Cats

Cats (2019), Großbritannien / USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Animation / Musical
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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Inhalt

Der Film verbindet Lloyd Webbers unvergleichliche Musik mit einem spektakulären Produktionsdesign, atemberaubender neuer Technologie und unterschiedlichen Tanzstilen zu einem Musical-Ereignis einer ganz neuen Generation. Unter der Leitung des vielfach preisgekrönten Choreografen Andy Blankenbuehler („Hamilton“, „In the Heights“) zeigt ein Weltklasse-Ensemble von Tänzern klassisches Ballett und zeitgenössischen Tanz, Hip- Hop und Jazz Dance, Streetdance und Stepptanz.

Taylor Swift, Idris Elba und James Corden | mehr Cast & Crew


Cats - Trailer




Filmkritik Cats

Filmwertung: | 4/10


Nach ein paar Tagen Distanz wirkt Tom Hoopers Adaption des streitbaren Musical-Hits „Cats“ wie ein Traum, der so unwirklich erscheint, dass er eigentlich nicht real sein kann. Oder besser gesagt, wie ein Albtraum, denn hier erscheint eine bizarre filmische Monstrosität, wie man sie nur höchstens alle paar Jahre erlebt. „Cats“ ist jedoch eine Realität, über die man sagen kann, was man will, sie ist zumindest auf ihre ganz eigene Weise einzigartig – wenn auch in negativer Hinsicht, die einem Unfall gleicht, bei dem man einfach nicht wegsehen kann. Nach den Trailern, die dieses Jahr eine wohl beispiellose Negativresonanz ausgelöst haben, kann somit leider keine Entwarnung gegeben werden: „Cats“ ist genauso bizarr, wie man es erwartet hat und sorgt für einen Zustand konstanter Verwunderung. Oscar-Gewinner Tom Hooper, der mit “Les Misérables” noch mit interessanter Herangehensweise ein durchaus gelungenes Musical erschaffen hat, verantwortet hier eine der größten hochbudgetierten Fehlkalkulationen der Filmgeschichte.

„Cats“ ist eines der bekanntesten und erfolgreichsten Musicals aller Zeiten, das alleine in London über 20 Jahre 9000 Mal aufgeführt wurde. Musical-Maestro Andrew Lloyd Webber erschuf Anfang der 80er Jahre die revueartige Adaption von T. S. Eliots loser Kindergedichtreihe „Old Possums Book of Practical Cats“, die jedoch nur mit einem Mindestmaß an erzählerischem Faden zu dem Musical verwoben wurde. Mag das Spektakel auf der Bühne noch durch seinen Show-Charakter funktionieren, gelingt es der Adaption schon auf fundamentaler Ebene keine filmische Herangehensweise zu finden. Hoopers „Cats“ verfügt wie auch die Vorlage nur über einen Hauch von Handlung, die sich zudem kaum erschließt und letztlich eine bizarre und spannungslose Aneinanderreihung von gerade in der deutschen Synchronisation größtenteils unerträglichen Gesangsnummern ist, die nahezu nonstop aufeinanderfolgen.

Cats: Francesca Hayward
Cats: Francesca Hayward © Universal Pictures International Germany GmbH
Schon beim Schauplatz fängt die Irritation eigentlich an: Der Film präsentiert ein stilisiertes, kulissenhaftes und offensichtlich menschgemachtes London, das aber scheinbar ausschließlich von Katzen bevölkert wird. Alles ist hell und bunt erleuchtet, während feline Wortspiele wie „Catsino“, „Le Chat“ oder „The Meow Club“ auf Neon-Leuchtreklamen prangern. Hier gibt es nun eine Gruppe von Hinterhof-Katzen, die sich „Jellicle Cats“ nennen und in der Nacht, in der die sich die Handlung abspielt, im sogenannten Jellicle Ball darüber entscheiden, welche Katze in die sogenannte Heaviside-Schicht aufsteigen und damit wiedergeboren werden darf. Klingt komisch? Ist es auch. Die Protagonistin Victoria (Francesca Hayward) stößt neu hinzu und bewegt sich mit großen Augen durch diverse von den Jellicle Cats vorgetragene Varieté-Nummern, mit denen sie sich beweisen wollen. Victorias Figur wird nicht ergründet und dient eigentlich nur als Platzhalter des Zuschauers, ohne eine wirkliche Aufgabe zu besitzen. Auch die restlichen abenteuerlichen Charaktere bleiben sträflich eindimensional und dünn.

Das größte Problem des Films ist jedoch nicht nur die visuelle Präsentation des seelenlosen Ortes und die erzählerische Leere, sondern vor allem die Wesen selbst. Während der Zuschauer in einem Musical-Theater natürlich abstrahieren und verstehen kann, dass Menschen als Katzen verkleidet sind und durch offensichtlich überhöhte Kulissen hüpfen, misslingt der Sprung in die Filmwelt mit beispielloser Sinn- und Einfallslosigkeit: Hier wird der Stoff, aus dem Albträume geschaffen sind, eine groteske Realität, denn „Cats“ präsentiert sonderbare CGI-Mensch-Katzen-Hybridwesen, die einfach in keiner Weise überzeugen, nichts Halbes und nichts Ganzes sind. Diese fellüberzogenen Wesen in menschlicher Gestalt laufen auf ihren Beinen, haben ganz normale Hände mit Fingernägeln, tragen manchmal aus irgendwelchen Gründen Schuhe und bizarrerweise (wie Judi Denchs Kreatur Old Deuteronomy) Pelzmäntel, haben aber Katzenohren, Schnurrhaare und Schwänze - und Brüste. Alleine diese Erscheinung macht deutlich, dass „Cats“ niemals als Realverfilmung existieren sollte.

Cats: Judy Dench
Cats: Judy Dench © Universal Pictures International Germany GmbH
Hooper erschafft so eine kaum fassbare Horrorshow, bei der sich ein absurder Moment an den nächsten reiht, aber trotzdem erstaunlicherweise schnell Langeweile und Ermüdungserscheinungen entstehen. Es kostet ohnehin schon größte Überwindung, diese Figuren zu akzeptieren, was dann auch nicht leichter gemacht wird, als zusätzlich Kind-Maus- und Kakerlaken-Mensch-Mischwesen präsentiert werden, die zu allem Übel auch noch von einer sich in ordinären Posen windenden Rebel Wilson verspeist werden. Da die Songs größtenteils schlicht nervtötend sind und der sogenannte Plot nicht mal in Ansätzen so etwas Grundlegendes wie Identifikationspotential erzeugen kann, wartet man eigentlich nur, bis der nächste schräge Moment folgt. Zu den Songs: Wenn man für jedes Mal, wenn das Wort „Jellicle“ ausgesprochen wird, einen Drink nehmen würde, läge man ohnehin schon nach zehn Minuten im Koma.

Die Darsteller und auch die Musik sind an diesem Desaster jedoch gänzlich unschuldig, die Schuld liegt alleine bei Hooper, der dieses fehlgeleitete Schiff mit voller Kraft an die Klippen lenkt. Der talentierte Cast gibt spürbar alles, ist jedoch Opfer ihrer misslungenen Erscheinung und der fehlgeleiteten Inszenierung. Der albern-klamaukige Humor ist dann auch oft derart plump und zum Fremdschämen, dass einem die Akteure sogar leidtun. Wenn James Corden als schwergewichtiger Katermensch Bustopher Jones trotz fehlender Geschlechtsteile bei einem Sturz zwischen die Beine ein schmerzverzerrtes Gesicht zeigt, will man mittlerweile eigentlich eher weinen als lachen. Ganz nach dem Motto: Wenn gar nichts mehr hilft, könnte ja zumindest ein Holzhammerwitz über Dicke helfen.

Cats: Taylor Swift
Cats: Taylor Swift © Universal Pictures International Germany GmbH
Da die visuellen Effekte (die zweifelsohne immens aufwändig sind) dann zusätzlich gepaart mit den luftleeren Kulissen für schwerelose Künstlichkeit sorgen, kann auch die solide Choreografie nie wirklich zur Geltung kommen. Die Bewegungen sind zudem nicht immer ganz flüssig, die Interaktion mit den Räumen seltsam geisterhaft und die Gesichter ohnehin von Grund auf befremdlich. Hieße der Film statt „Cats“ „Uncanny Valley – The Movie“, müsste man sich tatsächlich auch nicht wundern.

Wenn sich Jennifer Hudson als in Ungnade gefallene Grizabella mit voller Inbrunst, verweinten Augen und verrotzter Nase den legendären Song „Memory“ zum Besten gibt, soll mit spürbarem Kalkül und identischer Herangehensweise ein ähnlicher Showcase-Moment wie bei Anne Hathaway in „Les Misérables“ entstehen. Das ist mit Taylor Swifts Nummer schwungvoller „Macavity“-Nummer dann aber noch mit der beste Moment des Films, wobei das nicht allzu viel heißt. Man muss „Cats“ zugestehen, dass er trotz konstant flach bleibender Herzschlaglinie zumindest in der zweiten Hälfte dank besserer Songs zumindest erträglicher wird. Doch das hilft letztlich dann auch nicht mehr, denn dieser Schaden ist schon lange irreparabel und ergibt mit wehenden Fahnen das größte Kino-Desaster des Jahres, das man schon fast gesehen haben muss, um es zu glauben – auch wenn es sich danach nicht ganz real anfühlt.


Fazit:
Man muss Regisseur Tom Hooper fast schon für seinen Mut bewundern, ein derartig beispiellos fehlgeleitetes Fiasko wie „Cats“ mit Inbrunst zu verantworten. Die Adaption des Broadway-Hits ist von Grund auf fehlgeleitet, findet weder erzählerisch noch visuell keine Brücke von der Bühne zum Film.
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Bilder © Universal Pictures Intl.