Bad Boys for Life

Bad Boys for Life (2020), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Action / Komödie / Krimi
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Bad Boys for Life Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Die Bad Boys Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) sind gemeinsam zurück für einen letzten großen Ritt in der mit Spannung erwarteten Actionkomödie BAD BOYS FOR LIFE.

Neben Will Smith („Aladdin“, „Suicide Squad“) und Martin Lawrence („Beach Bum“) spielen in BAD BOYS FOR LIFE u.a. Vanessa Hudgens („Spring Breakers“, „Machete Kills“), Alexander Ludwig („Vikings“, „Lone Survivor“), Charles Melton („Riverdale“), Paola Nunez, Kate Del Castillo („Keine gute Tat“), Nicky Jam und Joe Pantoliano („Matrix“, „Memento“). Die Regie übernahmen Adil El Arbi und Bilall Fallah. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Joe Carnahan and Chris Bremner. Der Film wurde produziert von Jerry Bruckheimer und Will Smith. Als Executive Producer zeichnen Doug Belgrad, Barry Waldman, Chad Oman und Mike Stenson verantwortlich.


Will Smith, Martin Lawrence und Vanessa Hudgens | mehr Cast & Crew


Bad Boys for Life - Trailer




DVD und Blu-ray | Bad Boys for Life

Blu-ray
Bad Boys for Life Bad Boys for Life
Blu-ray Start:
28.05.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 124 min.
DVD
Bad Boys for Life Bad Boys for Life
DVD Start:
28.05.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 119 min.

Filmkritik Bad Boys for Life

Filmwertung: | 8/10


Wie schafft man es, eine Filmreihe wiederzubeleben, deren letzter Teil bereits 17 Jahre alt und eigentlich schon ein wenig in Vergessenheit geraten ist? Man nimmt die Elemente, die schon zuvor funktioniert haben und injiziert dem Ganzen frisches Blut hinter der Kamera. Im Falle von „Bad Boys for Life“ hat das funktioniert, denn da wären zum einen vor allem die gewinnbringende Dynamik und Chemie von Will Smith und Martin Lawrence, zum anderen die beiden jungen Belgier Adil El Arbi und Bilall Fallah, die mit diesem 90 Millionen Dollar teuren Film ihr US-Debüt liefern.

Satte 25 Jahre ist es nun her, dass Michael Bay mit „Bad Boys“ seine filmische Geburtsstunde feierte und für einen echten Überraschungserfolg sorgte. Damals war Will Smith dank „Der Prinz von Bel-Air“ nämlich nur eine bekannte TV-Persönlichkeit, sein Part als Miami Police Detective Mike Lowry verhalf ihm aber zum ersten Schritt auf dem Weg zum Superstar. Ganze acht Jahre hat es dann bereits gedauert, bis eine Fortsetzung folgte, die bei einem fetten Budget von 130 Millionen Dollar an den Kinokassen allerdings nur etwa das Doppelte wieder einspielte. Lange war ein dritter Teil im Gespräch, fast sah es aber so aus, dass er nie Realität werden würde - Auftritt Adil und Bilall.

Marcus Burnett (MARTIN LAWRENCE, l.) und Mike Lowrey (WILL SMITH, r.)
Marcus Burnett (MARTIN LAWRENCE, l.) und Mike Lowrey (WILL SMITH, r.) © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Die beiden Belgier mit marokkanischen Wurzeln sorgten mit ihren drei Gangsterfilmen „Image“, „Black“ und „Gangstas 4 Life“ für gewisses Aufsehen, wobei nur letzterer in Deutschland zumindest eine Heimkino-Auswertung erhielt. Die Aufmerksamkeit von Giga-Produzent Jerry Bruckheimer hatte das Regie-Duo jedenfalls, denn nun durften die gerade mal 31 und 34 Jahre alten Jungs nicht nur „Bad Boys“ wiederbeleben, als nächstes knöpfen sie sich auch noch „Beverly Hills Cop 4“ vor.

Doch genug der Hintergründe. „Bad Boys for Life“ erweist sich als positive Überraschung, die nicht nur Fans von Anfang bis Ende große Freude bereiten sollte. Miami, fotogen wie eh und je, ist erneut der Hauptschauplatz und liefert die Grundlage für starke und farbenfrohe Bilder, die fantastisch von Adil und Bilalls Stammkameramann Robrecht Heyvaert eingefangen werden. Von der ersten Sekunde an spürt man (auch dank eines erneut starken Soundtracks) die vibrierende Energie der sonnendurchfluteten Florida-Metropole und hat direkt gute Laune. Als dann Mike mit seinem tiefblau glänzenden Porsche viel zu schnell durch die Straßen brettert und dabei seinen Partner Marcus Burnett (Lawrence) wieder mal fast an den Rand eines Nervenzusammenbruchs führt, glaubt man, dass seit 2003 keine Sekunde vergangen ist. Doch schon das Ziel dieser irrwitzigen, sprücheklopfenden und mit viel Freude inszenierten Raserei deutet an, was diesen dritten Teil entscheidend auszeichnet: Marcus Tochter Megan (Bianca Bethune) kriegt ein Kind von Reggie (Dennis Greene, das vor 17 Jahren von Mike und Marcus denkwürdig verschreckte Date). Kurz gesagt, dieses Mal ist es persönlich.

Marcus Burnett (MARTIN LAWRENCE, l.) und Mike Lowrey (WILL SMITH, r.)
Marcus Burnett (MARTIN LAWRENCE, l.) und Mike Lowrey (WILL SMITH, r.) © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
„Bad Boys for Life“ macht vor allem richtig viel Spaß und liefert die überlebensgroße Action und den bekloppten Humor, den man von „Bad Boys“ erwartet, sorgt jedoch auch für überraschenden Tiefgang bei der Figurenzeichnung. Es ist erstaunlich, wie nahtlos sich der dritte Teil an die Michael Bay-Filme anfügt, aber dennoch dank Adil und Bilall eigene Wege geht und die Charaktere weiterführt und die Fortsezung damit legitimiert. Mike ist immer noch der alte Schwerenöter, der sich von einer Liebschaft zur nächsten hangelt, ohne sich je festlegen zu wollen. Zugleich sorgt er immer noch mit seinen unbekümmerten Wildwest-Zerstörungsorgien für jede Menge graue Haare bei seinem Vorgesetzten Captain Howard (Joe Pantoliano), der immer noch – ganz wie gewohnt – seine Wut und Anspannung kaum zügeln kann.

Marcus hingegen hat beim Anblick seines Enkels endgültig genug, er will sich aus der gefährlichen Polizeiarbeit zurückziehen, eine ruhige Kugel schieben und sich dem widmen, was wirklich wichtig ist: Familie. Doch zugleich gerät Mike ins Fadenkreuz des jungen soziopathischen mexikanischen Kartellbosses Armando Armas Tapia (Jacob Scipio), der sich aus bestimmten Gründen an verschiedenen Persönlichkeiten der Strafverfolgung Miamis rächen will. Mike wird Opfer eines Anschlags und nicht nur er muss sich überlegen, wie sein Leben weitergeht…

v.l.n.r.: Vanessa Hudgens, Paola Nuñez, Alexander Ludwig und Charles Melton
v.l.n.r.: Vanessa Hudgens, Paola Nuñez, Alexander Ludwig und Charles Melton © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
„Bad Boys for Life“ packt die großen Themen an: Leben, Sterblichkeit, Kameradschaft, Familie. Marcus will sich zurückziehen, während Mike überhaupt nicht einsieht, zurückzustecken. Er will weiter wilde Einsätze fahren und böse Jungs fangen, teure Anzüge tragen, stylische Luxuskarossen fahren und begehrenswerter Junggeselle bleiben. Dieser Kontrast sorgt für eine gelungene gegensätzliche Dynamik zwischen Smith und Lawrence, die sich wie eh und je die Bälle mit großer Spielfreude zuwerfen und spürbar Spaß haben. Smith durfte schon lange nicht mehr so stark sein weltberühmtes Charisma ausspielen und zeigt damit endlich nochmal, warum er zu einem der allergrößten und beliebtesten Stars der Welt wurde. Lawrence erlebt nun endlich ein verdientes Comeback, nachdem er letztes Jahr bereits mit seinem denkwürdigen Auftritt als Delfin-liebender Captain Wack in Harmony Korines unterschätztem „Beach Bum“ glänzen durfte. Er generiert in „Bad Boys for Life“ zahlreiche gelungene Lacher und sorgt mit seiner gewohnt sympathischen Präsenz dafür, dass man ihn so schnell wie möglich wieder öfter auf der Leinwand sehen möchte.

„Bad Boys for Life“ ist also ein persönlicherer Film, der seinen Figuren Schwächen zugesteht und diesmal auch für ein echtes Gefühl für Gefahr sorgt. Scipio ist ein starker und besonders rücksichtsloser Antagonist, dessen persönliches Motiv für eine bedrohliche Stimmung sorgt. Hierbei hilft auch dessen Mutter Isabel (Kate del Castillo), die zu Beginn in einer heftig brutalen Sequenz aus dem Knast entflieht und aus Mexico City als Auftraggeberin ihres Sohnes fungiert. Die Motive sind hier wirklich überaus persönlich, wie das etwas dick auftragende Ende nochmal unter Beweis stellt und in seiner komplexen und melodramatischen Familienkonstellation mit manchen verrückten Wendungen schon fast etwas soapig daherkommt.

Captain Howard (JOE PANTOLIANO)
Captain Howard (JOE PANTOLIANO) © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Der Film fokussiert sich ganz und gar auf seine beiden Protagonisten, führt aber auch sehr gelungen die junge taktische Einsatztruppe „AMMO“ ein, die von der toughen Rita (Paola Núñez) angeführt wird. Isabel ist so etwas wie der heimliche Love Interest von Mike, der vielleicht endlich die „Eine“ für den junggebliebenen Casanova sein könnte. Auch Núñez ist eine willkommene Präsenz, die mit Dimension ausgestattet wird und einen sehr guten Sparringspartner für Smith darstellt. Auch die AMMO-Truppe, bestehend aus den gut aufgelegten Vanessa Hudgens, Alexander Ludwig und Charles Melton macht Spaß und offenbart drei spezielle Persönlichkeiten, die alle ihre Momente bekommen. Hier steht natürlich auch amüsanterweise der Generationenkonflikt zwischen dem nun alten Hasen Mike Lowry und den selbstbewussten, aber gemäßigt und überlegt operierenden Rookies im Mittelpunkt. Nicht unerwähnt bleiben darf auch Joe Pantoliano, der ebenfalls genau dort ansetzt, wo er vor 17 Jahren aufgehört hat. Er gibt seinem Part zudem ebenfalls überraschende Tiefe und ist damit ein weiterer Gewinner des Films. Dann ist da auch noch ein fantastisches und sehr witziger Cameo-Auftritt, der hier aber nicht gespoilert werden soll.

Die gelungene Charakterarbeit und die tatsächlich mitreißende und spannende Story sind also die wesentlichen Stärken des Films, jedoch glänzt „Bad Boys for Life“ auch wie bereits angedeutet mit seiner wilden Energie. Dank Adil und Bilall wirkt hier alles erstaunlich frisch und keineswegs abgestanden. Der Film ist dynamisch und vor allem auch auf visueller Ebene einfach wunderschön anzusehen. „Bad Boys for Life“ folgt unzweifelhaft damit der Tradition der beiden Vorgänger und lässt es immer wieder ordentlich krachen. Die größtenteils handgemachte Action ist fabelhaft und oft sehr erfindungsreich umgesetzt, die Stunts sind gewohnt irrsinnig und hochgradig spektakulär. Ein besonderes Highlight ist eine nächtliche Verfolgungsjagd auf den Straßen Miamis, bei der Mike auf einem Motorrad mit Marcus im Beiwagen und einer Gatling Gun für wahnwitzigen Spaß sorgen.

„Bad Boys for Life“ bleibt also der Reihe treu, doch verzichtet trotz durchaus vorhandener Gewalt größtenteils auf die bis zum Exzess hochgetriebenen Geschmacklosigkeiten, die besonders „Bad Boys II“ so berüchtigt machten. Es klingt komisch, doch „Bad Boys for Life“ hat das Herz am rechten Fleck und macht tatsächlich Lust auf mehr. Dass es weitergehen könnte, ist kein Geheimnis, denn am Ende wird auch ein kleiner Cliffhanger angesetzt. „Bad Boys for Life“ in der Tat.

Fazit:
Dank dem grandios aufspielenden Duo Will Smith und Martin Lawrence, sehr guter Figurenzeichnung, überraschender Emotionalität und frischer wie energiereicher Inszenierung erweist sich „Bad Boys for Life“ als erste echte Überraschung des Jahres. Dieser Film macht einfach Freude und tatsächlich Lust auf mehr!
by Florian Hoffmann

Bilder © Sony Pictures