Banklady

Banklady (2013), Deutschland
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Thriller / Biographie
Kinostart Deutschland: - Verleih: StudioCanal

Banklady Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Hamburg in den frühen sechziger Jahren: Gisela Werler (Nadeshda Brennicke) ist ein Mauerblümchen, Arbeiterin in einer Tapetenfabrik und mit Dreißig immer noch ledig. Als sie den Charmeur Hermann Wittorff (Charly Hübner) kennenlernt, verändert sich ihr Leben schlagartig. Zufällig findet sie heraus, dass Hermann und sein Kumpel Uwe (Andreas Schmidt) Bankräuber sind. Zunächst hilft sie ihnen nur bei ihren Raubzügen, doch bald schon ist sie die treibende Kraft. Gisela lässt ihr altes „Ich“ hinter sich, beginnt ein Doppelleben und wird zur mondänen „Banklady“: In teuren Mänteln und Schuhen, mit Perücke und Sonnenbrille steht sie wieder und wieder an den Bankschaltern und erbeutet - höflich aber bewaffnet - immer mehr Geld. Mit Schlagzeilen krönen die Zeitungen sie zum Sexsymbol und die ganze Nation rätselt: Wer ist diese Frau? Aber auch die Ermittler Fischer (Ken Duken) und Kaminski (Heinz Hoenig) sind ihr auf den Fersen. Gisela riskiert immer mehr für ihr neues, aufregendes Leben, für die Freiheit und für ihre Liebe zu Hermann.

Nadeshda Brennicke, Charly Hübner und Ken Duken | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Banklady

Blu-ray
Banklady Banklady
Blu-ray Start:
11.09.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 118 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Banklady Banklady
DVD Start:
11.09.2014
FSK: 12 - Laufzeit: 113 min.

Filmkritik Banklady

Filmwertung: | 7/10


Die Filme der Neuzeit versuchen sich gegenseitig zu überrunden. Immer größer, lauter, schneller und effektreicher müssen die Streifen sein, um das breite Publikum anzusprechen. Lang vergessen scheinen die Zeiten, in denen Gangsterfilme noch spannende Unterhaltung versprachen. Doch Regisseure, die sich bewusst von den Massen abgrenzen und dem Action- und Effektkino dem Rücken kehren, vermögen Unterhaltung auf real basierenden Ereignissen zu schaffen und den Charme längst vergangener Generationen wiederzubeleben. Regisseur Christian Alvart („Tatort: Willkommen in Hamburg“) ist dies gelungen. Er erzählt mit seiner „Banklady“ die Geschichte der Bankräuberin Gisela Werler (Nadeshda Brennicke), die in den 1960er Jahren in Hamburg neunzehn Überfälle innerhalb von zweieinhalb Jahren ausführte. Gemeinsam mit ihrem Komplizen Hermann Wittorff (Charly Hübner) erbeutete sie rund 400000 Mark, deren Verbleib bis zum heutigen Tag nicht vollständig aufgeklärt werden konnte.

Aus der heutigen Sicht beinahe unfassbar sieht man die Polizei am Extrem der Möglichkeiten angekommen. Laut des historischen Zeitgeistes verfügen im Jahr 1966 nur sehr wenige Polizeiwagen über Funkgeräte, was die Verfolgung der Kriminellen erschwert. Und die Sparkassen und Banken verlassen sich ohne Überwachungskameras oder Notsender auf die Ehrlichkeit ihrer Kunden, wodurch die Bankräuber beim Ergaunern des Vermögens ein leichtes Spiel haben. Selbst die handgezeichneten Phantomsfotos erscheinen im Vergleich zu heute wie gutgemeinte Karikaturen. Die Stellung der Polizei und der Presse der damaligen Zeit wird authentisch und ernsthaft wiedergegeben und wirkt dennoch amüsant und zwischenzeitlich etwas karikiert. Wenn die Bankräuber mit Maschinenpistolen und Nadelstreifenanzug ihre Beute machen und anschließend in einem Käfer fliehen, erleben die 60er Jahre ein visuelles Rivavel. Die Nachkriegszeit ist trotz des Wirtschaftswunders noch fast greifbar und wird an den ärmlichen Verhältnissen im Hause Werler verdeutlicht. Der triste Alltag vor Gisela bekommt erst durch die Bekanntschaft des zwielichtigen Herman die notwendige Farbe verliehen, durch die sie ihrer Melancholie entfliehen kann. Neben der spannenden Kriminalgeschichte, die trotz der durchaus ruhigen Atmosphäre bestens unterhält, erzählt der Film auch von der ganz privaten Seite der Bankräuber. Während Gisela Werler in einer Tapetenfabrik arbeitet, um sich und ihre Eltern den Lebensstandart am Existenzminimum erträglich zu gestalten, vegetiert Hermann in einer ungeliebten Ehe, die von seinem Schwiegervater dirigiert wird. Geblendet von dem Luxus und dem sorgenfreien Leben, das durch die Hochglanzmagazine beworben wird, träumen beide von einem Dasein jenseits ihres bekannten Alltags. Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft entbrennt eine Liebe zwischen den Komplizen, die nicht sein kann, weil sie nicht sein darf. Nicht etwa wegen moralischer Bedenken, sondern vor allem, um die Polizei nicht auf ihre Fährte zu lenken.
Nadeshda Brennicke wird als hässliches Entchen und unbedarftes Mauerblümchen eingeführt, das sich hinter ihrem mangelnden Selbstwertgefühl versteckt. Doch im Laufe ihrer Karriere als Banklady gelingt es ihr, sich selbst neu zu erfinden. Im Stillen genießt sie den Ruhm, den die Polizei und die Presse ihr entgegenbringen und wächst dadurch über sich hinaus. Charly Hübner erscheint als draufgängerische Gangster, der sich nach und nach von seiner Komplizin verzaubern lässt. Die Harmonie zwischen den Figuren stimmt durchweg und nimmt den Zuschauer auf eine untrügliche Art gefangen.

Fazit: „Banklady“ ist ein unterhaltsamer old school Gangsterfilm, der basierend auf einer wahren Begebenheit in stillen Untertönen und viel Verständnis für seine Figuren unterhält.
by Sandy Kolbuch

Bilder © StudioCanal