Borg/McEnroe

Borg/McEnroe (2017), Schweden / Dänemark / Finnland
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Drama / Sport
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universum Film

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Inhalt

1980: Das traditionsreichste Tennisturnier, die Wimbledon Championships, steht vor der Tür und für den besten Tennisspieler der Welt soll es ein Triumphzug werden. Björn Borg (Sverrir Gudnason) kann zum fünften Mal den Titel holen. Jedoch hat seine lange, schon im Kindesalter begonnene Karriere Spuren hinterlassen. Obwohl er erst 24 Jahre alt ist, fühlt Borg sich erschöpft und ausgebrannt, leidet unter Ängsten. Davon ist John McEnroe (Shia LaBeouf) noch weit entfernt. Der 20jährige aufstrebende Star will Borg vom Thron stürzen und ist fest entschlossen, Wimbledon zu gewinnen. Doch mehr und mehr fühlt er sich, ebenso wie Borg, als wäre er in einem Käfig gefangen. In der Öffentlichkeit sorgt McEnroes aufbrausendes Temperament immer wieder für Schlagzeilen und die Medien stilisieren den Zweikampf immer weiter hoch: der coole Borg gegen den verzogenen McEnroe. Nach und nach müssen die beiden Gegner erkennen, dass ausgerechnet ihr größter Rivale der einzige sein könnte, der versteht, was sie durchleiden...

Shia LaBeouf, Sverrir Gudnason und Stellan Skarsgård | mehr Cast & Crew


Filmkritik Borg/McEnroe

Filmwertung: | 7/10


Regisseur Janus Metz bezeichnet seinen Film über die beiden Tennislegenden Björn Borg und John McEnroe als Tennis-Äquivalent zu Martin Scorseses Meisterwerk „Raging Bull“, da es um zwei Männer ginge, die sich selber beweisen wollen und Jemand sein müssen, um ernst genommen zu werden. Viel passender wäre jedoch wohl der Vergleich zu Michael Manns „Heat“, denn in „Borg McEnroe“ geht es um zwei scheinbar ganz verschiedene, auf ihre Weise besessene Kontrahenten, die bei einem genaueren Blick viel ähnlicher sind, als es zunächst den Anschein macht – ganz wie Al Pacinos Cop und Robert De Niros Bankräuber. Auch wenn es hier nicht wie in Manns L.A.-Epos um Leben und Tod geht, kann aus der Rivalität zwischen Borg und McEnroe nur einer als Gewinner vorhergehen – zumindest bis zum nächsten Match.

Björn Borg (Sverrir Gudnason)
Björn Borg (Sverrir Gudnason) © Universum Film
„Borg McEnroe“ ist im Jahr 1980 angesiedelt. Der erst 24-jährige Schwede Björn Borg (Sverrir Gudnasson) ist nach vier Wimbledon-Titeln in Folge bereits eine lebende Legende seines Sports, eine gefeierte und angehimmelte Ikone und weltweiter Teenie-Schwarm, der nicht vor die Tür treten kann, ohne von Autogrammjägern überfallen zu werden. Borg ist als eiskalter Musterprofi bekannt, der seine Gegner in aller Ruhe vernichtet, ohne je echte Emotionen zu zeigen. Als deutlicher Kontrast lauert der 20-jährige Amerikaner John McEnroe (Shia LaBeouf) in seinem großen Schatten, der nicht nur für sein unübersehbares Talent, sondern vor allem für seine zahlreichen ungestümen Wutanfälle auf und außerhalb des Tenniscourts bekannt wurde. Während Borg zwar immer noch so fokussiert und vom Sieg besessen ist wie eh und je, zeigen sich bereits erste Abnutzungserscheinungen von seinem alles einvernehmenden Lebensstil. Heißsporn McEnroe hingegen kann es nicht erwarten, auf den großen Björn Borg zu treffen, er setzt alles daran den damaligen König des Tennis von seinem Thron zu werfen. Im Turnierverlauf von Wimbledon 1980 wird deutlich, dass der Weg zum Titel nur über diese beiden Männer führen wird.

„Borg McEnroe“ ist nicht nur eine packende Chronik dieses sportlichen Großereignisses, dessen Finale zu einem der besten Spiele und legendärsten Sportmomente aller Zeiten führen sollte, sondern viel mehr ein intimes Charakterportrait dieser beiden außergewöhnlichen Männer. Dafür erzählt Regisseur Janus Metz („Camp Armadillo“, „True Detective – Staffel 2“) seinen Film verschachtelt in einer effektiven Rückblendenstruktur, die vor allem die Kindheit und Jugend von Björn Borg beleuchtet. Wie sich hier zeigt, war Borg selbst ein außergewöhnliches Problemkind, das zwar über sensationelles Talent, aber ebenso große Wut wie McEnroe als Erwachsener verfügt hat. Dieser wilde Stier wurde erst durch den ehemaligen Tennisprofi und damaligen Coach der schwedischen Davis Cup-Mannschaft Lennart Bergelin (Stellan Skarsgård) gezähmt, der den jungen, vom Gewinnen besessenen Borg (Björns Sohn Leo Borg) unter seine Fittiche genommen hat. Bergelin hat Borg gelehrt, seine Aggression in sein Spiel zu kanalisieren – was Grundvoraussetzung war, dass er ihn überhaupt trainiert hat.

John McEnroe (Shia LaBeouf) bei der Pressekonferenz
John McEnroe (Shia LaBeouf) bei der Pressekonferenz © Universum Film
Diese unbändige Aggression wird faszinierend mit dem 24-jährigen Borg kontrastiert, der mit mönchsartiger, fast meditativer Ruhe agiert. Borg wirkt sanftmütig und gefasst, aber auch deutlich müde von seinem fordernden Profileben und dem Drang, immer der Beste zu sein, nie verlieren zu dürfen. So zeigt Metz Borg in seinem Penthouse in Monaco, wie er halbnackt den Ozean überblickend auf der Brüstung seines Balkons auf den Armen balanciert oder später durch die Straßen des kleinen Königreichs wandelt und in er kleinen Bar landet, nachdem er vor Fans flüchten musste. Dort gibt er sich dem irritierten und unwissenden Barkeeper kurzerhand als Elektriker aus, der mit Kistentragen aushilft, nachdem er seinen Kaffee nicht bezahlen kann, da er sein Portemonnaie vergessen hat. Diese ruhigen, introspektiven Szenen faszinieren, auch weil der schwedische Borg-Darsteller Sverrir Gudnasson nicht nur durch seine frappierende Ähnlichkeit zum Realvorbild, sondern vor allem durch seine magnetische und geheimnisvolle Ausstrahlung in den Bann zieht.

Der Kontrast zu Borgs Kindheit wird so effektiv dargestellt, Metz baut Spannung auf, da man als Zuschauer Borgs Entwicklung zum kontrollierten „Iceman“ der 1980er Filmgegenwart nachvollziehen möchte. So packt der Film, auch weil er John McEnroe nicht minder überzeugend darstellt. Shia LaBeouf macht Spaß in seiner Rolle, die er mit voller Leidenschaft und wilder Intensität ausfüllt, die ihm wohl selbst sehr nahe ist. Man sieht seinen Augen den glaubwürdigen laserartigen Fokus an, erkennt den Getriebenen und Besessenen an, der McEnroe damals war. Sicher ist „Borg McEnroe“ ein weitestgehend konventionelles Sportdrama, das keine neuen Ufer erreicht, dennoch ist hier gut gemachtes und packendes Unterhaltungskino zu bewundern, das einen die komplette Laufzeit bei der Stange hält. Metz und sein Team inszenieren die damalige Zeit in leicht entsättigten und authentischen Widescreen-Bildern, die er meist in intimen, unmittelbaren und dokumentarisch wirkenden Handkamera-Aufnahmen lebendig werden lässt. Immer wieder streut er – gerade zu Beginn – auch interessante Bildkompositionen ein, die ungewöhnliche Blickwinkel auf die Figuren und ihre Umgebung erlauben.

Björn Borg (Sverrir Gudnason) nach seinem Sieg über John McEnroe (Shia LaBeouf)
Björn Borg (Sverrir Gudnason) nach seinem Sieg über John McEnroe (Shia LaBeouf) © Universum Film
Tennisszenen selbst sind tatsächlich eher kurz gehalten, erst mit dem Finale wird die Action des Films präsenter auf den Center Court verlagert. Überraschenderweise schwächelt der Film gerade hier leicht, denn auch wenn die dynamischen Bilder authentisch und wirkungsvoll sind, baut sich bei dem überaus langwierigen Finale (die Spieldauer betrug damals fast vier Stunden) nicht die gewünschte Spannung und Energie auf, die der Dramatik dieses Jahrhundertspiels völlig gerecht werden kann. Interessanter sind auch hier dann die Momentaufnahmen der beiden Spieler, die sich mit größtem Respekt entgegentraten – McEnroe, der zuvor vom englischen Publikum angefeindet wurde, riss sich deutlich erkennbar zusammen und verzichtete auf seine üblichen Ausbrüche. Hier geht es so gar nicht wirklich um den Ausgang des Spiels, überhaupt versucht der Film keineswegs für einen der beiden Spieler Partei zu ergreifen. „Borg McEnroe“ ist angenehm ausgeglichen inszeniert, hier gibt es, anders als in anderen Sportdramen, nicht die typische Bösewichtrolle oder den Underdog (auch wenn das McEnroe als noch titelloser Spieler im Vergleich zu Borg war), mit dem man mitfiebert.

Diese Ausgeglichenheit ist Stärke und Schwäche des Films zugleich – Man will hier letztlich eigentlich gar nicht, dass einer der beiden Athleten das Spiel gewinnt. So findet der Film einen zufriedenstellenden Epilog, bei dem die beiden Rivalen nochmal zufällig aufeinandertreffen und ihr gegenseitiger Respekt deutlich spürbar wird – die wohl beste Szene des Films. Fast schon würde man sich hier weitere Filme wünschen, die die Folgejahre dieser außergewöhnlichen Rivalität weiter beleuchten. „Borg McEnroe“ mag weitestgehend konventionell sein, seine Darsteller und zwischenmenschlichen Momentaufnahmen heben den Film aber über den Durchschnitt und machen den Film auch für Nicht-Tennisfans allemal sehenswert.


Fazit:
„Borg McEnroe“ ist ein weitestgehend konventionelles, aber packend erzähltes und einsichtsreiches Sportdrama, das zwei Ikonen des Tennissports und ihre aufkeimende Rivalität effektiv beleuchtet. Das ist zum einen Janus Metz intimer Regie, aber auch den beiden starken Hauptdarstellern zu verdanken.
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Bilder © Universum Film