Alles steht Kopf

Inside Out (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Animation / Familie / Komödie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Walt Disney

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Alles steht Kopf Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Im Hauptquartier, dem Kontrollzentrum im Kopf der elfjährigen Riley, leisten fünf Emotionen Schwerstarbeit: Angeführt von der optimistischen FREUDE, die Riley immer nur glücklich sehen möchte, sorgt sich ANGST ständig um Rileys Sicherheit, während WUT auf der Suche nach Gerechtigkeit bisweilen die Hutschnur platzt. Und die aufmerksame EKEL schützt den Teenager davor, sich zu vergiften – körperlich oder mental. Nur die unglückliche KUMMER weiß nicht so Recht, was ihre Aufgabe ist – nun ja, die anderen offensichtlich aber auch nicht.

Als Rileys Familie eines Tages vom Land in eine fremde große Stadt zieht, sind die Emotionen gefragt, Riley durch die bislang schwerste Zeit ihres Lebens zu helfen. Aber als FREUDE und KUMMER durch ein Missgeschick tief im Gedächtnis des Mädchens verschwinden, liegt es an den anderen drei Emotionen, das Chaos in den Griff zu bekommen. Dummerweise haben FREUDE und KUMMER versehentlich wichtige Kernerinnerungen von Riley mitgenommen und müssen diese nun unbedingt ins Hauptquartier zurückbringen, wenn sie nicht für immer verloren gehen sollen. Es beginnt eine aufregende Reise durch ihnen unbekannte Hirnregionen wie das Langzeitgedächtnis, das Fantasieland, das Abstrakte Denken und die Traum Produktion, die von den beiden Emotionen alles abverlangt – auch, über den eigenen Gefühlsrand hinauszuwachsen...




Alles steht Kopf - Trailer


Alles steht Kopf - Trailer


DVD und Blu-ray | Alles steht Kopf

Blu-ray
Alles steht Kopf Alles steht Kopf
Blu-ray Start:
11.02.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 96 min.

zur Blu-ray Kritik
Alles steht Kopf (limitierte 3-Disc Special Edition) Alles steht Kopf (limitierte 3-Disc Special Edition)
Blu-ray Start:
11.02.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 96 min.
DVD
Alles steht Kopf Alles steht Kopf
DVD Start:
11.02.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 91 min.

Filmkritik Alles steht Kopf

Filmwertung: | 10/10


Es ist soweit: Nach den anständigen, aber bei weitem nicht an die Klasse voriger Filme heranreichenden Cars“, „Merida“ und „Die Monster-Uni“ meldet sich das einst als unfehlbar geltende Animationsstudio Pixar mit einem Knall zurück. Ihr neuer Streich „Alles steht Kopf“ verkörpert alles, was man von den kreativen Köpfen aus Kalifornien erwartet und mit modernen Klassikern wie der „Toy Story“-Trilogie, „Findet Nemo“, „Die Unglaublichen“, „Wall-E“ oder „Oben“ zu lieben gelernt hat: Einzigartige Originalität, unbändige Kreativität, grenzenloser Einfallsreichtum, geistreicher Humor, berührende, aber nie kitschige Momente und eine ganz große Spur Kühnheit. Denn wie in ihren größten Momenten gelingt es Pixar mit „Alles steht Kopf“ wieder, eine wahnwitzige Idee zu verfilmen, die eigentlich nie funktionieren sollte. So werfen die Animationsgenies um „Die Monster AG“ und „Oben“-Regisseur Pete Docter und Ronnie Del Carmen einen Blick in das Seelenleben eines jungen Mädchens – und das nicht nur im übertragenden Sinne. Hier werden die Grundemotionen Freude, Kummer, Angst, Ekel und Wut als im Verstand lebende Wesen personifiziert, die in ihrer Kommandozentrale schalten und walten. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn „Alles ist Kopf“ gelingt es auf einzigartige Weise, die Komplexität des menschlichen Verstandes in Form einer grenzenlosen, abenteuerlichen Welt brillant und immer wieder überraschend zu visualisieren. Andere hätten aus dieser Grundidee vielleicht einen guten Kurzfilm machen können, Pixar liefert ein begeisterndes Meisterwerk, das alle Emotionen und Altersklassen anspricht.

Natürlich spielt sich „Alles steht Kopf“ nicht ausschließlich in besagten Verstandswelten ab. Im Zentrum des Films steht die elfjährige Riley, die schweren Herzens aus ihrem geliebten Minnesota mit ihren Eltern nach San Francisco ziehen muss – was verständlicherweise eine große Herausforderung darstellt. So herrscht Hochbetrieb bei den fünf Emotionen, denn bei Riley bricht ein echtes Gefühlschaos aus. Hinzu kommt, dass Freude und Kummer aus der Schaltzentrale versehentlich in die entlegenen Ecken von Rileys Verstand geraten und Angst, Ekel und Wut erstmals alleine für die Steuerung des Gefühlshaushalts des Mädchens zuständig sind. Für die natürlich gegensätzlichen Charaktere Freude und Kummer beginnt eine abenteuerliche Reise durch die Verstandswelt von Riley, die sie durch das archivartige Langzeitgedächtnis, „Persönlichkeitsinseln“, die als Art Hollywood dargestellten „Traum Studios“ und Orte wie abstraktes Denken führt. Auf ihren Wegen müssen sie verrückte Herausforderungen überwinden und treffen dabei auf jede Menge irrer Figuren, während immer wieder die Auswirkungen in Rileys Leben gezeigt werden.

Es ist einfach bemerkenswert, wie gut es Pixar gelingt, „Alles steht Kopf“ zu jedem Zeitpunkt merkwürdig nachvollziehbar zu gestalten. Alles, was in der fantastisch dargestellten Innenwelt geschieht, hat vollkommen realistische Effekte im Verhalten von Riley. Man merkt, dass die Macher hervorragend ihre Hausaufgaben gemacht haben, denn „Alles steht Kopf“ zeigt ein unglaublich gutes Gespür für die psychologisch authentische Darstellung von menschlichen Emotionen. In der Tat hat Docter mit seinem Team führende Psychologen und Emotionsforscher konsultiert, um dem Film die nötige Glaubwürdigkeit verleihen zu können. So bietet der Film ein echtes Wechselbad der Gefühle, das immer harmonisch ist und sich nie im Ton vergreift. Ganz so, wie man es von den Kaliforniern gewohnt ist. Nach einem rasanten und raffinierten Prolog werden von der weiblich dargestellten, daueroptimistischen „Freude“ quasi die Regeln erklärt, während Riley unterschiedliche Phasen ihrer Kindheit durchläuft. Dieser furiose Beginn sorgt schon für jede Menge Lacher, doch schnell ist Riley elf Jahre alt und wird mit einer neuen Realität konfrontiert. Kurz muss man sich schon fragen, wie der Film dieses rasante und abwechslungsreiche Momentum über die gesamte Länge aufrecht erhalten kann, doch alle Zweifel sind schnell über Bord geworfen. „Alles steht Kopf“ bringt einen dauernd zum Staunen, ist so voller Überraschungen und wildem Einfallsreichtum, dass es einem die Sprache verschlägt. Die Pixar-Leute gehören zu den besten Geschichtenerzählern und das stellen sie hier erneut grandios unter Beweis. Das Tempo des Films ist enorm hoch und so etwas wie Langeweile kommt hier nie auf. Der Film ist gespickt mit geistreichen und auch oft tiefgründigen Momenten, bietet ein Eldorado an genialen Einfällen, ist vollgepackt mit urkomischen Gags und witzigen Details. Wie immer ist der Film auch für alle Altersklassen geeignet, denn „Alles ist Kopf“ bietet viele Momente, bei denen man sich als Erwachsener wiedererkennen kann. Es gelingt den Machern, fast beiläufig ganz profunde und kraftvolle Dinge auszudrücken, die zum Nachdenken, zum Lachen und auch zum Weinen anregen. So ist „Alles steht Kopf“ bemüht bei allem Humor und Spaß einen realistischen und aufrichtigen Ton zu treffen. Riley ist etwa keine klischeehafte Heranwachsende, sondern eine dreidimensional und eigenständig gezeichnete Figur, die nicht nur typische Mädcheninteressen hat, sondern eben beispielsweise eine Leidenschaft für Eishockey hat und auch darüber hinaus angenehm bodenständig und normal wirkt. Die Gefühlskonflikte in jungen Heranwachsenden werden so plausibel und realistisch dargestellt, ebenso wie die ungeschönten Lebensumstände der Familie. Zuviel sollte man aber nicht über den Film verraten, um seine vielen Überraschungen möglichst unvorbereitet zu erleben.

Da „Alles steht Kopf“ solch ein komplexes Thema mit scheinbarer Leichtigkeit plausibel bebildert und verständlich macht, hat der Film einen nahezu kathartischen Effekt. So ist Docters und Del Carmens Film ein regelrechtes Wunder, das gefeiert und von Jedem gesehen werden sollte. Pixar ist hier ein ganz großer Wurf gelungen, eines der ausgefallensten Konzepte der letzten Jahre in einen intelligenten und alle Gefühle ansprechenden Film umzusetzen. Es ist zu bezweifeln, dass dieses Jahr ein Film den scheinbar grenzenlosen Einfallsreichtum von „Alles steht Kopf“ toppen kann. Man möchte den Film am Ende am liebsten ganz fest drücken. Wer hieran keinen Gefallen findet, sollte dringend mal seinen Gefühlshaushalt überprüfen.


Fazit:
Pixar ist mit ihrem 15. Spielfilm ein ganz großer Wurf gelungen. „Alles steht Kopf“ ist ein wunderschön animierter Film mit einem hochoriginellen Konzept, das mit unbändiger Kreativität und grenzenlosem Einfallsreichtum umgesetzt ist. Ein alle Emotionen und Altersklassen ansprechendes Vergnügen, das man unbedingt sehen muss.
by

Bilder © Walt Disney