Kind 44

Child 44 (2015), Tschechien / Großbritannien / Großbritannien / USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

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Kind 44 Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Moskau 1953 – im Arbeiterparadies der Stalinzeit darf es offiziell keine Verbrechen geben und doch: Millionen leben in Angst ... und der willkürliche Tod scheint nie weit weg zu sein. Als gefeierter Kriegsheld, der fest an die kommunistischen Ideale und die Zukunft seines Landes glaubt, konnte sich Geheimdienstoffizier Leo Demidow (TOM HARDY) eine Karriere aufbauen und seiner Familie einen bescheidenen Wohlstand sichern. Doch als die grausam zugerichtete Leiche des kleinen Sohnes eines Mitoffiziers aufgefunden wird und der offensichtliche Mord von Generalmajor Kuzmin (VINCENT KASSEL) zum Unfall erklärt wird, gerät Leos ganze Welt ins Wanken. Als ein weiterer Mord an einem Kind geschieht und Leo gegen den Befehl seiner Vorgesetzten eigene Nachforschungen aufnimmt, sieht er sich schnell ins provinzielle Exil degradiert und schwebt plötzlich mit seiner Familie in tödlicher Gefahr... Der ihm einzig verbleibende rettende Ausweg ist die Mordserie gegen alle Widerstände der Behörden und trotz des widerstrebenden Misstrauens von Milizanführer Nesterow (GARY OLDMAN) möglichst schnell aufzudecken. Doch schon bald findet sich Leo unerwartet während der Jagd nach dem Killer auf einer Reise in seine eigene dunkle Vergangenheit: Während sich die Intrigen seines ehrgeizigen Rivalen Wassili (JOEL KINNAMAN) wie eine Schlinge immer enger um seinen Hals legen, droht ihn ausgerechnet die Suche nach der Wahrheit immer weiter von seiner Frau und einzigen Verbündeten Raisa (NOOMI RAPACE) zu entfremden. Wem kann Leo nun noch vertrauen?

KIND 44 basiert auf dem ersten Teil der mehrfach ausgezeichneten Bestseller-Trilogie des britischen Autors Tom Rob Smith, die im Goldmann Verlag, München erschienen ist. Regie führte Daniel Espinosa („Safe House“, „Easy Money – Spür die Angst“); das Drehbuch schrieb Richard Price („The Wire“, „Die Farbe des Geldes“). Ridley Scott („Exodus: Götter und Könige“) fungiert als Produzent. In den Hauptrollen sind die Charakterdarsteller Tom Hardy („Mad Max: Fury Road“, „The Dark Knight Rises“), Noomi Rapace („Prometheus – Dunkle Zeichen“, „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“), Gary Oldman („Planet der Affen: Revolution“) und Joel Kinnaman („Knight of Cups“) zu sehen. Vincent Cassel („Black Swan“), Jason Clarke („Terminator Genisys“, „Planet der Affen: Revolution“) und Charles Dance („Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer“) ergänzen die hochkarätige Darstellerriege.


Tom Hardy, Noomi Rapace und Joel Kinnaman | mehr Cast & Crew


Kind 44 - Trailer


Kind 44 - Trailer


DVD und Blu-ray | Kind 44

Blu-ray
Kind 44 Kind 44
Blu-ray Start:
22.10.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 136 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Kind 44 Kind 44
DVD Start:
22.10.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 132 min.

Filmkritik Kind 44

Filmwertung: | 4/10


Der Film von Regisseur Daniel Espinosa (Easy Money – Spür die Angst) kann mit einem Budget von 50 Millionen Dollar und einer Starbesetzung aufwarten. Das Drehbuch hatte so großes Potenzial, dass es 2008 auf der sogenannten Blacklist landete. Diese ist eine Liste für besonders vielversprechende, noch unverfilmte Drehbücher. Die Studios rissen sich geradezu um die von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte. Ridley Scott (Gladiator, Königreich der Himmel, Robin Hood) und seine Firma „Scott Free“ machten schließlich das Rennen. Ein Handlungsstrang behandelt einen der abscheulichsten Mörder in der Kriminalgeschichte. Der ukrainisch-russische Serienkiller Andrei Romanowitsch Tschikatilo tötete zwischen 1978 und 1990 mindestens 52 Kinder und Frauen an Bahngleisen und verstümmelte diese. Das brachte ihm den Spitznamen „Ripper von Rostow“ ein. Auf dessen Geschichte entwickelte der englische Schriftsteller Tom Rob Smith eine erfolgreiche, in 26 Länder Sprachen übersetzte Roman-Trilogie, die international großen Anklang fand.

Leo Demidov (Tom Hardy) verlor seine Eltern aufgrund einer Hungersnot in der Ukraine früh und floh aus einem Waisenhaus, da die Zustände dort unhaltbar waren. Im April 1945 avancierte er zu einem sowjetischen Kriegshelden. Anschließend arbeitete er sich im Ministerium für Staatssicherheit (MGB) nach oben und war ein loyaler Befehlsempfänger seiner Vorgesetzten. Gemeinsam mit seinem langjährigen Kumpanen Alexei Andreyev (Fares Fares) und seinem ehrgeizigem Lehrling Wassili (Joel Kinnaman) tat er, was ihm aufgetragen wurde. Im Moskau 1953 ist er ein angesehener Geheimdienstoffizier. Doch die normalen Bürger fürchten ihn. Selbst seine Frau Raisa (Noomi Rapace) wirkt trotz seiner aufrichtigen Liebe nicht glücklich in der Ehe. Die Festnahme von Anatoly Brodsky (Jason Clarke), einem Tierarzt, welcher der Spionage verdächtigt wird, ändert alles. Denn dieser nennt unter Folter seine angeblichen Gehilfen – darunter auch Raisa. Leo soll sie denunzieren und damit seinen endgültigen Vertrauensbeweis für den MGB liefern. In dieser schwierigen Lage sorgt der Mord an Alexeis Sohn für weiteren Aufruhr. Denn, ganz nach der Maxime des stalinistischen Systems: „Mord gibt es im Paradies nicht.“ Was wird Leo tun?

Die Geschichte ist erschreckend schlecht umgesetzt. Schon die Ausgangslage verspielt jede Glaubwürdigkeit. Denn der Film spielt in Russland (auch wenn er im Sommer 2013 über 15 Wochen in Tschechien gedreht wurde) – aber es ist nicht ein russischer Schauspieler dabei. Stattdessen werden Russen von Australiern, Briten, Dänen, Franzosen und Schweden verkörpert. Zudem passen die ausgewählten Schauspieler nicht alle in ihre jeweiligen Rollen. Während man dem soliden Tom Hardy (No Turning Back, The Drop - Bargeld, The Dark Knight Rises) seine Darstellung noch abnimmt, wirkt Noomi Rapace (The Drop – Bargeld, Dead Man Down, Sherlock Holmes – Spiel im Schatten) deplatziert. Die 35-Jährige mit ihren harten Wangenknochen, die sie zur Idealbesetzung für ihre Durchbruchsrolle Lisbeth Salander in der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson machten, ihr hier aber zum Verhängnis werden, wurde als Schönheit, der Hardys Charakter verfallen ist, besetzt. Dafür wurde viel Aufwand betrieben. Rapace wurden die Haare blond gefärbt und auch ihre sonst rabenschwarzen Augen erhielten - Kontaktlinsen sei Dank - eine hellere Farbe. Dennoch ist die Schwedin hier trotz ihrer herausragenden schauspielerischen Fähigkeiten falsch besetzt. Warum sich jemand wie Jason Clarke (Planet der Affen: Revolution, Terminator: Genisys, Der große Gatsby) mit einer solch kleinen, ausdruckslosen Rolle wie hier zufriedengibt, wird ein Rätsel bleiben. In Ansätzen können immerhin Gary Oldman (Planet der Affen: Revolution, Batman-Trilogie, Harry Potter 3-7) als General Nesterow und Vincent Cassel (Hass La Haine, Tödliche Versprechen, Public Enemy No.1) als fieser Generalmajor Kuzmin überzeugen, während Joel Kinnaman (RoboCop, The Killing, Run All Night) und Charles Dance (Game of Thrones, Dracula Untold, The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben) erstaunlich blass bleiben. Paddy Considine (Das Comeback, Das Bourne Ultimatum, Pride) zeigt eine ansprechende Leistung, während der schon so oft brillierende Nikolaj Lie Kaas (Erbarmen, Zweite Chance, Illuminati) in seinem kleinen Part nicht nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Dafür spielt Fares Fares (Erbarmen, Zero Dark Thirty, Easy Money – Spür die Angst) gut. Aber insgesamt bleibt festzuhalten, dass der gesamte Cast weit unter seinen Möglichkeiten bleibt.
Das Drehbuch mag Potenzial haben. Dieses ist allerdings im fertigen Film nur äußerst selten erkennbar. Denn „Kind 44“ nimmt den Zuschauer nicht mit, sondern lässt ihn selbst bei den brutalsten Szenen kalt, da diese nicht überzeugend wirken, weil die Handlungen der Charaktere nicht nachzuvollziehen sind, da die Figuren wenig Tiefe besitzen und austauschbar erscheinen. Selbst in harten Überlebenskampfszenen, die sehr brutal geraten sind, sitzt man gelangweilt im Kinosaal. So versucht Espinosa, der schon mit „Safe House“ einen schwachen Film ablieferte, zwar viel, doch fehlt lange Zeit jegliche Spannung, da man nicht mitfiebert. In diesem Ausmaß war das zuletzt bei „Das Bourne Vermächtnis“ und „Dame König As Spion“ der Fall. Wer mit diesen Thrillern ohne Thrill etwas anfangen konnte, wird eventuell auch „Kind 44“ mögen können. Erst gegen Ende wird der 137 Minuten lange Film etwas erträglicher, ist aber immer noch weit entfernt von „gut.“

Als wären die storytechnischen Schwächen nicht schon genug, sind auch noch einige Nebenkategorien mit Mängeln behaftet. Die andauernd ruckelnde, vor allem in den Kampfszenen extrem unübersichtliche Kameraführung (wozu wurden diese Szenen überhaupt gedreht, wenn man fast nichts erkennen kann?) fällt viele Male störend und nervtötend auf. Als großer Atmosphärekiller erweist sich die deutsche Synchronisation. Zwar haben Rapace, Dance und Oldman ihre gewohnten Stimmen, dem Rest der Schauspieler wurde allerdings eine andere, teilweise unfassbar schlechte Stimme verpasst. Kinnaman leiert ausdruckslos vor sich hin und auch Clarke wurde eine peinliche Stimme zugeordnet. Wer ihn im meisterlichen „Planet der Affen: Revolution“ gesehen und vor allem auf Deutsch gehört hat, wird hier vor den Kopf gestoßen. Man kann die Schauspieler durch die unprofessionellen, ausdruckslosen Stimmen teilweise nicht ernst nehmen.
Immerhin können die gute Landschaftsauswahl und die stimmige Musikuntermalung etwas Atmosphäre generieren. Auch die Ausstattung, die Kostüme und die Spezialeffekte, sofern man diese erkennen kann, sind gelungen.


Fazit:
Schwacher, den Zuschauer trotz aller Brutalität kalt lassender, unglaubwürdiger Film, bei dem weder Besetzung noch Storyführung überzeugen können.
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Bilder © Concorde Filmverleih GmbH