Antiporno

Anchiporuno (2016), Japan
Laufzeit: - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: One Filmverleih

Antiporno Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Noriko (Mariko Trutsui) ist die unterwürfige Assistentin des von Erfolg verwöhnten, jähzornigen Star Modells Kyôko (Ami Tornite), welche Noriko gerne demütigt und mit ätzender Herablassung behandelt. Zwischen Entgleisungen jeder Art, sexueller Erniedrigung und Visionen von Kyôkos verstorbener Schwester vergeht ein ausufernd dekadenter Tag im Atelier des Modells – bis der Regisseur „Cut“ brüllt, die scheinbar klaren Verhältnisse in sich zusammen fallen und sich eine höchst interessante Wendung ergibt.

Ami Tomite, Mariko Tsutsui und Fujiko | mehr Cast & Crew


Filmkritik Antiporno

Filmwertung: | 7/10


„Antiporno“ ist 76 Minuten lang und startet am 16. Mai 2019 in den deutschen Kinos. Es geht um das junge Model Kyoko, welche in ihrem doch etwas zu buntem Apartment auf ein Interview wartet. Während sie wartet tänzelt sie splitterfasernackt durch ihr doch sehr leeres Loft. Nach einigem Minuten stößt ihre Assistentin Noriko dazu, welche dann erst einmal durch eine schöne Sadomaso-Folter gehen muss. Dies wird auch nicht gestoppt, wenn das Team einer Fotografin eintrifft. Dieses beteiligt sich sogleich an der widerwärtigen Aktivität. Durchzogen wird dieses Kunstprojekt von einigen realitätsfernen Erscheinungen, sodass der geneigte Zuschauer überhaupt keinen Überblick mehr hat was nun real und was erdacht ist.

Ich habe mich für diesen Film interessiert als ich das Genre las: Drama/Pornofilm. Was ist denn ein dramatischer Pornofilm und was hat er im Kino zu suchen? Nach einer Recherche fand ich heraus, dass „Antiporno“ zu einer Reihe an Romanpornos der Firma Nikkatsu gehört. Es handelt sich hierbei um eine Reihe von Softpornos aus den 1970er Jahren. Diese Filmreihe soll nun wieder zu neuem Leben erweckt werden. Hierfür gibt es für die Filme zwei Voraussetzungen: Sie müssen um die 70 Minuten lang sein und alle 10 – 15 Minuten muss Sex porträtiert werden.

Mariko Tsutsui in Antiporno
Mariko Tsutsui in Antiporno © ONE Filmverleih
Nach diesem kurzen Überblick über dieses doch etwas speziellere Werk, gehen wir etwas ins Detail. Der Film ist ohne Zweifel ein Kunstfilm und kein Mainstream-Film. Außerdem fällt er durch die viele Nacktheit und den massenhaften Perversionen auf. Es ist einer dieser Filme, bei dem man die ganze Zeit darüber nachdenkt, was denn der eigentliche Sinn hinter der sehr verwirrenden Handlung ist. In diesem Fall bin ich mir relativ sicher, dass es sich um eine Kritik am männlichen Blick auf Frauen und vor allem Frauen in der Medienbranche richtet. So gesehen eine japanische #Metoo-Bewegung, eben ein Anti-Porno. In einer Szene soll Kyoko Norikos Beine ablecken, wohl gemerkt ohne dass das im Bild befindliche Filmteam ‚Action‘ gerufen hat. Daraufhin ergötzen sich die rein männlichen Mitglieder am stark sexualisierten Ausblick. Eine mehr als deutliche Botschaft.

Auch die Kulisse entfernt sich stark von der Realität. Der durchweg gelbe Raum, die verschiedenen realitätsfernen Bilder sind bezeichnend für die Darstellung von Pornos als falsche Darstellung. Zur Unterstützung dieser These lässt sich auch auf einige Metaphern innerhalb des Streifens zurückgreifen. Immer wieder wird die Echse angesprochen, die als sie noch klein war in eine Flasche gesteckt wurde. Nun ist sie gewachsen und kann nicht mehr aus dieser fliehen. Gleichzeitig ist die Hauptfigur ein erfolgreiches Model, welches nicht mehr mit ihrem Ruhm klarzukommen scheint. Sie ist zu groß geworden und wird erdrückt von der fehlenden Freiheit.
Szene aus Antiporno
Szene aus © ONE Filmverleih
Alles in allem ist hier die Rede von einem hoch komplexen, stark stilisierten Kunststücks, welches durch seine Nähe zum Pornofilm genau den Abstand erlangt, welchen es braucht um sich kritisch mit diesem Genre auseinandersetzen zu können. Der stark sexualisierte, maskuline Blick auf Frauen in den Medien, wie Models, Schauspielerinnen und Künstlerinnen wird offen angeprangert und verurteilt. Trotz alledem fehlt diesem Werk der Unterhaltungsfaktor. Die verstrickte, wirre Erzählung, welche sich auch ab und an zu wiederholen scheint, schläfert schnell ein und so fühlen sich die sportlichen 76 Minuten wie eine halbe Ewigkeit an.


Fazit:
Wer Interesse an einem intellektuellen Stück Kunst hat, ist gerne eingeladen sich dieses außergewöhliche Werk genauer anzusehen. Wer sich einen Pornofilm mit Geschichte erhofft oder einen unterhaltsamen Streifen sehen will, ist hier jedoch fehl am Platz.
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Bilder © One Filmverleih