Blau ist eine warme Farbe

La vie d'Adèle (2013), Frankreich
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Drama / Romanze
Kinostart Deutschland: - Verleih: Alamode

Blau ist eine warme Farbe Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Mädchen gehen mit Jungs aus – das stellt die 15-jährige Adèle (Adèle Exarchopoulos) zunächst nicht in Frage. Doch das ändert sich schlagartig, als sie Emma (Léa Seydoux) trifft. Die Künstlerin mit den blauen Haaren lässt sie ungeahnte Sehnsüchte entdecken, bringt sie dazu sich selbst zu finden, als Frau und als Erwachsene.

Léa Seydoux, Adele Exarchopoulos und Salim Kechiouche | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Blau ist eine warme Farbe

Blu-ray
Blau ist eine warme Farbe - La vie d'Adèle (Kapitel 1 & 2) Blau ist eine warme Farbe - La vie d'Adèle (Kapitel 1 & 2)
Blu-ray Start:
09.05.2014
FSK: 16 - Laufzeit: 179 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Blau ist eine warme Farbe - La vie d'Adèle (Kapitel 1 & 2) Blau ist eine warme Farbe - La vie d'Adèle (Kapitel 1 & 2)
DVD Start:
09.05.2014
FSK: 16 - Laufzeit: 172 min.

Filmkritik Blau ist eine warme Farbe

Filmwertung: | 10/10


Als Jury-Präsident Steven Spielberg im Mai dieses Jahres den Film "La vie d'Adèle, chapitres 1 & 2" von Abdellatif Kechiche mit der Goldenen Palme auszeichnete, ging der Hauptpreis der Filmfestspiele von Cannes erstmalig nicht nur an den Regisseur, sondern auch an die beiden Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adèles Exarchopoulos. Spielberg nannte den Film in der Jurybegründung eine großartige und wunderschöne Liebesgeschichte und war froh, dass jemand den Mut hatte, diese Geschichte zu erzählen. Die Goldene Palme allein gilt als außerordentliches Gütesiegel und dieser nicht erwartete Überraschungserfolg verbunden mit besagtem Novum, verspricht ein Werk, das europäische Filmgeschichte schreiben wird.

Im Zentrum dieses französisch, belgisch, spanischen Dramas steht die Liebe zweier Frauen zueinander. Nachdem Adèle (Adèle Exarchopoulos) ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Mitschüler gemacht hat, stellt sie fest, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. Und so verliebt sich die 17-jährige Schülerin in die ältere Kunststudentin Emma (Léa Seydoux), welche sie mit ihrem süßen Aussehen und ihrer bildungsbürgerlichen Attitüde beeindruckt. Aus einer Affäre zwischen den beiden Frauen wird eine feste Beziehung. Adèle beginnt nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung zur Pädagogin und ist ihrer blauhaarigen Freundin völlig verfallen. Die Künstlerin Emma macht Adèle zu ihrer Muse und stellt sie ihrem erlesenen Freundeskreis vor. Adèle wird dort zwar positiv aufgenommen, doch fühlt sie sich nicht richtig wohl in dieser für sie so anderen sozialen Schicht. Sie fühlt sich zunehmend ausgeschlossen als Emma plötzlich mehr Zeit mit einer aus diesen Kreisen kommenden Ex-Freundin verbringt. Unbedacht und aus Eifersucht geht Adèle mit einem ihrer männlichen Arbeitskollegen fremd und riskiert damit ihre einzigartige Verbindung zu Emma.

Der Film "Blau ist eine warme Farbe" basiert auf einer freien Adaption des 2010 veröffentlichten gleichnamigen Comics "Le Bleu est une couleur chaude" der französischen Autorin Julie Maroh. Als der 2007 durch "Couscous mit Fisch" bekannt gewordene Regisseur Abdellatif Kechiche diesen Comic mit der Geschichte einer absoluten Liebe zwischen zwei Frauen in Händen hielt, wollte er dieses Projekt realisieren, da er damit auch einen früheren Drehbuchentwurf mit der Story über eine junge Lehrerin ankoppeln konnte. Die im Originaltitel "La vie d'Adèle, chapitres 1 & 2" genannten Kapitel 1 und 2 über Adèles Leben möchten wohl den Teil des Kennen- und Liebenlernens der beiden Frauen von dem Teil der späteren festen Beziehung trennen, doch für Kechiche soll es die Fantasie befeuern, wie ein mögliches 3. Kapitel wohl wäre. Kechiche war bewusst, dass diese beiden Frauen den Film tragen würden und so war er sich zuerst mit Léa Seydoux für die Rolle der Emma einig. Für seine Adèle hingegen wurde zuerst ein großes Casting veranstaltet, als er jedoch Adèle Exarchopoulos beim Zitronenkuchen essen sah, mit ihrer sinnlichen Art den Mund zu bewegen und zu kauen, war alles klar. Daraufhin hat er kurzerhand die Heldin des Comics Clémentine in Adèle umgetauft, damit die private Adèle mit ihrer Rollenfigur komplett verschmelzen konnte.

Dieses gute Händchen bei der Auswahl der beiden Darstellerinnen in Verbindung mit der faszinierend nahen und eindringlichen Erzählweise lassen den Betrachter jeden Kuss, jedes Schmatzen und Schluchzen wie am eigenen Leib erfahren. Die fundamentalen Sexszenen zwischen Adèle und Emma, die so gedreht wurden, als hätte man es in Wahrheit mit Gemälden oder Skulpturen zu tun, sind atemberaubend körperlich und emotional. Sie verdeutlichen die immense Nähe der beiden zueinander und zeigen die orgastischen Höhepunkte in dieser lesbischen Beziehung mit derartiger Authentizität, dass dem Betrachter Heterosexualität wie ein Auslaufmodell erscheinen muss. Diese fiebrige Zuneigung zwischen ihnen, die den Zuschauer schon im ersten Kapitel ungeduldig macht, wann die beiden endlich im Bett landen, ist es letztlich aber, welche diese Liebe auf eine schwindelerregende Fallhöhe bringt. Kechiche sagt, dass man mit dem Thema Liebe immer automatisch auch Einsamkeit verbindet und eine Liebe in dieser gezeigten Intensität macht den Gedanken an ein mögliches Ende irgendwann nahezu unerträglich. Durch die größtmögliche Natürlichkeit der beiden Darstellerinnen steht man selbst nach drei Stunden nur sehr ungerne aus dem Kinosessel auf, weil man noch viel länger in das verschwitzte verheulte Gesicht von Adèle blicken möchte, das einem selbst ganz unbewusst feuchte Augen gemacht hat.

"Blau ist eine warme Farbe" zeigt eine Liebesbeziehung in atemberaubender emotionaler Intensität und ekstatischer Zärtlichkeit mit einer Adèle Exarchopoulos und einer Lèa Seydoux, die damit nicht nur im europäischen Schauspielkino neue Maßstäbe setzen.
by André Scheede

Bilder © Alamode