Bittere Kirschen

Bittere Kirschen (2012), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Filmlichter

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Bittere Kirschen Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Die Schauspielerin Lena (ANNA STIEBLICH) mag ihren Beruf als Schauspielerin nicht mehr ausüben, steigt aus, kehrt vom Tod ihrer Mutter zurück in ihren alten Heimatort. Dort mietet sie sich bei einem alten Freund der Mutter ein. Ihr Freund Ludwig (RONALD KUKULIES) stellt ihr in diesem kleinen Ort einen Heiratsantrag. Doch den kann sie in ihrer momentanen Verfassung nicht annehmen, will sich auf Spurensuche begeben. Sie sucht Antworten auf Fragen, und die hängen mit Dahl-manns (MARTIN LÜTTGE) und ihrer Mutter Vergangenheit zusammen. Sie folgt Dahlmann nach Polen, wo der alte Mann in seiner Kindheit bis 1944 in Auschwitz lebte und wo er jetzt seinen Freund, einen katholischen Priester (WOLFRAM KOCH), besucht.
Die Reise in einem roten Volvo durch Polen verbindet das Schicksal dieser drei unterschiedlichen Menschen und wird zu einem Trip durch Stationen der deutschen Vergangenheit bis in die Gegenwart.


Anna Stieblich, Ronald Kukulies und Martin Lüttge | mehr Cast & Crew


Bittere Kirschen - Trailer




Filmkritik Bittere Kirschen

Filmwertung: | 5/10


Auf der Reise in die Vergangenheit offenbaren sich meist glückliche, aber auch unglückliche Erlebnisse, die fast vergessen schienen. Aber wer auf den Spuren der Familie wandelt, wird mitunter Geheimnisse entdecken, die lieber verborgen geblieben wären.
Regisseur und Drehbuchautor Didi Danquart („Offset“) schickt in seinem Drama „Bittere Kirschen“ seine Hauptfigur Lena (Anna Stieblich) auf eine bedeutende Reise nach Polen. In Auschwitz erforscht sie die wahre Geschichte ihrer kürzlich verstorbenen Mutter. Basierend auf dem Roman „Lenas Liebe“ von Judith Kuckart wird der Kinobesucher mit der deutschen Vergangenheit und deren Bewältigung konfrontiert. In ernüchternden Bildern werden die damaligen Verhältnisse und die Beziehungen zwischen den Personen anhand von Rückblenden aufgegriffen. Zusehends verschwimmen dabei die Grenzen zwischen der tragischen Vergangenheit und Gegenwart, was nicht immer zum Verständnis beiträgt. Auch die Dialoge zwischen Lena und ihrer verstorbenen Mutter wirken unrealistisch und verwirren die Mutter-Tochter-Beziehung.

Insgesamt ist die durchaus schwierige Auseinandersetzung mit den Geschehnissen in der Stadt Oświęcim (dt. Auschwitz) nur vage angerissen, sodass der Kinobesucher sich selbst seinen Weg mit der Bewältigung der Vergangenheit bahnen muss, anstatt diese im Film zu erfahren. Auch die unstimmig erscheinenden Dialoge machen es einem schwer, der Handlung zu folgen. Wenn sich Lena mit ihrem Jugendfreund Ludwig (Ronald Kukulies) trifft, hat man immer wieder das Gefühl, dass sie nicht über die gemeinsame Kindheit sprechen, sondern über die eines anderen. Dadurch erwecken die Figuren den Anschein, als ob sie als Außenstehende auf ein Leben blicken, an dem sie selbst kaum Anteil hatten. Allen Voran Martin Lüttge als Dahlmann versucht seiner Figur authentische Lebensweisheit einzuhauchen. Dies kann am Rande noch gelingen, aber wenn selbst er seiner Vergangenheit einer Wahnvorstellung ähnlich entgegentritt, wird deutlich, dass die Inszenierung an den unstimmigen Elementen des Stils zu scheitern droht. Wenn sich Anna Stieblich als selbstsichere Theaterschauspielerin Lena in einem heruntergekommenen Mietshaus im Flur von einem Jugendlichen zum schnellen Sex verführen lässt, wirkt dies befremdlich und wenig passend. Auch die zwischenzeitliche Autofahrt, die durch bedeutungsschwere Dialoge ausgefüllt ist, schafft es nicht die Handlung voranzutreiben oder eventuelle Versatzstücke zu liefern, die das Verständnis des Zuschauers fördern könnte. Was anfangs als Reise in die eigene Vergangenheit und in die eines nahen Menschen beginnt, endet schnell in einer aneinandergereihten Episodengeschichte, in der Vergangenheit und Gegenwart auf einer Ebene parallel betrachtet und teils als Vergleich behandelt werden. Dabei dient das erneut Erlebte weniger dessen Bewältigung, sondern vielmehr des Aufzeigens der Unterschiede zur Jetztzeit.

Fazit: Abstrakte Bewältigung der deutschen Geschichte, unter dem Deckmantel der Familienchronik zweier Frauen.
by Sandy Kolbuch

Bilder © Filmlichter