Contra

Contra (2020), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Constantin Film

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Inhalt

Das war eine fremdenfeindliche Bemerkung zu viel: Professor Richard Pohl (Christoph Maria Herbst) droht von seiner Universität zu fliegen, nachdem er die Jura-Studentin Naima Hamid (Nilam Farooq) in einem vollbesetzten Hörsaal beleidigt hat. Als das Video viral geht, gibt Universitätspräsident Alexander Lambrecht (Ernst Stötzner) seinem alten Weggefährten eine letzte Chance: Wenn es dem rhetorisch begnadeten Professor gelingt, die Erstsemestlerin Naima für einen bundesweiten Debattier-Wettbewerb fitzumachen, wären seine Chancen vor dem Disziplinarausschuss damit wesentlich besser. Pohl und Naima sind gleichermaßen entsetzt, doch mit der Zeit sammelt die ungleiche Zweckgemeinschaft erste Erfolge – bis Naima erkennt, dass das Multi-Kulti-Märchen offenbar nur einem Zweck dient: den Ruf der Universität zu retten.

Nilam Farooq, Christoph Maria Herbst und Hassan Akkouch | mehr Cast & Crew


Contra - Trailer




Filmkritik Contra

Filmwertung: | 8/10


Schon in den Jahren 2015 und 2018 stand Söhne Wortmann für gute Qualität aus deutschem Hause. Für Filme, die mehr konnten als ein "typisch deutscher Film" zu sein. Das lag zwar natürlich daran, dass es beides Remakes von Filmen anderer Länder waren, aber auch, dass sie mit nervigen Klischees des deutschen Kinos aufgeräumt und mehr gezeigt haben. Es waren zwei sehr gelungene Werke und nun kommt (nach "Frau Müller muss weg" und "Der Vorname") ein weiterer Film, der zwar nicht als Kammerspiel gezählt werden kann, aber trotzdem stark auf die deutsche Sprache achtet und wer wäre da besser für geeignet als Christoph Maria Herbst. Dieser Mann steht für die deutsche Sprache wie kaum ein anderer Schauspieler unseres Landes und es ist ein voller Glückstreffer ihn hier zu besetzen. Verwunderlich ist es aber nicht, schließlich haben Wortmann und Herbst bereits im letzten Werk "Der Vorname" zusammen gearbeitet und tun das auch (aktuell wird gedreht) bei dessen Fortsetzung. Herbst macht seine Sache wunderbar und überzeugt in jeder einzelnen Szene. Sowohl als rassistisches Arschloch, als auch als Mann, der vielleicht mehr sein kann. Seine Entwicklung ist dabei aber erwartbar und schon so oft dagewesen, dass es sich dabei um kein Spoiler handelt, wenn man das bereits vorher weiß.

Studentin Naima (Nilam Farooq).
Studentin Naima (Nilam Farooq). © Constantin Film Verleih GmbH
Schon nach wenigen Minuten ist nämlich klar, wo die Figur hin will und wie sich dafür entwickeln wird. Da hätte sich der Film gerne etwas mehr trauen können. Seine Figur hätte sich auch anders entwickeln können, das wäre vielleicht auch nicht schlecht gewesen und hätte dem Film nochmal eine andere Message am Ende gegeben. Enttäuschend ist das allerdings nicht, denn sowohl die eine Option, als auch die andere macht Herbst großartig. Genauso wie es aber auch bei jeder Debatte zwei ausgeglichene und starke Parts gibt, benötigt auch jeder gute Film zwei Parteien im Mittelpunkt, die sich kontern können. Wenn einer von beiden stärker ist als der Andere, gibt es ein unnötiges Ungleichgewicht.

Zum Glück hat man aber hier mit Nilam Farooq ein perfektes Gegenstück gefunden. Sie gibt sich Mühe und kann Herbst gut das "Wasser reichen". Ich hätte es tatsächlich nicht gedacht, aber die beiden sind wirklich auf Augenhöhe und das sowohl beim spielen, als auch bei ihren Sätzen, die in diesem Film viel ausmachen. Denn man wird schnell bemerken, dass kein einziges Wort (gefühlt) nur so gesagt wurde. Hinter jedem Wort, hinter jedem Satz oder auch hinter jeder Gestik und Mimik steht ein Gedanke. Auch das ist nicht in jedem Film so. Zudem haben beide genannten Schauspieler eine tolle Chemie, ergänzen sich gut und auch wenn es eben kein normales Kammerspiel ist, macht es doch großen Spaß auf jedes noch so kleine Wort zu achten. Der Film lädt zum Diskutieren ein und direkt als er vorbei war, hatte ich Lust ihn ein zweites Mal zu sehen.

Team wider Willen: Jura-Professor Pohl (Christoph Maria Herbst, l.) und Studentin Naima (Nilam Farooq, r.).
Team wider Willen: Jura-Professor Pohl (Christoph Maria Herbst, l.) und Studentin Naima (Nilam Farooq, r.). © Constantin Film Verleih GmbH
Leider hat allerdings der Trailer, mal wieder zu viel gezeigt: "Kennt man ihn, kennt man schon den ganzen Film". Diesen Spruch hört man in den letzten Jahren immer wieder und genauso häufig sind die Kinogänger davon frustriert und enttäuscht. Wer sich also vom Text angesprochen fühlt... Spart euch den Trailer und geht sofort ins Kino, so wird das Erlebnis nämlich viel schöner sein. Ebenfalls wird der Film als Komödie tituliert und das schürt die Erwartung, man würde hier viel lachen können. Dem ist aber leider nicht so. Natürlich sieht das mit den richtigen Leuten anders aus und mit ihnen kann man bestimmt eine tolle Zeit haben, doch man darf hier nicht zu viel erwarten. Das Kino war in den amüsanten Szenen nämlich ziemlich still und auch in meinem Gesicht gab es nie eine wirkliche Regung, höchstens mal ein Lächeln. Trotzdem muss man beim Film "Contra" eindeutig sagen:

Fazit:
Contra ist ein durchdachtes, intelligentes und vor allem kluges Stück deutsche Filmkunst. Er kann sich sehen lassen, wird definitiv seine Fans sammeln können und Wortmann zeigt wieder mal, wie gut er Filme machen kann und dass ein deutscher Film mehr sein kann, als sein schlechter Ruf. Gönnt euch diesen Film im Kino, ihr werdet es nicht bereuen!
by Peter Brauer

Bilder © Constantin Film


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