Call Me by Your Name

Call Me by Your Name (2017), Italien / Frankreich / USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama / Romanze
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Call Me by Your Name Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der altkluge 17-Jährige Elio Perlman (Timothée Chalamet) genießt den norditalienischen Sommer des Jahres 1983 auf der im 17. Jahrhundert errichteten Villa der Familie. Seine Zeit verbringt der italoamerikanische Junge damit, klassische Musik zu spielen und zu transkribieren, zu lesen und mit seiner Freundin Marzia (Esther Garrel) zu flirten. Mit seinen Eltern ist Elio eng verbunden. Sein Vater (Michael Stuhlbarg), ein angesehener Professor, hat sich auf die griechisch-römische Kultur spezialisiert. Elios Mutter Annella (Amira Casar) arbeitet als Übersetzerin. Gemeinsam bringen sie ihrem Sohn die Errungenschaften der Hochkultur nahe und bereiten ihm ein sorgenfreies Leben mit allen Vorzügen. Dank seiner Weltklugheit und seiner intellektuellen Begabungen wirkt der Junge nach außen bereits wie ein Erwachsener, doch dem Anschein entgegen ist Elio in mancherlei Hinsicht durchaus noch sehr unerfahren – besonders in Herzensangelegenheiten.
Eines Tages trifft der charmante amerikanische Doktorand Oliver (Armie Hammer) als neuer Sommer-Praktikant von Elios Vater auf der Villa ein. Inmitten jener prächtigen, sonnengetränkten Szenerie entdecken Elio und Oliver die berauschende Schönheit aufblühenden Verlangens im Verlauf eines Sommers, der ihre Leben für immer verändern wird


Armie Hammer, Timothée Chalamet und Michael Stuhlbarg | mehr Cast & Crew


Call Me by Your Name - Trailer




DVD und Blu-ray | Call Me by Your Name

Blu-ray
Call Me by Your Name Call Me by Your Name
Blu-ray Start:
05.07.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 132 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Call Me by Your Name Call Me by Your Name
DVD Start:
05.07.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 127 min.

Filmkritik Call Me by Your Name

Filmwertung: | 8/10


Norditalien, 1983: Der 17-jährge Elio Perlman (viel gelobte Neuentdeckung: Thimotée Chalamet) verbringt den Sommer mit seinen Eltern in deren Ferienhaus in der Nähe des Gardasees. Es ist ein liberaler jüdischer Intellektuellenhaushalt, der Vater ist Archäologe, die Mutter liest und übersetzt leidenschaftlich gern deutsche Gedichte, Elio selbst transkribiert klassische Musik. Elios Vater (Michael Stuhlbarg) holt den 24-jährigen Oliver (Armie Hammer), ebenfalls Amerikaner und Jude, als Gast in ihr Haus, denn er soll ihn als Assistent bei seinen Ausgrabungen unterstützen. Oliver ist ein Amerikaner wie aus dem Bilderbuch, gutaussehend und intellektuell, dessen nonchalante Abschiedsformel "later" schnell zum Running Gag innerhalb der Familie wird.
Elio steht dem jungen Mann zunächst skeptisch gegenüber und empfindet ihn als arrogant, doch lassen Olivers Intelligenz und Charme ihn nicht kalt und unter zufälligen Berührungen und gemeinsamen Ausflügen an den See entsteht zwischen den beiden langsam mehr als nur eine enge Freundschaft.

Elio (TIMOTHÉE CHALAMET) und Oliver (ARMIE HAMMER)
Elio (TIMOTHÉE CHALAMET) und Oliver (ARMIE HAMMER) © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Inmitten heißer Tage, lauer Sommernächte, Partys und der unverwechselbaren Musik der 80er kommen sich die zwei jungen Männer immer näher. Elio wirkt für sein Alter sehr reif und ist unheimlich gebildet und gewitzt, doch seiner erwachenden Sexualität und seinen Gefühlen zum älteren Oliver gibt er sich fast schon naiv hin – und wie könnte man es ihm verdenken. Dennoch beginnen beide zunächst ein Verhältnis mit Frauen und Elio hat seinen ersten Sex. Zunächst wehrt sich der selbstsichere Oliver gegen eine Liebe zwischen beiden, doch Elio wagt immer wieder forsche Annäherungsversuche.

Regisseur Luca Guadagnino entführt den Zuschauer in eine Idylle der Sorglosigkeit und des Genusses im unwiderstehlichen Italien und erzählt die Geschichte nach der gleichnamigen Romanvorlage von André Aciman einfühlsam und so gemächlich wie der lange Sommer selbst. Er nimmt sich die Zeit, viel Zeit, die sich anbahnende Liebe zwischen Elio und Oliver ohne Druck und überschwängliche Gefühle darzustellen. Genau diese Ruhe ist es, die "Call Me By Your Name" zu einem erfrischend anderen Film macht, einem Film, der nicht auf die Tränendrüse drücken will und dafür umso mehr berührt. Mit Worten halten die Charaktere sich zurück, Blicke und Gesten inmitten von scheinbaren Belanglosigkeiten sagen hier mehr als tausend Worte und große Reden. Doch Guadagninos auf ruhige Erzählweise muss man sich einlassen, denn sie bringt stellenweise auch einige Längen mit sich.

Elio (TIMOTHÉE CHALAMET) und Marzia (ESTHER GARREL)
Elio (TIMOTHÉE CHALAMET) und Marzia (ESTHER GARREL) © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Armie Hammer liefert eine tolle Leistung ab, doch es ist vor allem Thimotée Chalamet, der den gesamten Film auf seinen dünnen Schultern trägt und der Figur des jungen Elio auf künstlerische Weise Leben einhaucht.

„Call Me By Your Name“ spart sich viele Worte über die Liebe und Homosexualität und versucht nicht, die Liebe zwischen Elio und Oliver in irgendein Schema zu drücken. Zauberhafte Momente stehen im Vordergrund und zählen mehr als der Blick auf das große Ganze. Denn "Call Me By Your Name" handelt vor allem vom Gefühl des Augenblicks – und auch von Intimität.
Aus dem Blickwinkel von Elio erleben wir mit, wie er die Liebe und die Sexualität für sich entdeckt, sind dabei in seinen intimsten Momenten - dem nicht perfekte ersten Sex, dem nicht perfekten ersten Kuss mit Oliver und einem Intermezzo mit einem Pfirsich.

Die Leichtigkeit eines unbeschwerten Sommers voller Liebe ist nahezu greifbar, die Leichtigkeit einer Welt, in der man nichts sein, keine Erwartungen erfüllen muss, in der es ausreicht, zu lesen, zu trinken, zu lachen und zu lieben.

Mr. Perlman (MICHAEL STUHLBARG)
Mr. Perlman (MICHAEL STUHLBARG) © Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Am Ende des Films wartet die Botschaft, auf die so mancher während des Films wohl warten wird: Es gibt keinen Grund, sich zu schämen. Was zählt, ist die Liebe, und die ist immer schön. Es ist Elios Vater, der seinem Sohn dies erklärt und der damit in einem wunderbar intimen Vater-Sohn-Gespräch Worte ausspricht, die jeder hören sollte.

Auf den scheinbar endlosen Sommer folgt in einem krassen Gegensatz, aber nicht weniger zauberhaft, der kalte Winter zurück in der amerikanischen Heimat. Was nach dem Abspann bleibt, ist Ungewissheit in jeder Hinsicht. Der Liebe folgen oder sich gesellschaftlichen Normen anpassen? Die Liebe zwischen Elio und Oliver handelt vom Finden der eigenen Identität, „call me by your name“. Elio hat sich der Liebe fast schon naiv hingegeben, doch ob er nun dank der Liebe zu Oliver weiß, wer er ist, oder sich selbst vielleicht noch mehr in Frage stellt als je zuvor, bleibt unsicher. Reden oder Sterben?, lautet eine im Film von Elios Mutter zitierte Frage. Eine Frage, die jeder für sich beantworten muss.


Fazit:
Luca Guadagnino hat einen Film geschaffen, in dem man sich einfach nur verlieren kann. Man muss kein Fan des Queer-Cinemas sein, um sich für die Geschichte begeistern – denn sie zeigt unabhängig davon Liebe in allen ihren Facetten: beiläufig, seltsam, leidenschaftlich, zärtlich, tragisch. Wer sich in auf eine nostalgische Reise fernab der Lautstärke und der Künstlichkeit des heutigen Kinos begeben möchte, ist bei „Call Me By Your Name“ genau richtig.
by

Bilder © Sony Pictures