Beast - Jäger ohne Gnade

Beast (2022), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

Beast - Jäger ohne Gnade Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Nach dem tragischen Tod seiner Frau reist Dr. Nate Samuels (Idris Elba) dorthin, wo er sie einst kennenlernte: in die südafrikanische Savanne. Die lang geplante Reise in das Wildreservat des Biologen und alten Freundes der Familie, Martin Battles (Sharlto Copley), soll ihm und seinen Teenager-Töchtern Meredith (Iyana Halley) und Norah (Leah Jeffries) die Möglichkeit geben, den schweren Verlust zu überwinden.
Viel Gelegenheit dazu bekommen sie allerdings nicht, denn sie werden zum Ziel mehrerer aggressiver Angriffe eines blutrünstigen Löwen, der es scheinbar bewusst auf Menschen abgesehen hat, nachdem er die Attacke brutaler Wilderer überlebt hat. Und ganz plötzlich wird aus der heilenden Reise ein verzweifelter Kampf ums Überleben. Doch Samuels lässt sich und seine vom Schicksal gebeutelte Familie nicht ohne Weiteres zur Beute machen – und nimmt den Kampf gegen die wilde Bestie auf.


Idris Elba, Sharlto Copley und Iyana Halley | mehr Cast & Crew


Filmkritik Beast - Jäger ohne Gnade

Filmwertung: | 5/10


Safari mit Todesfolge: Nicht unbedingt der perfekte Film im Vorfeld eines Südafrika-Urlaubs - Eine Begegnung mit diesem gnadenlosen Killerlöwen möchte man nämlich im Zweifelsfall dann noch lieber vermeiden.

Der jüngst verwitwete Dr. Nate Daniels will auf einem Urlaub im Mopani Reservat in Südafrika eine neue Bindung zu seinen distanzierten Töchtern Meredith und Norah aufbauen. Ein blutrünstiger Löwe auf Beutezug durchkreuzt diese Pläne.

Das Genre des Tierhorrorfilms bzw. Creature-Feature-Filme im Allgemeinen haben durchaus schon bessere Tage erlebt. Auf der großen Leinwand erlebt man mittlerweile abgesehen von den omnipräsenten Haien (etwa mit den beiden „47 Metes Down“- Filmen, dem Survival-Thriller „The Shallows“ und dem Sommerhit 2018 „The Meg“ oder auch der unter Trash-Gourmets zum Kult gewordenen „Sharknado“-Reihe) kaum noch klassischen Tierhorror. Stattdessen wandern viele Produktionen des Genres direkt in die Videoabteilung oder werden im Streaming veröffentlicht. Diesem Missstand wollte nun der isländische Regisseur Baltasar Kormakur (bekannt für sein äußerst sehenswertes Bergsteiger-Drama „Everest“) entschlossen entgegentreten und verwirklichte deshalb den Tierhorrorfilm „Beast“ – mit Löwen als blutrünstigen Killermaschinen.

Idris Elba als Dr. Nate Samuels in Beast
Idris Elba als Dr. Nate Samuels in Beast © Universal Pictures
Dies ist allerdings nicht wahnsinnig innovativ, wenn man bedenkt, was es bereits für Killer-Viecher in der Filmgeschichte gab: Natürlich zunächst einmal Haie, denn die grundlegenden Genre-Merkmale wurden stark von Steven Spielbergs All-Time-Klassiker „Jaws“ geprägt (über die inferioren Sequels wird an dieser Stelle einmal der Mantel des Schweigens gehüllt) aber auch der von Renny Harlin inszenierte „Deep Blue Sea“ drehte kräftig an der Spannungsschraube und verfügt unter Killer-Hai-Fans ebenso einen exzellenten Ruf. Daneben machten auch andere maritime Ungeheuer die Gewässer unsicher, etwa Piranhas in „Piranha“ (1978) von Joe Dante bzw. dessen Trash-Splatter-Party-Remake „Piranha 3D“ (2010) von Alexandre Aja, ein Orca in „Orca – Der Killerwal“ (1977), hungrige Krokodile und Alligatoren in „Alligator“ (1980) von Lewis Teague, der „Lake Placid“-Reihe oder den beiden australischen Survival-Filmen „Rogue“ (2007) und „Dark Water“ (2005). Daneben gab es auch noch weit ausgefallenere Killer-Tiere, etwa Ameisen („Empire of the Ants“ 1977), Regenwürmer („Squirm“ 1976) , Bieber („Zombiber“ 2014), Bienen („The Bees“ 1978), Spinnen („Giant Spider Invasion“ 1975 ), Frösche („Frogs“ 1972), Hasen („Night of the Lepus“ 1972) Zecken („Ticks“ 1993) Mosquitos („Mosquito“ 1994), Katzen („The Uninvited“ 1988), Hunde („Cujo“ 1983), rasende Riesen-Wildschweine („Razorback“ 1984 und „Boar“ 2017), Ratten („Willard“ 1971 und dessen Nachfolger „Ben“ 1972), Paviane („Shakma“ 1990), Schlangen („Anaconda“-Reihe), Bären („Grizzly“ 1976 und „Grizzly II – The Predator“ 2020), Wölfe („The Grey“ 2011)) und der wahrscheinlich ausgefallenste und ekligste Tierhorrorfilm aller Zeiten: „Slugs“ (1988) vom spanischen Exploitation-Meister Juan Piquer Simon, welcher die je nach Sichtweise gestörte oder geniale Idee hatte, dem Publikum Nacktschnecken(!) als blutrünstige Killer zu präsentieren.

Mit derartigen Exploitation-Eruptionen kann „Beast“ klarerweise nicht mithalten, sind doch Löwen als Tierhorror-Vertreter nicht wirklich etwas Neues und waren etwa schon im amerikanischen Abenteuerfilm „The Ghost and the Darkness“ (1996), im südafrikanischen Survival-Horror-Streifen „Prey“ (2007) und im niederländischen Trashfest „Prey“ (2016) als Killer im Einsatz. Der Aufbau und Spannungsbogen von „Beast“ orientiert sich dabei am üblichen Ablauf von Tierhorrorfilmen, nach einem kurzen Anteasern der Gefahr zu Beginn wird zunächst einmal in aller Ruhe das neu gelieferte Frischfleisch (sprich die handelnden Charaktere) eingeführt. Dies gestaltet sich in „Beast“ durchaus zäh, denn auch wenn die Darstellerinnen und Darsteller sehr überzeugend agieren (besonders Idris Elba, der aktuell auch mit der sehenswerten Fantasy-Romanze „Three Thousand Years of Longing“ im Kino zu sehen ist), wirkt die Figurenzeichnung sehr platt und der Drama-Aspekt der Geschichte recht aufgesetzt und bereits in ähnlichen Produktionen wie im vorher erwähnten „Prey“ (2007) zur Genüge ausgelutscht.

Leah Jeffries als Norah Samuels in Beast
Leah Jeffries als Norah Samuels in Beast © Universal Pictures
Dadurch entsteht bedauerlicherweise auch kein wirkliches Interesse an den Charakteren – daran ändern auch kleine augenzwinkernde Referenzen wie ein getragenes „Jurassic Park“ – Shirt wenig. Seine Stärken kann „Beast“ immer dann ausspielen, wenn es richtig zur Sache geht, sprich, wenn der gnadenlose Löwe zuschlägt. In diesen intensiven Sequenzen überzeugt sowohl die Kameraarbeit, welche immer nah dran am Geschehen ist, als auch die präsentierten Gore-Effekte. Zwischen diesen Spannungsspitzen plätschert die Handlung aber leider immer wieder mal belanglos vor sich hin, wodurch der Spannungsbogen mit der Zeit eine Parallele zur x-Achse aufweist: Es passiert schlicht zu wenig, das Handlungsgerüst steht immer wieder mal auf wackeligen Beinen, weshalb der Film auch mit seinen knapp 90 Minuten Laufzeit schlicht zu viele spannungsarme Längen vorzuweisen hat. Als Entschädigung gibt es immerhin einige schöne Landschaftsaufnahmen der südafrikanischen Savanne, unterm Strich ist dies allerdings klarerweise doch deutlich zu wenig, um dem kriselnden Tierhorrorfilm-Genre wieder auf die Erfolgsspur zu verhelfen.

Fazit:
„Jaws“ in der südafrikanischen Savanne: „Beast“ folgt in jederlei Hinsicht dem klassischen Schema eines Tierhorror-Films ohne besondere eigene Akzente zu setzen oder gar für eine konstante spannende Atmosphäre zu sorgen. Die schönen Landschaftsaufnahmen, gute Splatter-Effekte und die starke Performance von Idris Elba stehen zwar auf der Habenseite, können aber auch nicht über die zahlreichen Längen des Films hinwegtäuschen, der zu keinem Zeitpunkt über pures Mittelmaß hinausreicht.
by Niklas Klocker

Bilder © Universal Pictures Intl.