in nahezu poetisch kolorierten Bilder dargestellt ist, hebt sich von der Realität des Überlebenden ab. Einsam bleibt der Geistliche zurück. Hoffend, dem Erlebten entfliehen zu können, setzt er seinen Weg durch die schneebedeckte Landschaft fort. Doch immer wieder kreuzen gegnerische Soldaten seinen Weg und holen den Krieg zurück in sein Bewusstsein. Kampfesbereit tritt er ihnen entgegen. Voller Hass tötet er in einem Moment eine Frau, um sich im nächsten mitfühlend um einen Verletzten zu kümmern. Mit jenen bestraft er sich selbst und befreit sich gleichzeitig von der Last, die ihn nicht vergessen lässt. Die Weigerung einen Verletzten von seinen Qualen zu erlösen und sich selbst das Ende zu setzen, offenbaren den inneren Kampf des Geistlichen.
In der einsam und ruhigen Schneelandschaft vermischen sich die Schreie der Verwundeten mit dem Zwitschern der Vögel. Jeder Schritt dringt kraftvoll hervor, ohne die Ruhe zu durchbrechen. Angedeutete Zeitsprünge ermöglichen dem Zuschauer Einblicke in die Vergangenheit, die den jungen Mann nicht mehr loslassen. Der Abschied von den Kameraden und der damit verbundene Verlust eines positiven Lebensgefühls wird mit einfachen Gesten und Blicken nachvollziehbar in Szene gesetzt. Die notdürftige Bestattung der Verstorbenen und die Verwahrung ihrer letzten Habseligkeiten kommt einem endgültigen Abschied nahe. Die Radiosendung, die das Kriegsende verlauten lässt, schöpft Hoffnung. Doch die Schatten der Vergangenheit werden niemals ruhen. Das zutiefst ergreifende Ende lässt den Kurzfilm dank der musikalischen Untermalung langsam ausklingen. Der persönlich gestaltete Abspann erweist sich als Hommage an eine verhängnisvolle Kriegsvergangenheit, der sich niemand verwehren kann.
Das Schicksal des jungen Jones, dessen schwere Last von Chris Nachtigall dargstellt wird, hält das Interesse des Zuschauers gebannt. Kameramann John Bauer fängt die prägnanten Blicke und Gesten ein und lenkt den Blick auf das Wesentliche. Die visuellen Effekte von Andrè Becker und Benjamin Borns verleihen den Bildern eine bedeutsame Tiefe und heben das Finale erschreckend hervor.

Fazit: Der Kurzfilm von Tim Gerrit Augurzke fokussiert einen sehr persönlichen Blickwinkel auf die Erlebnisse des Krieges. Die innere Zerrissenheit eines Soldaten und der Umgang mit seinen verheerenden Schuldgefühlen wird greifbar für den Zuschauer in Szene gesetzt, ohne ihm eine Wertung oder Kritik vorwegzunehmen.
by Sandy Kolbuch

Bilder © Tim Augurzke Film