Atomic Blonde

Atomic Blonde (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Action / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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Atomic Blonde Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

1989, Berlin: Die Top-Agentin Lorraine Broughton hat die Order, Informationen höchster Brisanz zu besorgen. Doch die geteilte Stadt fordert von ihr das Äußerste - es geht buchstäblich ums nackte Überleben. Mit Kalkül, Sinnlichkeit und unerbittlicher Härte kommt sie Zug um Zug ihrem Ziel näher. Denn eins steht fest bei dieser tödlichen Schachpartie: Über Bauernopfer entscheidet allein die blonde Königin.

Charlize Theron, James McAvoy und John Goodman | mehr Cast & Crew


Atomic Blonde - Trailer




DVD und Blu-ray | Atomic Blonde

Blu-ray
Atomic Blonde Atomic Blonde
Blu-ray Start:
21.12.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 115 min.
Atomic Blonde (4K Ultra HD) Atomic Blonde (4K Ultra HD)
Blu-ray Start:
21.12.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 115 min.
Atomic Blonde (limited Steelbook) Atomic Blonde (limited Steelbook)
Blu-ray Start:
21.12.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 115 min.
DVD
Atomic Blonde Atomic Blonde
DVD Start:
21.12.2017
FSK: 16 - Laufzeit: 110 min.

Filmkritik Atomic Blonde

Filmwertung: | 7/10


2014 gelang den ehemaligen Stunt Koordinatoren David Leitch und Chad Stahelski mit dem Keanu Reeves-Rachethriller „John Wick“ einer der Überraschungserfolge des Kinojahres. Während sich dieses Jahr nur Stahelski für die möglicherweise nochmal bessere Fortsetzung verantwortlich zeichnete, liefert Leitch nun mit „Atomic Blonde“ sein erstes Solo-Projekt ab. Atomic Blonde SzenenbildWer bei der Adaption von Sam Harts Graphic Novel „The Coldest City“ lediglich so etwas wie die weibliche Variante von „John Wick“ erwartet, liegt aber deutlich falsch. Sicher, Spuren der DNA von besagtem Actioner finden sich auch bei „Atomic Blonde“ in Form handgemachter und knüppelhart durchchoreografierter Actionsequenzen deutlich wider, aber viel mehr ist der audiovisuell perfekt durchgestylte Film in erzählerischer Hinsicht weit komplexer. Hier ist ein weitestgehend traditioneller und verschachtelt erzählter Spionagethriller zu sehen, der sich im leichten Clinch mit seiner überaus stilisierten Hochglanz-Neon-Ästhetik des Berlin kurz vor dem Fall der Mauer im Jahr 1989 befindet. Das ist alles sehr, sehr hübsch anzusehen, was neben den oft überwältigenden Bildern auch der herausragenden Präsenz von Charlize Theron in der Hauptrolle zu verdanken ist. Wo der Film jedoch abfällt, ist sein komplexer Plot, der trotz großen Potentials auch dank der unklar motivierten und unterkühlten Figuren nur wenig mitreißt.

Dass der Film Spannungspotential einbüßt, ist alleine schon seiner Rückblendenstruktur geschuldet, die tatsächlich auch schon „John Wick“ unnötig abschwächte. Alles fängt hier aber noch vielversprechend und stimmungsvoll an: Ein Mann befindet sich im nächtlichen Berlin auf der Flucht und wird schließlich am Spreeufer ermordet. Bei dem Flüchtenden handelt es sich um den MI6-Agenten James Gascoigne, der den MacGuffin des Films bei sich trägt – eine Armbanduhr, die einen Mikrofilm mit den Namen aller Feldagenten enthält, die in der Sowjetunion aktiv sind. Sein Mörder ist der KGB-Agent Yuri Bakhtin, der die heiklen Informationen an den Höchstbietenden weiterverkaufen will.

Hier beginnt nun der erzählerische Rahmen von „Atomic Blonde“, wenn die körperlich sichtlich mitgenommene MI6-Agentin Lorraine Broughton (Charlize Theron) zehn Tage nach Gascoignes Mord von ihrem MI6-Vorgesetzten Eric Gray (Toby Jones) und dem zuständigen CIA-Agenten Emmett Kurzfeld (John Goodman) über ihren Einsatz in Berlin verhört wird. Atomic Blonde SzenenbildDort war Broughton eingesetzt worden, um besagten Mikrofilm wiederzugewinnen und einen Doppelagenten zu ermorden, der nur als Satchel bekannt ist. Dieser soll Gascoigne verraten und schon seit Jahren vertrauliche Informationen an die Sowjets verkauft haben. In Berlin angekommen, muss sie sich umgehend gegen KGB-Agenten und den Waffenhändler Aleksander Bremovych (Roland Møller) erwehren, bis sie schließlich auf ihren MI6-Kontakt David Percival (James McAvoy) trifft. Gemeinsam beginnen die beiden Agenten sich durch das verworrene und von feindselig gestimmten Gestalten gesäumte Berlin zu navigieren, um ihrem Ziel näher zu kommen. Doch erwartungsgemäß kann hier letztlich niemandem vertraut werden.

„Atomic Blonde“ folgt konsequent diesem altbekannten Spionagefilm-Credo. Bei jedem Charakter muss man vermuten, dass nur eine Fassade zu sehen ist, hinter der eigentlich ganz andere Absichten versteckt sind. So zeigt sich schon recht schnell, dass hier jeder irgendwie jeden betrügen und verraten will – was jedoch das Ziel dieses immer unübersichtlicher und komplexer werdenden Spiels ist, bleibt letztlich eher dem Urteil des Zuschauers überlassen. Möglicherweise zählt hier das Motto „Der Weg ist das Ziel“, denn „Atomic Blonde“ hat vor allem einiges an bemerkenswerten Schauwerten zu bieten. Der Film spielt mehr mit den Versatzstücken des Genres, ohne aber je so etwas wie richtige emotionale Spannung ode gar inhaltliche Tiefe aufzubauen. So cool Charlize Theron auch ist, was sich hinter ihrer eiskalten Fassade verbirgt, kann man immer nur wieder über ihre ausdrucksstarken Augen erahnen. Was sie (und andere Figuren) tatsächlich antreibt, bleibt leider ein Mysterium, wodurch es eben auch dem Zuschauer schwer fällt, ihrer Odyssee gepackt zu folgen – vor allem, weil man ohnehin von Beginn an weiß, dass sie ihren berüchtigten Berlin-Einsatz überlebt. Die Frage ist nur, wie sie zu ihren Narben kommt, die sie auch zu Beginn in wirklich denkwürdigen Bildern auf ihrem gesamten nackten, in kühl-blaues Licht gehüllten Körper trägt, der aus einer mit Eiswürfeln gefüllten Badewanne empor steigt.

Hier liegt letztlich die große Stärke des Films, denn „Atomic Blonde“ ist wahrlich großartig anzusehen. Oft wird das End-Achtziger Berlin (es wurde primär jedoch in Budapest gedreht) entsprechend stimmungsvoll in den zu erwartenden tristen Grautönen eingefangen, jedoch stilisiert Leitch mit seinem Kameramann Jonathan Sela den Film mit neondurchtränkten und sehr ausdrucksstarken Bildern. Klar, das ist alles irgendwie sehr dekorativ und man merkt, dass der Film vor allem cool aussehen soll, ohne die Bilder aber mit Bedeutung aufzuladen. Atomic Blonde SzenenbildMit der Stilisierung übertreibt es der Film allerdings immer wieder, wenn das durchgestylte Setting von unzähligen, schon sehr oft wirkungsvoller eingesetzten 80er Jahr-Popsongs akustisch unterstützt wird. Der Soundtrack entwickelt leider schnell eine fast schon aufdringliche und aufgesetzte Qualität, wodurch die gewollte Wirkung viel zu durchschaubar wird und oft verpufft. Wie viele Filme hat man mittlerweile schon gesehen, die London mit The Clashs „London Calling“ etablieren? Hier muss man schon etwas die Kreativität der Filmemacher in Frage stellen, die scheinbar bewusst auf pure Plakativität setzen wollen. Die Songs in „Atomic Blonde“ sind bis auf ganz wenige Ausnahmen toll, doch einfallsreich ist die Auswahl ganz sicher nicht.

Problematisch wird der Wille zur puren Pop-Stilisierung auch dann, wenn Gewalt durch den Einsatz hämmernder Beats hemmungslos glorifiziert wird und damit einen sehr faden Beigeschmack hinterlässt. Das geschieht schon direkt zu Beginn bei Gascoignes kaltblütigem Mord, wo pumpende New Wave-Beats leider ebenso fehl am Platz sind wie später, als der unbarmherzige Bremovych einen Unschuldigen zu cooler Popmusik brutal fast zu Tode prügelt. Solange „Atomic Blonde“ pure Coolness und seine Vision in Neon zelebriert und sich spürbar an sich selbst ergötzt, lässt sich nur die etwas einfallslose Musikauswahl kritisieren. Sobald jedoch dieses menschenverachtende Element hinzukommt, wird es mehr als fragwürdig. Auch dass zunehmend der Eindruck entsteht, immer wieder kleine Musikvideos zu sehen, wirkt auf Dauer eher irritierend als mitreißend, vor allem weil der Plot mit seinen immer wiederkehrenden Verhörszenen trotz sehr gut aufgelegter Darsteller (John Goodman!) eher vor sich hin plätschert

In visueller Hinsicht gehört „Atomic Blonde“ sicher zu den aufsehenerregendsten Filmen des Jahres. Man kann vor coolen Bildern oft kaum noch den tatsächlich sehr zahlreichen Worten folgen, die hier gesprochen werden. Wo der Film dann auch aufblüht, ist in seiner oft furiosen Actionchoreografie. Eine frühe Kampfszene, die in einem fahrenden Auto stattfindet, irritiert noch leicht durch spürbar leere Straßen, jedoch wird die Action zunehmend stärker. Den unzweifelhaften Höhepunkt findet der Film in einer der bisherigen Szenen des Jahres: Hier infiltriert Broughton einen Wohnkomplex, um Spyglass (Eddie Marsan), einen Stasi-Überläufer, der im Besitz der Liste ist, aus dem Gebäude zu eskortieren. Atomic Blonde SzenenbildSchon auf ihrem Weg nach oben wird sie von zahlreichen Gegenspielern überfallen, mit denen sie sich einen brutalen und knüppelharten Kampf liefert. Das Besondere: Ab dem Eintritt von Broughton ist diese Sequenz in einer einzigen fulminanten und immer wieder ernsthaft verblüffenden Einstellung gedreht, die erst viele Minuten später nach einer Autoverfolgungsjagd (die fast sogar der legendären Plansequenz in „Children of Men“ Konkurrenz macht) auf der Straße endet.

Hier, etwa zu Ende des zweiten Akts, wird der Puls zum ersten Mal so richtig in die Höhe getrieben und „Atomic Blonde“ wird spürbar lebendig. Immer wieder muss man sich hier fragen, wie Leitch und Co. diese Szene vollbracht haben, gerade wenn Charlize mehrere Steintreppen hinunterstürzt und direkt mit zunehmender Erschöpfung und kalter Gewalt weiterkämpft. Hier wirkt der Film auch deutlich schmutziger und roher als zuvor, wodurch die Szene ein wenig so wirkt, als käme sie aus einem anderen Film – auch weil endlich auf Musik verzichtet wird. Hier besteht kein Zweifel: Alleine diese zehn bis fünfzehn glorreich inszenierten Minuten puren kinetischen Filmemachens ist alleine den Eintritt wert und jetzt schon einer der großen Momente der Actionkinogeschichte.

Doch nicht nur Gewalt zelebriert „Atomic Blonde“, er ergötzt sich auch voll und ganz an Charlize Therons Körper. Der Film ist sicher aber auch ein Loblied an die anderen Qualitäten der Oscar-Gewinnerin, die hier voll im Mittelpunkt steht und mit ihrer magnetischen Präsenz voll und ganz fasziniert. Schade nur, dass man trotz aller genannten Stärken nur so schwer mitfiebern kann, denn letztlich hat man diesen am Ende doch vorhersehbaren Plot, bei dem jeder den anderen versucht auszuspielen und am Ende keiner gewonnen hat, so oder so ähnlich schon oft gesehen.


Fazit:
„Atomic Blonde“ ist einer der audiovisuell aufsehenerregendsten Filme des Kinojahres, der mit neondurchtränkten Schauwerten betört und fasziniert, aber erzählerisch nicht mitzureißen weiß. Zu uninspiriert wirkt dieser ambitionierte und komplexe Plot, zu unklar bleiben die unterkühlten Figuren definiert. Schade, denn dem Film liegen unbestreitbare Stärken zugrunde, die ein besserer Schnitt hervorbringen könnte. Alleine für seine fulminante Plansequenz, die starken Bilder und eine großartig toughe und magnetische Charlize Theron ist der Film aber sehenswert.
by

Bilder © Universal Pictures Intl.