Crimes of the Future

Crimes of the Future (2022), Kanada / Frankreich / Griechenland
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller / Horror
Kinostart Deutschland: - Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

Crimes of the Future Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

In einer dystopischen Welt, in der nur noch wenige in der Lage sind Schmerzen zu empfinden, entwickeln mehr und mehr Menschen Organe mit bislang unbekannten Fähigkeiten. Performance-Star Saul Tenser nutzt seine Mutationen für die Kunst: In umjubelten Avantgarde-Shows lässt er sich die neu erwachsenen Körperteile von seiner Partnerin Caprice vor Live-Publikum herausoperieren. Seine spektakulären Darbietungen wecken bald den Argwohn der staatlichen Organ-Registrierungsbehörde und auch eine mysteriöse Untergrundorganisation verfolgt akribisch jeden seiner Schritte. Doch dann erhält Saul ein Angebot für die schockierendste Vorstellung seines Lebens.

Viggo Mortensen, Léa Seydoux und Kristen Stewart | mehr Cast & Crew


Filmkritik Crimes of the Future

Filmwertung: | 5/10


Nachdem sein Sohn Brandon letztes Jahr mit „Possessor“ bereits in eine ähnliche Kerbe schlug, kehrt nun der Altmeister David Cronenberg höchstpersönlich zum Subgenre des Body-Horrors zurück. Bei „Crimes of the Future“ beschäftigt er sich nun erneut mit faszinierenden Themen wie dem körperlichen Verfall oder dem Kontrollverlust über den eigenen Körper, und würzt das mit gewohnt hoher Brutalität. Nur dass das diesmal für mich nicht so ganz zünden wollte…

Und das, obwohl die Eröffnungsszene erstmal wundervoll verstörend gerät. Bereits hier zeigt sich wieder einmal das inszenatorische Können Cronenbergs. Schräge Kamerawinkel, dunkel ausgeleuchtete Sets und langsame Kamerafahrten erzeugen schnell eine unangenehme Atmosphäre. Im Laufe der Handlung ergeben sich zudem durch gekonnten Einsatz der practical effects auch einige albtraumhafte Einstellungen, die einem eigentlich noch lange in den Untiefen des eigenen Geists heimsuchen sollten. Tun Sie aber nicht. Denn alles in Crimes of the Future wirkt leider entrückt und schwer zu greifen.

Die Geschichte stagniert über weite Strecken des Films und endet dann noch dazu sehr plötzlich. Dabei werden Figuren ohne jeglicher Identifikationsfläche erschaffen, die durch ihre sehr prätentiöse Natur noch dazu arg unsympathisch geraten. Gerade die gewollt prätentiösen Dialoge, in denen sich unsere Figuren geradezu ergötzen, fangen nach einiger Zeit auch arg zu nerven an.

In vielen Momenten ist Crimes of the Future dann auch zu sehr verliebt in seinen eigenen Stil. Wenn ein sonst so großartiger (weil auch subtiler und zurückgenommener) Viggo Mortensen in einem Ninja-Kostüm in einer dunklen Ecke kauert, während ein Kerl, mit unzähligen Ohren am Körper, und mit zugenähten Augen und Mund, als künstlerische Installation zu Musik tanzt, schießt Cronenberg für mich hier etwas über das Ziel hinaus.

Crimes of the Future geht seinem Publikum keinen Schritt entgegen. Der Film ist, was er ist. Und das kann ich auch ein Stück weit respektieren. Denn immer wieder kann ich mich auch ein Stück weit in seiner einzigartigen, seltsamen Art verlieren. Und doch sitze ich, trotz aller Verrücktheit, von der ich mir so sehr wünsche, dass sie in mir etwas auslöst, letztlich eben doch gelangweilt da.

Cronenbergs neuester Film ist genau die Sorte Film, die vom einen Lager immer leidenschaftlich mit einem „Du hast ihn ja nur nicht verstanden“ als Geniestreich verteidigt werden wird, während das andere ihn als prätentiösen, pseudotiefgründigen Möchtegern-Kunstfilm abtun wird. Und ich? Ich bin hin- und hergerissen. Letztlich liegt zumindest in meinem Fall die Wahrheit aber wie so oft irgendwo in der Mitte.

Fazit:
Crimes of the Future hat alle Zutaten, die ihn eigentlich zu einem weiteren Klassiker in der Vita von David Cronenberg machen sollten. Er ist eigenartig, originell und handelt von zeitlosen Themen. Und doch ist einfach nichts greifbar, und löst so auch in mir nichts außer Langeweile aus. Schade...
by Sebastian Stegbauer

Bilder © Weltkino Filmverleih GmbH