Captive State

Captive State (2019), USA
Genre: Science-Fiction / Thriller
Verleih: Entertainment One

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Captive State Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Die Erde ist seit fast 10 Jahren von außerirdischen Invasoren besetzt. Offiziell existiert kein Verbrechen mehr, die Arbeitslosigkeit ist auf einem historischen Tief und Armut wurde ausgemerzt. Doch diese scheinbar perfekte Welt hat eine düstere Kehrseite. Die Menschheit steht unter aufoktroyierter Kontrolle, die meisten ergeben sich ihrem Schicksal und kollaborieren. In Chicago jedoch formiert sich Widerstand im Untergrund: eine kleine Gruppe Aufständischer ist fest entschlossen, sich gegen die Eindringlinge zur Wehr zu setzen. Was nicht nur die Machthaber aus der fremden Galaxie, sondern auch deren Handlanger mit allen Mitteln verhindern wollen. Es beginnt eine erbarmungslose Jagd auf die Verschwörer, bei der nur eine Seite überleben kann…

Ashton Sanders, John Goodman und Vera Farmiga | mehr Cast & Crew


Captive State - Trailer




Filmkritik Captive State

Filmwertung: | 6/10


Die Erde ist seit fast ein Jahrzehnt von einer außerirdischen Lebensform besetzt. Die Menschheit hat nach ihrer Ankunft bedingungslos kapituliert, um weitere tödliche Angriffe zu verhindern. Eine Bedingung stellen die Invasoren: Die Menschheit muss die natürlichen Rohstoffe weiterhin abbauen und den Aliens zukommen lassen. Alle Menschen scheinen sich ihrem Schicksal zu beugen, doch eine Gruppe von Widerstandskämpfer in Chicago wollen eine Revolution entfachen. Der Offizier Mulligan (John Goodmann) versucht das Terrornetzwerk zu zerschlagen, was ihm mehrere Jahre zuvor schon einmal gelungen ist, bei dem ein ganzer Stadtteil dem Erdboden gleichgemacht wurde. Gabriel (Ashton Sanders), Bruder eines totgeglaubten Rebellen-Anführers, versucht dabei Mulligan zu entkommen und will notwendige Informationen für einen Anschlag beschaffen, doch Mulligan lässt nicht locker.

„Captive State” verspricht vieles. Man wird in eine dystopische Welt entführt, die neugierig auf mehr macht. Allerdings erfährt man nur das Nötigste. Der Anfang der Invasion wird direkt zu Beginn kurz gezeigt, doch die weiteren Folgen und Motive werden nur durch Texttafeln erklärt. Da nach der Anfangsszene der Puls und die Spannung durch das Gesehene sehr hoch ist, brechen diese Erklärungen die Atmosphäre und leider geht es danach erzählerisch so schwach weiter, dass man inständig hofft, dass die anfängliche Spannung wieder aufgenommen wird. Doch leider ist die Hoffnung vergebens. Stattdessen lernt man Gabriel kennen, welcher den Plan hat mit seiner Freundin und einem Freund zu fliehen. Da er jedoch vom Offizier Mulligan verfolgt wird, erweist sich das als äußerst schwierig. Zwischendurch wird oftmals erwähnt, wie toll doch Gabriels Bruder für die Rebellenbewegung war und wie traurig sein Verlust ist, sodass der man relativ schnell darauf konditioniert wird, dass da etwas nicht stimmt. Durch eine Aneinanderreihung von Logiklöchern bekommt dann irgendein Zuschauer-unbekanntes Mitglied der Rebellenbewegung „Phoenix“ ein Hinweis, sodass kaskadenartig verschiedene Sachen vorbereitet werden können, um einen Anschlag zu planen, der die Invasoren für alle Mal vernichten soll. Der Film springt ab dem Zeitpunkt von Person zu Person. Keiner bleibt im Gedächtnis und man erfährt nur das Allernötigste, sodass man nach diesem 30-minütigen Akt komplett orientierungslos und gelangweilt auf den großen Anschlag wartet, da er wenigstens etwas Spannung verspricht, die man nach dem Anfang vergebens misst. Mulligan versucht währenddessen die ganzen Hintermänner zu jagen und begibt sich dabei oftmals zu einer Prostituierten (Vera Farmiga), die anscheinend auch etwas mit dem großen Komplott zu tun hat.

Der Regisseur Rupert Wyatt stellte sein Talent für packende und visuell bildgewaltige Erzählweisen bereits 2011 in „Planet der Affen: Prevolution“ dar. Dort hat er es geschafft, Protagonisten zu inszenieren, die ständig durch die nicht-menschliche Bedrohung in Gefahr waren. Er hat mehrere kleinere Erzählstränge aufgebaut, die Hauptgeschichte allerdings niemals vergessen. In „Captive State“ hat man allerdings das Gefühl, dass überhaupt kein Wert auf Charaktere und deren Entwicklung gelegt wurden. Zwischenzeitlich scheint der Film sogar Figuren komplett zu vergessen und das ist wirklich schade, da einige Figuren bestimmt interessante Hintergrundgeschichten haben, es aber keine Zeit bzw. keine Notwendigkeit gibt, um diese zu erzählen. Es ist zwar nicht schlimm, dass man die antagonistischen Invasoren nicht oft sieht, gerade das macht sie sogar gefährlicher, allerdings werden sie an einigen, der wenigen Stellen, wo sie gezeigt werden, dermaßen schwach und irrational handelnd dargestellt, sodass man sich oft fragt, warum die Erde bedingungslos kapitulieren musste. Des Weiteren wird nicht erklärt, wieso sich alle Militär-Truppen freiwillig angeschlossen haben und jeden Befehl, egal wie fragwürdig er seien mag, befolgen. Warum muss diese Rebellenbewegung von einer paramilitärischen Gruppe geleitet werden, wobei die Staaten genug Möglichkeiten haben, um sich selbst zu verteidigen?

Der Cast verspricht allerdings richtig viel. Dort befinden sich Schauspielgrößen wie John Goodman („Roseanne“/„10 Cloverfield Lane“) und Vera Farmiga („Conjuring“-Reihe/„Bates Motel“), aber auch Nachwuchsdarsteller wie Ashton Sanders („Moonlight“) oder Jonathan Majors („Hostiles“). Doch leider bekommen sie keine Tiefen und ihre Motive werden nur hintergründig beleuchtet. Allerdings spielen sie das, was sie bekommen mit Bravour. Es reicht ein angespannter Gesichtsausdruck von Goodman und die Atmosphäre verdichtet sich sofort. Rupert Wyatt hat es in „Planet der Affen“ schon gezeigt und auch hier wieder beweisen: Er schafft es bildgewaltige Science Fiction-Welten zu kreieren, bei denen jedes Detail viel über die Vergangenheit erzählt. Die Charaktermodelle der Invasoren sehen fantastisch aus und die Raumschiffe trotzen nur so von Lust auf mehr. Unterstützt wird das ganze von der Musik von Rob Simonson, der es einfach schafft, die erzählerische Leere mit abgefahrenen Klängen und Stücken zu füllen.


Fazit:
„Captive State“ wäre der perfekte Anfang für eine Serie, bei der man nach und nach mehr über die die außerirdischen Invasoren, die neue Regierung und über die Protagonisten erfährt, doch Rupert Wyatt wollte diese Geschichte lieber in einen kurzweiligen Film packen, bei dem dadurch Anfang und Ende komplett fehlt und riesige Sprünge über Logiklöcher gemacht werden müssen. Alles in allem schafft der Film es aber dennoch den Zuschauer, durch seine Bildgewalt für ein paar Minuten zu bei sich zu behalten.
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Bilder © Entertainment One