Arrival

Arrival (2016), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Science-Fiction / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Arrival Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Zwölf mysteriöse Raumschiffe landen zeitgleich in unterschiedlichen Regionen der Welt. Ihre Besatzung und deren Intension – ein Rätsel. Um globale Paranoia und einen potentiellen Krieg zu verhindern, soll ein Elite-Team um die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) und den Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) im Auftrag des Militärs Kontakt herstellen. Doch das unermüdliche Streben nach Antworten gerät bald zum Rennen gegen die Zeit – die eigene und die der gesamten Menschheit.

Amy Adams, Jeremy Renner und Forest Whitaker | mehr Cast & Crew


Arrival - Trailer




DVD und Blu-ray | Arrival

Blu-ray
Arrival Arrival
Blu-ray Start:
27.03.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 116 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Arrival Arrival
DVD Start:
27.03.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 112 min.

Filmkritik Arrival

Filmwertung: | 9/10


Mit Titeln wie „Gravity“, „Interstellar“ und „Der Marsianer“ brachte der Herbst der letzten Jahre jeweils einen Science-Fiction- bzw. Weltraumfilm hervor, der im Oscar-Rennen eine entscheidende Rolle spielte und sich direkt als moderner Klassiker etablieren konnte. Auch dieses Jahr erscheint mit „Arrival“ ein solcher Film, der nicht nur zu den besten Filmen des Jahres, sondern auch womöglich gleich zu den großen Science-Fiction-Werken der letzten Jahrzehnte gehört. Arrival SzenenbildDenis Villeneuve, der sich nach „Incendies“, „Prisoners“, „Enemy“ und „Sicario“ spätestens jetzt zu den wichtigsten Filmemachern der Gegenwart zählen darf, gelingt hier ein großer Wurf, der Genre- und Erzählkonventionen scheinbar mühelos aufhebelt. „Arrival“ ist nur an der Oberfläche ein Film über eine außerirdische Invasion, an reißerischen und simplistischen Zerstörungsbildern ist Villeneuve keineswegs interessiert – hier offenbart sich etwas Profundes und Tiefempfundenes, das intellektuellen Anspruch und kathartische Emotionalität virtuos miteinander verbindet. Villeneuve inszeniert hier mit einer an Kubrick erinnernden Präzision und kühlem Intellekt à la „2001: Odyssee im Weltraum“, lässt aber auch eine emotionale Wärme und ein Gespür für kindliches Staunen eines Steven Spielberg einfließen, die Erinnerungen an „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ wecken. Trotz thematischen Ähnlichkeiten zu genannten Filmen (auch Vergleiche zu „Contact“, „Interstellar“ oder „Sphere“ sind durchaus naheliegend) erschafft der Frankokanadier aber letztlich etwas gänzlich Eigenständiges und Originelles. „Arrival“ ist ein soghaftes, intensives und überraschend intimes Filmerlebnis, das immer wieder überrascht, den Zuschauer zum Mitdenken auffordert und mit einem verblüffenden und tief emotionalen Ende aufwartet, das einem den Boden unter den Füßen wegzieht und lange nachwirkt.

Grundlage für „Arrival“ ist die brillante Kurzgeschichte „Story of Your Life“ des Science-Fiction-Autors Ted Chiang, die von Eric Heisserer mit bemerkenswertem Fingerspitzengefühl für die Leinwand adaptiert wurde. „Arrival“ handelt von der mysteriösen Erscheinung von 12 muschelförmigen Monolith-artigen Raumschiffen, die sich auf der ganzen Erde verteilen. Was der Grund ihres Eintreffens ist, bleibt unklar. Louise Banks (Amy Adams) ist eine Sprachwissenschaftlerin und Universitäts-Professorin, die von US Army Colonel Weber (Forest Whitaker) rekrutiert wird, zu einem der Landungsorte in Montana zu reisen. Dort traf man bereits im Innern des Schiffs auf außerirdische Wesen, jedoch wird die Hilfe von Banks benötigt, um eine Kommunikationsgrundlage zu schaffen. Gemeinsam mit dem Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) nimmt Banks die Herausforderung an und es gelingt ihr tatsächlich recht schnell, erste Durchbrüche in der Verständigung mit den fremden Wesen zu erzielen. Dennoch ist die Lage weltweit angespannt, denn man ist unsicher, ob von den mysteriösen Außerirdischen eine Bedrohung ausgeht. Arrival SzenenbildEs deuten sich kriegerische Handlungen seitens verschiedener Nationen an und es liegt scheinbar in Banks Händen, einen drohenden Angriff der Menschheit auf die außerirdischen Gäste abzuwenden…

Bei der Beschreibung von „Arrival“ bietet es sich an, inhaltlich möglichst vage zu bleiben, denn die vielfältigen Wunder des Films sollten sich möglichst ohne zu viel Vorwissen auf den Zuschauer entfalten. Hier ist ein Film voller Überraschungen, Tiefgründigkeit und emotionaler Wucht zu entdecken. Schon die ersten Momente zu verraten, die die bewegenden Hintergründe von Louise in einer in intim und introspektiv bebilderten Montage schildern und zu frühen Tränen anregen, wäre womöglich zu viel verraten. So viel sei gesagt: Es ist quasi unmöglich, die Entwicklungen von „Arrival“ vorherzusehen und den Film frühzeitig zu durschauen. „Arrival“ erweist sich überraschenderweise als Zeit und Raum sprengendes metaphysisches Puzzle, das zunehmend komplex wird und hohe Aufmerksamkeit erfordert, viele Fragen aufwirft, aber diese auch erstaunlich schlüssig und bedeutungsvoll beantwortet.

Nach dem emotionalen und unter die Haut gehenden Beginn manifestiert sich „Arrival“ wie auch schon Villeneuves vorige Filme als Musterbeispiel für filmische Intensität und meisterhaften Spannungsaufbau. Hier ist ein virtuoser und eigenständiger Filmemacher am Werk, der das Medium Film voll und ganz mit bemerkenswerter Kontrolle und Klarheit beherrscht, die auch an einen David Fincher und Christopher Nolan erinnert. Villeneuve hat sich mit seinen letzten Filmen als als Regisseur erwiesen, der absolut jede Sekunde höchste Aufmerksamkeit mit seinem muskulösen und selbstbewussten Stil erzielt. Gerade Filme wie „Prisoners“ und „Sicario“ sind musterartige Thriller, deren sehr gute Drehbücher durch Villeneuves einzigartige und detailfreudige Arbeit erst großartig wurden und den Eindruck erweckten, dass eigentlich eher konventionelle Stoffe hier zu etwas völlig frisch Erscheinendem erwachsen. Arrival SzenenbildAuch „Arrival“ erweist sich in mancher Hinsicht als solcher Film, der aus dem zigmal in sensationslüsternen Filmen à la „Independence Day“ gesehenen Alien-Invasionsszenario etwas gänzlich Überraschendes und angenehm Zurückhaltendes erschafft.

In Villeneuves intelligenter und minimalistischer Inszenierung hebt sich der Film schon deutlich von den allermeisten Genrevertretern ab: Er versteht es auf herausragende Weise – wie eben auch Spielberg – Dinge nicht direkt zu zeigen, sondern sich eher auf menschliche Reaktionen zu beschränken, gerade von der grandiosen Amy Adams, die sich mit dieser subtil kraftvollen und zutiefst menschlichen Darstellung ihre sechste Oscar-Nominierung sichern sollte. Hier gilt der Grundsatz „Weniger ist mehr“, wodurch sich viel im Kopf des Zuschauers abspielt. Der Blick auf das ausgebrochene Chaos auf der Welt ist sehr eng und spielt sich primär im direkten Umfeld von Adams Figur ab. Die Spannung und Antizipation, die Angst vor dem Unbekannten, die sich im ersten Akt aufbaut und schließlich mit dem spektakulären Eindringen in das Raumschiff und der Begegnung mit den außerirdischen Wesen entlädt, ist schlicht atemberaubend.

Im zweiten Akt von „Arrival“ entspannt sich der Film ein wenig und offenbart dann zum ersten Mal die thematischen Grundpfeiler des Films, die sich primär um Sprache und Völkerverständigung drehen. Banks und ihr Team versuchen hier die kreisförmigen, an Rohrschach-Tests erinnernden Zeichen der Kreaturen zu entschlüsseln und auf Grundlage ihrer Erkenntnisse zu kommunizieren. Während die großen Nationen der Erde zunächst ihre Forschungsergebnisse miteinander teilen, kapseln sie sich schließlich nach und nach voneinander ab, was schließlich zu einer immer größer werdenden Verunsicherung führt. Arrival SzenenbildHier kommentiert der Film unmissverständlich auf tiefgründige Weise die Missstände unserer Zeit, bei der Kommunikation zwischen eigentlich Verbündeten gegenseitigem Misstrauen weicht und Probleme heraufbeschwört, wo Chancen und Möglichkeiten sein sollten. Die globale und außergewöhnlich humanistische und hoffnungsvolle Thematik ist aber letztlich nur ein Teil des Films, denn in seinem Kern ist „Arrival“ eine tief empfundene und philosophische Geschichte über Schicksal, den schmerzhaften Lauf der Zeit und Liebe und Tod. Auch der sehr ernstzunehmende wissenschaftliche (insbesondere linguistische) Ansatz des Films offenbart zum Ende hin eine sehr menschliche, hoffnungsvolle und melancholische Bedeutungsebene.

Villeneuve nimmt die Intelligenz seiner Zuschauer ernst und versucht nicht ihre Zeit mit überflüssigen Erklärungen zu verschwenden. So hallt „Arrival“ auch noch lange nach dem Abspann nach und schreit förmlich danach, direkt ein zweites Mal gesehen zu werden.


Fazit:
„Arrival“ ist ein hochoriginelles Science-Fiction-Meisterwerk, dem es gelingt sowohl wuchtig und elegant als auch intensiv und intim zugleich zu sein. Nur an der Oberfläche handelt Denis Villeneuves von einer Begegnung mit außerirdischem Leben, viel mehr ist hier eine meisterhafte und zutiefst menschliche Meditation über Hoffnung, Völkerverständigung und vor allem das Leben, das Schicksal und den Lauf der Zeit geglückt.
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Bilder © Sony Pictures