Ben Is Back

Ben Is Back (2018), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Tobis Film

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Inhalt

Holly Burns (Julia Roberts) ist hin- und hergerissen, als ihr 19-jähriger Sohn Ben (Lucas Hedges) an Heiligabend unverhofft vor der Tür steht. Die vierfache Mutter möchte nur zu gern glauben, dass ihr Ältester sein Drogenproblem endlich im Griff hat. Aber die Zweifel bleiben. Vor allem Schwester Ivy (Kathryn Newton) und Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) sind skeptisch. Hat er die Familie nicht schon oft genug ins Chaos gestürzt? In den folgenden turbulenten 24 Stunden versucht Holly alles, um ihre Familie zusammenzuhalten und Ben vor sich selbst zu schützen – und findet dabei mehr über sein Leben heraus, als ihr lieb ist ...

Julia Roberts, Lucas Hedges und Courtney B. Vance | mehr Cast & Crew


Ben Is Back - Trailer




Filmkritik Ben Is Back

Filmwertung: | 7/10


Eigentlich scheint das Leben von Holly Burns (Julia Roberts) in harmonisch-geordneten Bahnen zu verlaufen: Sie lebt gemeinsam mit ihrer Tochter Ivy (Kathryn Newton) und den gemeinsamen Kindern Liam (Jakari Fraser) und Lacey (Mia Fowler) aus zweiter Ehe mit Neal (Courtney B. Vance) im idyllisch verschneiten Westchester, New York. Weihnachten steht vor der Tür und Warmherzigkeit macht sich breit. Doch mit dem überraschenden Erscheinen ihres Sohnes Ben (Lucas Hedges) wird der Zusammenhalt der Familie auf eine ernsthafte Probe gestellt. Während Holly ihre Freude deutlich macht, zeigen Ivy und Neal überraschend ambivalente Gefühle: Ben kommt frisch aus einem Drogenentzugsprogramm, das er eigentlich noch gar nicht abgeschlossen haben sollte.

Julia Roberts (Holly Burns), Lucas Hedges (Ben Burns)
Julia Roberts (Holly Burns), Lucas Hedges (Ben Burns) © Tobis Film
Peter Hedges, der sich als Autor („Gilbert Grape“, „About a Boy“) und Regisseur („Pieces of April“, „Dan – Mitten im Leben“) einen Namen als Experte für authentisch menschliche Themen gemacht hat, präsentiert mit „Ben Is Back“ ein naturalistisches Drama, das wenig überrascht, aber dennoch mit seiner ungeschönten Art subtil bewegt. Er etabliert die Familie und ihre Umgebung in angenehm menschlichen und warmen Zügen, präsentiert eine vorweihnachtliche Harmonie, die glaubwürdig eingelebt wirkt. Doch als der freundlich-sensible Ben unerwarteterweise verfrüht zu seiner Familie zurückkehrt, offenbart Hedges nach und nach, dass hinter dieser heilen familiären Fassade eine tickende Zeitbombe lauert. Hedges macht dabei unmissverständlich klar, dass Ben ein guter Junge ist, der jedoch vor einiger Zeit ganz stark vom rechten Weg abgekommen, aber mittlerweile fast stabilisiert ist.

Über seine gesamte Laufzeit legt der Film diese zunächst ausgesprochenen Geister der Vergangenheit frei. Nach anfänglichen Diskussionen akzeptiert der skeptische Stiefvater Neal Bens Versprechen, dass sein zuständiger Berater ihm einen stabilen Entzug nach 77 Tagen attestiert hat. Holly hat sich gewünscht, dass ihr 19-jähriger Sohn zumindest an Weihnachten mit seiner Familie vereint ist, gibt ihm aber dennoch vorsorglich erst mal einen Tag, an dem er sich beweisen muss. So macht man sich zu zweit auf den Weg in die Stadt, um zu altem Zusammenhalt zu finden und Ben frische Kleider für das anstehende Fest zu besorgen. Doch immer wieder deutet sich an, dass der scheinbar geordnete und vernünftige Ben bei gewissen Triggern spürbar ins Wanken kommt. Als alte Bekanntschaften zudem schnell von Bens Rückkehr Wind bekommen, wird die ohnehin angespannte Situation auf eine harte Probe gestellt.

Courtney B. Vance (Neal), Kathryn Newton (Ivy)
Courtney B. Vance (Neal), Kathryn Newton (Ivy) © Tobis Film
Die erste Hälfte des Films ist wunderbar präzise beobachtetes, zutiefst menschliches Kino, das bodenständig bleibt und nie Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Hedges inszeniert den Film in naturalistischen und unaufgeregten Tönen, die subtil in ihren Bann ziehen. In seiner zweiten Hälfte verliert „Ben Is Back“ jedoch ein wenig den Faden, wenn er sich zu einer nächtlichen Odyssee an Heiligabend durch Westchesters dunkelste Gassen entwickelt, die den Fokus auf das Mutter-Sohn-Gespann legt. Hedges präsentiert eine schonungslose Realität, begibt sich immer tiefer in den Drogensumpf, der unter der gutbürgerlichen Fassade schlummert. Hier begibt sich der Film zudem auch in überraschendes Thriller-Territorium.

Tatsächlich fällt es schwer, einen Film zu benennen, der Julia Roberts in einem derart realistischen Milieu gezeigt hat – selbst etwas wie „Erin Brockovich“ wirkt da noch glanzvoller. Hier liegt eine der größten Stärken des Films, denn Roberts liefert eine bemerkenswert natürliche und authentische Darstellung einer sorgenden Mutter, während Lucas Hedges (der Sohn des Regisseurs) eine weitere starke Rolle nach seinen gefeierten Auftritten in „Manchester by the Sea“, „Lady Bird“ und „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ präsentiert. Wie auch in seiner ehrlich-aufrichtigen Inszenierung verstehen sich die Darsteller ebenfalls auf eine Herangehensweise der leisen und vielsagenden Töne. Gerade in der ersten Hälfte wird hier viel Unausgesprochenes alleine über Blicke vermittelt. Man bekommt ein starkes Gespür für diese Figuren, denen man ihren familiären Zusammenhalt jederzeit abkauft.

Julia Roberts (Holly)
Julia Roberts (Holly) © Tobis Film
So bleibt ein Film, der durchaus durch sein authentisches und raues Flair nachzuhallen weiß. Inszenatorisch ist das alles so bodenständig und unaufgeregt gehalten, sodass man sich dankbarerweise fern von falscher Sentimentalität und emotionaler Manipulation bewegt. „Ben Is Back“ berührt so auf subtile Weise, ohne aber – trotz aller Wahrhaftigkeit – dennoch jemals so richtig abzuheben, da echte Überraschungen dann doch leider ausbleiben. Dennoch verfügt der Film über kraftvolle Momente, die große Wirkung entfalten: So ist etwa ein Aufeinandertreffen mit Bens ehemaligem Doktor zu nennen, der nun an Demenz leidet und eventuell mit seiner Arzneivergabe der unfreiwillige Auslöser für Bens Sucht war. Hier spielt Roberts groß auf und lässt Erinnerungen an ihre Oscar-gekrönte Darstellung in „Erin Brockovich“ aufkommen.


Fazit:
„Ben Is Back“ ist ein über weite Strecken gelungenes Familien- und Suchtdrama, das mit Lucas Hedges und Julia Roberts über zwei starke Hauptdarsteller verfügt. Auch wenn große Überraschungen ausbleiben, gefällt der Film mit seiner unaufgeregten, feinfühligen und realistischen Machart, die sich fernab von gängigem Hollywood-Glanz bewegt.
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Bilder © Tobis Film