Coming In

Coming In (2013), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

Coming In Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Tom Herzner (Kostja Ullmann) ist attraktiv, glamourös und erfolgreich. Er ist Berlins bekanntester Friseur und Star der Schwulenszene. Seine Kosmetikprodukte erobern halb Europa – aber eben nur halb, denn bisher verkauft er lediglich Shampoo für Männer. Um den Markt komplett aufzurollen, muss Tom herausfinden, was Frauen wollen. Seine Feldstudie führt ihn ins tiefste Neukölln, in den Salon der selbstbewussten Heidi (Aylin Tezel). Kiez trifft Glamour – das kann nicht gut gehen. Dennoch: Wider Willen ist der eingebildete Tom schwer beeindruckt von Heidis frecher Direktheit. Und sie entdeckt hinter Toms gestylter Fassade sehr bald einen verblüffend einfühlsamen Kollegen. Wie jetzt? Verliebt Heidi sich etwa in einen Schwulen? Tom weiß selbst nicht, wie ihm geschieht. Eine Frau? Was Tom und Heidi fühlen, passt in keine Schublade und Toms erste Gehversuche in der Welt der Heteros bleiben nicht ohne Komplikationen.

Kostja Ullmann, Aylin Tezel und Ken Duken | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Coming In

DVD
Coming In Coming In
DVD Start:
26.03.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 100 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik Coming In

Filmwertung: | 6/10


Eine Hommage an Harald Glööckler und Co: Schwule Friseure sind DAS Klischee der Neuzeit und mit viel Glanz und Glamour lebt es sich in Berlin bestimmt besonders schön homosexuell. Das dachten sich wohl die Macher der neuen deutschen Produktion „Coming In“ und spielen nicht nur mit den klassischen Stereotypen, sondern auch mit einer ganz bestimmten Frage: Wenn Heteros schwul werden können, können Schwule dann auch hetero werden?

Tom Herzner (Kostja Ullmann) ist mehr als ein Starfriseur: Er ist eine Marke. Doch die Promotion für seine Herrenshampoo-Linie läuft ein wenig aus dem Ruder und der homosexuelle Coiffeur findet sich undercover in einem kleinen Salon in Neukölln wieder, um herauszufinden, was seinen weiblichen Kunden gefallen könnte. Gewohnt an das Leben der Reichen und Schönen findet Tom sich natürlich überhaupt nicht zurecht und auch seine vermeintliche Chefin Heidi (Aylin Tezel) erleichtert ihm die Sache ganz und gar nicht: Nach anfänglichen Schwierigkeiten verstehen sich die beiden Menschen aus den verschiedenen Welten immer besser - und irgendwann zu gut. Schon bald stellt sich die Frage, ob eine Ausrede à la „er ist doch schwul“ bei der vergebenen Heidi überhaupt noch gelten mag und auch Tom muss seine Gefühle nochmal neu ordnen. Denn auch sein Image könnte erheblichen Schaden davon tragen...

Warum nicht einfach mal eine Story darüber drehen, wie ein Homosexueller Mann zum anderen Ufer wechselt. Die Idee ist in der Filmbranche originell, hat sich der ein oder andere aber bestimmt schon oft genug zum grübeln gebracht. „Ob das geht?“ - Na klar geht das, und ich bin sehr froh, dass … dieses Thema mal auf die Leinwand und auf den Punkt gebracht hat. Denn was viele Menschen nicht sehen, ist, dass es darum geht, in wen man sich verliebt und nicht in was, also welches Geschlecht. Ich selber muss zugeben, dass der Trailer nicht überzeugend wirkte. „Schon wieder so 'ne flache, deutsche Komödie, die auf Kosten von Sexualität schlechte Witze reißen möchte“. Ja, das waren meine Gedanken. Im Endeffekt stellt sich nun aber heraus, dass „Coming In“ sich mühevoll mit einer wichtigen Message auseinandersetzt: Stoppt das Schubladendenken. Da stört es dann nur halb so viel, dass die meist zynischen Witze natürlich auf die Kappe der Schwulengemeinde gehen. Und obwohl oft sexistisch angelehnt, ist der Streifen stellenweise dann aber eigentlich doch recht lustig geworden. Für die ganz Sentimentalen unter euch sag ich auch noch dazu: Es gibt bei der absurd wirkenden Story in dem Film durchaus Momente, in denen Pipi in die Augen treiben könnte. Das liegt oft an der musikalischen Hintergrunduntermalung, denn durch die wirken seltsame Situationen romantischer als gedacht. Taschentücher kann man also ruhig mal mit einpacken, liebe Damen, falls das Make Up verschmiert. Nur mal so am Rande.

Regisseur Marco Kreuzpaintner („Krabat“) gibt „Coming In“ den nötigen internationalen Flair, drehte er immerhin „Trade – Willkommen in Amerika“ 2005 mit Kevin Kline. Und hat das bestimmt auch der Hilfe von Executive Producer Roland Emmerich zu verdanken. Immerhin ist bekannt dass er und die Hollywoodlegende sich gern für n Pläuschchen zusammensetzen. Die Besetzung der Rollen ist auf jeden Fall nicht schlecht gelungen. Gerade der quirligen Aylin Tezel aus „Almanya - Willkommen in Deutschland“ und „3 Zimmer/Küche/Bad“ hört und sieht man wirklich gerne zu. Ihre selbstbewusste, aber auch durchgeknallte Rolle wurde gut geschrieben und wirkt weder abgedroschen noch schmuddelig, was deutschen Produktionen selten gelingt, wenn sie etwas wagen. Hauptdarsteller Kostja Ullmann, der ja auch schon Hollywoodluft schnuppern durfte („A Most Wanted Man“) hingegen macht seinen Job nicht schlecht, aber so ganz kauft man dem Frauenschwarm die Rolle einer männerliebenden „Tucke“, wie er sich im Film selber bezeichnet, nicht ab. Dabei dürfte er doch Genreerfahrung besitzen: 2010 spielte er die Hauptrolle in der Undercoverkomödie „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“. Auch Katja Riemann („Fack ju Göhte“) ließ es sich nicht nehmen, in einer Nebenrolle aufzutauchen und spielt den gleichen Charakter wie mittlerweile immer. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich einfach selbst spielt und privat auch so ist, das schadet zumindest ihrer Authentizität nicht.

Da ist noch so eine Kleinigkeit die mir aufgefallen ist. Zigmal bin ich im Kino erschrickt, weil der Ton überproportional laut wird. An Stellen wo etwas geschlagen oder geschubst wird haben es die Sound Designer zu gut gemeint und übereifrig gehandelt. Das Ergebnis: Man merkt, wo im Nachhinein soundtechnisch nachgeholfen und neu eingespielt wurde. Sollte ja eigentlich nicht der Fall sein.

Alles in einem ist „Coming In“ eine schöne RomCom, wie man im Englisch so schön sagt. Gefallen wird sie außer Fans von deutschen Produktionen auf jeden Fall Leuten, die sich gerne Geschichten über das Zusammentreffen zweier Welten oder Verwechslungskomödien anschauen. Da die Verfilmung des Plots originell und auch gut geschrieben wurde, bekommt „Coming In“ 6 Punkte von mir.
by Jennifer Mazzero

Bilder © Warner Bros.