Cosmopolis

Cosmopolis (2012), Kanada / Frankreich
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Falcom

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Cosmopolis Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Eric Packer (Robert Pattinson), Millionär sowie erfolgreicher Vermögensverwalter fährt in seiner weißen Stretch-Limousine quer durch Manhattan, um sich bei seinem Lieblingsfriseur die Haare schneiden zu lassen. Doch das Herz von New York steht an diesem Frühlingstag kurz vor dem totalen Kollaps. Der amerikanische Präsident ist in der Stadt, gewalttätige Globalisierungsgegner demonstrieren und der Sufi-Rapper Brutha Fez wird unter großer Anteilnahme seiner Anhänger zu Grabe getragen. Mitten durch dieses postmoderne Pandämonium schleicht Packer mit seinen Leibwächtern und Sicherheitsbeamten, seiner Frau, seiner Liebhaberin, und seinem Leibarzt im Schritttempo voran, ohne wirklich vorwärts zu kommen.
Während das Leben im Inneren seiner rollenden Festung zum Fernsehbild gerinnt, träumt Packer von hartem Sex, philosophiert über digitale Medien, geilt sich an riskanten Termingeschäften mit dem japanischen Yen auf und lässt sich seine "asymmetrische" Prostata untersuchen. Weltweit wackeln die Börsenkurse, die Finanzmärkte geraten ins Trudeln, und als Eric viele Stunden und etliche riskante Termingeschäfte später endlich seinen Haarschnitt bekommt, droht auch sein Leben aus den Fugen zu geraten ...


Robert Pattinson, Juliette Binoche und Sarah Gadon | mehr Cast & Crew


Cosmopolis - Trailer




DVD und Blu-ray | Cosmopolis

Blu-ray
Cosmopolis Cosmopolis
Blu-ray Start:
29.10.2012
FSK: 12 - Laufzeit: 112 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Cosmopolis Cosmopolis
DVD Start:
29.10.2012
FSK: 12 - Laufzeit: 108 min.

Filmkritik Cosmopolis

Filmwertung: | 6/10


Bereits seit über vier Jahrzehnten dreht der Kanadier David Cronenberg Filme und hat dabei eine erstaunliche Entwicklung als Regisseur durch gemacht. Wurde er in den 80er Jahren auf Grund solcher Werke wie Scanners, Videodrome oder Die Fliege als Begründer sowie Meister des sogenannten Body-Horror Genre gefeiert, scheint es so, als sei der Filmemacher mit seinen 69 Jahren mittlerweile in einer Schaffensphase angelangt, die man gut und gerne als Spätwerk bezeichnen kann. Dieses zeichnet sich immer weniger durch die Darstellung des äußerlichen Verfalls des Menschen sowie eines Dualismus zwischen Körper und Geist aus, sondern erkundet spätestens seit Spider vielmehr die Untiefen der menschlichen Psyche - und dies auf einer äußerst strukturierten Ebene. Mit kleinen Schritten hat sich Cronenberg so innerhalb der letzten Jahre beinahe vollständig von seinem körperbetonten Kino zurück gezogen. Die Essenz des Kinos sei dabei für ihn schon immer das menschliche Gesicht sowie die Dialoge zwischen den Figuren gewesen, betonte der Regisseur kürzlich in einem Interview. Und tatsächlich besteht sein neuester Film Cosmopolis, wie schon das voran gegangene Werk Eine dunkle Begierde, genau hieraus.

Beinahe eins zu eins übernahm Cronenberg die Dialoge aus der Romanvorlage des amerikanischen Autors Don DeLillo für seinen Film. Genau wie der Roman erzählt Cronenbergs Cosmopolis die Geschichte des 28-jährigen Multi-Millardärs Eric Packer (Robert Pattinson). Sein Vermögen hat dieser mit spekulativen Finanzgeschäften gemacht, aber an diesem Tag will er sich mit einer weißen Stretchlimousine nicht ins Büro, sondern zum Friseur fahren lassen. Allerdings befindet sich der Präsident in New York, was den Verkehr immer wieder zum erliegen bringt. Im Schritttempo lässt sich Packer die 47. Straße hinunter chauffieren, sein Sicherheitsteam immer auf der Hut vor möglichen Angriffen gegen den Finanzmogul. Ein ums andere Mal gewährt Packer verschiedenen Personen eine Audienz in seinem Gefährt. Mitarbeiter, Ärzte, Liebhaberinnen: jeder für kurze Zeit ein Begleiter, mit dem sich Packer verbal duelliert, während sein Vermögen sich im virtuellen Raum der pausenlos „arbeitenden“ Finanzmärkte aufzulösen droht und das Volk auf den Straßen auf begehrt.

DeLillos Roman, der erstmals 2003 erschien, wird heute zurecht als prophetisch beschrieben. Die aktuelle Finanzkrise sowie Protestaktionen à la Occupy Wall Street wirken beinahe beängstigend nahe an dem, was sich DeLillo in seinem Werk bereits knapp 10 Jahre früher ausmalte. Hinter dieser Wucht hinkt Cronenbergs filmische Umsetzung leider nicht nur zeitlich ein wenig hinterher. Die Dialoge zwischen den Figuren, die sich stets um solche Schlüsselbegriffe wie „Zeit“ und „Asymmetrie“ drehen, hinter deren Sinn die Hauptfigur Packer, der so fixiert ist auf klare Strukturen und Muster, kommen will, entfalten zwar auch im Film ihre Kraft, bleiben aber letztendlich auf dem Papier zu Hause, wo man sie wiederholen, studieren und kompletter erfassen kann. Wie schon die Wortduelle zwischen Freud und Jung in Eine dunkle Begierde, lässt sich das Gesprochene in Cosmopolis auf Anhieb nur schwerlich in Gänze aufnehmen. Cronenbergs aktuelle Werke konzentrieren sich, im kompletten Gegensatz zu seinen früheren Film, so sehr auf das Wort, dass sie beinahe zwingend mehrmalige Sichtungen durch den Zuschauer fordern. Dies kann vom Regisseur gewollt sein, wird aber auf der anderen Seite nicht wenige Zuschauer abschrecken und muss sich der Kritik eines dem Medium Film nicht immer vorteilhaften Stils gefallen lassen.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass Cosmopolis neben den Dialogen audiovisuell nichts zu bieten hätte. Gerade den den Innenraum Packers enormer Stretchlimousine nutzt Cronenberg exzellent, um den Zuschauer tief in dessen Welt (und Kopf) eintauchen zu lassen. Diese ist besonders von Abgrenzung gekennzeichnet. Während draußen auf der Straße der Aufstand tobt, dringt auf Grund der extremen Isolierung kaum ein Geräusch herein, in diesen dunklen dunklen Thronsaal des Milliardärs. Am souveränen Umgang mit jenem beschränkten Raum merkt man Cronenberg seine Jahrzehnte lange Erfahrung als Regisseur an. Immer wieder generiert er neue interessante Blickwinkel und spielt mit der Dualität zwischen Innen und Außen. Und doch leidet Cosmopolis letztendlich ein wenig an einer Bilderarmut. Nur wenige Szenen, wie die einer an der Limo vorbeiziehende Riesenratte, übertragen DeLillos Quellenmaterial in einer Form auf die große Leinwand, durch die es gelingt, das Potenzial des Textes durch die dem Kino eigenen Möglichkeiten noch einmal noch einmal neu zu erkunden.

Cronenberg verlässt sich in Cosmopolis somit besonders auf die von DeLillo erschaffenen Dialoge, zu deren adäquater Präsentation es die entsprechenden Schauspieler bedarf. Ursprünglich sollte einmal Collin Farrell die Rolle des philosophierenden Milliardärs Eric Packer übernehmen und man kommt nicht drumherum, sich vorzustellen, wie dies den Film verändern hätte können. Twilight Star Robert Pattinson ist beileibe keine schlecht Wahl, bringt er doch optisch genau jene Perfektion mit, mit der man Packer beim Lesen des Romans verbindet. Ein wenig scheint Pattinson allerdings das Selbstvertrauen gefehlt zu haben, um den Multimillardär und Egomanen Packer passend zu verkörpern (eine Eigenschaft, die der taffe Ire Farrell wohl problemlos transportiert hätte). Dabei muss Pattinson, der in jeder Szene des Films zu sehen ist, den Film eigentlich tragen, wird aber letztendlich von Auftritten seiner Co-Stars Juliette Binoche und vor allem Paul Giamatti schauspielerisch überschattet.

Cosmopolis ist intelligent, präzise und klar strukturiert, emanzipiert sich letztendlich allerdings zu wenig von seiner literarischen Vorlage. Dieser Emanzipation hätte es allerdings bedurft, wollte man, wie versprochen, den ersten Films des neuen Jahrtausends machen. In dieser Form ist Cronenbergs neues Werk lediglich eine souverän umgesetzte Literaturverfilmung.

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Bilder © Falcom