Bullyparade - Der Film

Bullyparade - Der Film (2017), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

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Inhalt

Das Warten der Fans hat nun ein Ende! Michael Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz kehren zum 20jährigen Jubiläum der „bullyparade“ endlich wieder gemeinsam auf die große Leinwand zurück. Drehbeginn: Frühjahr 2016.

Michael Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz | mehr Cast & Crew


Bullyparade - Der Film - Trailer




Filmkritik Bullyparade - Der Film

Filmwertung: | 6/10


Pünktlich zum zwanzigjährigen Jubiläum der kultigen Pro7-Comedyserie „Bullyparade“ lädt das damalige Kreativteam um Michael Herbig, Rick Kavanian, Christian Tramitz und Co-Autor Alfons Biedermann ein, um mit einer Langversion ihrer beliebten Sketchshow an alte Erfolge anzuknüpfen. „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“ gehören zu den größten deutschen Kinoerfolgen aller Zeiten, eigene Projekte von Bully wie „Buddy“ blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück. Die Rufe nach einem Revival seitens der Fans waren laut, doch statt eine Fortsetzung zu ihren erfolgreichsten Filmen oder gar eine ganz neue Idee aufzugreifen, entschied man sich zu einem Episodenfilm. Bullyparade - Der Film SzenenbildIm Grunde erscheint „Bullyparade – Der Film“ letztlich so, als hätte man eine der 25-minütigen Folgen auf Spielfilmlänge gezogen und mit sichtlich erhöhtem Budget für doch oft beachtliche Bilder aufgewertet. Das Team um Michael „Bully Herbig“ präsentiert sich hier ganz in alter Form und fast erhält man den Eindruck, als wäre kaum Zeit vergangen.

Anders als in der Kultshow zeigt „Bullyparade – Der Film“ fünf voneinander getrennte Episoden, die der Reihe nach präsentiert werden. Auf einen wagemutigen Kunstgriff, die Episoden auf einer Metaebene miteinander zu verknüpfen, verzichtet man hier. Der Tonfall, den Bully wählt, ist tatsächlich spürbar von großen Vorbildern wie Mel Brooks und dem ZAZ-Team (David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker) geprägt. Hier dominiert ein herrlich blödeliger und anarchischer Humor, bei dem kein Einfall zu irrsinnig erscheint, um ihn nicht auszuprobieren. Die Gagrate ist so enorm hoch, jedoch ist es natürlich fast unvermeidlich, dass sehr viel Humor flachfällt. Immer wieder erfreut der Film aber durch gelungene visuelle Gags und raffinierten, hintergründigen Wortwitz, der den Geist der Show, aber eben auch deutlich den der genannten Meister der Filmparodie einfängt. So finden sich hier einige mehr oder weniger versteckte Reminiszenzen an Mel Brooks „Der wilde wilde Westen“, aber auch die ZAZ-Klassiker „Die nackte Kanone“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“. Für Fans dieses etwas in Vergessenheit geratenen Filmgenres und natürlich der „Bullyparade“ selbst sollte hier einiges an Spaß geboten werden.

Alles beginnt mit einer durchaus gelungenen und liebevoll gemachten „Zurück in die Zone“ betitelten Parodie auf „Zurück in die Zukunft“ mit den Zwickauer Kasirske Brothers (Rick Kavanian und Christian Tramitz), die mit ihrem als Zeitmaschine umgebauten Trabbi in die DDR-Vergangenheit reisen, um den Mauerfall zu verhindern. Das ist spritzig, hintersinnig und sogar mit visuellem Einfallsreichtum inszeniert, womit ein rasanter und sehr amüsanter Start in diesen Film geboten wird. Weiter geht es dann mit den wohl beliebtesten Figuren der Bullyparade, Winnetou (Herbig) und Old Shatterhand (Tramitz). Ersterer hat sich verliebt und lädt seinen alten Weggefährten ein, als sein Trauzeuge zu fungieren. Auf diesen ist aber ein Kopfgeld ausgesetzt, auf das es Zahnarzt/Kopfgeldjäger Dr. Schmitz (Kavanian) und seine sprichwörtlich rechte Hand „Tschango“, eine Bauchrednerpuppe, abgesehen haben. Hier platzieren Bully und Co. einige wirklich gelungene Gags, doch mindestens genauso viele schießen leider auch am Ziel vorbei. Gerade die wenig subtile Parodie auf Quentin Tarantinos „Django Unchained“ wirkt leider arg bemüht und sträflich unkomisch, auch eine platte und fehlplatzierte Musical-Nummer ist eher zum Fremdschämen. Dennoch: Fans werden sich an den gut aufgelegten und sympathischen Schlagabtäuschen des Apachen-Häuptlings mit seinem Blutsbruder erfreuen können.

Weit weniger gelungen ist dann allerdings die „Sissi“-Parodie mit Lissi (Herbig) und ihrem pompösen Kaiser-Gemahl Franz (Tramitz). Hier zünden leider nur sehr wenige Witze, genauso wenig wie bei der erneut ziemlich plumpen, aber rasanten „Wolf of Wall Street“-Parodie „Lutz of Wall Street“, bei der Dauerstudent Lutz (Herbig) zur Sensation an der New Yorker Börse wird, um ebenso schnell wieder abzustürzen und im Gefängnis zu landen. Bullyparade - Der Film SzenenbildWillkommener ist dann schon das (T)Raumschiff-Revival um Captain Kork (Tramitz), Mr. Spuck (Herbig) und Schrotty (Kavanian), die sich auf dem Planet der Frauen wiederfinden und es mit der Klonarmee des machthungrigen Despoten King Klon (Kavanian) aufnehmen müssen. Auch wenn diese letzte Episode letztlich ein wenig in die Länge gezogen wird, kommt hier nochmal mehr Spaß auf wie zuvor. Sehr gelungen ist hier ein visueller Gag, der auf J.J. Abrams in „Star Trek“ auf die Spitze getriebenen und oft veralberten Hang mit Lensflares sein Bild aufzuwerten, anspielt. An vielen Zuschauern wird dieser hintergründige Witz vermutlich vorbeigehen, auch wenn er schließlich sogar noch direkt angesprochen wird – das ist aber auch Teil dieses anarchischen Konzepts, das mit unterschiedlich offensichtlichen Gags und Anspielungen gesäumt ist. Ein Wiedersehen mit dem tschechischen Journalistenteam Pavel Pipovič und Bronko Kulička, den drei Kastagnetten und dem Yeti gibt es hier schließlich auch noch zu vermelden. Natürlich dürfen auch die Outtakes am Ende nicht fehlen, die vermutlich die größten Lacher des Films landen.

Man sieht Bully wie auch schon in seinen vorangegangen Parodien an, dass er eine spürbare Leidenschaft gerade für das amerikanische Kino hat, das er kenntnisreich und sogar oft überraschend bildgewaltig auf die Schippe nimmt. Vor seinen großen Vorbildern braucht sich Bully wahrlich nicht zu verstecken. Auch wenn hier längst nicht jeder Gag zündet, wird es auch nie wirklich langweilig, der Geist der vorangegangen Filme und der Show wird aufgegriffen, ohne dass man den Eindruck hat, dass das alte Team ihren Zenit überschritten hätte. Etwas Frische fehlt hier sicherlich und viele Zuschauer werden in „Bullyparade – Der Film“ wohl nur einen insgesamt eher müden Aufguss sehen, der versucht an alte Erfolge anzuknüpfen, indem man den Nostalgienerv des Publikums treffen will. Dennoch fällt es schwer, diesem insgesamt kurzweiligen und sympathischen Film wirklich böse zu sein, auch wenn die ganz großen Lacher eher ausbleiben.


Fazit:
Liebevoll und aufwändig gemachte Parodie, die den anarchischen Geist der Bullyparade und großer Vorbilder wie Mel Brooks und dem ZAZ-Team atmet. Die Gagrate ist erwartungsgemäß sehr hoch, wobei sehr viele Humorversuche flachfallen und ganz große Lacher eher ausbleiben. Dennoch ein kurzweiliger Spaß für Fans, für andere vielleicht nur ein müder Aufguss.
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Bilder © Warner Bros.