Alles was kommt

L'avenir (2016), Frankreich / Deutschland
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

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Alles was kommt Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Gerade schien Nathalies Leben noch in bester Ordnung zu sein: Ein Beruf mit Berufung als Philosophielehrerin, eine eigene Lehrbuchreihe, eine stabile Ehe seit 25 Jahren und zwei fast erwachsene Kinder. Doch dann wird plötzlich alles anders. Ihr Mann verlässt sie für eine Andere, ihre exzentrische Mutter – die sonst Tag und Nacht um Nathalies Aufmerksamkeit buhlt – muss ins Altersheim und der Verlag deklariert ihre Bücher als altbacken und fordert eine Rundum-Modernisierung. Doch Nathalie, die die großen Gedanken stets den großen Gefühlen vorzieht, ist fest entschlossen, erhobenen Hauptes den Widerständen des Lebens zu trotzen und offen zu bleiben für alles, was kommt.

Mia Hansen-Love, Isabelle Huppert und André Marcon | mehr Cast & Crew


Alles was kommt - Trailer




DVD und Blu-ray | Alles was kommt

Blu-ray
Alles was kommt Alles was kommt
Blu-ray Start:
10.03.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 102 min.
DVD
Alles was kommt Alles was kommt
DVD Start:
10.03.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 98 min.

Filmkritik Alles was kommt

Filmwertung: | 7/10


Mit gerade mal 35 Jahren hat sich Mia Hansen-Løve zu den vielversprechendsten Regietalenten Frankreichs etabliert und präsentierte mit „Alles was kommt“ bei der diesjährigen Berlinale ihren bereits fünften Spielfilm. Alles was kommt SzenenbildDafür gab es den Silbernen Bären für die beste Regie und jede Menge Anerkennung. Unterstützt wird Hansen-Løve hier von der großartigen Isabelle Huppert, die diese ruhige Momentaufnahme des Lebens einer intellektuellen und komplexen Frau in ihren Sechzigern mit großem Selbstbewusstsein und scheinbarer Leichtigkeit trägt. Wie schon in ihren vorigen Filmen, etwa dem epischen und zugleich intimen „French Touch“ Disco-Ära-Portrait „Eden – Lost in Music“ oder der feinfühligen Romanze „Eine Jugendliebe“, inszeniert Hansen-Løve betont undramatisch und weicht herkömmlicher Konflikterzählung stets aus, um an eine tiefgründigere Wahrheit zu gelangen. Heraus kommt ein Film, in dem eigentlich nicht viel passiert, aber bei dem umso mehr zwischen den Zeilen steht.

Nathalie (Isabelle Huppert) ist eine Philosophielehrerin, die mit ihrem Mann Heinz (André Marcon) und ihren beiden erwachsenen Kindern eine gutbürgerliche Existenz in Paris lebt. Ihre Mutter Yvette (Edith Scob) lebt schon lange allein mit ihrer Katze Pandora, leidet an Depressionen und verlangt viel Aufmerksamkeit von ihrer Tochter. Mit ihrem etwas radikal denkenden Doktorand und ehemaligen Schüler Fabien (Roman Kolinka) verbindet sie eine Art Seelenverwandtschaft und platonische Freundschaft, weshalb sie viel Zeit mit ihm verbringt und deshalb schon etwas argwöhnisch von ihrer Familie betrachtet wird. Neben ihrer Lehrertätigkeit hat sie ein paar renommierte Philosophiebücher auf den Markt gebracht, die jedoch angesichts eines sich radikal veränderten Literaturmarktes nicht mehr so einfach behaupten. So gerät sie immer mal wieder in den Clinch mit ihrem Verlag, der mit aggressiver Covergestaltung für einen Ansctieg der Verkaufszahlen sorgen will. Alles was kommt SzenenbildIn ihrem beruflichen Umfeld gibt es immer wieder zahlreiche Streiks von Schülern wegen der Rentenreform, die sie jedoch völlig kalt lassen. Sie ist an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, der frei von wütenden und revolutionären Gedanken ist. Doch vor ihr liegt eine Phase der Umbrüche, die sie vor unerwartete Scheidewege und eine neu gewonnene Freiheit stellen werden.

Wie schon Hansen-Løves vorige Filme ist auch „Alles was kommt“ stark autobiografisch gefärbt, auch wenn sie hier ein Portrait einer Frau zeichnet, die doppelt so alt wie sie ist. Genau wie im Film dargestellt, ist Hansen-Løve von zwei Eltern großgezogen worden, die beide Philosophie unterrichtet haben. Ihr eigenes Interesse und ihre Leidenschaft für das Denken und Dichten (sie hat einen Master in deutscher Philosophie gemacht) ist diesem Film überdeutlich anzumerken, denn immer wieder wird teils recht ausschweifend philosophiert und Schopenhauer und Co. zitiert. Das intellektuelle Milieu, das Hansen-Løve hier darstellt, wirkt so überaus authentisch und präzise beobachtet, stellenweise aber auch etwas anstrengend. Im Mittelpunkt des Films steht aber die Selbstfindungsreise einer starken Frau, die vor große Herausforderungen gestellt wird und diese bestmöglich zu meistern versucht.

„Alles was kommt“ ist ein ruhiger, beobachtender und überaus reifer Film, der mit großem Einfühlungsvermögen, aber ohne den kleinsten Anflug von Melodramatik das Leben einer Frau im mittleren Alter portraitiert. Das inszeniert Hansen-Løve ohne jede Künstlichkeit, auf Filmmusik wird etwa völlig verzichtet und erst etwa im zweiten Akt ertönt das erste Musikstück. „Alles was kommt“ ist zweifelsohne nicht ohne seine einschneidenden Momente, dennoch wirkt die Erzählung betont undramatisch und ungezwungen. Alles was kommt SzenenbildHier geht es um die scheinbar beiläufigen Momente des Lebens, wodurch der Film der tatsächlichen menschlichen Erfahrung sehr nahe kommt. Das bedeutet auch, dass der Film den Zuschauer nicht an die Hand nimmt und ein emotionaler Zugang nicht unbedingt leicht fällt, was auch an der fast immer gefasst und letztlich etwas unnahbar wirkenden Nathalie liegt, die sich all ihren existenzialistischen Problemen mit Trotz und nur selten angedeuteter Verletzlichkeit gegenüberstellt. Sie begegnet ihrer Midlife-Crisis mit stoischer Ruhe und Gelassenheit – so wie auch der Film auf die Unwägbarkeiten des Lebens selbst zu blicken scheint. Erfrischenderweise wird hier das Portrait einer überaus komplex und lebensnah gezeichneten Frau gezeigt, die ihr Glück nicht von Männern abhängig macht und letztlich völlig selbstbestimmt ist. Die Antworten, die Hansen-Løve in „Alles was kommt“ auf der Sinnsuche ihrer Hauptfigur findet, sind oft unerwartet und am Ende angenehm unkonventionell, eine echte Katharsis darf man aber eher nicht erwarten.


Fazit:
„Alles was kommt“ ist ein reifes und ruhig beobachtetes Portrait einer Frau in ihren Sechzigern, die sich einer Reihe von persönlichen Umbrüchen gegenübergestellt sieht. Der auf die kleinen Momente des Lebens bauende Film kommt ohne jede aufgesetzte Dramatik aus und wird exzellent von einer sehr kontrolliert agierenden Isabelle Huppert getragen, wirkt aber gelegentlich etwas ziellos.
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Bilder © Weltkino Filmverleih GmbH