Die Wolken von Sils Maria

Clouds of Sils Maria (2014), Schweiz / Deutschland / Frankreich
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: NFP

Die Wolken von Sils Maria Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erhält die international gefeierte Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) das Angebot, in der Wiederaufführung eines Theaterstücks zu spielen, mit dem ihr vor 20 Jahren der Durchbruch gelang. Damals hatte sie die Rolle der Sigrid übernommen, eine verführerische junge Frau, die auf ihre Vorgesetzte Helena eine ganz besondere Faszination ausübt und sie schließlich in den Selbstmord treibt. Anders als vor 20 Jahren soll Maria Enders diesmal jedoch nicht Sigrid sondern die ältere Helena spielen, so der Wunsch von Regisseur Klaus Diesterweg (Lars Eidinger). Gemeinsam mit ihrer Assistentin Valentine (Kristen Stewart) fährt sie nach Sils Maria, um dort, in der Abgeschiedenheit der Alpen, das Stück zu proben. Als Sigrid ist Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz) vorgesehen, ein junges Starlet aus Hollywood mit Neigung zum Skandal. Eine charmante, aber nicht ganz durchsichtige junge Frau - und ein beunruhigendes Spiegelbild ihrer selbst, dem sich Maria nun gegenüber sieht.

Juliette Binoche, Kristen Stewart und Chloe Grace Moretz | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Die Wolken von Sils Maria

Blu-ray
Die Wolken von Sils Maria Die Wolken von Sils Maria
Blu-ray Start:
27.08.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 123 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Die Wolken von Sils Maria Die Wolken von Sils Maria
DVD Start:
27.08.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 118 min.

Filmkritik Die Wolken von Sils Maria

Filmwertung: | 3/10


Eine riesige Portion Alpen im Mix mit Glamour und einem Blick hinter die Kulissen. Kann so - wie in dem Film „Die Wolken von Sils Maria“ - das Leben einer Grande Dame aussehen? Zwischen Traum und Albtraum bewegt sich angeblich öfter die Balance der Reichen und Schönen, mit viel Luxus und noch mehr Luxusproblemen. Der mehr als 2 Stunden lange Film soll plausible Klarheit über das anstrengende Leben einer alternden Schauspielerin im Rampenlicht geben.

Die Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche, „Godzilla“) muss einsehen, dass sie ihre Paraderolle, die sie vor 20 Jahren berühmt gemacht hat, in der Neuauflage an eine Jüngere abgeben muss und die Figur der älteren Frau übernehmen soll. Die Wahl trifft auf das Skandal-Starlet Jo-Ann Ellis (Chloe Grace Moretz, „The Equalizer“). Um sich zu sammeln und für die Rolle vorzubereiten, verbringt Maria einige Zeit mit ihrer Assistentin (Kristen Stewart, „Twilight“-Reihe) im Alpengebiet von Sils Maria. Doch so ganz möchte das nicht funktionieren

Gerade für Liebhaber des Themas hört sich der Inhalt äußerst interessant an: Stars, Showgeschäft, Rückzug, Privatleben. Und mit Designerkleid und in Akte eingeteilt fängt der Streifen anregend und mit gutem Potential an. Die gelungene, viel auf Bilder und Aufnahmen fokussierte Kameraführung lässt des Weiteren auf ein gehobenes Niveau schließen. Am Werk war Oliver Assayas, ein französischer Regisseur und Drehbuchautor, der international wohl am meisten durch den Film „Paris, Je T'aime“ bekannt ist. Auf den ersten Blick kann man sich vorstellen, dass es sich um ein kleines Meisterstück handelt.

Im ersten Teil wird dem Zuschauer dann auch direkt präsentiert, dass die Schauspielerin Maria Enders das Angebot ihres Lebens wiederholen könnte – nur als ältere Version quasi. Und man freut sich auf Konflikte mit ihrer Psyche und dem Nachwuchssternchen. Doch dann passiert folgendes: man wartet und wartet und wartet. Denn in der Realität sieht „Die Wolken von Sils Maria“ viel glamouröser und unspannender als auf dem Papier aus. Anstatt eines fesselnden Portraits ist der Streifen irgendwo zwischen bayrischem (beziehungsweise müsste es auf die Ortschaft bezogen schweizerischem heißen) Heimatfilm und Selbstfindungstrip angesiedelt. Zugegeben, die bekannten, klassischen Musikstücke sowie Naturaufnahmen sind gewaltig und imposant. Auch etwas über den Mythos der Maloja-Schlange lerne ich hier. Doch der Kern des Streifens ist langweilig, zieht sich wie Kaugummi (Stichwort: Zwei Stunden, die sich wie fünf anfühlen), lässt einen selten aufhorchen (meistens wenn Chloe Grace Moretz auftaucht) und wenn man den Szenen dann Aufmerksamkeit schenkt, wird das Publikum enttäuscht, da sowieso nichts passiert. Es muss nicht Schlag auf Schlag immer bahnbrechend bis hin zum Erzwungenen viel Spannung, Action, Psychomist stattfinden, denn auch ruhige Filme haben ihre guten Vorzüge. Aber dieser wurde so ausgesprochen Lahm umgesetzt, dass „Die Wolken von Sils Maria“ einem Griff ins Klo gleicht. Sogar für Programmkino ist der Streifen eine Spur zu einschläfernd. Ob die dokumentarischen, stilistischen Elemente den Film hingebracht habe? Denn Kameraführung und Bildkompositionen sind durchaus beachtenswert.

Dabei ist die Crew an Schauspielern aus der Topriege mehrerer Generationen entsprungen.
Die Französin Juliette Binoche ist mit dem Oscar ausgezeichnet und immer noch wunderschön. Ihre Darstellung ist authentisch und möglicherweise auch eine kleine Hommage an sie selbst. Allerdings ist der Kurzhaarschnitt sehr gewöhnungsbedürftig und Geschmackssache. So blöd es klingt, aber durch den wirkt sie unsympathisch bei mir. Und wo wir gerade bei Äußerlichkeiten sind: wenn Kristen Stewart nicht mal mehr für ihre Rolle relativ zurecht gemacht, so dass sie zumindest ein wenig mehr nach Hygiene aussieht, hat sie irgendetwas ganz schön falsch gemacht. Fettiges Haar, abgesplitterter Nagellack, so kennt man sie privat und jetzt auch als Valentine. Ihr Image ist dabei Nebensache, doch wenn ihre Rolle genauso aussieht wie die Privatperson, kommt ein böser Verdacht und ein Fall von nicht vorhandener Wandlungsfähigkeit auf. Gott sei Dank kauf ich ihr das organisatorische Talent trotzdem ab. Interessanter und wie auch schon angekündigt sehenswert sind die Auftritte von Chloe Grace Moretz in dem Film. Sie spielt eine aufstrebende Jungschauspielerin (so wie sie selber), die allerdings ganz verkorkst und skandalträchtig ist (nicht so wie sie selber). Die Szenen haben Schwung, den sie gut untermalt, und an der Seite der reifen Binoche müsste Moretz eigentlich wie ein Kind wirken. Dies ist aber nicht der Fall, Moretz kann durchaus mit halten. Übrigens: Dank des deutschsprachigen Backgrounds des Films triff man alte bekannte wie Nora von Waldstätten („Das Adlon“) und Hanns Zischler („Die Frau hinter der Wand“) wieder, die lustigerweise in der Originalfassung auf Deutsch sprechen, sondern den internationalen Superstars ebenfalls in nichts nachstehen.

Darstellerisch ist „Die Wolken von Sils Maria“ gar nicht schlecht, doch die Story wurde sehr langatmig inszeniert. Der Streifen ist wirklich nur für Fans von...Mh, ich kann gar nicht genau sagen von was. Vielleicht von Midlife-Crisis-Selbstfindungstrips oder doch einer Heimatfilmatmosphäre. Wie dem auch sei, der Film ist nur im drumherum recht hübsch anzusehen, der Plot kommt nicht prägnant zum Punkt und langweilt sein Publikum.

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Bilder © NFP