Alien: Covenant

Alien: Covenant (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Horror / Science-Fiction
Kinostart Deutschland: - Verleih: 20th Century Fox

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Inhalt

Die Crew des Kolonieschiffs Covenant entdeckt auf ihrer Reise etwas, das sie für ein unerforschtes und scheinbar völlig unberührtes Paradies hält. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um eine dunkle und gefährliche Welt, deren einziger Bewohner der Androide David ist, der letzte Überlebende der gescheiterten Prometheus-Expedition.

Michael Fassbender, Noomi Rapace und Katherine Waterston | mehr Cast & Crew


Alien: Covenant - Trailer




Filmkritik Alien: Covenant

Filmwertung: | 7/10


Dass eine Franchise fast 40 Jahre erfolgreich überdauern kann, ist eine große Seltenheit, die eigentlich nur die James Bond-, „Star Trek“- und „Star Wars“-Reihe für sich behaupten können. Doch dann wäre da noch der ikonische „Alien“-Mythos, der einst mit Ridley Scotts Film im Jahr 1979 das Science-Fiction-Horror-Genre ein Stück weit definiert, unzählige Nachahmer gefunden hat und eigentlich in vielerlei Hinsicht immer noch unübertroffen ist. Alien: Covenant SzenenbildVier Teile zählte die Reihe bis 1997 (die beiden unsäglichen „Alien vs. Predator“-Filme möchte man am liebsten ausklammern), bis Scott, der Vater der Reihe, 2012 mit „Prometheus“ die Franchise in eine ganz neue Richtung bewegt hat. An großer Ambition und Mut mangelte es Scotts majestätischer Vision nicht, die mit „Alien“ an sich nur marginal zu tun hatte und viel interessierter an großen philosophischen und theologischen Fragen wie der Schöpfungstheorie war. Das und viele kleine Probleme sorgten für eine immer noch polarisierende Resonanz bei Fans und Kritikern, die zudem häufig einen Mangel an Aliens betrauerten. Scott hatte vor einigen Jahren noch ganz deutlich gemacht, dass das „Biest tot ist“ und er ganz sicher nicht an weiteren „Alien“-Filmen interessiert ist – ohnehin war er auch schon bei „Prometheus“ nicht wirklich an dem für ihn ausgelutschten Monster-Mythos interessiert.

Doch Scott änderte seine Meinung überraschenderweise um 180 Grad, als er plötzlich von der Idee begeistert war, die fast 100-jährige Lücke zwischen „Prometheus“ und dem 79er Film mit gleich mehreren Filmen zu füllen. So kommt es nun zu „Alien: Covenant“, der schon beginnend mit seinen ominösen Klängen und dem langsamen Aufbau des ikonischen Titels im dunklen Weltraum unmissverständlich klar macht, wonach man sich hier richtet. Der bereits 79-jährige Workaholic Scott hat auf die Wünsche der Fans reagiert und bietet mit seiner nun 24. Regiearbeit einen weitestgehend klassischen „Alien“-Film, der sich ganz eindeutig an altbewährten Mustern bedient – nicht nur von seinem eigenen Film, sondern auch insbesondere von James Camerons Fortsetzung „Aliens“, der hier sichtlich mit einigen seiner ikonischsten Momenten Pate stand. Das wirkt oft wie eine etwas müde und uninspirierte Ansammlung der Greatest Hits der „Alien“-Reihe, wird aber zusätzlich durch die in „Prometheus“ eingeführte, stark philosophisch angehauchte Mythologie ergänzt, die dem wohl ikonischsten Filmmonsters aller Zeiten leider weiter vieler seiner Geheimnisse beraubt.

Alien: Covenant Szenenbild „Alien: Covenant“ startet weit vor den Ereignissen von „Prometheus“ vielversprechend in einem sterilen, weißen Raum mit gigantischer Glasfront, in dem Peter Weyland (Guy Pearce), moderner Frankenstein und genialer Erschaffer des gerade erst erzeugten Androiden David (Michael Fassbender) ein faszinierendes philosophisches Gespräch über das Menschsein, Vergänglichkeit und die Gottesfrage führen. Hier werden Scotts große Ambitionen mit einigen Verweisen zu Michelangelos David (der dem Androiden seinen Namen verleiht) oder Percy Bysshe Shelleys „Ozymandias“ auf wenig subtile Weise deutlich, die „Prometheus“ noch so geprägt haben. Nach diesem Prolog und besagten Titeln, nach denen zum ersten Mal Jerry Goldsmiths klassisches „Alien“-Thema in Jed Kurzels stimmungsvoller Filmmusik angedeutet wird, beginnt der eigentliche Film im Jahr 2104 an Bord der „Covenant“, einem gigantischen Raumfrachter auf vieljähriger Reise zum erdähnlichen Planeten Origae-6, der mit 2000 Kolonisten und 2000 eingefrorenen Embryos besiedelt werden soll. Nach einer technischen Fehlfunktion ist der gegenüber David weiterentwickelte Android Walter (auch Fassbender), der das Schiff bedient, gezwungen die Schiffscrew aufzuwecken, wobei es zu tragischen menschlichen Verlusten kommt. Als interessanter erzählerischer Kniff besteht die Covenant-Mannschaft ausschließlich aus Ehepaaren, die für die Neugründung dieses unbekannten Planeten verantwortlich sein werden.

Nachdem die technischen Probleme aus der Welt geschafft worden sind, erreicht die Crew ein mysteriöses Notrufsignal eines in der Nähe liegenden Planeten, der laut Captain Oram (Billy Crudup) möglicherweise noch besser für eine Besiedelung geeignet ist wie der noch viele Jahre entfernte Origae-6. Entgegen der Ratschläge der Terraforming-Expertin Daniels (Katherine Waterston) steuert die Covenant diesen unbekannten Planeten an – wer schon mal einen Film dieser Bauart gesehen hat, weiß natürlich, dass es sich bei diesem Plan um gar keine gute Idee handelt…

Alien: Covenant Szenenbild Der Aufbau von „Alien: Covenant“ überrascht von Anfang bis Ende mit fast schon erstaunlicher Konventionalität und Vorhersehbarkeit, die man so nicht unbedingt erwarten würde. Der ruckelige Landeanflug auf den Planeten erinnert deutlich an die vergleichbare Szene in „Aliens“, erste logische Fragezeichen erscheinen bei der Expedition, bei der keinerlei Schutzkleidung getragen wird. Zugegeben, Ridley Scott ist einer der größten visuellen Filmemacher und Weltenerschaffer der Kinogeschichte und auch „Alien: Covenant“ ist ein Paradebeispiel für sein einzigartiges Auge. Der Film ist fantastisch anzusehen (und zu -hören) und zieht allein damit schon in seinen Bann, das Set-Design von Chris Seagers ist fabelhaft, die unwirtlichen Landschaften (es wurde in Neuseeland und Island gedreht) überwältigen mit ihrer enormen Größe und Bildgewalt. Auch in Sachen dichter Atmosphäre ist „Alien: Covenant“ meisterlich in Szene gesetzt, hier wirkt zudem nichts künstlich, wodurch man den Film förmlich spüren kann.

Doch erzählerisch hapert es hier schon frühzeitig. Man erkennt die erzählerischen Konventionen schon meilenweit im Voraus, was aus den oben genannten Gründen noch verschmerzbar wäre, doch es gelingt Ridley Scott und seinem Autorenteam kaum, interessante und packende Figuren zu erschaffen – trotz hervorragender Besetzung mit starken Charakterdarstellern wie Waterston, Crudup, Amy Seimetz, Carmen Ejogo oder Demián Bichir. Man interessiert sich für diese größtenteils farblosen Figuren und ihre Schicksale trotz mancher guter Ansätze zu wenig, womit man weit hinter seine offensichtlichen Vorbilder fällt. Die 14-köpfige Crew ist doppelt so groß wie die in „Alien“, wodurch die Hälfte der Figuren tatsächlich nicht mehr als reines Kanonenfutter darstellt. Einer der größten Kritikpunkte bei „Prometheus“ war das teils sehr unlogische und unbedachte Verhalten der Charaktere. Leider hat man hieraus nicht gelernt und lässt die Figuren ärgerlicherweise noch dämlicher agieren – gerade zu Beginn. Hierbei helfen auch erschreckend offensichtliche, hölzerne und klischeebehaftete Dialoge nicht, ebenso wenig wie die stellenweise erschreckende Vorhersehbarkeit ihres jeweiligen drohenden Ablebens, wodurch so gut wie keine Spannung aufkommen kann – siehe der klassische „Ich muss mal kurz austreten“-Moment, der bekanntlich nie gut enden kann. Zu Überraschungen kommt es hier folglich leider so gut wie nie. Alien: Covenant Szenenbild

Scott ist jedoch exakt dann voll in seinem Element, wenn die Situation zum ersten Mal völlig eskaliert und „Alien: Covenant“ in vollen Panik-Modus gerät. Scott, Experte für extrem effektive und schockierende Gewaltinszenierung, zeigt hier pures, albtraumhaftes, grimmiges Horrorkino, das den Puls in die Höhe treibt. Wenn es hier schließlich zur Sache geht, dann richtig, denn der Terror-Quotient ist enorm hoch. Scott zeigt sich völlig unbarmherzig, wild und ungestüm, die Gewalt ist brutal, die Stimmung kühl und unnachgiebig. Hier funktioniert der Film in Sachen Horror auf jeden Fall am besten, denn in der Folge lässt „Alien: Covenant“ bezüglich Spannung auch wieder nach.

Ab hier ist „Alien: Covenant“ Business-as-usual, was dank Ridley Scotts soghaft-kraftvoller Bilder dennoch nie langweilt, auch wenn der Plot noch so mechanisch wirkt. Am inspiriertesten und originellsten ist der Film dann noch, wenn die beiden Androiden David und Walter aufeinandertreffen und das philosophische Grundkonstrukt des Films in teils faszinierenden, wenn auch etwas prätentiösen Dialogen erklären. Dank Michael Fassbenders starker Darstellung in dieser Doppelrolle gewinnt „Alien: Covenant“ nochmal deutlich an Qualität. Hier versucht Scott nach und nach erzählerische Lücken zwischen „Prometheus“ und „Alien“ zu schließen, was sicher zu weiteren polarisierenden Reaktionen führen wird.

Es ist schon programmatisch, wenn die beiden Androiden die interessantesten Figuren dieses Films bilden. Alien: Covenant SzenenbildKatherine Waterston, eine hervorragende Schauspielerin, die zuvor in „Inherent Vice“ und „Steve Jobs“ für großen Eindruck gesorgt hat, gibt hier alles, um ihrer Figur Dimension zu geben, jedoch gibt ihr der Film nicht den nötigen Freiraum. Zu offensichtlich ist ihre Figur nicht nur in optischer und charakterlicher Hinsicht Ellen Ripley nachempfunden, gerade gegen Ende versucht man klassische Momente der von Sigourney Weaver gespielten Ikone auf Daniels anzuwenden. Das ist dann etwas zu durchschaubar und irgendwann verliert man einfach ein Stück weit das Interesse. Dass sich das Finale schon meilenweit für jeden einigermaßen geschulten Zuschauer anbahnt, ist dann noch das i-Tüpfelchen. So bleibt am Ende schließlich ein ganz fader Beigeschmack, denn wirklich viel Neues bietet „Alien: Covenant“ einfach nicht. Angesichts des versammelten Talents vor und hinter der Kamera ist das schon eine Enttäuschung.


Fazit:
„Alien: Covenant“ leidet an seiner durchschaubaren Formelhaftigkeit, seinen zu dünn gezeichneten Figuren und beträchtlichen Logiklöchern, wobei auch Ridley Scotts bestechendes Auge und Händchen für das bildgewaltige Erschaffen majestätischer Welten nur bedingt hinweghilft. Es fehlt hier insgesamt an Dringlichkeit und echter Spannung, einige sehr intensive Momente und ein starker Michael Fassbender heben den Film aber dennoch über den Durchschnitt.
by

Bilder © 20th Century Fox