Am grünen Rand der Welt

Far From The Madding Crowd (2014), USA / Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: 20th Century Fox

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Am grünen Rand der Welt Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Im England des 19. Jahrhunderts lebt Bathsheba Everdene (Carey Mulligan) ein unkonventionelles Leben. Die junge, intelligente und sehr eigenwillige Frau liebt ihre Unabhängigkeit. Dabei wird sie von drei Männern umgarnt. Der attraktive Schäfer Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts) schätzt ihren Eigensinn und macht ihr prompt einen Heiratsantrag, den sie jedoch ablehnt. Der wohlhabende Gutsbesitzer William Boldwood (Michael Sheen) ist fasziniert und verwundert zugleich von dieser modernen Frau, aber auch seinen Heiratsantrag lehnt sie ab. Und dann trifft Bathsheba auf den selbstbewussten Offizier Frank Troy (Tom Sturridge) und gerät in seinen gefährlichen Bann...

Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts und Juno Temple | mehr Cast & Crew


Am grünen Rand der Welt - Trailer


Am grünen Rand der Welt - Trailer


DVD und Blu-ray | Am grünen Rand der Welt

Blu-ray
Am grünen Rand der Welt Am grünen Rand der Welt
Blu-ray Start:
19.11.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 119 min.
DVD
Am grünen Rand der Welt Am grünen Rand der Welt
DVD Start:
19.11.2015
FSK: 6 - Laufzeit: 114 min.

Filmkritik Am grünen Rand der Welt

Filmwertung: | 8/10


Mit „Am grünen Rand der Welt“ (OT: Far From the Madding Crowd) wagt sich der dänische „Das Fest“ und „Die Jagd“ Macher Thomas Vinterberg an eine Verfilmung von Thomas Hardys gleichnamigem Klassiker von 1874. Bereits 1967 verfilmte John Schlesinger den Roman mit Julie Christie in der Hauptrolle und die Comicverfilmung „Immer Drama mit Tamara“ interpretierte Hardys Werk 2010 in einem modernen Kontext neu. Den Mittelweg geht nun Vinterbergs Film: Die Geschichte um Bathsheba Everdene, die im viktorianischen England das Landgut ihres Onkels erbt und sich in einem Liebesdreieck mit drei Verehrern wiederfindet, erweist sich in Vinterbergs Film als überraschend frisch und zugänglich. Es handelt sich zwar um eine weitgehend originalgetreue Adaption von Hardys Buch, doch dank lebendiger Inszenierung und hervorragenden Schauspielern gelang ein sehr menschlicher, romantischer und vor allem thematisch moderner und relevanter Film. Glücklicherweise ist „Am grünen Rand der Welt“ somit angenehm weit entfernt vom Klischee des steifen und staubigen Kostümdramas.

Im Mittelpunkt des Films steht ganz und gar Bathsheba Everdene, die großartig von Carey Mulligan verkörpert wird. Mulligan, die zweifelsohne zu den begabtesten Schauspielerinnen heutzutage gehört, stahl in vielen Filmen mit ausgeprägten Nebenrollen die Show (Drive, Shame, Der große Gatsby, Inside Llewyn Davis), eine echte Hauptrolle hatte sie aber seit ihrem Oscar-nominierten Auftritt und Durchbruch in „An Education“ (2009) nicht. In „Am grünen Rand der Welt“ ist sie in quasi jeder Szene zu sehen und trägt den Film mit ganz starker Präsenz und Charme. Ihre Bathsheba ist von Beginn an eine leidenschaftliche, unabhängige Frau, die mit wilder Entschlossenheit und großem Selbstbewusstsein in einer von Männern geprägten Welt ihre Frau steht, dabei aber immer zugänglich, warmherzig und nie unnahbar wirkt. Gerade in einer Welt, in der es eben viel zu wenige solche starken und komplexen Frauenrollen gibt, ragen Mulligan und ihre Figur weit heraus. Aus diesem Grund sollte ihr eine zweite Oscar-Nominierung eigentlich kaum zu nehmen sein.

Bathsheba muss schnell in ihre Rolle als Besitzerin eines runter gewirtschafteten landwirtschaftlichen Betriebs reinwachsen. Eine große Hilfe ist ihr dabei Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts), ein Schäfer, der kürzlich sein eigenes Gut durch ein tragisches Unglück verloren hat und nun auf Bathshebas Besitz arbeitet. Dieser hat an Bathsheba schon zuvor Gefallen gefunden, als sie noch nicht im Besitz des Gutes war und die beiden Nachbarn waren. Einen überfrühten Heiratsantrag hat Bathsheba noch abgelehnt, doch Gabriels Zuneigung bleibt auch in Bathshebas Anstellung ungebrochen. Ein weiterer Verehrer findet sich in dem wohlhabenden William Boldwood (Michael Sheen), der nebenan ein großes Anwesen bewohnt. Hinzu kommt der Soldat Frank Troy (Tom Sturridge), der Bathsheba ebenfalls heftig und leidenschaftlich umwirbt.

„Am grünen Rand der Welt“ ist kein plotlastiger Film. Er ist viel mehr ein Portrait einer willensstarken Frau, die versucht, die richtigen Entscheidungen zu treffen und ihre Unabhängigkeit zu erhalten. Doch nicht nur Mulligans Figur ist komplex gezeichnet, auch ihre drei Verehrer sind facettenreiche und sehr menschliche Figuren. Drehbuchautor David Nicholls und Regisseur Thomas Vinterberg gelang es, allen Charakteren ausreichend Raum zu widmen, sodass keine der Figuren eindimensional wirkt. Neben Mulligan sticht vor allem der enorm talentierte Belgier Matthias Schoenaerts hervor, der nach seinen Durchbruchsrollen in „Bullhead“ und „Der Geschmack von Rost und Knochen“ mittlerweile ein gefragter internationaler Schauspieler ist und in US-Filmen wie „The Drop“ glänzte. Sein Gabriel Oak ist im Grunde ein starker, ruhiger, grüblerischer Mann der einfachen Dinge, der aber mit Intelligenz, großer Ehrlichkeit und bedingungsloser Loyalität ausgestattet ist. Er baut im Verlauf des Films eine tiefgehende Freundschaft zu Bathsheba auf, die auf gegenseitigem Respekt und vielleicht auch Liebe basiert. Schoenaerts verfügt über eine großartige magnetische Präsenz und ist mit Mulligan ebenbürtig. Die Rolle von Michael Sheen ist zwar kleiner, doch umso beachtenswerter ist es, dass es ihm gelingt, viel aus seinem Part zu machen. Auch er besticht durch große Aufrichtigkeit und Ehrbarkeit. Sheen gelingt hier eine bewegende, subtile Darstellung, wodurch er sowas wie der heimliche Star des Films ist. Tom Sturridges Part ist oberflächlich gesehen die unsympathischste Rolle: Er ist der eitle, arrogante Pfau, der dank großspuriger Direktheit und Leidenschaft aber ebenfalls nicht unattraktiv für Bathsheba ist. Doch auch hier überrascht der Film durch feine Charakterzeichnung und offenbart einen vielschichtigeren Charakter, als es zunächst den Eindruck macht.

Vinterberg gelang hier ein tief empfundener, romantischer und erwachsener Film, der ohne Kitsch und Sentimentalität inszeniert ist. Der Film ist bedächtig erzählt, aber durch seine vielschichtigen und modern gezeichneten Charaktere entwickelt sich eine gewisse Sogwirkung und man wird von den ehrlich empfundenen Emotionen und den Schicksalen der Figuren gepackt. Hier wirkt jeder Moment aufrichtig und verdient, nichts wirkt erzwungen. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Film wundervoll fotografiert ist, es wurde ausschließlich an Originalschauplätzen gedreht und das spürt man auch. Hier wirkt alles sehr real und eingelebt, wodurch der Zuschauer noch leichter von der hervorragend realisierten und glaubwürdigen Welt gefangen wird. Vinterberg und seiner Kamerafrau Charlotte Bruus Christensen gelingen wunderschöne, malerische Bilder, oft werden natürliche Lichtquellen eingesetzt und dank Dreh auf 35mm Film erhält der Film eine besondere Textur. Das ländliche England des 19. Jahrhundert wird hier detailreich zum Leben erweckt, man bekommt ein sehr greifbares Gefühl für die schwierigen Lebensumstände. Es entsteht eine starke sinnliche Erfahrung, die gemeinsam mit den hervorragenden Darstellerleistungen und feinen Charakterzeichnung aus „Am grünen Rand der Welt“ einen wirklich besonderen, zugänglichen und schönen Film macht, der den Zuschauer glücklich zurück lässt.


Fazit:
Gefühlvolle, menschliche und kitschfreie Literaturverfilmung, die dank starker Inszenierung und wunderbarer Darstellungen, allen voran einer überwältigenden Carey Mulligan, Hardys Klassiker wieder für ein großes Publikum relevant werden lässt
by

Bilder © 20th Century Fox